Paul Merton in China
Veröffentlicht am | 23. 02. 2010 | Noch kein Kommentar
Der britische Komiker Paul Merton reist nach China und macht daraus eine Fernsehsendung. Zuerst hab ich sie synchronisiert auf Arte gesehen – einfach grauenhaft. Aber im Original ist es ganz witzig, wobei ich bezweifle, dass sein schwarzer und ironischer Humor immer auch als solcher aufgenommen wurde. (Also zumindest bei mir haben ironische Kommentare kaum funktioniert…).
Auch wenn alles irgendwie spontan wirken soll, ist es klar, dass vieles konstruiert ist. Aber egal, denn es ist unterhaltsam und er trifft interessante Menschen. Rapper, deren Songs von der wunderbaren Esskultur in China handeln, denn alles was gegen das System geht ist verboten, was sie so auch einsehen und akzeptieren. Er trifft einen jungen Mann, der Roboter baut, ein wahrer Exzentriker. Seine Frau nutzt die Gunst der Stunde, in der ein Fernsehteam anwesend ist und schimpft über ihren Mann, der nur Roboter und Maschinen im Kopf hat – köstlich! Meine Lieblingsszene ist gleich ganz am Anfang: Ein Taxifahrer mit null Plan und ein Fahrgast ohne Chinesischkenntnisse.
Auch wenn es in den ersten Minuten gleich so wirkt: Nein, es ist nicht alltäglich, dass Chinesen in Restaurants gehen, in denen es nur verschiedenste Arten von Penissen gibt. Wobei ich vor einiger Zeit von einer Restaurantkette gelesen habe, die sich genau darauf spezialisiert hat und jetzt sogar nach Amerika expandiert.
Zu empfehlen ist auch Teil 3 dieser Videos: Merton unterrichtet Englisch oder versucht es wenigstens und weiß genau, dass ihn niemand versteht. Sehr realitätsnah…
Insgesamt gibt es vier Folgen von “Paul Merton in China”. Im folgenden die Erste davon.
Trash TV
Veröffentlicht am | 23. 12. 2009 | Noch kein Kommentar
Es gibt kaum Unterhaltsameres als einen gut geschriebenen und nachvollziehbaren Verriss. Bestes Beispiel: Michael Bitalas Artikel “Ohne Sinn und Verstand” (warum hat der Text online eine andere Überschrift als in der Printausgabe?) über Herz-Schmerz-Filme der ARD, die in Afrika platziert werden und vorwiegend mit Christine Neubauer besetzt sind. Stereotypen werden in diesen Filmen auf dem Silbertablett präsentiert, der intellektuelle Anspruch an den Zuschauer minimal. Also, here we go:
Wenn nun an diesem Dienstag Christine Neubauer erneut für die ARD in Namibia aufschlägt, um gleich mal den ganzen Kontinent in Beschlag zu nehmen (der Film heißt Meine Heimat Afrika), dann muss man das Offensichtliche gar nicht mehr kritisieren.
(…)
Nein, es geht nicht darum, dass Afrika als Projektionsfläche für Sehnsüchte hergenommen wird, dagegen ist nichts zu sagen, die ganze Tourismusindustrie des Kontinents lebt davon. Und keiner erwartet auch im Unterhaltungsprogramm ein Dokudrama über den Genozid in Ruanda oder über den ewigen Krieg im Ostkongo. Wer so gegen Afrika-Unterhaltungsfilme argumentiert, versteht das Fernsehgeschäft nicht.
Es geht um etwas anderes. Es geht darum, wie schlecht diese und viele andere Degeto-Produktionen sind. Würde man das Niveau als unterirdisch bezeichnen, wäre das zu hoch gegriffen.
Wie die bayerische Mama Afrika stapft sie mit einem Ureinwohner, der perfekt Deutsch spricht, über die Dünen, und nachdem sie immer wieder voller Freude festgestellt hat, dass Afrika in ihr Kräfte freilegt, die sie in Deutschland nicht verspürte – aus welchen Gründen auch immer -, sieht man sie schon breitbeinig auf dem Dünenkamm stehen und “Ich bin Mutter Erde” in die leere Namib-Wüste schreien. Das, zum Glück, haben sich die Drehbuchautoren verkniffen. Dafür wird ihr dann das Gesicht von echten Afrikanern bunt bemalt, und sie darf an einer traditionellen Zeremonie teilnehmen, bei der ebenfalls perfekt Deutsch gesprochen wird. Da fehlt dann nur noch das Baströckchen.
(…) am Ende von “Meine Heimat Afrika” weiß man nicht, worüber man mehr unglücklich sein sollte. Darüber, dass man für dieses sinn- und verstandfreie Werk mit seinen GEZ-Gebühren beigetragen hat, oder darüber, dass man 90 Minuten Lebenszeit vergeudet hat.
Wenn der Film nicht schon gestern gelaufen wäre – ich glaub, ich hätte ihn mir angesehen. Denn der Artikel macht Lust auf Trash-TV.
Oh Schreck! Wetten, dass…?
Veröffentlicht am | 09. 11. 2008 | 4 Kommentare
Gestern abend zappte ich aus Versehen auf das ZDF. "Wetten, dass…?" lief und ich erschrak. Vor 10 Jahren war die Sendung das Größte für mich. Jeder Samstag, bei dem mir mein Papa erlaubte, die Sendung ganz – mit allen Überlängen – zu sehen, war ein guter Tag. Denn oft musste ich bereits nach den Wetten ins Bett: Wer zum Wettkönig gewählt wurde, wusste ich erst am nächsten Morgen. Beim Frühstück unterrichteten meine Eltern mich und meinen Bruder über den restlichen Verlauf: Wer gewann die Saalwette? Wer trat noch auf? Wie lange hat Gottschalk mal wieder überzogen?
Menschen die Wärmflaschen aufgeblasen haben oder weltbekannte Stars, die es sich auf dem Sofa bei Thomas bequem gemacht haben. Danach Simultanübersetzung, die immer eine kurze Verzögerung bei den Antworten von Madonna oder Elton John mit sich zog – auch das ist typisch "Wetten, dass…?".
Doch gestern war alles anders. Es war erscheckend. Es hätte auch eine zehn Jahre alte Sendung laufen können. "Wetten, dass…?" hat keine Entwicklung durchlaufen. Sie wirkte auf mich wie eine Sendung aus den 70er Jahren, die man in den letzten Jahren in diversen Rückblicksformaten zu sehen bekam.
Nur kurz sah ich "Wetten dass…?". Gottschalk stellte in dieser Viertelstunde komische Fragen, wies Jamie Oliver mindestens zweimal auf die widerliche Küche in England hin, nannte ihn später "Jeremy". Pink, wahrlich ein internationaler Superstar, ließ er links liegen. Die Unterhaltung war alles als locker. Alicia Keys durfte davor noch kurz die Flirtversuche von Gottschalk an sich abprallen lassen. In englischer Sprache machte er seine sogenannten Altherrenwitzchen.
Und wieso spricht Gottschalk so schlecht Englisch? Ich dachte, er lebt seit Jahren in den Vereinigten Staaten? Oder ist es Ironie? Will er uns Deutschen mit unserem akzentgefärbten Englisch den Spiegel vorhalten? Hat er diese Taktik mit Marcel Reich-Ranicki ausgeheckt?
Brander Kasper und das ewige Leben
Veröffentlicht am | 01. 11. 2008 | 1 Kommentar
Heute ist Allerheiligen. Dazu gehören in meiner Familie seit Jahrzehnten zwei Dinge: Der Gräbergang am Nachmittag und abends "Der Brandner Kasper". Seit 30 Jahren strahlt das Bayerische Fernsehen jedes Jahr das Volkstheatherstück aus dem Jahr 1975 aus. Jedes Jahr wieder erfreue ich mich an der Geschichte vom Kasper, der den Boandlkramer aka Tod beim Kartenspiel und unter dem Einfluss von einer erheblichen Menge an Kerschgeist um das ewige Leben bescheisst.
Der Brander Kasper ist ein bayerische Haudegen, anarchistisch, stur und ständig mit der Obrigkeit im Clinch. Er ist Wilderer, der so sich und seine Enkelin Nannerl über die Runden bringt. Doch er ist nicht mehr der Jüngste, der Tod naht. Eines Tages ist es dann soweit. Der Brandner hört die Totenglocken und plötzlich steht der Boandlkramer in seiner Hütte. Mit List und Schnaps kann er sich weitere Jahre Leben erschwindeln. Das Wissen um seine Unsterblichkeit lässt ihn aufleben: Nichts ist ihm zu gefährlich, für nichts ist er zu alt, auch die Liebe kommt wieder.
Doch natürlich kann es nicht so weitergehen, das Schicksal schlägt zu. Bei der Verfolgung von Wilderern wird seine Enkelin Nannerl erschossen. Das Leben ist nun für Kasp
er nur mehr eine große Qual. Wie recht es ihm nun kommt, dass im Himmel der Betrug offenbar wird. Denn die Buchhaltung ist falsch, dem Boandlkramer aufgetragen, den Brandner sofort zu holen, um seine Verfehlung gut zu machen. Das Ende vom Lied: Der Brandner Kasper und seine Familie lebt glücklich und zufrieden im Himmel der Bayern das ewige Leben.
Meine Lieblingsszenen sind im Himmel, dem bayerischen Himmel wohlgemerkt. Dort wird mit Klischees nur so um sich geworfen: Weißbier und -würste, Blasmusik und Schafkopfen und die Ablehnung gegen die Preussen (Denn es ist doch klar, dass das Paradies kein solches ist, wenn dort auch Preussen ihr ewiges Leben verbringen würden). Alles was richtige Bayern ausmacht wird dort praktiziert. Dazu kommt das barocke Interieur, Engel mit Pausbäckchen und blonden Locken: genauso wie ich mir als Kind den Himmel vorgestellt habe.
Die Geschichte finde ich brilliant. Natürlich habe ich, als eingefleischter Brandner-Fan, die Neuverfilmung von Joseph Vilsmaier gesehen. Doch kann Vilsmaier sie im Film richtig umsetzen? Die eineinhalb Stunden im Kino waren kurzweilig, unterhaltsam und lustig. Doch es fehlt ihm an Charme, den der Film aus dem Jahr 1975 hat: gemalte Landschaften und in Zeiten von special effects die wunderbar obsolete Szene, bei der Brandner und der Boandlkramer auf eine Kutsche in den Himmel fahren (und man die Seile, an denen sie hängen, sehen kann). Das alles im wunderbaren Stil des bayerischen Volkstheaters.
Im Film von Vilsmaier nimmt der Kitsch zuweilen Überhand und es gibt unnötige Längen, denn die ursprünglich recht kurze Erzählung von Franz von Kobell musste auf 100 Minuten Kinolänge getrimmt werden (die Originalfassung bei Projekt Gutenberg). Dazu kommt Bully Herbig als Boandlkramer. Die Figur des Todes ist durchaus komisch und nicht wirklich ernst zu nehmen, doch mit Bully als Schauspieler wird er lächerlich. Ich jedenfalls konnte ihn nicht von seinen albernen Figuren aus diversen Filmen trennen und sah ständig Abahachi aus "Der Schuh des Manitu" vor mir.
Der Brandner Kasper ist all seinen Versionen ein Stück bayerische Gemütlichkeit. Lustige Unterhaltung mit ernsten Zwischentönen. In naher Zukunft will ich mir deshalb im Münchner Volkstheater die Version von Christian Stückl ansehen.
Absolut genial
Veröffentlicht am | 09. 08. 2008 | 1 Kommentar
Eben bei “Genial daneben”
Hugo Egon Balder: “Was ist ein Absolutglied?”
Barbara Schöneberger: “Wenn es in Wodka getunkt wurde.”
Hugo Egon Balder: “Warum sollte man das tun?”
Barbara Schöneberger: “Weil es besser schmeckt. Und weil es desinfiziert.”
Hella von Sinnen: “Daran könnte ich mich auch noch gewöhnen.”
Bob Ross is Painting Bavaria
Veröffentlicht am | 16. 05. 2008 | Noch kein Kommentar
Wer kennt das nicht? Es ist drei Uhr nachts oder später. Ich komme von einer Party oder einfach einem sinnlosen Besäufnis nach Hause, ich ist aufgedreht und (möglicherweise) berauscht. Ans sofortige Einschlafen ist nicht zu denken. Gott sei Dank gibt es dafür BR Alpha und Bob Ross. Der Maler macht aus ein paar Klecksen hier und ein paar Strichen da tolle Landschaftbilder. Ich werde ruhiger und zwischen einem “A little bit black” und “A little bit green” schlafe ich ein.
Die Sendung des Malers mit der Afrofrisur genießt Kultstatus, zumindest in meinem Freundeskreis. Klar, dass da Parodien nahe liegen.
Also hier: Bob Ross is painting Bavaria, wo sogar unser Altministerpräsident einen kleinen Auftritt hat.
Wirklich klasse das Malen der politischen Situation:
The political situation in Bavaria is very easy to paint.First of all, you need a lot of black.
Und wodurch noch?
Veröffentlicht am | 18. 04. 2008 | Noch kein Kommentar
Michaela Schaffrath hat eine eigene TV-Sendung. Auf COMEDY CENTRAL präsentiert sie die Show „Der Comedy
Sketch Mix“. Schaffrath ist auch durch ihre Teilnahme beim Dschungelcamp bekannt.
Ja genau. Dadurch ist sie auch bekannt.
(Aus der aktuellen Ausgabe des Medienmagazins visdp. Markierung von mir.)
Die chinesische Sicht der Dinge
Veröffentlicht am | 13. 04. 2008 | 3 Kommentare
Olympia und China – ein heißes Thema, das in deutschen Medien und in vielen Blogs in den letzten Wochen vermehrt eine große Rolle spielt. Vor allem nach den Ausschreitungen in Tibet stellen sich die westlichen Medien die Frage, ob die Vergabe an Beijing wirklich die richtige Entscheidung war.
In China ist Olympia das alles beherrschende Thema. Im ganzen Land sind die Spiele präsent, ob auf Chipspackungen und Milchtüten, in Zeitungen und Fernsehen. Der chinesische Seelenfrieden hängt offensichtlich vom Gelingen der olympischen Spiele ab.
Durch meinen Aufenthalt in Jinghong im Süden meiner “Heimatprovinz” Yunnan hatte ich im Hotel die Möglichkeit den englischsprachigen Staatssender “CCTV International” zu sehen. Natürlich ist auch da Olympia das Thema Nummer 1, dicht gefolgt von den Unruhen in Tibet.
Die Reise von Athen nach Beijing der olympischen Fackel ist jeden Tag der Aufmacher der Nachrichtensendungen. Die jeweiligen Städte werden vorgestellt und möglichst lange jubelnde im Ausland lebende Chinesen gezeigt, die fähnchenschwingend am Straßenrand sehen. Nur manchmal, wohl aus Versehen, taucht die tibetische Fahne im Hintergrund auf. Pariser oder andere Bewohner der Route dürfen dazwischen mitteilen wie toll sie doch alles finden und wie wunderbar China im Allgemeinen ist. Unruhen wie in Paris werden nebenbei erwähnt, wie groß die Anzahl der Unruhestifter ist, bleibt unbekannt. Sie werden grundsätzlich als “Tibetians and their supporters” bezeichnet. Wertvollster Unterstützer ist IOC-Präsident Jaques Rogge, der jede Sendung mindestens einmal zitiert wird.
Noch interessanter ist der Umgang mit den Unruhen in Tibet. Für chinesische Zuschauer fanden diese nur in Lhasa statt, dass sie sogar bis in die Provinz Sichuan übergriffen, bleibt ihnen unbekannt. Stimmung in der chinesischen Bevölkerung wird gemacht, indem Mönche gezeigt werden, die unschuldige Han-Chinesen mit Steinen verprügeln oder Geschäfte anzünden. Auch die einzelnen Schicksale von Chinesen werden gezeigt: Ein blutüberströmter Polizist, der sein Augenlicht verloren hat, ein Vater, der seine 18-jährige Tochter verloren hat, zeigt unter Tränen die letzte SMS seiner Tochter, bevor sie verbrannte. Von chinesischer Polizei oder Militär ist nichts zu sehen.
Beliebt sind auch Reportagen über Tibeter, die die chinesische Regierung loben und aufzeigen wie sehr sich ihr Leben verbessert hat.
Die Reaktionen der westlichen Medien werden verteufelt und so oft wie möglich gesagt, dass sich 130 Länder der UNO – anscheinend ohne jegliche Einschränkung – hinter die chinesische Regierung gestellt haben. Natürlich, dass Tibet zu China gehört ist common sense, dessen Vorgehensweise jedoch keineswegs.
Außerdem vernachlässigen die Moderator nicht zu betonen, dass erst mit der Besetzung Chinas demokratische Strukturen und Menschenrechte nach Tibet gekommen sind. Ich kenne mich mit der Vorgeschichte Tibets nicht aus, trotzdem kann darauf nur kollektives Kopfschütteln folgen.
Es ist das erstemal, dass ich eine solche Nachrichtenmanipulation Manipulation der Bevölkerung von chinesischer Seite miterlebe. Nicht, weil es sie sonst nicht gibt – im Gegenteil. Doch ich lebe in einer kleinen Stadt an der Grenze zu Burma, wo “CTV International” nicht empfangen werden kann. Zeitungen kann ich nicht lesen. Ich bin froh darüber.
