Post-Tag-Archiv für ‘ Russland ’

10. Juli 2011 0

Lesenswertes: Die sowjetische Revolution von 1991

Von Katharina in Lesenswertes

Everything You Think You Know About the Collapse of the Soviet Union Is Wrong – Das Ende der Sowjetunion im Sommer 1991 kam überraschend, auch trotz der Unruhen in Polen, der Wiedervereinigung und generell dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa. Wirtschaftlich war nichts außergewöhnlich (schlecht), auch demografisch nicht und Dissidenten waren entweder tot, in Lagern oder im Exil. Das Magazin Foreign Policy zeigt, dass entscheidend für die Revolution von 1991 die Ideen und Vorstellungen über den Staat waren (und damit auch seine Glaubwürdigkeit), sowohl innerhalb der Führungsriege im Kreml als auch unter der Bevölkerung. Zentral war die Rolle von Michael Gorbatschow, der einen moralischeren Staat bauen wollte:

Indeed, the expectations that greeted the coming to power of Gorbachev were so strong, and growing, that they shaped his actual policy. Suddenly, ideas themselves became a material, structural factor in the unfolding revolution.

(…) the actual deterioration of the Soviet economy became consequential only after and because of a fundamental shift in how the regime’s performance was perceived and evaluated.

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21. März 2010 11

Chatroulette: Absurd, lustig, verstörend

Von katha in Medien

Chatroulette ist absurd, lustig, verstörend, manchmal richtig krank, süchtigmachend und gerade deshalb so toll. Es ist nichts anderes als ein Videochat mit zufällig ausgewählten Menschen.   

Ich habe mich mit einem jungen Soldaten der US-Army unterhalten, der schon in Kuweit und im Irak gedient hat. Mit einem Holländer habe ich den Sinn des Lebens diskutiert, einer hat mit ein Lied gespielt. Ein Koreaner wollte mir weiß machen, er würde in Harvard studieren, dabei konnte er kaum Englisch (wenn doch, dann kann ich mich ab jetzt getrost als Professorin für Anglistik bezeichnen). Mit einem Typen aus New York hab ich mich über Curling lustig gemacht. Mit einem Mädchen aus Vermont habe ich geraucht und uns dumme Witze erzählt.

Und dazwischen immer wieder Schwänze oder Typen, die nur darauf warten ihre zu zeigen, aber das lernt man schnell zu ignorieren. Chatroulette katapultiert einen in das Leben eines wildfremden Menschen irgendwo auf dem Globus. 

Erfunden hat das ganze ein russischer Teenager. Der Server der Seite steht zu Hause bei Muttern unterm Küchentisch. Russische und internationale Kaufinteressenten, die ihm die Seite, die in den letzten Wochen und Monaten immer bekannter wurde, stehen bei ihm Schlange.

Was Chatroulette ist und wie es funktioniert, zeigt auch folgender charmanter Film:

Und es gibt Leute, die einfach mal so Lieder improvisieren und sie fremden Leuten vorspielen:

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30. Juli 2007 1

Solange das Erdöl fließt…

Von katha in Politisches

Sarkozys Geschäfte mit dem lybischen Diktator Gaddafi haben eine alte Diskussion wiederauflammen lassen: Wie sollen Demokratien mit Ländern umgehen, die es mit den Menschenrechten und der Rechtsstaatlichkeit nicht so eng sehen, umgehen?

Wie war es in der Vergangenheit? Schon immer haben Länder andere ausgenützt. Rom hatte seine Provinzen, im Imperialismus hatte jeder, der etwas auf sich hielt, eine Kolonie. Und im Kalten Krieg versuchten die beiden Blöcke ihr Einflussgebiet zu behalten oder, noch besser, zu vergrößern.

Die Amerikaner und die Sowjets teilten den Globus unter sich in gut und böse auf (Wer ist gut? Wer böse? Ansichtssache). Staat für Staat musste sich für eine Seite entscheiden. Die Wankelmütigen auf beiden Seiten mussten mit militärischen Konsequenzen rechnen.

Und heute?

Deutschland baggert Turkmenistan wegen seines Erdgases an. Der Präsident des zentralasiatischen Landes nennt sich “Turkmenbaschi” (Vater der Turkmenen) und fördert den Kult um seine Person so gut es geht. Das geht natürlich nur, wenn Abstriche in der Meinungsfreiheit gemacht werden.

Schröder bezeichnete Putin einst als “lupenreinen Demokraten”. Ich hoffe, er ist intelligent genug, das nicht wirklich zu glauben, sondern nur die Geschäfte um Ressourcen nicht zu gefährden. Denn schließlich kann über ein paar ermordete Journalisten und Oppositionelle hinwegblicken, solange das Öl fließt.

Mehr zum Thema findet sich bei spiegelfechter. Der Artikel “Sarkozys neuer Hurensohn” und die nachfolgende Diskussion sind sehr lesenwert und informativ.

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5. Juli 2007 0

Sotschi: Ein Komplott gegen mich?

Von katha in Politisches, Tagtäglich

Ich liebe Olympia. Seit meiner frühesten Kindheit sitze ich gebannt mit meinem Vater bzw. Opa vor dem Fernseher und fiebere bei Wettkämpfen mit – egal ob Leichtathletik, Tontaubenschießen oder Curling. Die Spannung wer der Beste sei, die Rivalität auf dem Medaillenspiegel und die Höchstleistungen faszinierten mich.

Altlanta 1996 waren die ersten Sommerspiele, die ich bewusst wahrnahm. Doch auch über Barcelona 1992, München 1972 und Montreal 1976 wusste ich Bescheid, weil mein Papa – ebenfalls olympiafanatisch – die dazugehörigen Bücher kaufte – Olympia wirkte so noch lange über die Wettkampfzeit hinaus. Ich war die Familienexpertin in Sportfragen und nebenbei begann meine politische Bildung. Denn ich wurde im frühen Alter auf den Kalten Krieg aufmerksam: Deutschland trat mit zwei Mannschaften an – als einziges Land. Diesen Betrug hatte mir mein Papa schleunigst zu erklären.

In den letzten Tagen wuchs in mir die Hoffnung tatsächlich einmal live bei olympischen Spielen dabei zu sein und in Salzburg mit Biathleten, Skispringern und Curlingspielern mitzufiebern. Und jetzt wird sich der Sportzirkus 2014 nicht in die schönen Alpen sondern ans schwarze Meer nach Sotschi begeben. Ist das etwa ein Komplott gegen mich?

Vernünftigere Gründe den Austragungsort kritisch zu betrachten bietet wirbelwebber.

Weitere Infos gibt’s auch bei krusenstern.

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