Post-Tag-Archiv für ‘ Regensburg ’

24. Januar 2012 0

Was ich in letzter Zeit so gemacht habe

Von Katharina in Medien

Manchmal gibt es tatsächlich Dinge, in die ich wahnsinnig gerne Enthusiasmus und Motivation hineinstecke – und nicht mal über den Aufwand oder sonstiges schimpfe (!). Dieses Zauberdings ist die Lautschrift, das Studierendenmagazin der Uni Regensburg. Meine Mitstreiter und ich haben in den vergangenen Monaten wesentlich mehr Zeit hineingesteckt als in die regulären Univeranstaltungen, schließlich waren da drei Perfektionisten auf einem Haufen. Und das ist dabei herausgekommen: Die Lautschrift, Ausgabe 12, zum Thema “Hysterie”.

Weil wir ja so wahnsinnig professionell sind, haben wir natürlich auch einen Pressetext:

Ob Weltuntergang oder Krise, EHEC oder Schweinegrippe, Anmeldefristen oder Flexnow – die Hysterie ist allgegenwärtig. Sie ist zum Treiber unserer Gesellschaft, Politik und Gefühlswelt geworden. Für die Studierenden-Zeitschrift der Uni Regensburg, Lautschrift, war das Grund genug, dieses Phänomen genauer unter die Lupe zu nehmen und zum Titelthema der neuen Lautschrift-Ausgabe zu machen.

Acht Autoren beschäftigen sich in ihren Beiträgen mit der »Dauerhysterisierung« der Gesellschaft, der Krankheitserreger-Hysterie, der Hysterie vor dem prophezeiten Weltuntergang 2012, der »Torschlusspanik« bei Studenten, der Job-Hysterie bei Lehramtsanwärtern, der Hysterie vor Abschlussprüfungen und, last but not least, mit der Bürokratie-Hysterie an der Uni Regensburg.

Wie gewohnt finden sich auch Themen über Uni, Gesellschaft, Kunst und Politik im Heft. Wie lässt sich ein Studium mit einem Kind bewältigen? Wer steckt eigentlich hinter den gelben Tonnen in den Cafeten? Wie schafft man es von einer Schokowaffelwerbung-Persiflage zu ProSieben? Die Antworten auf all diese Fragen könnt ihr ab dem 16. Januar in der neuen Ausgabe der Lautschrift nachlesen.

Die Antwort auf eine Frage sei schon einmal vorweg genommen: Wie schafft man es nun eigentlich, mit der Hysterie zu leben? Man muss sich daran gewöhnen. Und wem das Warten auf die Apokalypse zu lang wird, der kann sich nun die Wintersemester-Ausgabe der Lautschrift holen: diese Woche Dienstag bis Donnerstag mittags vor der Mensa, überall auf dem Campus oder direkt vor dem AStA-Zimmer. Werdet hysterisch und holt sie euch!

Ach ja, eine nigelnagelneue Webseite hat die Lautschrift auch.

Und hier ist das gute Ding. Richtig toll ist sie natürlich nur in gedruckt, aber diese Flash-Version erzeugt zumindest Magazin-Feeling.

Viel Spaß dabei! Kritik? Anmerkungen? – Nur her damit!

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23. September 2011 0

Menschen, Castings, Sensationen

Von Katharina in Tagtäglich

Der Bus steht an der Albertstraße, dem Busbahnhof in Regensburg, schon wieder seit Minuten, die viel zu langsam vergingen als eine Gruppe Jugendlicher in den Bus stieg. Sechs, sieben angetrunkene junge Männer, Flasche Schnaps in der Hand und gut drauf. Sie visieren schnell den Typen vor mir, der in seiner blauen Trainingsjacke und dem weißen Adidas-Cappi, das er verkehrt herum trägt, vor mir sitzt. Er wippt zu schneller Musik oder zittert, aber nicht so als ob er friert, langsamer.

“Ey, Shadow”, schrie einer und die anderen echoten den Ruf nach. “Ey, Shadow”, nochmal. “Du bist scheiße": “Schämst du dich gar nicht”. Ich konnte die Aussagen keinem zuordnen. Immer wieder glucksen vom betrunkenen Lachen. Als einer der Jungs “X-Factor war scheiße” sagt, beginne ich die Sache zu durchblicken. Diese Casting-Show auf VOX, von dem an der Eisernen Brücke so ein großes Plakat steht. Sarah Conner, die Sängerin, das Bo, der Rapper, und Till Brönner, der Trompeter, stellen die Jury. Im Bus ist es laut, die Mann, der sich gegenüber eine Zigarette dreht, findet es auch spannend. Die Typen gehen Shadow dann auch körperlich an, irgendwann steht er sogar auf, um die Tätscheleien abzuwehren. Ich krächzte ein “Hört doch auf”, doch niemand hört (auf) mich.

“Ey, das war aber unfair”, Shadow beginnt sich doch zu verteidigen. “Das Bo hat mich voll gedisst, aber das haben sie rausgeschnitten".

“Sag mal ehrlich”, einer der Jungs, lehnt sich über die Halterung vor Shadow und grinst: “Sag mal ehrlich, die Sarah Conner, die ist doch schon ne Schlampe, oder?” Sofort konnte man an Shadows Körpersprache Zustimmung ablesen. “Ja, da stehst du vor denen und die war gleich total voreingenommen. Das stehst du auf der Bühne und die sind gleich gegen dich. Aber ich sag’s euch: DSDS 2012!” Alle lachen. Ich habe inzwischen meine Ohrstöpsel herausgenommen. Es war richtig unterhaltsam, die Gefahrensituation war abgewandt, alle entspannten und Shadow genoss es im Mittelpunkt zu stehen. “DSDS 2012!” Er gröhlt noch ein bisschen, die anderen auch.

Es wird ein bisschen ruhiger im Bus und ein junger Mann, ich glaube der, der vorher wissen wollte, ob Sarah Conner eine Schlampe ist, nimmt ihn sich zur Brust. “Mach weiter Kumpel, wirklich mach weiter. Du hast es drauf!”, andere stimmen ein ein. “Ich weiß, dass ich es drauf hab. DSDS 2012, Kumpel.”

“Du machst halt was neues”, war das Stichwort für Shadow. Er fing an zu rappen. Voll schnell. Ich überliege. Video? Oder nicht? Ich überlege lange, fingere dann schließlich an meinem Apple-Produkt herum und suche die Videofunktion.

“Ey, filmst du mich? Nee, das geht nicht. Nee, weg damit, lösch das. Nicht von hinten, nicht den Hinterkopf. Wart’, ich dreh mich um." (Und einer wollte nicht auf dem Video zu sehen sein). Also neue Kameraeinstellung. Shadow dreht sich um und legt nochmal los:

“Stellst du das auf ‘Tube?”, fragt mich einer, der inzwischen neben mir saß. ”Klar”, Faust drauf. “Ich will das nämlich liken,”

Meine Damen und Herren, die Hintergründe zu all der Aufregung: Shadow Storm bei X-Factor. Heute hat er das gleiche an. So schlecht wie die Jury tut, war er ja gar nicht, Sarah Conner fand nämlich, dass er den schlechtesten Auftritt ever bei der Sendung hingelegt hat. Lol, Wiener Schmäh. “Ich glaub, ich kann Englisch rappen, du nicht”, gab Shadow Storm später das Bo noch mit. Uh, schön mit Dissen zum Schluss, gar das Wort “Krieg” wird in den Mund genommen.

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14. März 2011 0

Streit um Meinungsfreiheit: Regensburg-digital verliert gegen das Bistum Regensburg

Von Katharina in Tagtäglich

Im Streitfall “Stefan Aigner gegen die Diözese Regensburg” ist vergangenen Freitag ein eindeutiges Urteil gefallen: Das Landesgericht Hamburg gab den Vertretern der katholischen Kirche in allen Punkten recht. Das heißt es kommen Kosten von etwa 8000 Euro auf Aigner zu.

Die Reaktion von Stefan Aigner:

Eine nähere Begründung liegt uns noch nicht vor. „Das Urteil ist absolut nicht nachvollziehbar“, sagt unser Rechtsanwalt Nils Pütz. „Wir sind gespannt, wie bei dieser Sachlage ein solches Fehlurteil zustande kommen konnte.“ So bald uns die Begründung vorliegt, werden wir berichten – so weit es uns erlaubt ist. Eines steht schon jetzt fest: Wir werden gegen dieses Urteil vorgehen. Das Landgericht verbietet damit auch den Opfern den Mund.

Der Pressesprecher der Diözese:

„Ich begrüße das Urteil, in dem die Wahrheit zu ihrem Recht kommt. Wenn der Blog-Betreiber nun behauptet, die Meinungsfreiheit zu verteidigen, führt er die Öffentlichkeit hinters Licht. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen Meinungen und unwahren Behauptungen. Der Blog-Betreiber schützt nicht die Meinungsfreiheit, sondern er fordert für sich das Vorrecht, über Dritte unwahre und herabwürdigende Tatsachen verbreiten zu dürfen, die mit Nichts zu belegen sind. Ein solches Sonderrecht steht Niemandem zu. Und das ist recht so.“

Doch was ist überhaupt geschehen? Über die Hintergründe des Falls – Der Regensburg-Effekt

Der Regensburger Stefan Aigner betreibt das Blog regensburg-digital.de. Er berichtet dort vor allem über Lokalpolitik. »Im März 2010 habe ich geschrieben, dass ich es als grotesk befunden habe, dass die katholische Kirche selbst Missbrauchsfälle aufklären soll, und habe das mit mehreren Beispielen begründet«, erzählt Aigner. Eines führte die Diözese Regensburg auf den Plan: Es ging um genau diesen Pfarrer aus Riekofen bei Regensburg, der 2008 wegen 22-fachen sexuellen Missbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Nachdem er sich 1999 in Viechtach während einer Osterfeier an zwei Brüdern vergriff, während ihre Schwester die Tat beobachtete, unterschrieb die Familie der Kinder eine Stillschweigeerklärung. Der Priester zahlte 6.500 Mark Schmerzensgeld an die Familie. Schon eineinhalb Jahre später arbeitete der Priester wieder mit Jugendlichen.

Die Streitfrage ist, ob es einen Zusammenhang zwischen der Schmerzensgeldzahlung und dem damaligen Stillschweigen der Familie gibt. »Dazu habe ich in meinem Kommentar eine Einschätzung getroffen, die ich so öffentlich nicht mehr äußern darf«, sagt Stefan Aigner. Im nächsten Satz schrieb er, dass das Bistum einen solchen Zusammenhang dementiert.

Die Diözese mahnte ihn ab, das heißt sie forderte Aigner auf, solche Aussagen in Zukunft zu unterlassen. Aigner machte daraufhin einen Kompromissvorschlag und veränderte seine Aussage, um sie deutlicher als Meinungsäußerung kenntlich zu machen. Das Bistum ignorierte das und erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen beide Formulierungen. Bei einer Strafandrohung von 250.000 Euro oder ersatzweise zwei Jahren Haft ist es Aigner untersagt, seine Sicht zum Verhalten der Kirche öffentlich zu sagen. Aigner findet das absurd: »Diese Einschätzung ist so oder so ähnlich auch beim Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, der Bild-Zeitung oder der taz zu finden.«

(…)

Ein Richter muss nun entscheiden, ob Stefan Aigner schreiben darf, dass »die Geldzahlung nicht nur in den Augen unserer Redaktion einen Beigeschmack einer Schweigegeldzahlung hat« oder ob das Ordinariat ihm das verbieten darf. Das ist auch eine grundsätzliche Entscheidung: Wo hört Meinungsfreiheit auf und beginnen die persönlichen Rechte eines jeden?

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17. Februar 2011 0

Lest mal, wie Christoph Schlingensief Regensburg gerockt hat!

Von Katharina in Kulturelles

1999 kam Christoph Schlingensief (…) persönlich nach Regensburg. Er war auf "Deutschlandsuche", ließ sich im Rahmen der Suchaktion kurzzeitig am Neupfarrplatz festnehmen, weil er – wie schon Monate zuvor bei der Dokumenta in Kassel – lautstark die Tötung des gerade amtierenden Bundeskanzlers Helmut Kohl forderte.

Schlingensief hat offenbar Eindruck gemacht und die Stadtoberen engagierten den Theatermann, der Regensburg zum Titel der Kulturhauptstadt verhelfen sollte. Das Stück “Keine Chance, Regensburg“ forderte “Essen für alle”. Daraufhin wurde Essen zur Kulturhauptstadt und nicht Regensburg, wie der Politiker so gehofft hatten.

"Schlingensief als Werber für Regensburg zu engagieren erwies sich als eine Absurdität”, schrieb die Zeit.

Säm Wagner schreibt in der Regensburg-Kolumne des Zündfunks über die Verbindung zwischen Regensburg und Schlingensief. 

Schaut mal, was der alles gemacht hat in seinem Leben. Unglaublich, wieviele Ideen Schlingensief hatte!

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30. Januar 2011 7

“Confessions of a Child of the Age”: Pete Doherty kommt nach Regensburg

Von Katharina in Kulturelles

Während ich New York an allen Ecken aus dem Fernsehen und Kino wiedererkannte und ich nur wenig wirklich neu entdeckte, sondern nur bestätigte, was ich schon kannte ist Regensburg als Fernsehkulisse nicht wirklich präsent. (Nachtrag: Ich habe tatsächlich Regensburg mit New York verglichen?) Natürlich, die Familie Dr. Sommerfeldt gibt es und Kommisarin Lukas ermittelt hier. Wenn es andere Filme gibt, die in Regensburg spielen, so kenne ich sie nicht. Doch das ändert sich jetzt, denn in den nächsten Wochen wird Regensburg zum Drehort für einen Film mit drei bekannten Namen.

Pete Doherty, August Diehl und Charlotte Gainsbourg drehen in Regensburg einen Kinofilm. Sie arbeiten zusammen an der Verfilmung von “Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen”, in den Alfred de Musset autobiografisch von seiner Jugend in den 1830er Jahren in Paris erzählt. Doherty verkörpert den Dichter, der von seiner unglücklichen Liebe zu George Best Sand, die ebenfalls als Schriftstellerin arbeite, schreibt.

In Sünching, zwei Bahnstationen vor Regensburg, wenn man aus Süden von Passau kommt, werden die Außenszenen gedreht werden. Auch in der Altstadt von Regensburg soll gedreht werden.

Wenn du schauspielerst oder singst kannst du sich für eine Rolle als Komparse bewerben.

“Wir suchen interessante Gesichter im Raum Regensburg/München, Schauspielstudenten, Schauspieler, Tänzer (die den Waltzer tanzen), Musiker, Poeten, Models, Künstler und Laien die (…) als Kleindarsteller mitspielen möchten.”

Der Film spielt vor fast 200 Jahren also werden da eine Menge an Kostümen mit im Spiel sein. Willst du da mitmachen? Dann bewirb dich per E-Mail bei confessionsinregensburg@gmail.com oder confessionsinmunch@gmail.com mit Foto und Angaben zum Wohnort und Telefonnummer. Schreib außerdem deine Kleider- und Schuhgröße, den Zeitraum in dem du Zeit hast und wie gut du Englisch kannst dazu. Es ist geplant den Film von Mitte Februar bis Mitte März zu drehen.

Pete Doherty ist kein Unbekannter in Bayern. Bei einem Konzert bei On3Radio im vergangenen Jahr fing er plötzlich an die erste Strophe des Deutschlandliedes zu singen. Das ist die, die mit “Deutschland, Deutschland…” beginnt. Sonst ist Pete Doherty ein alter Bekannter aus dem Boulevard, der regelmäßig Schlagzeilen macht mit Drogen, Kate Moss und Drogen. Er lebt das Leben eines Junkie in der Öffentlichkeit, seine Sucht kein Geheimnis. Täusche ich mich oder ist es in den vergangenen Monaten ruhiger um ihn geworden?

August Diehl erspielt sich nun schon seit einiger Zeit einen Platz in meinem Herzen. Er war in einer Reihe Filme, seitdem ich ihn bei “Was spielt die Liebe in Gedanken” das erste Mal wahrnahm, als er als Hans ein Mitglied eines Selbstmörderclubs in den Goldenen Zwanziger Jahren darstellte. Vor zwei Jahren spielte er einen SS-Mann in Tarantino’s “Inglorious Basterds”.

Charlotte Gainsbourg arbeitet schon seit ihrer Kindheit in als Schauspielerin und ist auch als Musikerin bekannt. Sie arbeitete zusammen mit Lars von Trier bei “Antichrist” und war in “21 Gramm” zu sehen. Sie ist die Tochter des französischen Sängers Serge Gainsbourgh und der britischen Schauspielerin Jane Birkin.

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6. November 2010 1

Der Herr gibt, der Herr nimmt

Von Katharina in Politisches

Zu den Kürzungen der bayerischen Regierung im Hochschulbereich, der meine Uni in Regensburg sehr hart trifft. Die Überschrift “Der Herr gibt, der Herr nimmt” hab ich bei torschtl geklaut, denn sie passt einfach zu gut.

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2. November 2010 4

Vielen Dank auch, Lieber Freistaat!

Von Katharina in Politisches

Am 28.9.2010 wurden im bayerischen Kabinett massive Einsparungen im Hochschulbereich beschlossen. So soll allein die Universität Regensburg noch in diesem Jahr fast eine Million Euro einsparen. Die ohnehin angespannte Lage am Regensburger Campus, der ursprünglich für rund 11.600 Studierende ausgelegt war und im aktuellen Wintersemester 18.575 Studierende allein an der Universität zählt, hat sich damit dramatisch verschärft.

Für das nächste Jahr müssen die Hochschulen mit noch drastischeren Einsparungen rechnen. Die Bewältigung des für 2011 ins Haus stehenden doppelten Abiturjahrgangs ist dadurch massiv gefährdet, die Aufrechterhaltung eines qualitativen Studien- und Forschungsbetriebs kann unter diesen erschwerten Bedingungen nicht gewährleistet werden.

Pressemitteilung der Universität Regensburg

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12. Juli 2010 0

Unhappy Meal

Von Katharina in Tagtäglich

Seit dem Beginn dieses Semesters können wir endlich in der frisch renovierten Mensa essen. Doch vielen vergeht der Appetit bei den gestiegenen Preisen. Die sind eine Folge einer gewaltigen Unterfinanzierung der Studentenwerke. Erst im Januar wurde der Mensazuschuss bayernweit überraschend um 35 Prozent gekürzt.

Die Studentenwerke sind dazu da, eine soziale, wirtschaftliche und kulturelle Infrastruktur für die Studierenden zu schaffen und den Alltag zu organisieren. Jeder, der studiert, hat die Leistungen schon mal in Anspruch genommen, viele sogar jeden Tag, schließlich betreiben sie die Mensen und Cafeterien. Neben der Essensversorgung übernimmt das Studentenwerk aber auch viele andere Aufgaben: Es verwaltet Wohnheime, bearbeitet Baföganträge, bietet verschiedenste Beratungsstellen und fördert das kulturelle Leben am Campus.

Das Studentenwerk der Regensburger Universität gehört zum Studentenwerk
Niederbayern/Oberpfalz, wie auch Passau, Deggendorf und Landshut. Der Mensazuschuss des Freistaates stellt einen großen Posten in der Finanzierung der Studentenwerke dar. Im Laufe der letzten Jahre reduzierte den die bayerische Landesregierung aber immer mehr: Seit 1996 sank der Mensazuschuss beim Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz um 85 Prozent von fast vier Millionen Euro auf knapp 700.000 Euro.

Die Finanzierung des Studentenwerks ist Aufgabe des Freistaates Bayern. Doch der zieht sich immer weiter zurück. Besonders getroffen hat die bayerischen Studentenwerke der Nachtragshaushalt 2010, in dem weniger Geld für sie vorgesehen ist. Im Schreiben des Ministeriums heißt es: »Diese Kürzung wird voll zu Lasten des Mensazuschusses gehen, so dass sperrbereinigt gegenüber 2009 rund 2,36 weniger für den Mensazuschuss zur Verfügung stehen werden. Ich bitte sie die zu erwartenden Mittelkürzungen schon jetzt in ihre Planungen für das Jahr 2010 mit einzubeziehen.« Das entspricht 35 Prozent weniger Zuschuss für die Mensen. Umgerechnet auf die knapp 300.000 Studierenden in Bayern kürzte der Freistaat den Essenszuschuss pro Kopf von 26,03 auf 15,05 Euro.

Der Brief kam kurz nach Neujahr in Regensburg an, doch der Wirtschaftsplan
für 2010 wurde bereits im Dezember 2009 dem Ministerium zur Genehmigung vorgelegt. In einem offenen Brief schrieben die bayerischen Studentenwerke an Ministerpräsident Horst Seehofer: »Dieser erneute gravierende Einschnitt bedeutet den Verlust jeder Planungssicherheit
und des Vertrauens in die Zuverlässigkeit staatlicher Finanzierungszusagen
im Bildungsbereich.«

20 Cent mehr für jedes Essen

Für das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz entstand eine Finanzierungslücke von 400.000 Euro. Es gab zwei Möglichkeiten um den Ausfall zu kompensieren: Das Studentenwerk könnte einen höheren Grundbeitrag von den Studenten verlangen. Im Moment beträgt der in Regensburg 88 Euro. »Wenn wir ihn erhöht hätten, wären wir aber das teuerste Studentenwerk geworden«, sagt die Geschäftsführerin Gerlinde Dietl. Oder aber die Essenspreise werden teurer: »Wir haben eine seit langem aufgeschobene Preiserhöhung dann moderat gestaltet.«

Auf Basis der verkauften Essen im Jahr 2008 rechnete die Geschäftsleitung der Studentenwerke Niederbayern/Oberpfalz aus, dass der Preis eines jeden Essen im Schnitt um 29 Cent erhöht werden müsste, um die fehlenden 400.000 Euro zu ersetzen. »Wir haben den Studierenden aber nicht 29 Cent  abverlangt, sondern im Schnitt 20 Cent«, erläutert Dietl. »Von den Bediensteten verlangen wir anteilig mehr. Denn das Essen für sie muss kostendeckend abgegeben werden.« Bisher haben die höheren Preise die erwartete Umsatzsteigerung gebracht: »Die Mensa ist wieder geöffnet und wir haben eine sehr gute Resonanz. Damit wären wir erst einmal über den Berg und können das Defizit klein halten.«

Begründet werden die Kürzungen von der Landesregierung mit einem Gutachten des obersten bayerischen Rechnungshofs. »Dieser hatte moniert, dass die Studentenwerke zum Ende des Jahres 2008 teilweise erhebliche Rücklagen und Rückstellungen hätten, und gefordert, diese müssten abgebaut werden«, so Susanne Raab von der Pressestelle des Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Petition blieb erfolglos.

Der Rechnungshof argumentierte, dass es nicht sein kann, dass der Freistaat
Schulden macht, um seinen Haushalt zu finanzieren und durch diese Schulden den Studentenwerken Geld für die laufenden Aufwendungen gibt, wenn die doch über hohe Rücklagen verfügen. Diese müssen für die Verwaltung und die Instandhaltung der studentischen Wohnanlagen gebildet werden. »Die Rücklagen dürfen wir aber nicht für andere Zwecke als für die Instandsetzung der Wohnanlagen einsetzen. Ich kann nicht einfach sagen: Die Mensa macht ich ein zu hohes Defizit und nehm dann meineRücklagen dafür her.«

Es dauerte nicht lange, bis sich Protest gegen die Kürzung formierte. Die Landesastenkonferenz, ein Zusammenschluss der bayerischen Sprecherräte, schrieb eine Petition an den bayerischen Landtag. Unter dem Slogan »Unhappy Meal« machten sie auf die Kürzungen aufmerksam und fanden innerhalb von zehn Tagen 30.000 Mitzeichner ihrer Beschwerde. Darunter waren nicht nur Studierende, sondern auch Dozenten oder Schüler. Auch von außerhalb Bayerns unterschrieben Leute .Im Brief an die Mitglieder des Petitionsausschusses wird an die grundlegende Aufgabe der Studentenwerke erinnert: »Es geht darum, die Lebenshaltungskosten am Studienort finanzierbar zu machen. Eine Kürzung des Mensazuschusses wird sich überproportional negativ auf Studierende aus finanziell schlechter gestellten Haushalten auswirken, die bereits jetzt massiv belastet sind.« Genützt hat die Petition allerdings nichts, denn im Februar lehnte sie der Ausschuss ab.

Wie wird es in Zukunft weitergehen?

»Minister Heubisch wird sich in den Verhandlungen für den kommenden Doppelhaushalt 2011/12 dafür einsetzen, dass die Zuschüsse für die Studentenwerke wieder entsprechend erhöht werden«, lässt das Wissenschaftsministerium verlauten. So positiv sieht das Gerlinde Dietl vom Studentenwerk an der Uni Regensburg nicht: »Mit mehr Geld können wir nicht rechnen, sondern maximal mit einer Rücknahme der Kürzungen. Und ehrlich gesagt, auch das halte ich im Moment für nicht sehr wahrscheinlich.«
Die Studentenwerke werden sich sehr wahrscheinlich also andere Finanzierungsquellen suchen müssen. Eine Privatisierung, wie sie Malte Pennekamp von der Studierendenvertretung Bayern befürchtet, schließt das Ministerium aus. Daran sei weder mittel- noch langfristig gedacht.
Gabriele Dietl vom Studentenwerk sieht pragmatisch in die Zukunft: »Wir müssen einfach versuchen, durch ein gutes betriebswirtschaftliches Konzept einigermaßen mit den noch gewährten staatlichen Subventionen um die Runden zu kommen.«

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Der Artikel erschien in der Lautschrift zum Thema “Freiheit”, Ausgabe 9, Sommersemester 2010

Als pdf im Originallayout

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