schafott.net

move your ass and your mind will follow

Some Bullshit Happening Somewhere

Veröffentlicht am | 14. 03. 2010 | Noch kein Kommentar

Winter 2010: In Nachrichtenstudios wird vor Schneefall gewarnt. Reporter stehen im Schnee und berichten davon, wie sie im Schnee stehen. Augenzeugen berichten vom Schneefall. Dabei ist einfach nur Winter. Nur ein Beispiel für Medienhysterie in letzter Zeit. Genau dieses Ausschlachten von im Grunde ganz alltäglichen und irrelevanten Themen verarscht das folgende Video, das über irgendeinen Bullshit, der irgendwo passiert, in bester Breaking-News-Attitüde berichtet. 

via Hirngerechte Gestaltung

Nockherberg 2010

Veröffentlicht am | 06. 03. 2010 | 1 Kommentar

So, der nächste ist weg. Michael Lerchenberg ist beim Nockhergberg ausgestiegen. "Mein "Bruder Barnabas" hat mit seiner Form der politischen, auch zu Teilen ernsten und durchaus manchmal provokanten Fastenpredigt sicherlich Maßstäbe gesetzt. Nichts und niemanden hat er geschont", sagt Lerchenberg bei zeit.de.

Ich habe mir die Rede angesehen. Ich fand die Fastenpredigt treffend, böse und sehr wahr – und genau so soll sie ja auch sein: Niemanden schonen! Lechenberg machte einen Rundumschlag: bayerische Landespolitik, Schwarz-Gelb, Landesbank, Afghanistan, SPD und die Grünen, Kärnten und die Merkel. Kurz: jedes wichtige Thema sprach Lerchenberg an, kritisierte die Politiker konkret und mit großem Wissen. Die bayerische Justizministerin Beate Merk hätte wohl nicht damit gerechnet, wegen der Situation in den Gefängnissen und ein Gesetz, das Waffenbesitz erheblich erleichtert, angegangen wird.

Ich fand des KZ-Vergleich nicht lustig. Er war grenzwertig, aber kein Grund zur Zensur. 2007 stieg schon Django Asül aus, weil er die Herren und Damen Politiker zu hart angegangen sein soll. Aber das ist doch Sinn und Zweck der Veranstaltung. Bayern hat ja eine Menge Kabarettisten, aber langsam gehen sie aus: Bruno Jonas – hat ma schon, Django Asül – hat ma schon, Lerchenberg – auch weg. Wen gäb’s denn noch? Und vor allem wer hat denn noch Bock darauf?

(Der Goppel hat mir fast schon ein bisschen Leid getan, als ihm mal einer ins Gesicht gesagt hat, dass er schon sowas wie der Depp vom Dienst der CSU ist. Aber nur fast.)

Paul Merton in China

Veröffentlicht am | 23. 02. 2010 | Noch kein Kommentar

Der britische Komiker Paul Merton reist nach China und macht daraus eine Fernsehsendung. Zuerst hab ich sie synchronisiert auf Arte gesehen – einfach grauenhaft. Aber im Original ist es ganz witzig, wobei ich bezweifle, dass sein schwarzer und ironischer Humor immer auch als solcher aufgenommen wurde. (Also zumindest bei mir haben ironische Kommentare kaum funktioniert…).

Auch wenn alles irgendwie spontan wirken soll, ist es klar, dass vieles konstruiert ist. Aber egal, denn es ist unterhaltsam und er trifft interessante Menschen. Rapper, deren Songs von der wunderbaren Esskultur in China handeln, denn alles was gegen das System geht ist verboten, was sie so auch einsehen und akzeptieren. Er trifft einen jungen Mann, der Roboter baut, ein wahrer Exzentriker. Seine Frau nutzt die Gunst der Stunde, in der ein Fernsehteam anwesend ist und schimpft über ihren Mann, der nur Roboter und Maschinen im Kopf hat – köstlich! Meine Lieblingsszene ist gleich ganz am Anfang: Ein Taxifahrer mit null Plan und ein Fahrgast ohne Chinesischkenntnisse.

Auch wenn es in den ersten Minuten gleich so wirkt: Nein, es ist nicht alltäglich, dass Chinesen in Restaurants gehen, in denen es nur verschiedenste Arten von Penissen gibt. Wobei ich vor einiger Zeit von einer Restaurantkette gelesen habe, die sich genau darauf spezialisiert hat und jetzt sogar nach Amerika expandiert.

Zu empfehlen ist auch Teil 3 dieser Videos: Merton unterrichtet Englisch oder versucht es wenigstens und weiß genau, dass ihn niemand versteht. Sehr realitätsnah…

Insgesamt gibt es vier Folgen von “Paul Merton in China”. Im folgenden die Erste davon.

Hello Teacher! How are you?

Veröffentlicht am | 10. 01. 2010 | Noch kein Kommentar

Jan-Christoph Kammann unterrichtet zur Zeit Englisch in China, so wie ich es auch getan habe, und darüber bei Spiegel Online geschrieben. Ich sitze hier zu Hause in Deutschland, denke zurück an die Zeit in Yunnan und kann so vieles, was Jan-Christoph schreibt, genauso bestätigen:

In der ersten Stunde habe ich noch versucht, mir die Namen der Schüler zu merken. Unmöglich. So sehr ich auch dagegen kämpfe – nach ein paar Stunden nehme ich die Schüler nur noch als gleichförmige Masse in blauen Trainingsanzügen wahr. Und die englischen Namen, die sie sich ausgesucht haben, wiederholen sich ständig: Kevin, Peter, Jack und Linda, Nicole, Tracy. Namen sind aber auch nicht so wichtig. Die Schüler sind dazu übergegangen, mich schlicht “Teacher” statt “Yang Laoshi” zu rufen.

Zum Stundenbeginn werde ich stets begrüßt mit euphorischem Jubel: “Hello Teacher! How are you?” Ich stelle mich vor und erzähle, wo ich herkomme. Jeder kennt Volkswagen, Deutschland auf der Karte zeigen kann keiner. Ja nun, wir sind im Englischunterricht. England findet aber auch niemand, die USA und Kanada dagegen schon, weil es so große Länder sind. Und Neuseeland auch – weil es so bemitleidenswert klein ist.

(…)

Als ich Deutschland auf der Karte zeige, wundern sich alle über die mickrige Größe. Von einer so großen Autonation kann man ja wohl etwas mehr Fläche erwarten! Einige wirken enttäuscht, andere belustigt. “Zhong Guo hen da” (China ist sehr groß), sage ich und habe die Sympathien auf meiner Seite.

(…)

Zum Abschied hieß es dann immer im Chor und in einer Wahnsinnslautstärke: “Bye bye teacher!”

(…)

In den ersten Tagen habe ich meinen Job als unheimlich anstrengend empfunden. Aber das ist relativ, verglichen mit dem Alltag der Schüler. Jeden Tag, auch samstags, zwölf Stunden Unterricht und danach Hausaufgaben - das geht nicht spurlos an ihnen vorüber. Man sieht, dass sie total übermüdet sind. Dafür spricht auch ihre liebste Freizeitaktivität. Die meisten sagen: Schlafen.

DSC_0006

Gengma Middle School, Yunnan Province, China

Downtown damaskus

Veröffentlicht am | 27. 12. 2009 | 1 Kommentar

Es gibt Orte auf der Welt, an die ich unbedingt einmal reisen möchte. Besonders viele davon liegen im Orient; Marrakesch gehört dazu, genauso wie Damaskus. (Ich vermute, das liegt daran, dass ich einen Sommer lang sehr viel Zeit mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar und ihren Abenteuern verbrachte). “In meinem Kopf ist ein Bild ist das Bild einer wunderschönen und lebendigen Stadt mit ihren Gerüchen und Farben entstanden”, habe ich über Damaskus geschrieben, nachdem ich “Die dunkle Seite der Liebe” von Rafik Schami gelesen habe. Dass dieser Eindruck nicht nur für das vergangene Damaskus gilt, sondern die Stadt auch heute noch immer faszinierend ist, zeigte mir die Reportage “Die gleichzeitige Stadt” im Souk-Magazin.

damaskus

In einem virtuellen Stadtrundgang kann man die Damaszener Altstadt erkunden. Kleine Reportagen in kurzen Texten, Videos oder Fotostrecken geben Einblick in die alten Märkte (Souks), genauso wie die Jugendkultur und Clubszene im christlichen Viertel. Und natürlich dürfen auch Rafik Schamis Beschreibungen seiner Heimatstadt nicht fehlen, der sich (mal wieder) in Lobeshymnen über seine Heimatstadt äußern kann. Rafik Schami ist im Übrigen ein Künstlername und bedeutet “der aus Damaskus kommt”. Er versteht sich mehr als Geschichtenerzähler, denn als Schriftsteller und steht somit in der Tradition seiner Heimatstadt wie ein Video über den letzten lebenden Geschichtenerzähler in Damaskus zeigt, dessen Zuhörer aber nach einer Erwähnung in der Reisebibel Lonley Planet eher Touristen als Einheimische sind.

Das Souk-Magazin habe vor einigen Monaten entdeckt. “Gesellschaftsmagazin für den Orient” nennt es sich selbst und berichtet über den Krieg in Israel und Palästina genauso wie über das Hamam, das traditionelle türkische Bad. Junge Journalisten aus Deutschland, die hauptsächlich im arabischen Raum leben und arbeiten haben es auf die Beine gestellt und überzeugen mich immer wieder durch Artikel und Reportagen über den Alltag in diesen Ländern. Wer sich für die Welt zwischen Rabat und Kabul interessiert, dem sei dieses kleine, aber feine Magazin ans Herz gelegt.

Foto von Khalid Almasoud

Trash TV

Veröffentlicht am | 23. 12. 2009 | Noch kein Kommentar

Es gibt kaum Unterhaltsameres als einen gut geschriebenen und nachvollziehbaren Verriss. Bestes Beispiel: Michael Bitalas Artikel “Ohne Sinn und Verstand” (warum hat der Text online eine andere Überschrift als in der Printausgabe?) über Herz-Schmerz-Filme der ARD, die in Afrika platziert werden und vorwiegend mit Christine Neubauer besetzt sind. Stereotypen werden in diesen Filmen auf dem Silbertablett präsentiert, der intellektuelle Anspruch an den Zuschauer minimal. Also, here we go:

Wenn nun an diesem Dienstag Christine Neubauer erneut für die ARD in Namibia aufschlägt, um gleich mal den ganzen Kontinent in Beschlag zu nehmen (der Film heißt Meine Heimat Afrika), dann muss man das Offensichtliche gar nicht mehr kritisieren.

(…)

Nein, es geht nicht darum, dass Afrika als Projektionsfläche für Sehnsüchte hergenommen wird, dagegen ist nichts zu sagen, die ganze Tourismusindustrie des Kontinents lebt davon. Und keiner erwartet auch im Unterhaltungsprogramm ein Dokudrama über den Genozid in Ruanda oder über den ewigen Krieg im Ostkongo. Wer so gegen Afrika-Unterhaltungsfilme argumentiert, versteht das Fernsehgeschäft nicht.

Es geht um etwas anderes. Es geht darum, wie schlecht diese und viele andere Degeto-Produktionen sind. Würde man das Niveau als unterirdisch bezeichnen, wäre das zu hoch gegriffen.

Wie die bayerische Mama Afrika stapft sie mit einem Ureinwohner, der perfekt Deutsch spricht, über die Dünen, und nachdem sie immer wieder voller Freude festgestellt hat, dass Afrika in ihr Kräfte freilegt, die sie in Deutschland nicht verspürte – aus welchen Gründen auch immer -, sieht man sie schon breitbeinig auf dem Dünenkamm stehen und “Ich bin Mutter Erde” in die leere Namib-Wüste schreien. Das, zum Glück, haben sich die Drehbuchautoren verkniffen. Dafür wird ihr dann das Gesicht von echten Afrikanern bunt bemalt, und sie darf an einer traditionellen Zeremonie teilnehmen, bei der ebenfalls perfekt Deutsch gesprochen wird. Da fehlt dann nur noch das Baströckchen.

(…) am Ende von “Meine Heimat Afrika” weiß man nicht, worüber man mehr unglücklich sein sollte. Darüber, dass man für dieses sinn- und verstandfreie Werk mit seinen GEZ-Gebühren beigetragen hat, oder darüber, dass man 90 Minuten Lebenszeit vergeudet hat.

Wenn der Film nicht schon gestern gelaufen wäre – ich glaub, ich hätte ihn mir angesehen. Denn der Artikel macht Lust auf Trash-TV.

“Es gibt keine absolute Pressefreiheit”

Veröffentlicht am | 16. 06. 2009 | Noch kein Kommentar

Foto: Vitali Petlevoy www.to4ka-treff.de Medien und Politik bedingen einander. Doch wer hält die Zügel in der Hand? Dietmar Bartsch, Bundestagsabgeordneter und Geschäftsführer der Partei DIE LINKE steht To4ka-Treff Rede und Antwort.

 

 

Herr Bartsch, wer bestimmt die politische Agenda? Die Medien oder die Politik?
Dietmar Bartsch: Man kann das nicht so sagen, dass die eine Seite bestimmt und die andere nicht. Aber es ist so, dass in der Politik sehr stark in Richtung Medien geschaut wird, da es für die Politik zwei Maßstäbe gibt: zum einen sind das die Zahlen, die am Wahlabend aufleuchten, die Wahlergebnisse. Der andere Maßstab ist die Entwicklung von Mitgliederzahlen. Beide Maßstäbe werden natürlich zu einem großen Teil über die Medien transportiert. Aber es gibt auch den umgekehrten Aspekt. Medien haben Auflage mit den bekannten Politikern, mit Geschichten. Das ist eine gegenseitige Abhängigkeit. Allerdings ist es so, dass Politik, je näher Wahlzeiten kommen, sich in größere Abhängigkeit von Medien begibt.

Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister beschreibt ins seinem neuesten Buch den Wandel von einer linksliberal geprägten Presse in der alten BRD zu einer “Nervösen Zone” in der Berliner Republik, wo eine konservative Elitenverflechtung zwischen Medien und Politik entstanden ist, ein Klüngel, das nur seine eigenen Interessen vertritt. Was halten Sie davon?
Ich glaube, dass das eine zu grobe Verkürzung ist. Dass es so war, dass die halbe Bundesrepublik medienmäßig etwas linksliberaler geprägt war, hat faktisch damit zu tun, dass die Konservativen jahrzehntelang die Macht hatten. Dadurch ist über viele Jahre ein Automatismus entstanden, dass in der Öffentlichkeit sich eine widersprüchliche Meinung dazu bildete. Die großen Meinungsmacher wie der “Stern” oder “Der Spiegel” sind ja gegründet worden, um Widerstand zum Establishment nach 1945 zu bilden. Die rot-grüne Politik in der Berliner Republik ist natürlich in besonderer Weise von den Konservativen und Liberalen kritisiert worden, und damit auch durch die Medien.

Können sie ein Beispiel nennen?
In Deutschland gibt es vier große Verlage im Printbereich, die natürlich die Politik mitbestimmen. Letztlich glaube ich, dass teilweise auch die Macht der Medien überschätzt wird. Insgesamt würde ich aber sagen, dass Deutschland von der Hegemonie her kulturell wie politisch eher konservativ geprägt ist. Das wird auch manifest in der Medienlandschaft der Berliner Republik, denn die klassischen linksliberalen Blätter haben keine Konjunktur, das muss man ganz klar sagen.

Foto: Vitali Petlevoy, Copyright: to4ka-treffUnserem Verständnis nach bestimmt in Russland der Eigentümer eminent die politische Ausrichtung der Zeitung. Gilt das auch für Deutschland?
In Deutschland ist das doch ein bisschen anders als in Russland. In Deutschland gibt es die direkte Einflussnahme auch, aber viel subtiler. Erstens ist die Pressefreiheit im Grundgesetz garantiert. Und das steht nicht nur auf dem Papier. Fakt ist, dass Zeitungen, die parteieigen sind oder einer Partei nahe stehen, es immer sehr schwierig haben, völlig egal zu welcher Partei sie gehören. Das “Neue Deutschland” war bis 1989 eine reine Parteizeitung. Ab 1990 wurde der Versuch gemacht, sich zu emanzipieren und eine eigenständige Zeitung, die nicht in völliger Abhängigkeit von der Partei ist, zu bilden. Die Abhängigkeit was den Inhalt betrifft, ist viel geringer als bei anderen. Wenn sie zum Beispiel mit der “Welt” vergleicht. Da ist es schon so, dass wenn Friede Springer etwas nicht passt, wird da auch mal eingegriffen. Formal ist es so, dass die LINKE über Tochtergesellschaften mit 50 Prozent an “Neues Deutschland” beteiligt ist. Trotzdem ist der direkte Einfluss ziemlich gering.

Aber der Herausgeber ist Lothar Bisky.
Der Herausgeber ist Bisky, das ist wahr. Das hängt aber auch damit zusammen, dass 50 Prozent der Beteiligungen jetzt an ein Unternehmen gegangen sind, was wirklich nicht mit der Partei verbunden ist. Das “Neue Deutschland” wäre aber auch nicht lebensfähig, wenn es nicht die Nähe zur Partei hätte. Aber ich habe von direktem Einfluss gesprochen. Es ist ein Unterschied, inwieweit irgendein Gremium der Partei eingreift und beeinflusst. Das findet so nicht statt. Wenn dann ist es eher in einer anderen Form. Die Unzufriedenheit über die Zeitung ist meist in der Partei selbst am größten. Das ist aber bei anderen ähnlich.

Muss ein Journalist objektiv sein?
Das wird jeder unterschreiben und jeder Journalist wird das von sich sagen. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht: Journalisten haben immer eine objektive Schere im Kopf. Da, wo man seine monatliche Überweisung bekommt, wird man nicht unbedingt das schreiben, was das Haus nicht will und was die Leserinnen und Leser nicht wollen. Es gibt ja keine völlige Freiheit. Das ist im Übrigen in der Politik genauso. Kein Politiker ist völlig frei.

“Der Kunde ist König”. Gilt das auch für den Zeitungsmarkt?
Die Zeitungen müssen verkauft werden. Ein großer deutscher Verleger hat mal zu mir gesagt: “Was interessieren mich meine Leser, mich interessieren meine Käufer.” Und da ist natürlich was dran. Alle Publikationen und alle Sender haben sich im Laufe der Zeit ein bestimmtes Profil zugelegt. Wenn das “Neue Deutschland” plötzlich ein konservatives Blatt wäre, würden die Leser alle sagen: “Schönen Dank. Für das Geld kann ich mir etwas anderes leisten”. Das ist heute natürlich ein enormer Wettbewerb in Deutschland. Da geht es um Quoten und um Werbeeinnahmen. Es würde niemand einen bösen Artikel über Opel schreiben, weil Opel gibt Anzeigen auf, und Anzeigen sind 50 Prozent der Einnahmen. Die Parteien nutzen für den Wahlkampf verstärkt das Internet.

Plant auch die LINKE eine besondere Offensive?
Ja, das plant die LINKE nicht nur, da haben wir schon begonnen. Wir geben im Bereich Internet für die Europa- und Bundestagswahlen relativ viel Geld aus. Das hat natürlich sehr stark damit zu tun, dass es in den USA von Barack Obama einen Wahlkampf gegeben hat, der extrem Internet-geprägt war. Das Internet wird nicht wahlentscheidend sein, entscheidend sind weiterhin andere Faktoren. Die Leute, die Aktivist sind, “linksaktiv” heißt das bei uns, werden exklusiv mit Informationen ausgestattet. Das ist neu, das ist Aktivierungswahlkampf, der völlig losgelöst von den anderen Medien läuft. Das Internet wird in diesem Wahlkampf eine deutlich größere Rolle spielen, als in den bisherigen.

Foto: Vitali Petlevoy, Copyright: to4ka-treff Wir waren auf der Seite der “Jungen Welt”, einer linken Tageszeitung. Dort steht iPod-Werbung neben Kapitalismuskritik. Wie passt das zusammen?
Wir leben in der Marktwirtschaft und man kann mit Ideologie wenig kaufen. Das ist völlig normal, dass man sich darin bedient. Es muss aber Grenzen geben. Die Frage ist, wo der Lobbyismus aufhört. Ein klassischer Fall stand gerade in den Zeitungen: CSU, SPD und FDP und bekommen alle von BMW ihre Autos gestellt. DIE LINKE nicht. Das finde ich auch in Ordnung. Wenn man die Interessen der abhängig Beschäftigten, der Arbeitslosen, der Rentnerinnern und Rentner wahrnehmen will, dann kann man sich nicht in die Abhängigkeit der Konzerne begeben. Sonst muss man bei einer anderen Partei sein. Ich bin da nicht so verbissen und sage: “Es gibt überhaupt keine Werbung.” Aber das ist immer ein schmaler Grat. Denn wer sich nicht mit anderen Meinungen auseinander setzen kann und wegen einer Anzeige seine Meinung verändert, bin ich sowieso skeptisch.

Gibt es eine linke Medienpolitik?
Klar gibt es eine linke Medienpolitik. Dazu gehört zum Beispiel Gebühren für öffentlich-rechtliches Fernsehen und Rundfunk, wo wir als Linke sagen, dass der Kritik enorme Wichtigkeit zukommt. Wie wird öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Fernsehen kontrolliert? Ich bin der Erste von den Linken, der im ZDF-Fernsehrat ist, der bestimmte Funktionen hat wie die Bestimmung des Intendanten und Programmaufsicht usw. Ein Kritikpunkt von uns ist, dass die öffentlich-rechtlichen Sender sehr stark in den Händen der politischen Parteien sind. Die dritten Programme sind faktisch alle abhängig von den Landesregierungen. Ich plädiere dafür, dass es im Medienbereich ein hohes Maß an Freiheit geben sollte. Freiheit kann aber nie allein eine Freiheit des Geldes sein. Meinungsfreiheit muss im Medienbereich egal welcher Couleur realisierbar sein.

 

Erschienen bei: Tot4ka-Treff.de im Rahmen des Workshops “Die Wahrsager. Medien, Politik, Lobbyismus”. Ich habe das Interview mit Fabian Burkhardt geführt.

Mein Herz für Blogs

Veröffentlicht am | 21. 04. 2009 | 9 Kommentare

image

Der große Hype um Blogs ist vorbei, hip ist jetzt Twitter. Kaum eines der großen Medien kam in den letzten Wochen und Monaten ohne einen Bericht über das Gezwitschere aus. Doch nicht nur in Zeitungen und Zeitschriften nahm das Interesse an Blogs ab, auch in der Blogosphäre scheint die Euphorie der letzten beiden Jahren vorbei zu sein. Mehrere Blogger, die ich regelmäßig lese, schreiben immer weniger und/oder haben ihren Schwerpunkt auf Twitter verlegt. Ich nehme mich da nicht aus, auch ich veröffentliche hier immer weniger Dinge. Kurze Links oder kurze Gedanken poste ich nur mehr über Twitter. Diese Beiträge werden einmal pro Woche hier integriert.

Vielleicht ist es auch so, dass sich viele schon seit längerer Zeit in Blogs informieren und ihre festen Adressen ansteuern. Bei mir hab ich bemerkt, dass ich nicht mehr so intensiv nach neuen Blogs suche, sondern die meisten meiner RSS-Feed seit langer Zeit im Reader habe.

Deshalb ist es an der Zeit, dass ich neuen Input bekomme. Dazu ist die Aktion “Ein Herz für Blogs” genau richtig. Einer ganzen Reihen von tollen Blogs bin ich heute begegnet. Und vielleicht gefallen auch einigen von euch meine Tipps.

Isarstadt: Ein Blog über München. Ich las es vor ein einem Jahr schon einmal, dann kamen irgendwann keine Postings mehr und ich warf es aus dem Feedreader. Vor kurzem hab ich es wieder entdeckt und es berichtet noch immer witzig und kreativ aus meiner Landeshauptstadt – garantiert ohne Partytermine. Die Autoren erzählen kleine Geschichten von der Isar – auch (oder gerade) für Nicht-Münchner interessant.

Malte Welding: Sein Abgang hat eine große Lücke bei Spreeblick hinterlassen, dem lange Zeit wohl wichtigstem Blog über Popkultur überhaupt. Jetzt gibt’s auf seiner persönlichen Seite Links und Geschichten mit hohem literarischen Anspruch.

Buchstaben in Bewegung: Der Jurastudent Simon schreibt über Politik und Pop, Recht und Medien. Und das gut recherchiert und in leichtem Ton.

Chinablog.ch: Lu Hai Rui, ein Schweizer Journalist, schickt ein Stück China über die Glasfaberkabeln in alle Welt. Fotos und Anekdoten aus seinem Alltag in Shanghai.

keep looking »