Willkommen bei den "Kindern des Glücks"
Veröffentlicht am | 15. 08. 2008 | Noch kein Kommentar
Wie sich China auf Olympia einstimmt
„Beijing 2008, Beijing 2008“: 35 Kinder einer Vorschulklasse singen lauthals ihr Lied und versuchen angestrengt, die einstudierte Choreografie umzusetzen. In der rechten Hand halten sie eine kleine chinesische Fahne, links eine, die die olympischen Ringe zeigt. Ob jung oder alt, reich oder arm: Olympia ist der ganze Stolz der Nation.
Das ist die Einleitung eines Artikel von mir auf schekker.de, dem Jugendonlinemagazin der Bundesregierung. Er handelt von den Vorbereitungen Chinas auf die olympischen Spiele und gründet auf meinen Erfahrungen während meines Aufenthalts im Reich der Mitte.
Schekker.de ist das Jugendonlinemagazin der Bundesregierung und veröffentlicht einmal pro Monat verschiedene Artikel zu einem Topthema. Diese reichen von aktuellen Olympiaausgabe über die Themengebiete Demographie bis zu Heimat. Mittlerweile gab es 60 Ausgaben, alle speziell auf Jugendliche zugeschnitten. Seit kurzem werden auch professionelle Videos zum jeweiligen Thema produziert und es gibt eine Kommentarfunktion. Neben den Themen gibt es die Ressorts Bücher und Städte&Regionen.
Auf dieser Plattform können junge Journalisten ihre Texte veröffentlichen. Besonders dabei ist, dass sie professionell von drei Redakteuren redigiert werden, wodurch die Autoren wertvolle Tipps und Hinweise für ihre weitere Arbeit bekommen. Lange Zeit habe ich das Magazin nur gelesen und freue mich deshalb sehr, dort nun auch einen eigenen Artikel veröffentlicht zu haben.
Olympia von der anderen Seite
Veröffentlicht am | 09. 08. 2008 | Noch kein Kommentar
Wer sich in der Blogossphäre herumtreibt kennt ihn wohl schon, Jens Weinreich, der Sportreporter, der aus Peking bloggt. Er schreibt über das IOC, seine Arbeit und die meteorologischen Herausforderungen in der chinesischen Hauptstadt. Was passiert hinter den Kulissen, wie arbeitet es sich bei dem Großereignis mit 20 000 Kollegen aus aller Welt. Über jeden Tag führt Weinreich Protokoll und eines ist klar: Für ihn ist das alles großer Stress.
Stets amüsant und interessant, unbedingt lesen!
Chinesen, die unbekannten Wesen
Veröffentlicht am | 08. 08. 2008 | Noch kein Kommentar
In jeder Fernsehsendung, in alles Tageszeitungen: Berichte und Reportagen über Peking, Olympia und die Repressionen des kommunistischen Regime. Alles interessant, alles wissenswert und informativ. Doch die Chinesen an sich werden dabei oft vergessen.
Bei allen olympischen Spielen ist es eine wichtige Aufgabe der Medien den Menschen in aller Welt das Gastgeberland und seine Einwohner vorzustellen. 2000 standen die Aborigines in Australien im Fokus, 2002 in Salt Lake City die Mormonen. In Athen 2004 und Turin 2006 war die kulturelle und gesellschaftliche Bildung für uns Europäer nicht so wichtig. Schließlich sind uns die italienische und griechische Welt doch einigermaßen vertraut.
Doch genau das ist in China nicht der Fall. Unbekannte Lebenswelten, asiatische Verhaltensweisen. Kein Europäer fügt sich da problemlos ein. Olympia ist also ein prima Rahmen für diese Berichterstattung. Denn je wichtiger China als Wirtschaftsmacht wird, desto mehr wächst unbewusst die Angst vor “dem Chinesen”, uns - den westlichen Industrieländern - den Rang abzulaufen.
Viele befürchten von der asiatischen Supermacht überrollt zu werden und China durch seine Wirtschaftskraft und sein Humankapital in den nächsten Jahrzehnten zum dominierenden Faktor in der Welt wird. Möglicherweise wird das so kommen, vorhersagen kann das niemand. Was aber verhindert werden kann, ist die Angst vor der unbekannten Kultur, dem fremden Alltag hinter dem Himalayagebirge. Und das ist die Aufgaben der Medien.
Individuen trotz Kollektivgedanken
Doch oft bin ich nicht glücklich mit den Berichten aus dem Reich der Mitte. Möglichweise ist es ein fataler Trugschluss meinerseits: Doch oft habe ich das Gefühl, bei Medienberichten als auch bei Gesprächen, es handle sich bei Chinesen einfach um riesige Massen von Menschen. 1,3 Milliarden gleicher schwazhaariger Menschen mit Schlitzaugen und gelber Haut. Trotz aller Kollektivgedanken der kommunistischen Ideologie sind sie trotzdem Induviduen. Sie haben helle und dunkle Haut; sie lachen und weinen; sie lieben und hassen sich. Das mag vielleicht lächerlich klingen, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass das nicht allen klar ist!
Nur wenig wird berichtet über Chinesen, ihren Alltag und Einstellungen. Wie leben Chinesen? Was ist ihnen besonders wichtig?
Natürlich ist es anmassend, mich als Expertin der chinesischen Gesellschaft hinzustellen. Weder habe ich wissenschaftliche Beweise noch einen Überblick über ganz China. Ganz davon abgesehen, dass es sinnlos ist Millionen von Menschen bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben. Dennoch traue ich mich behaupten, den “Menschenschlag” in Yunnan, einer südwestchineschischen Provinz zu kennen. Ich habe dort neun Monate verbracht. Im Radius von 150 Kilometern waren mein Freund und ich die einzigen “Laowai”, Ausländer. Nur sehr vereinzelt kamen Reisende in das abgelegene Gebiet an der burmesischen Grenze. Es gibt dort kein Brot, kein McDonalds und Ausländer sind eine echte Seltenheit.
Der kleinste gemeinsame Nenner
In den folgenden Wochen will ich in loser Reihenfolge von bestimmten Eigenheiten, Besonderheiten und Verhaltensweisen in China erzählen. Vorneweg: Meine Berichte sind allesamt subjektiv und sind der kleinste gemeinsame Nenner. 1,3 Milliarden Menschen - 1,3 Milliarden Persönlichkeiten. Dennoch habe ich vor allem durch Blogs und mit Gesprächen mit anderen eines gemerkt: Gewisse Dinge gibt es überall: Von Urumqui ganz im Westen bis an die Ostküste in Beijing - einer Strecke über 5000 Kilometer.
Sollte ich etwas schreiben, was nicht der Wahrheit entspricht und/oder einfach totaler Mist ist: Sofort Bescheid sagen, sonst kehrt sich mein Anliegen, euch China und eine Einwohner näher zu bringen, ins Gegenteil.
Die chinesische Sicht der Dinge
Veröffentlicht am | 13. 04. 2008 | 2 Kommentare
Olympia und China - ein heißes Thema, das in deutschen Medien und in vielen Blogs in den letzten Wochen vermehrt eine große Rolle spielt. Vor allem nach den Ausschreitungen in Tibet stellen sich die westlichen Medien die Frage, ob die Vergabe an Beijing wirklich die richtige Entscheidung war.
In China ist Olympia das alles beherrschende Thema. Im ganzen Land sind die Spiele präsent, ob auf Chipspackungen und Milchtüten, in Zeitungen und Fernsehen. Der chinesische Seelenfrieden hängt offensichtlich vom Gelingen der olympischen Spiele ab.
Durch meinen Aufenthalt in Jinghong im Süden meiner “Heimatprovinz” Yunnan hatte ich im Hotel die Möglichkeit den englischsprachigen Staatssender “CCTV International” zu sehen. Natürlich ist auch da Olympia das Thema Nummer 1, dicht gefolgt von den Unruhen in Tibet.
Die Reise von Athen nach Beijing der olympischen Fackel ist jeden Tag der Aufmacher der Nachrichtensendungen. Die jeweiligen Städte werden vorgestellt und möglichst lange jubelnde im Ausland lebende Chinesen gezeigt, die fähnchenschwingend am Straßenrand sehen. Nur manchmal, wohl aus Versehen, taucht die tibetische Fahne im Hintergrund auf. Pariser oder andere Bewohner der Route dürfen dazwischen mitteilen wie toll sie doch alles finden und wie wunderbar China im Allgemeinen ist. Unruhen wie in Paris werden nebenbei erwähnt, wie groß die Anzahl der Unruhestifter ist, bleibt unbekannt. Sie werden grundsätzlich als “Tibetians and their supporters” bezeichnet. Wertvollster Unterstützer ist IOC-Präsident Jaques Rogge, der jede Sendung mindestens einmal zitiert wird.
Noch interessanter ist der Umgang mit den Unruhen in Tibet. Für chinesische Zuschauer fanden diese nur in Lhasa statt, dass sie sogar bis in die Provinz Sichuan übergriffen, bleibt ihnen unbekannt. Stimmung in der chinesischen Bevölkerung wird gemacht, indem Mönche gezeigt werden, die unschuldige Han-Chinesen mit Steinen verprügeln oder Geschäfte anzünden. Auch die einzelnen Schicksale von Chinesen werden gezeigt: Ein blutüberströmter Polizist, der sein Augenlicht verloren hat, ein Vater, der seine 18-jährige Tochter verloren hat, zeigt unter Tränen die letzte SMS seiner Tochter, bevor sie verbrannte. Von chinesischer Polizei oder Militär ist nichts zu sehen.
Beliebt sind auch Reportagen über Tibeter, die die chinesische Regierung loben und aufzeigen wie sehr sich ihr Leben verbessert hat.
Die Reaktionen der westlichen Medien werden verteufelt und so oft wie möglich gesagt, dass sich 130 Länder der UNO - anscheinend ohne jegliche Einschränkung - hinter die chinesische Regierung gestellt haben. Natürlich, dass Tibet zu China gehört ist common sense, dessen Vorgehensweise jedoch keineswegs.
Außerdem vernachlässigen die Moderator nicht zu betonen, dass erst mit der Besetzung Chinas demokratische Strukturen und Menschenrechte nach Tibet gekommen sind. Ich kenne mich mit der Vorgeschichte Tibets nicht aus, trotzdem kann darauf nur kollektives Kopfschütteln folgen.
Es ist das erstemal, dass ich eine solche Nachrichtenmanipulation Manipulation der Bevölkerung von chinesischer Seite miterlebe. Nicht, weil es sie sonst nicht gibt - im Gegenteil. Doch ich lebe in einer kleinen Stadt an der Grenze zu Burma, wo “CTV International” nicht empfangen werden kann. Zeitungen kann ich nicht lesen. Ich bin froh darüber.
Sotschi: Ein Komplott gegen mich?
Veröffentlicht am | 05. 07. 2007 | Noch kein Kommentar
Ich liebe Olympia. Seit meiner frühesten Kindheit sitze ich gebannt mit meinem Vater bzw. Opa vor dem Fernseher und fiebere bei Wettkämpfen mit - egal ob Leichtathletik, Tontaubenschießen oder Curling. Die Spannung wer der Beste sei, die Rivalität auf dem Medaillenspiegel und die Höchstleistungen faszinierten mich.
Altlanta 1996 waren die ersten Sommerspiele, die ich bewusst wahrnahm. Doch auch über Barcelona 1992, München 1972 und Montreal 1976 wusste ich Bescheid, weil mein Papa - ebenfalls olympiafanatisch - die dazugehörigen Bücher kaufte - Olympia wirkte so noch lange über die Wettkampfzeit hinaus. Ich war die Familienexpertin in Sportfragen und nebenbei begann meine politische Bildung. Denn ich wurde im frühen Alter auf den Kalten Krieg aufmerksam: Deutschland trat mit zwei Mannschaften an - als einziges Land. Diesen Betrug hatte mir mein Papa schleunigst zu erklären.
In den letzten Tagen wuchs in mir die Hoffnung tatsächlich einmal live bei olympischen Spielen dabei zu sein und in Salzburg mit Biathleten, Skispringern und Curlingspielern mitzufiebern. Und jetzt wird sich der Sportzirkus 2014 nicht in die schönen Alpen sondern ans schwarze Meer nach Sotschi begeben. Ist das etwa ein Komplott gegen mich?
Vernünftigere Gründe den Austragungsort kritisch zu betrachten bietet wirbelwebber.
Weitere Infos gibt’s auch bei krusenstern.