Post-Tag-Archiv für ‘ Terrorismus ’

1. August 2011 0

Whole!?

Von Katharina in Politisches, Tagtäglich

Holismus ist die Ganzheitslehre. „Die Welt mehr als die Summe seiner Teile“, sagte Aristoteles.

Die dazugehörige These besagt, dass es ganz egal ist, wieviele Daten man sammelt: Es wird immer mehrere Theorien geben, die sie gleich gut erklären können. Die Fachleute sagen dazu, dass die Daten unterdeteminiert sind. Gesellschaftliche Entwicklungen könnten so zum Beispiel nicht auf individuelles Handeln zurückgeführt werden.

Holismus bei Wikipedia

Ein paar Links zu dem Attentaten in Norwegen:

Wahn und Sinn: Anders Breivig ist in den Augen des Journalisten Nils Minkmar nicht geisteskrank, denn er wusste genau, was er tat und tun wollte: Sozialdemokraten töten.

Wahnsinn ist, wie der Verrat, eine Frage des Datums. Ein Einzelkämpfer, der eine Bombe bastelt, zündet und noch am selben Tag einen Massenmord an Sozialdemokraten begeht, hätte mit Geldprämien, höchsten Ehren und einem Sektempfang in Berlin rechnen können – gerade mal ein Menschenleben ist das her. Waren die Angehörigen der Einsatzgruppen und der SS alle geisteskrank, die Operation Barbarossa ein kollektiver Amoklauf? Die Kategorien der forensischen Psychiatrie helfen nicht weiter: Dies ist eine Tat, die wir im Lichte der Geschichte des 20. Jahrhunderts betrachten müssen, denn wir kennen Breivik schon lange. Wir hatten ihn bloß vergessen.

Anders Breivik wusste genau, was er tat. Wir sind es, die nichts wussten, die vergessen haben: was politischer Terror von rechts ist, wie so was aussieht, wie die vorgehen. (…) Anders Breivik hat mit seinem politischen Attentat unser Gedächtnis aufgefrischt. Er ist der erste Open-source-Naziterrorist 2.0, und er wird keineswegs der letzte sein.

Das bedeutet nicht, den nächsten Anschlag passiv abzuwarten, es ruft dazu auf, die Debatten nicht kosmisch werden zu lassen. Die Fragen von Immigration und vom Kampf der Kulturen konkret zu halten, faktenbasiert und im Dialog mit den anderen. Rasse, Religion und Kultur nicht als Synonyme zu verwenden, sondern zu differenzieren, über einzelne Schritte und sachliche Fragen zu reden und keine Panik zu machen.

Gutmenschen: Respekt, Freiheit, Gleichberechtigung – dieses verdammte Gutmenschentum immer. Das wär ja noch das Höchste Schönste. Aber utopisch. Michalis Pantelouris schreibt: 

Dass das Gegenteil des Vorwurfs richtig ist, dass nämlich eine Gesellschaft, die auf der permanenten Abwehr des Schlechten basiert nicht funktioniert, hat in letzter Zeit wohl niemand besser in Worte gefasst als Norwegens Premierminister Jens Stoltenberg.

Der einzelnste Einzeltäter aller Zeiten: “Die Argumente des Mörders sind schon richtig. Aber das dem Moden hätte halt nicht sein sollen”. Robert Misik zerlegt die Argumentation von rechtsextremen Sympathisanten, speziell auch in Österreich, aber auch ganz allgemein. Leider kann ich das Video nicht einbinden. (Die Musik zu Beginn ist nervig.)

Den Bechdel-Test besteht dieser Eintrag nicht.

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23. Juli 2011 4

Unser Star für Oslo

Von Katharina in Politisches

Die Attentate in Oslo und auf der Insel war das erste Ereignis, bei dem Twitter meine erste Anlaufstelle war. So war ich scheinbar in Echtzeit an den Geschehnissen und der Aufklärung dabei, zumindest passiv. Aktiv bei der Verbreitung von Informationen dabei war und ist noch immer @hakantee. Von ihm kam der erste Tweet den ich las, dass es offenbar eine Explosion in der Osloer Innenstadt gab. Den ganzen Tag verteilte er Links. Es verfestigte sich der Verdacht auf eine Bombe. Augenzeugen, Zeitungen und norwegische Behörden meldeten sich zu Wort. Bis zum späten Nachmittag am Freitag stand fest, dass zwei Bomben explodiert sind, das Gebäude, in der die Regierung arbeitet und auch der Premierminister sein Büro hat, angegriffen wurde. Von Opfern hörte ich aber nur wenig.

Die Frage nach dem “Warum?” taucht natürlich sofort auf. Was soll das? Klar, islamistische Terroristen! Schließlich ist Norwegen im Libyenkrieg involviert, Gaddafi soll ja letztens auch den Europäern gedroht haben und überhaupt wären für so Terroristen im Nahen und Mittleren Osten die ganzen nordischen Länder sowieso eins. Da kann’s dann wegen Karikaturen in einer dänischen Zeitung vor zwei, drei Jahren dann auch schon mal leicht auch im Nachbarland knallen. Was ja einfach ein sehr dummes Argument ist. Schließlich ist Al-Kaida mit seiner internationalen Struktur und weltumspannenden Netzwerk ein Paradebeispiel für “eine globale Wertzerstörungskette”, wie der “New York Times”- Kolumnist Thomas Friedman schreibt.

Zurück nach Nordeuropa. Plötzlich in der Timeline: Schießerei in einem Jugendlager. Keine weiteren Infos. 20 tote Jugendliche. Hat das was mit den Explosionen in Oslo zu tun? Wär ja schon ein krasser Zufall, wenn nicht, oder? Was genaues weiß man nicht. Von norwegischer Regierungsseite kam lange nichts. In den Medien tauchen die Köpfe der Terrorexperten auf, von denen seit dem 11. September jede Redaktion einen in der Telefonliste hat.

Über Nacht hatte sich dann viel getan: Die Polizei hat einen Tatverdächtigen festgenommen. Ein norwegischer Mann, der sich dem christlich-rechten Extremismus zurechnen lässt. Antislamisch, antifeministisch, antisozial, soweit man das schon beurteilen kann. Ein Irrer jedenfalls, der über 80 Kinder und Jugendliche in einem Sommerlager ermordete. Er hatte sich mit einer Polizeiuniform Zugang beschafft. Überlebende berichten aber auch von einem zweiten Schützen, nach dem die Ermittler am Sonntagnachmittag fahndeten. Anders Behring B. hält sich an die Regeln der Internetgesellschaft und hat noch vor ein paar Tagen eine Facebook-Seite angelegt, Freunde hatte er keine. Im Gegensatz zu den Attentätern in den letzten Jahren, egal ob Islamisten oder Amokläufer, hat sich B. aber nicht selbst das Leben genommen.

Der Politologe David C. Rapoport, der schreibt, dass Terrorismus in Wellen existiert, die über die Gesellschaften hinwegrollen. 15 bis 30 Jahre dauerten in der Vergangenheit diese Aufbäumungen , die alle gleich verlaufen: Erst der Aufbau, dann die Reifung und zuletzt die Zerschlagung.Vier solcher Wellen hat der Rapoport ab dem späten 19. Jahrhundert ausgemacht: Die anarchistische Bewegung, danach die nationalistische (der Mord an dem österreichischen Thronfolger Ferdinand, der zum Auslöser des 1. Weltkrieges wurde), die Linksradikalen (RAF) und im neuen Jahrtausend Islamisten, die sich aber schon in der Zerschlagungsphase befänden. Kommt jetzt die neue Generation? Terror von rechts?

ScreenClip

Und dann ist auch noch Amy Winehouse gestorben. Wie es sich für ein Kaliber wie sie gehört, mit 27.

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8. Mai 2011 0

Lesenswertes: Berlin und Angst

Von Katharina in Lesenswertes

Berlin oder: Wie viel Hippness verträgt eine Stadt? Immer wieder begneten mir während der letzten zwei Monate in Berlin Beschwerden über Touristen. Erstaunt und erbost gleichzeitig berichteten Berliner über die Gentrifizierung ehemals heruntergekommener Stadtteile wie dem Prenzlauer Berg (aber das brauche ich euch Internetmenschen, deren Mekka das ja ist, nicht zu erzählen). Caro schreibt über die Entwicklung als Touristikstudentin von einem professionellem Blickpunkt aus.

Angstallergie - Als der Stab um den US-Präsidenten Barack Obama live die Eroberung von Osama bin Laden verfolgte, unterschied sich die einzige Frau am Tisch, Außenministerin Hillary Clinton, klar von den Männern: Sie hatte die Hand vor dem Mund, offensichtlich aus Erschrecken, Angst oder Anteilnahme. Egal, jedenfalls ist es eine klare Gefühlsregung. Clinton selbst verwies auf Heuschnupfen. Miriam Meckel beschreibt, warum es nicht schlimm ist, wenn Politiker Gefühle zeigen, die Öffentlichkeit und Politiker aber von einer Angstallergie beherrscht werden.

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11. Oktober 2008 2

Baader-Meinhof-Komplex

Von katha in Medien, Tagtäglich

Baader, Meinhof, RAF – in den letzten Wochen wiederholen sich zum Teil wieder die Diskussionen rund um Terrorismus in Deutschland. Der "Baader-Meinhof-Komplex" ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Spielfilm. Die Betonung liegt auf "Spiel". Überall betonte Produzent Eichinger zwar, dass der Film auf Fakten beruht, auf dem Buch von Stefan Aust. Ich bezweifle nicht, dass jede Patrone an der richtigen Stelle einschlägt und jede Haarsträne perfekt frisiert ist. Der Film lässt mich als Jahrgang 1988 wunderbar in die Mode und Lebenswelten der 60er und 70er Jahre eintauchen. Vor allem der Beginn mit der Demonstration gegen den Besuch des persischen Schahs und die Rede von Rudi Dutschke an der Berliner Universität sind eindrucksvoll. Die Stimmung der Studenten und ihre Motivation zur Revolte sind klar nachzuvollziehen.

Alle Fakten werden beachtet, die Anschläge nachgezeichnet, die Initiatoren  Baader, Meinhof und Ensslin vorgestellt. Die Anschläge detailgenau nachgezeichnet, Baader als Macho, Meinhof als die stille Denkerin und Ensslin als kaltblütige Möderin stilisert (obwohl kaltblütige Mörder natürlich alle waren).

Ich war mit meiner kleinen Schwester im Kino. Ich hätte nicht gewollt, dass sie sich den Film ohne Vorkenntnisse ansieht. Denn die Motive, warum sich diese kleine Gruppe von Menschen so radikalisierte und vor Gewalt nicht zurückschreckte, wird zu sehr übergangen. Bei Ulrike Meinhof gar konnte man gar das Gefühl haben, sie habe die ganze Sache (ein bisschen Schießen und Abenteuer) nur aus Langeweile und Unzufriedenheit in ihrer Ehe begonnen. 

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