Baader-Meinhof-Komplex
Veröffentlicht am | 11. 10. 2008 | 2 Kommentare
Baader, Meinhof, RAF - in den letzten Wochen wiederholen sich zum Teil wieder die Diskussionen rund um Terrorismus in Deutschland. Der "Baader-Meinhof-Komplex" ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Spielfilm. Die Betonung liegt auf "Spiel". Überall betonte Produzent Eichinger zwar, dass der Film auf Fakten beruht, auf dem Buch von Stefan Aust. Ich bezweifle nicht, dass jede Patrone an der richtigen Stelle einschlägt und jede Haarsträne perfekt frisiert ist. Der Film lässt mich als Jahrgang 1988 wunderbar in die Mode und Lebenswelten der 60er und 70er Jahre eintauchen. Vor allem der Beginn mit der Demonstration gegen den Besuch des persischen Schahs und die Rede von Rudi Dutschke an der Berliner Universität sind eindrucksvoll. Die Stimmung der Studenten und ihre Motivation zur Revolte sind klar nachzuvollziehen.
Alle Fakten werden beachtet, die Anschläge nachgezeichnet, die Initiatoren Baader, Meinhof und Ensslin vorgestellt. Die Anschläge detailgenau nachgezeichnet, Baader als Macho, Meinhof als die stille Denkerin und Ensslin als kaltblütige Möderin stilisert (obwohl kaltblütige Mörder natürlich alle waren).
Ich war mit meiner kleinen Schwester im Kino. Ich hätte nicht gewollt, dass sie sich den Film ohne Vorkenntnisse ansieht. Denn die Motive, warum sich diese kleine Gruppe von Menschen so radikalisierte und vor Gewalt nicht zurückschreckte, wird zu sehr übergangen. Bei Ulrike Meinhof gar konnte man gar das Gefühl haben, sie habe die ganze Sache (ein bisschen Schießen und Abenteuer) nur aus Langeweile und Unzufriedenheit in ihrer Ehe begonnen.