Post-Tag-Archiv für ‘ Lesenswertes ’

24. November 2009 1

Notizen

Von katha in China
  • Wer Recht sucht, wird misshandelt: In China gibt es eine offizielle Behörde, bei der sich Chinesen und Chinesinnen beschweren können. Das perfide dabei: die Partei registriert, woher die Kritiker kommen und schreibt das den einzelnen Provinzen zu. Beamte aus ganz China bekommen deshalb Prämien, wenn sie die Leute verhaften, die sich gegen den Staat auflehnen. Und oft landen sie dann in “Schwarzen Gefängnissen”, wo sie gefoltert werden. Der Staat hat nun im Zuge eines Verfahrens wegen Vergewaltigung einer Gefangen. erstmals zugegeben, dass solche schwarzen Gefängnisse existieren.
  • Das Bild über China ist im Westen nicht das Beste. Das weiß natürlich auch die KP und will ihr Image aufpolieren. “Es ist wie eine Windel, die den Schmutz am Hintern verdeckt” heißt es bei ZAPP.
  • Die Leiden des jungen Werthers” hat praktisch jeder chinesische Mittelschulabsolvent mindestens einmal gelesen.” Wissenswertes über den chinesischen Buchmarkt.
  • Liu Bolin macht auch Fotos. Aber auf ganz andere Weise. Er malt sich an und integriert sich so in seine Umwelt. Auf dem Bild unten taucht ein Phänomen auf, das mir in China oft begegnete und ich nie aufklären konnte: Warum schmieren Chinesen ständig und fast überall Telefonnummern an Wände? Mehr Bilder.

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16. September 2009 4

“Der Gott der kleinen Dinge” von Arundhati Roy

Von katha in Kulturelles

Es gibt Bücher, bei denen weiß ich bereits nach ein paar Seiten, dass sie zu meinen Lieblingsbüchern gehören werden und ich sie immer wieder lesen werde. “Der Gott der kleinen Dinge” von Arundhati Roy ist so ein Buch.

Die Geschichte handelt von einer indischen Familie in den 60er Jahren in politisch unruhigen Zeiten und einer Katastrophe, die das Leben der Beteiligten entweder beendet oder komplett verändert. Im Mittelpunkt stehen die zweieiigen Zwillinge Estha und Rahel, die als umgekehrte siamesische Zwillinge beschrieben werden: Zwei Körper, aber ein Geist. Doch das Schicksal will es, dass die beiden getrennt werden (“Estha wird zurückgegeben”) und sich erst Jahre später wieder sehen.

Die Tragödie ist im ganzen Buch durch Rückblenden und Andeutungen präsent. Dieser ungewöhnliche Aufbau macht das Buch spannend: Das Ergebnis ist längst bekannt – getrennte Zwillinge, zwei Tote, das Ende einer glanzvollen Familie im Süden Indiens -, bis ich den Auslöser des Ganzen erahnte.

Arundhati Roy ist die poetische Erzählerin einer großen Geschichte. Einer Geschichte über die essentiellen Dinge des Lebens: Liebe und Hass, Rivalität und Verlust. Hintergrund sind in dem halb-biographischen Roman die 60er Jahre, die politisch vom Kommunismus und dem entwürdigendem Kastensystem geprägt waren. Zu kommt der schwelende Konflikt zwischen der christlichen Oberschicht und der hinduistischen Unterschicht, der auch nach der Unabhängigkeit Indiens noch immer die kolonialen Machtverhältnisse darstellte.

Mein Tipp: Unbedingt lesen. Warum? Roy gibt in ihrem Roman selbst die Antwort:

“Die großen Geschichten sind die, die man gehört hat und wieder hören will. Die man überall betreten und bequem bewohnen kann. Sie führen einen nicht mit Nervenkitzel und einem unerwartenden Ende hinters Licht. Sie überraschen einen nicht mit Unvorhergesehenem. Sie sind einem so vertraut wie das Haus, in dem man lebt. Oder wie der Geruch der Haut des Geliebten. Man weiß wie sie enden, aber man hört zu, als wüsste man es nicht. So wie man, obwohl man weiß, dass man eines Tages sterben wird, lebt, als wüsste man es nicht.”

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21. April 2009 10

Mein Herz für Blogs

Von katha in Medien

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Der große Hype um Blogs ist vorbei, hip ist jetzt Twitter. Kaum eines der großen Medien kam in den letzten Wochen und Monaten ohne einen Bericht über das Gezwitschere aus. Doch nicht nur in Zeitungen und Zeitschriften nahm das Interesse an Blogs ab, auch in der Blogosphäre scheint die Euphorie der letzten beiden Jahren vorbei zu sein. Mehrere Blogger, die ich regelmäßig lese, schreiben immer weniger und/oder haben ihren Schwerpunkt auf Twitter verlegt. Ich nehme mich da nicht aus, auch ich veröffentliche hier immer weniger Dinge. Kurze Links oder kurze Gedanken poste ich nur mehr über Twitter. Diese Beiträge werden einmal pro Woche hier integriert.

Vielleicht ist es auch so, dass sich viele schon seit längerer Zeit in Blogs informieren und ihre festen Adressen ansteuern. Bei mir hab ich bemerkt, dass ich nicht mehr so intensiv nach neuen Blogs suche, sondern die meisten meiner RSS-Feed seit langer Zeit im Reader habe.

Deshalb ist es an der Zeit, dass ich neuen Input bekomme. Dazu ist die Aktion “Ein Herz für Blogs” genau richtig. Einer ganzen Reihen von tollen Blogs bin ich heute begegnet. Und vielleicht gefallen auch einigen von euch meine Tipps.

Isarstadt: Ein Blog über München. Ich las es vor ein einem Jahr schon einmal, dann kamen irgendwann keine Postings mehr und ich warf es aus dem Feedreader. Vor kurzem hab ich es wieder entdeckt und es berichtet noch immer witzig und kreativ aus meiner Landeshauptstadt – garantiert ohne Partytermine. Die Autoren erzählen kleine Geschichten von der Isar – auch (oder gerade) für Nicht-Münchner interessant.

Malte Welding: Sein Abgang hat eine große Lücke bei Spreeblick hinterlassen, dem lange Zeit wohl wichtigstem Blog über Popkultur überhaupt. Jetzt gibt’s auf seiner persönlichen Seite Links und Geschichten mit hohem literarischen Anspruch.

Buchstaben in Bewegung: Der Jurastudent Simon schreibt über Politik und Pop, Recht und Medien. Und das gut recherchiert und in leichtem Ton.

Chinablog.ch: Lu Hai Rui, ein Schweizer Journalist, schickt ein Stück China über die Glasfaberkabeln in alle Welt. Fotos und Anekdoten aus seinem Alltag in Shanghai.

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29. März 2009 4

Die Neon kann es doch noch

Von katha in Medien

Seit einigen Monaten schon kaufe ich die NEON mehr aus Pflichtgefühl, denn aus Überzeugung. Ich lese sie jeden Monat und finde sie durchaus unterhaltsam. Sie bildet meine Lebenswelt besser ab als jede andere Zeitschrift auf dem deutschen Markt. Doch richtig überrascht hat sie mich schon lange nicht mehr. Die Reportagen sind gefällig. Themen, die die Zielgruppe interessieren: Sex, Musik, Drogen. Im Grunde macht das Magazin Boulevard für Hipster. Die Geschichte des Mannes, der sich von Pferden ficken ließ – bis er starb. Eine Reportage aus Kalifornien, wo Cannabis auf Rezept auf dem Vormarsch ist. In dieser Ausgabe eine Anleitung für den Ritalinkonsum. Kathrin Passing hält ein flammendes Plädoyer für Ritalin, der sie in einen Arbeitsrausch versetzt. (Das wirft natürlich ein ganz anderes Bild auf ihr Buch: „Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin“.)

Auch politische Texte finden ihren Platz. Meist interessant und informativ, aber nicht neu. Meistens habe ich das Gefühl diese Geschichten schon einmal gelesen. In Tageszeitungen und Zeitschriften, Online und Print. Und immer öfter auch in Blogs. Blackwater, Söldner und Korruption in der UNO – die Themen hatten auch die SZ oder die Zeit betrachtet, die NEON hinkt immer ein bisschen hinterher. Die Musik- und Filmtipps findet man auf Blogs schon seit Wochen und zeigt ganz deutlich die Nachteile einer monatlichen Zeitschrift. Slumdog Millionär, The Whitest Boy Alive: ich dachte einen Moment, ich hätte nicht die aktuelle Ausgabe in meinen Händen.

Doch in der Ausgabe April 09 hat mich die NEON überzeugt, mit einem Artikel über Heavy Metal und seine Bedeutung in der zweiten und dritten Welt. Brasilien, Indonesien und der arabischen Raum sind die Zentren dieser Kultur. Mit der Musik folgt oft eine politische Einstellung, die mehr Freiheit in den meist undemokratischen Staaten fordert. In vielen Ländern des mittleren Ostens haben Jugendliche mit langen Haaren und einschlägigen Band-T-Shirts Repressionen zu befürchten.

Der Artikel berichtet über die Band Sepeltura und einem Metalfestival in Dubai. Millionen Fans weltweit laden sich die Songs ihrer Helden wie Metallica aus dem Internet. In Ländern wie Iran, in denen Metal verboten ist, ist das Netz oft die einzige Möglichkeit an die Musik zu kommen. Und natürlich auch der modernste und einfachste.

Solche Artikel erwarte ich von einem Magazin, das nach eigenen Angaben diejenigen bedienen will, die nicht erwachsen werden wollen, obwohl sie es sollten. Da sind Jugendkulturen aus aller Welt ein wichtiges Thema und der die Reportage “Iran Maiden” trifft da den Nagel auf den Kopf.

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18. Februar 2009 0

Deutschland auf der Couch

Von Katharina in Kulturelles

“Wenn einer 60 wird, den 20. Hochzeitstag feiert und trotzdem das brüchige Selbstbewusstsein eines Teenagers hat – er wäre ein klarer Fall für die Psychocouch. Was aber, wenn die Beschreibung nicht auf einen Einzelnen zutrifft, sondern auf ein ganzes Volk?”

Der Schweizer Journalist Sascha Buchbinder legt die Deutschen auf die Couch und untersucht sie und ihre Minderwertigkeitskomplexe. Denn diese Komplexe sind es, die Patriotismus unmöglich machen. Natürlich spielt das dritte Reich in diesem Zusammenhang eine große Rolle, doch Buchbinder hat noch mehr Beispiele aus 2000 Jahren deutscher Geschichte parat.

Das größte Problem der Deutsche ist aus Sicht des Autors, dass es nur eines gibt, worauf die Deutschen wirklich stolz sind: Die Wirtschaft, der ungeheure Aufstieg nach dem 2. Weltkrieg, die D-Mark – im Kern: die soziale Marktwirtschaft. So schreibt der Buchbinder:

“Die Hungrigen, die Fensterkitt frassen, gelangten zu Wohlstand, zum Toast Hawaii, fanden zur Überflussgesellschaft der weiss gedeckten Tische mit Schälchen voll Himalaja-Salz. Erhards Programm kurbelte die Wirtschaft an, war die Initialzündung für das sogenannte Wirtschaftswunder. Zugleich wurde der Sozialstaat immer üppiger ausgebaut. «Wohlstand für alle!» lautet das Versprechen, das sich vor den Kriegsruinen leuchtend abhob. Deutschland machte Schluss mit der Droge Nationalismus, dem die Gesellschaft so fatal verfallen war und begnügte sich mit dem Stolz auf seine wirtschaftliche Tüchtigkeit.”

Ob und wieviel von Buchbinders Theorien wirklich stimmt, ist wohl Ansichtssache. Im jeden Falle, ist die seine Analyse unterhaltsam und ironisch geschrieben und hat zumindest einen wahren Kern.

Veröffentlicht wurde der Text im “Das Magazin”, der wöchentlichen Beilage des «Tages-Anzeigers», der «Basler Zeitung», der «Berner Zeitung» und des «Solothurner Tagblatts». Ich kenne weder die drei Städte, noch ihre Zeitungen, dennoch habe ich “Das Magazin” zu schätzen gelernt. Zum einen ist es sehr Internet-affin: Die Website hat die Optik eines Blogs und das Internet als Diskussionsthema findet oft ins Heft. Zum anderen habe ich schon oft wirklich tolle Reportagen (hier oder hier) gelesen. Ich muss zugeben, dass bisher mich vor allem übersetzte Geschichten aus ausländischen Zeitschriften überzeugt haben, wie die des Hochstaplers Frédéric Bourdin.

By the way: “Das Magazin” ist echt ein bescheuerter Name. Ok, Süddeutsche Magazin, ZEIT Magazin etc. sind auch nicht unbedingt viel besser. Doch immerhin haben sie noch ein Alleinstellungsmerkmal und ich muss den Namen nicht ständig in Anführungszeichen schreiben.

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17. Januar 2009 0

Lesenswert: Die Vielen Leben des Frederic Bourdin

Von katha in Kulturelles

Das Chamäleon: Die vielen Leben des großen französischen Hochstaplers Frédéric Bourdin Die unglaubliche Geschichte eines Mannes, der immer wieder in verschiedene Rollen schlüpft und sich vor allem als Jugendlicher ausgibt. Unter anderem gab er sich mit 23 Jahren, französischem Akzent und falscher Haar- und Augenfarbe als 16-jährigen vermisst gemeldeten Texaner aus und lebte danach für fünf Monate bei seiner vermeintlichen Mutter.

Auch wenn er seine Begabung unterstrich, räumte er doch ein, was jeder Betrüger weiss, aber kaum einer zugibt – dass die meisten Menschen leicht zu täuschen sind. Sie haben bestimmte Erwartungen an andere und rechnen nicht damit, betrogen zu werden. Indem Leute wie Bourdin bestimmte Grundbedürfnisse bedienen – Eitelkeit, Habgier, Aufmerksamkeit –, machen sie ihr Opfer noch leichtgläubiger. Tatsächlich sind die meisten Betrügereien voller Ungereimtheiten, sogar Absurditäten, die sich im Nachhinein geradezu aufdrängen. Bourdin, der bei seinenOpfern Hilfsbereitschaft und Mitgefühl auslöste, sagt: «Niemand stellt sich vor, dass ein scheinbar schutzloses Kind lügt.»

Ursprünglich erschien der Text im "The New Yorker". "Das Magazin" aus der Schweiz hat ihn ins Deutsche übersetzt.

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14. Januar 2009 7

Rafik Schami und die Lust am Lesen

Von katha in Kulturelles

Rafik Schami ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Aber auch ein leidenschaftlicher Leser. In einem Video von lit.COLONY berichtet er davon, wie er als Junge allabendlich 23.30 Uhr am Radio die Geschichte von 1001 Nacht hörte – 1001 Nächte lang. Diese Liebe zum Wort ist bis heute geblieben, die er ansteckend und mit unbeschreiblichen Begeistert darstellt.

Wer nach diesem überzeugendem Plädoyer für das Lesen von Schami begeistert ist, dem kann ich seinen Roman "Die dunkle Seite der Liebe" empfehlen.

Rafik Schami – Die dunkle Seite der Liebe

Romeo und Julia im Syrien des 20. Jahrhunderts. Rana und Farid lieben sich, doch sie sind beide Christen: Einer katholisch, eine orthodox. Doch das ist fast noch schlimmer als christlich und muslimisch.

Schami erzählt von zwei Familien, ihren Ursprüngen, ihrer Feindschaft und das Leid, das sie übereinander brachten. Immer wieder beeinflussten die politisch unruhigen Zeiten in Syrien die Familienfehde. In diesem Chaos kämpfen Rana und Farid für ihre Liebe. Doch Rafik Schami schrieb auch eine Geschichte Damaskus. "Damaskus ist keine Stadt, kein Fleck auf einem Atlas, sondern ein Märchen, das sich in Häuser und Gassen, Geschichten und Gerüche kleidet", schwärmt Schami.

Der ganze Roman spinnt sich um Damaskus. In meinem Kopf ist ein Bild ist das Bild einer wunderschönen und lebendigen Stadt mit ihren Gerüchen und Farben entstanden. "Die dunkle Seite der Liebe" ist ein langes, aber wunderschönes Buch einer Liebe, die alle Hürden des Glaubens, des Todes und des Krieges überwindet.

(via)

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11. Dezember 2008 3

Lesenswertes: Geld und Krieg

Von katha in Lesenswertes, Politisches
  • Auf der Spur des Geldes Täglich beschäftige ich mich in meinem Studium viele Stunden lang mit Geld und Wirtschaft. Eine der ersten Lektionen: Geld ist nicht gleich Geld! Das weiß auch der österreichische Journalist Robert Misik und macht sich auf die Spur des Geldes. Was ist mit dem Geld passiert, das so viele Menschen bei der Finanzkrise verloren haben? Kann Geld einfach so verschwinden? 

 

  • Das Versagen der internationlen Gemeinschaft Im Kongo herrscht Krieg. Nach dem Völkermord in Ruanda kann die UN ein weiteres Mal Menschen nicht schützen. "Geschichte wiederholt sich und es ist bezeichnend, dass das Versagen der UN zu dem Konflikt führte, bzw. ihn stark beeinflusst, in dem sich die UN anschickt ihre Fehler zu wiederholen", schreibt soeren onez in der Endlosrekursion.

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