Post-Tag-Archiv für ‘ Zensur ’

17. April 2011 1

Lass uns mal ne Runde unterdrücken: Die Angst Chinas vor seinen Bürgern

Von Katharina in China

Der Economist legt in seiner aktuellen Ausgabe dar, warum die aktuelle Verhaftungswelle zu einem Zyklus gehört, der 2008 begann. Seitdem werde die politische Freiheit in China immer weiter eingeschränkt. Dafür gebe es drei Gründe:

1) In den letzten Jahren ging das Regime gegen Topanwälte vor. “Als erstes lässt man die Anwälte verschwinden”, sagte auch Lorenz Lorenz-Meyer bei seinem Vortrag “Die Rückkehr des Politischen in China” bei der diesjährigen Re:publica.

2) Der aktuelle Zyklus ist seit dem Jahr 2008 am Laufen – also schon seit drei Jahren. Los ging es im Frühjahr 2008 mit den Unruhen in Tibet, im Sommer folgten die olympischen Spiele in China, bei denen sich das Reich der Mitte im besten Licht darstellen wollte – Kritiker konnte man da nicht brauchen und die Hoffnung, dass sich Olympia positiv für die Demokratiebewegung auswirken könnte, löste sich in Luft auf. Auch das Erdbeben in Sichuan 2008 führte zu Repression, die auch Ai Weiwei spürte, der das Augenmerk besonders auf die Kinder lenkte, die wegen schlecht gebauten Schulgebäuden sterben mussten. Außerdem jährte sich das Massaker am 4. Juni 1989 am Tiananmen-Platz zum 20. Mal. Auch bei der Expo in Shanghai letztes Jahr konnte die kommunistische Partei keine Kritik brauchen.

3) Die Methoden des Staates verschärft: Leute verschwinden einfach – so wie Ai Weiwei und viele andere – und Gewalt ist an der Tagesordnung.

Mittlerweile gibt der chinesische Staat mehr Geld für die innere Sicherheit aus als für das Militär – viel geht dabei in die Überwachung des Internets. Die Great Firewall ist dabei nur die Spitze des Eisberges.

Lorenz Lorenz-Meyer stellte in seinem Vortrag “Die Rückkehr des Politischen in China” die zwei Sichtweisen zum Internet und autokratischen Systemen dar. Die Optimisten glauben, dass Bürgerbewegungen durch das Internet im Allgemeinen und die sozialen Netzwerke im Besonderen profitieren. Die Pessimisten sind der Meinung, dass autokratische Systeme genauso schnell wie die Kritiker lernen die sozialen Netzwerke für ihre Zwecke zu nutzen.

In China passiert beides: In Blogs können Privatpersonen Missstände öffentlich machen. In China muss dabei aber die ausgefeilte Zensur umgangen werden. Praktisch läuft das dann so ab, berichtete Lorenz-Meyer, dass Blogger Accounts bei verschiedenen Plattformen haben und ihre Beiträge überall raufstellen. Denn damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beitrag durch die Zensur kommt. Eine Studie zufolge gebe es nämlich große Unterschiede in der Stärke der Zensur.

Lorenz-Meyer erklärte auch, dass es leichter für Journalisten und Blogger sei, über Probleme zu berichten, die nicht in der eigenen Provinz herrschen. “Dann hat man nämlich nicht mit mit den lokalen Zensurbehörden zu tun”, so Lorenz-Meyer. Die Internetzensur in China hat nämlich zwei Zweige: Zum einen gibt es Zensur auf lokaler Ebene, bei der Behörden dezentral unliebsame Inhalte entfernen. Daneben gibt es aber auch noch Propaganda- und Sicherheitsbehörden, die denselben Job landesweit machen.

Im Grunde zeigt die Entwicklung die Angst der chinesischen Führungsriege vor seinen Bürgern. Während Kritik auf lokaler Ebene zum Teil geduldet wird, wenn es gegen die Zentralregierung geht, versteht die kommunistische Partei keinen Spaß mehr. Gerade auch ein Jahr bevor die Führungsriege der Nation ausgetauscht wird. Dazu kommen wirtschaftliche Entwicklungen  – hohe Inflation, die Gefahr einer Immobilienblase – die den “Faustian Deal” – Wohlstand im Tausch gegen Freiheit – in Gefahr bringen und die Angst vor Unruhen wachsen lassen.

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23. September 2009 0

Don’t Forget Zensursula

Von katha in Politisches

Überwachung, Vorratsdatenspeicherung und Zensur im Internet? War da was? Im Wahlkampf spielen diese Themen ein paar Tage vor der Entscheidung keine Rolle (zumindest bei den beiden großen Parteien). Kein Wunder, haben die beiden Kontrahenten doch gemeinsam in der großen Koalition die Gesetze von Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble durchgebracht – gegen Widerstände der Opposition (who cares) und 130 000 Bürgern, die eine E-Petition unterschrieben haben. Erst im September demonstrierten 25 000 Menschen in Berlin gegen eine Internetgesetzgebung, die Bürgerrechte verwässert.

Wie und warum Frau von der Leyen zu ihrem Spitznamen gekommen ist, zeigt das Video von Karpfenschleuder.

(via)

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15. September 2008 0

Schwierigekeiten fuer Journalisten in CHina

Von katha in China, Medien

China hat tolle Seiten: Es ist außerordentlich gastfreundlich, in einem Maße, das in Deutschland undenkbar ist; die Menschen sind freundlich und lustig.

China ist toll, solange man keine Fragen stellt. Das hat auch der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in China erfahren, als er im rahmen der Paralympics für einen Artikel über Behinderte in China recherchierte. Bei zu großer Neugierde und falschen Fragen (außer chinesischer Sicht natürlich) versteht der Staat keinen Spaß.

So wurde aus der Reportage über Behinderte Geschichte über die Schwierigkeiten in China als Journalist zu arbeiten

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15. April 2008 0

Hey, hey Wiki

Von katha in China, Medien

Internet in China ist ja so eine Sache. Während es unglaublich viele, im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Straßenecke, Internetcafes gibt, in denen Jugendliche mit sehr schnellen Verbindungen zocken, kann man sich als Privatperson nur einen Modemanschluss besorgen (Möglicherweise ist das nicht richtig. Allerdings ist das meine Erfahrung). Ganz zu schweigen von den tausenden professionellen Zensoren der Regierung.

Auf Flickr werden 80 Prozent der Fotos nicht angezeigt, YouTube funktionierte während der Ausschreitungen in Tibet nicht und Blogs die auf wordpress.com oder blogspot.com gehostet sind, können nicht aufgerufen werden. Wikipedia musste ich über anonymouse.org ansurfen – bisher. Denn, oh Wunder, aus irgendeinem Grund wird es nicht mehr geblockt. (Die wohl erste positive Erfahrung mit dem chinesischen Regime).

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13. April 2008 3

Die chinesische Sicht der Dinge

Von katha in China, Medien, Politisches

Olympia und China – ein heißes Thema, das in deutschen Medien und in vielen Blogs in den letzten Wochen vermehrt eine große Rolle spielt. Vor allem nach den Ausschreitungen in Tibet stellen sich die westlichen Medien die Frage, ob die Vergabe an Beijing wirklich die richtige Entscheidung war.

In China ist Olympia das alles beherrschende Thema. Im ganzen Land sind die Spiele präsent, ob auf Chipspackungen und Milchtüten, in Zeitungen und Fernsehen. Der chinesische Seelenfrieden hängt offensichtlich vom Gelingen der olympischen Spiele ab.

Durch meinen Aufenthalt in Jinghong im Süden meiner “Heimatprovinz” Yunnan hatte ich im Hotel die Möglichkeit den englischsprachigen Staatssender “CCTV International” zu sehen. Natürlich ist auch da Olympia das Thema Nummer 1, dicht gefolgt von den Unruhen in Tibet.

Die Reise von Athen nach Beijing der olympischen Fackel ist jeden Tag der Aufmacher der Nachrichtensendungen. Die jeweiligen Städte werden vorgestellt und möglichst lange jubelnde im Ausland lebende Chinesen gezeigt, die fähnchenschwingend am Straßenrand sehen. Nur manchmal, wohl aus Versehen, taucht die tibetische Fahne im Hintergrund auf. Pariser oder andere Bewohner der Route dürfen dazwischen mitteilen wie toll sie doch alles finden und wie wunderbar China im Allgemeinen ist. Unruhen wie in Paris werden nebenbei erwähnt, wie groß die Anzahl der Unruhestifter ist, bleibt unbekannt. Sie werden grundsätzlich als “Tibetians and their supporters” bezeichnet. Wertvollster Unterstützer ist IOC-Präsident Jaques Rogge, der jede Sendung mindestens einmal zitiert wird.

Noch interessanter ist der Umgang mit den Unruhen in Tibet. Für chinesische Zuschauer fanden diese nur in Lhasa statt, dass sie sogar bis in die Provinz Sichuan übergriffen, bleibt ihnen unbekannt. Stimmung in der chinesischen Bevölkerung wird gemacht, indem Mönche gezeigt werden, die unschuldige Han-Chinesen mit Steinen verprügeln oder Geschäfte anzünden. Auch die einzelnen Schicksale von Chinesen werden gezeigt: Ein blutüberströmter Polizist, der sein Augenlicht verloren hat, ein Vater, der seine 18-jährige Tochter verloren hat, zeigt unter Tränen die letzte SMS seiner Tochter, bevor sie verbrannte. Von chinesischer Polizei oder Militär ist nichts zu sehen.

Beliebt sind auch Reportagen über Tibeter, die die chinesische Regierung loben und aufzeigen wie sehr sich ihr Leben verbessert hat.

Die Reaktionen der westlichen Medien werden verteufelt und so oft wie möglich gesagt, dass sich 130 Länder der UNO – anscheinend ohne jegliche Einschränkung – hinter die chinesische Regierung gestellt haben. Natürlich, dass Tibet zu China gehört ist common sense, dessen Vorgehensweise jedoch keineswegs.

Außerdem vernachlässigen die Moderator nicht zu betonen, dass erst mit der Besetzung Chinas demokratische Strukturen und Menschenrechte nach Tibet gekommen sind. Ich kenne mich mit der Vorgeschichte Tibets nicht aus, trotzdem kann darauf nur kollektives Kopfschütteln folgen.

Es ist das erstemal, dass ich eine solche Nachrichtenmanipulation Manipulation der Bevölkerung von chinesischer Seite miterlebe. Nicht, weil es sie sonst nicht gibt – im Gegenteil. Doch ich lebe in einer kleinen Stadt an der Grenze zu Burma, wo “CTV International” nicht empfangen werden kann. Zeitungen kann ich nicht lesen. Ich bin froh darüber.

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