Sitze ich in einem beliebigen Café und beobachte dabei speziell die Mädchen kann man oft folgende Kombination beobachten: Hautenge Jeans, Chucks, Kreolen und ein Palästinensertuch. Ich bezweifle sehr, dass sie die politische Bedeutung des Tuches für den palästinensischen Freiheitskampf kennen. Ich bezweifle sehr, dass sie mit ihren Chucks ihre politisch linke Grundeinstellung ausdrücken wollen.
Was sind die Folgen? Birgt diese Entwicklung hin zum modischen Stück eine Chance um die Ziele breitenwirksam zu artikulieren? Oder werden die Symbole völlig entpolitisiert und verlieren über kurz oder lang ihre politische Bedeutung?
Bei meinen Ausflügen in die tiefsten Tiefen des schlechten Fernsehens hab ich mir bereits angewöhnt, mich von keiner Geschmacklosigkeit mehr überraschen zu lassen. Bei Big Brother werden Persönlichkeitsrechte freiwillig abgegeben, ohne Widerstand dämliche und teilweise auch demütigende Dinge zu tun. Doch gestern wurden die Grenzen des guten Geschmacks eindeutig überschritten.
Montag ist die wöchentliche Abendshow und um der Sendung wenigstens etwas Pepp zu geben, war alles im Zeichen von Ritterspielen: Kostüme für die Bewohner, etwas reiten und Fanfaren. So schön, so gewohnt langweilig.
Die Zuschauer nominierten und die Bewohner mussten entscheiden, wer den Container verlassen muss. Passend zum Themenabend Mittelalter mussten die Bewohner, in Leinensäcke gekleidet, knien und gegen einen Mitbewohner entscheiden. Kaum entschieden wird eine Puppe, auf dessen Gesicht ein Foto des Ausgetoßenen gepinnt ist, zu einem Holzblock gezerrt und der Kopf von einem furchterregenden Kerl mit einem Hackbeil abgeschlagen. Die Köpfe rollten.
Natürlich ist mir klar, dass in jeder Nachrichtensendung brutalere Bilder aus Palästina oder dem Irak. Dennoch geht diese martialische Inszenierung zu weit. Ein paar Bewohnern stand die Betroffenheit im Gesicht, doch der Große Bruder hat indoktriniert, keine Widerworte zu geben, denn sonst werden die Zigarettenrationen gekürzt.
Ich habe Leichen im Keller. Und fast jeden Tag kommt eine neue hinzu. Ich spreche von Big Brother. Ja genau, von dem Fernsehformat, das vor fünf Jahren total angesagt hat und im Jahr 2007 keine nasse Socke mehr hinter dem Sofa mehr hervorlockt. Außer mich. Fast jeden Tag gebe ich mich den aufregenden Erlebnissen von Leon, Knubbel und Co. hin, die in einem häßlichen Container bei Köln eingesperrt sind. Ich beobachte ihre sinnlosen Streitereien um Zigaretten und den Abwasch, schüttle den Kopf bei Eddy egoistischen Verhalten und freue mich über das Liebesglück von Sonja und Basti.
Ich gebe es ja zu, es ist einfach stinklangweilig. Es passiert nichts. Die Bewohner (Expertenjargon) liegen den ganzen langen Tag im Garten (schönes Wetter) oder auf der Couch (schlechtes Wetter). Wie auch bei einer guten Soap kann man ruhig ein paar Wochen pausieren, problemlos können die neuen Folgen ohne Verständnisschwierigkeiten verfolgt werden. Eddy und Kathrin fetzen sich im März um das Gleiche wie im Mai.
Interessiere ich mich deshalb auch für Blogs? Bin ich Wahrheit nur ein elender Spanner?
Gestern war Christiane F. zum Thema “Jedem seine Droge: Sind wir eine gedopte Gesellschaft?” zu Gast bei Sandra Maischberger. Ich zappte kurz vorbei und ich muss sagen: Christiane F. wirkte verwirrt.
Tangierte mit ihren Antworten die Fragen grundsätzlich nur peripher. Beweis: hier