Post-Tag-Archiv für ‘ Medien ’

19. Juli 2011 0

Lesenswertes: Gleichgewicht und Promis

Von Katharina in Lesenswertes

“China’s Treasury Holdings Make U.S. Woes Its Own” (Was wäre denn eine gute Übersetzung für die Überschrift?) – China und die USA hängen voneinander ab: China kauft wie wild amerikanische Staatsanleihen, um sich so den niedrigen Wechselkurs leisten zu können, und finanziert den Amerikanern so ihre Schulden. China müsste mehr konsumieren und weniger sparen, die Vereinigten Staaten weniger konsumieren und mehr sparen. Die Regierung in Beijing versucht die überhitzte Wirtschaft zu bremsen, die in Washington sie wieder anzukurbeln. Die New York Times schreibt dazu, dass es sich dabei um ein Gleichgewicht ähnlich wie im Kalten Krieg handelt, bei dem keine der beiden Seiten extreme Schritte gegenüber dem anderen machen kann (z.B. China hört auf Staatsanleihen zu kaufen, weil es an der Zahlungsfähigkeit der USA zweifelt), ohne dass es dramatische Konsequenzen für das Land selbst hat (der Wechselkurs der Chinesen steigt, was die Export – und somit das chinesische Geschäftsmodell – teurer macht).

“The Gossip Machine, Churning Out Cash” – Polizeifotos von Lindsay Lohan oder Auszüge aus Krankenakte von Michael Jackson: Irgendwie müssen Promiblogs und Medien ja an die Infos kommen. Die New York Times hat umfassend dargestellt, wie das Geschäft funktioniert, wie eine Hand die andere wäscht. Gerade der Vater von Lohan scheint ein Meister darin zu sein, die Bekanntschaft seiner Tochter (und damit seinen eigenen Promistatus) zu Geld zu machen. Wer sich für Medien interessiert und auch mal Fotos von “Stars am Strand” (o.ä.) ansieht, sollte das lesen. Gerade auch während des “News of the World”-Skandal zeigt die Reportage, dass solche Methoden nicht nur auf das Murdoch-Imperium beschränkt sind und gerade auch Blogs fleißig am Rädchen drehen, damit es jeden Tag zehn exklusive Berichte geben kann.

Tags: , , , , , ,

8. Juli 2011 0

Was in Zukunft vielleicht nicht mehr gibt.

Von Katharina in Politisches

Ich steh ja auf die Zukunft. Warum entwickeln wir uns weiter? Warum entstehen bestimmte Werte, haben gesellschaftlichen Konsens und verschwinden dann wieder? Zum Beispiel: Rollenverteilung zwischen Mann und Frau; Todesstrafe als adäquates Mittel eines Staates; Totalitarismus usw.

mspro hat sich überlegt, welche Dinge, die im Heute ganz selbstverständlich erscheinen, es denn in der Zukunft nicht mehr geben wird und im Rückblick auch als irgendwie lächerlich und falsch erscheinen.

Seine Liste:

  • Medienregulierung
  • Depublikation (im Grund ist das die Löschung von Daten)
  • Lohnarbeit
  • Regiert werden

Genauere Erläuterungen gibt es zu jedem der vier Punkte unter “Archäologie des Heute – das Denken der Zukunft denken”.

Tags: , ,

14. März 2010 0

Some Bullshit Happening Somewhere

Von katha in Medien

Winter 2010: In Nachrichtenstudios wird vor Schneefall gewarnt. Reporter stehen im Schnee und berichten davon, wie sie im Schnee stehen. Augenzeugen berichten vom Schneefall. Dabei ist einfach nur Winter. Nur ein Beispiel für Medienhysterie in letzter Zeit. Genau dieses Ausschlachten von im Grunde ganz alltäglichen und irrelevanten Themen verarscht das folgende Video, das über irgendeinen Bullshit, der irgendwo passiert, in bester Breaking-News-Attitüde berichtet. 

via Hirngerechte Gestaltung

Tags: ,

6. März 2010 1

Nockherberg 2010

Von katha in Politisches

So, der nächste ist weg. Michael Lerchenberg ist beim Nockhergberg ausgestiegen. "Mein "Bruder Barnabas" hat mit seiner Form der politischen, auch zu Teilen ernsten und durchaus manchmal provokanten Fastenpredigt sicherlich Maßstäbe gesetzt. Nichts und niemanden hat er geschont", sagt Lerchenberg bei zeit.de.

Ich habe mir die Rede angesehen. Ich fand die Fastenpredigt treffend, böse und sehr wahr – und genau so soll sie ja auch sein: Niemanden schonen! Lechenberg machte einen Rundumschlag: bayerische Landespolitik, Schwarz-Gelb, Landesbank, Afghanistan, SPD und die Grünen, Kärnten und die Merkel. Kurz: jedes wichtige Thema sprach Lerchenberg an, kritisierte die Politiker konkret und mit großem Wissen. Die bayerische Justizministerin Beate Merk hätte wohl nicht damit gerechnet, wegen der Situation in den Gefängnissen und ein Gesetz, das Waffenbesitz erheblich erleichtert, angegangen wird.

Ich fand des KZ-Vergleich nicht lustig. Er war grenzwertig, aber kein Grund zur Zensur. 2007 stieg schon Django Asül aus, weil er die Herren und Damen Politiker zu hart angegangen sein soll. Aber das ist doch Sinn und Zweck der Veranstaltung. Bayern hat ja eine Menge Kabarettisten, aber langsam gehen sie aus: Bruno Jonas – hat ma schon, Django Asül – hat ma schon, Lerchenberg – auch weg. Wen gäb’s denn noch? Und vor allem wer hat denn noch Bock darauf?

(Der Goppel hat mir fast schon ein bisschen Leid getan, als ihm mal einer ins Gesicht gesagt hat, dass er schon sowas wie der Depp vom Dienst der CSU ist. Aber nur fast.)

Tags: , , , , , ,

23. Februar 2010 0

Paul Merton in China

Von katha in China

Der britische Komiker Paul Merton reist nach China und macht daraus eine Fernsehsendung. Zuerst hab ich sie synchronisiert auf Arte gesehen – einfach grauenhaft. Aber im Original ist es ganz witzig, wobei ich bezweifle, dass sein schwarzer und ironischer Humor immer auch als solcher aufgenommen wurde. (Also zumindest bei mir haben ironische Kommentare kaum funktioniert…).

Auch wenn alles irgendwie spontan wirken soll, ist es klar, dass vieles konstruiert ist. Aber egal, denn es ist unterhaltsam und er trifft interessante Menschen. Rapper, deren Songs von der wunderbaren Esskultur in China handeln, denn alles was gegen das System geht ist verboten, was sie so auch einsehen und akzeptieren. Er trifft einen jungen Mann, der Roboter baut, ein wahrer Exzentriker. Seine Frau nutzt die Gunst der Stunde, in der ein Fernsehteam anwesend ist und schimpft über ihren Mann, der nur Roboter und Maschinen im Kopf hat – köstlich! Meine Lieblingsszene ist gleich ganz am Anfang: Ein Taxifahrer mit null Plan und ein Fahrgast ohne Chinesischkenntnisse.

Auch wenn es in den ersten Minuten gleich so wirkt: Nein, es ist nicht alltäglich, dass Chinesen in Restaurants gehen, in denen es nur verschiedenste Arten von Penissen gibt. Wobei ich vor einiger Zeit von einer Restaurantkette gelesen habe, die sich genau darauf spezialisiert hat und jetzt sogar nach Amerika expandiert.

Zu empfehlen ist auch Teil 3 dieser Videos: Merton unterrichtet Englisch oder versucht es wenigstens und weiß genau, dass ihn niemand versteht. Sehr realitätsnah…

Insgesamt gibt es vier Folgen von “Paul Merton in China”. Im folgenden die Erste davon.

Tags: ,

10. Januar 2010 0

Hello Teacher! How are you?

Von katha in China

Jan-Christoph Kammann unterrichtet zur Zeit Englisch in China, so wie ich es auch getan habe, und darüber bei Spiegel Online geschrieben. Ich sitze hier zu Hause in Deutschland, denke zurück an die Zeit in Yunnan und kann so vieles, was Jan-Christoph schreibt, genauso bestätigen:

In der ersten Stunde habe ich noch versucht, mir die Namen der Schüler zu merken. Unmöglich. So sehr ich auch dagegen kämpfe – nach ein paar Stunden nehme ich die Schüler nur noch als gleichförmige Masse in blauen Trainingsanzügen wahr. Und die englischen Namen, die sie sich ausgesucht haben, wiederholen sich ständig: Kevin, Peter, Jack und Linda, Nicole, Tracy. Namen sind aber auch nicht so wichtig. Die Schüler sind dazu übergegangen, mich schlicht “Teacher” statt “Yang Laoshi” zu rufen.

Zum Stundenbeginn werde ich stets begrüßt mit euphorischem Jubel: “Hello Teacher! How are you?” Ich stelle mich vor und erzähle, wo ich herkomme. Jeder kennt Volkswagen, Deutschland auf der Karte zeigen kann keiner. Ja nun, wir sind im Englischunterricht. England findet aber auch niemand, die USA und Kanada dagegen schon, weil es so große Länder sind. Und Neuseeland auch – weil es so bemitleidenswert klein ist.

(…)

Als ich Deutschland auf der Karte zeige, wundern sich alle über die mickrige Größe. Von einer so großen Autonation kann man ja wohl etwas mehr Fläche erwarten! Einige wirken enttäuscht, andere belustigt. “Zhong Guo hen da” (China ist sehr groß), sage ich und habe die Sympathien auf meiner Seite.

(…)

Zum Abschied hieß es dann immer im Chor und in einer Wahnsinnslautstärke: “Bye bye teacher!”

(…)

In den ersten Tagen habe ich meinen Job als unheimlich anstrengend empfunden. Aber das ist relativ, verglichen mit dem Alltag der Schüler. Jeden Tag, auch samstags, zwölf Stunden Unterricht und danach Hausaufgaben - das geht nicht spurlos an ihnen vorüber. Man sieht, dass sie total übermüdet sind. Dafür spricht auch ihre liebste Freizeitaktivität. Die meisten sagen: Schlafen.

DSC_0006

Gengma Middle School, Yunnan Province, China

Tags: ,

27. Dezember 2009 1

Downtown damaskus

Von katha in Kulturelles

Es gibt Orte auf der Welt, an die ich unbedingt einmal reisen möchte. Besonders viele davon liegen im Orient; Marrakesch gehört dazu, genauso wie Damaskus. (Ich vermute, das liegt daran, dass ich einen Sommer lang sehr viel Zeit mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar und ihren Abenteuern verbrachte). “In meinem Kopf ist ein Bild ist das Bild einer wunderschönen und lebendigen Stadt mit ihren Gerüchen und Farben entstanden”, habe ich über Damaskus geschrieben, nachdem ich “Die dunkle Seite der Liebe” von Rafik Schami gelesen habe. Dass dieser Eindruck nicht nur für das vergangene Damaskus gilt, sondern die Stadt auch heute noch immer faszinierend ist, zeigte mir die Reportage “Die gleichzeitige Stadt” im Souk-Magazin.

damaskus

In einem virtuellen Stadtrundgang kann man die Damaszener Altstadt erkunden. Kleine Reportagen in kurzen Texten, Videos oder Fotostrecken geben Einblick in die alten Märkte (Souks), genauso wie die Jugendkultur und Clubszene im christlichen Viertel. Und natürlich dürfen auch Rafik Schamis Beschreibungen seiner Heimatstadt nicht fehlen, der sich (mal wieder) in Lobeshymnen über seine Heimatstadt äußern kann. Rafik Schami ist im Übrigen ein Künstlername und bedeutet “der aus Damaskus kommt”. Er versteht sich mehr als Geschichtenerzähler, denn als Schriftsteller und steht somit in der Tradition seiner Heimatstadt wie ein Video über den letzten lebenden Geschichtenerzähler in Damaskus zeigt, dessen Zuhörer aber nach einer Erwähnung in der Reisebibel Lonley Planet eher Touristen als Einheimische sind.

Das Souk-Magazin habe vor einigen Monaten entdeckt. “Gesellschaftsmagazin für den Orient” nennt es sich selbst und berichtet über den Krieg in Israel und Palästina genauso wie über das Hamam, das traditionelle türkische Bad. Junge Journalisten aus Deutschland, die hauptsächlich im arabischen Raum leben und arbeiten haben es auf die Beine gestellt und überzeugen mich immer wieder durch Artikel und Reportagen über den Alltag in diesen Ländern. Wer sich für die Welt zwischen Rabat und Kabul interessiert, dem sei dieses kleine, aber feine Magazin ans Herz gelegt.

Foto von Khalid Almasoud

Tags: , ,

23. Dezember 2009 0

Trash TV

Von katha in Kulturelles

Es gibt kaum Unterhaltsameres als einen gut geschriebenen und nachvollziehbaren Verriss. Bestes Beispiel: Michael Bitalas Artikel “Ohne Sinn und Verstand” (warum hat der Text online eine andere Überschrift als in der Printausgabe?) über Herz-Schmerz-Filme der ARD, die in Afrika platziert werden und vorwiegend mit Christine Neubauer besetzt sind. Stereotypen werden in diesen Filmen auf dem Silbertablett präsentiert, der intellektuelle Anspruch an den Zuschauer minimal. Also, here we go:

Wenn nun an diesem Dienstag Christine Neubauer erneut für die ARD in Namibia aufschlägt, um gleich mal den ganzen Kontinent in Beschlag zu nehmen (der Film heißt Meine Heimat Afrika), dann muss man das Offensichtliche gar nicht mehr kritisieren.

(…)

Nein, es geht nicht darum, dass Afrika als Projektionsfläche für Sehnsüchte hergenommen wird, dagegen ist nichts zu sagen, die ganze Tourismusindustrie des Kontinents lebt davon. Und keiner erwartet auch im Unterhaltungsprogramm ein Dokudrama über den Genozid in Ruanda oder über den ewigen Krieg im Ostkongo. Wer so gegen Afrika-Unterhaltungsfilme argumentiert, versteht das Fernsehgeschäft nicht.

Es geht um etwas anderes. Es geht darum, wie schlecht diese und viele andere Degeto-Produktionen sind. Würde man das Niveau als unterirdisch bezeichnen, wäre das zu hoch gegriffen.

Wie die bayerische Mama Afrika stapft sie mit einem Ureinwohner, der perfekt Deutsch spricht, über die Dünen, und nachdem sie immer wieder voller Freude festgestellt hat, dass Afrika in ihr Kräfte freilegt, die sie in Deutschland nicht verspürte – aus welchen Gründen auch immer -, sieht man sie schon breitbeinig auf dem Dünenkamm stehen und “Ich bin Mutter Erde” in die leere Namib-Wüste schreien. Das, zum Glück, haben sich die Drehbuchautoren verkniffen. Dafür wird ihr dann das Gesicht von echten Afrikanern bunt bemalt, und sie darf an einer traditionellen Zeremonie teilnehmen, bei der ebenfalls perfekt Deutsch gesprochen wird. Da fehlt dann nur noch das Baströckchen.

(…) am Ende von “Meine Heimat Afrika” weiß man nicht, worüber man mehr unglücklich sein sollte. Darüber, dass man für dieses sinn- und verstandfreie Werk mit seinen GEZ-Gebühren beigetragen hat, oder darüber, dass man 90 Minuten Lebenszeit vergeudet hat.

Wenn der Film nicht schon gestern gelaufen wäre – ich glaub, ich hätte ihn mir angesehen. Denn der Artikel macht Lust auf Trash-TV.

Tags: , ,