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Si tacuisses, philosophus mansisses

Katholische Kirche: Ein Auslaufmodell

Veröffentlicht am | 11. 07. 2007 | 6 Kommentare

Papst Benedikt öffnete in seiner apostolischen Schreiben “Motu Proprio” das Tor für eine auf Latein gehaltene Messe. Dabei steht der Pfarrer am Hochaltar und murmelt die Lithurgie vor sich her. Natürlich heißt dies nicht, dass ab sofort die Gottesdienste auf Latein gehalten werden und die Zeit auf vor dem zweiten vatikanischen Konzil zurückgedreht wird. Natürlich betrifft diese Entscheidung nur ein paar Gläubige.

Aber “Motu Proprio” ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Welt der Theologen und Mitarbeiter im Vatikan kaum mehr mit dem alltäglichen Glauben zu tun hat. Ich komme aus einer Gegend mit flächendeckendem Katholizismus und überwiegend konservativen (meist CSU) Bürgermeistern, Ich komme aus dem frommen und tiefschwarzen Niederbayern. Dennoch schwindet auch hier langsam aber sicher der Einfluss der Kirche.

Die Menschen in Niederbayern waren jahrhundertelang sehr fromm, gingen jeden Sonntag kilometerweit in die nächste Kirche und das Kirchenjahr setzte neben den landwirtschaftlichen Feiern wie die Dreschersuppe dann Rahmen für Feste und Feiern. Der Namenstag war bis vor 50, 60 Jahre wichtiger als der Geburtstag. Nur durch die lateinische Sprache war es fast 2000 Jahre lang möglich, die Gläubigen auf Abstand zu halten, ihnen den Zugang zu theologischen Abhandlungen zu verwehren. Kurz, zusammen mit dem Monopol im Bildungswesen, konnte die Kirche ihre Anhänger ungebildet und den Glauben geheimnisvoll werden lassen. Bei der Wandlung von Wein in Blut und Brot in den Leib Christi, spricht der Priester die Worte: “Hoc est corpus”. Daraus entwickelte sich der Zauberspruch “Hokuspokus”.

Ich selbst kann mich erinnern, dass noch vor zehn Jahren die Kirchen voller waren und Kinder die Gottesdienste gestalteten. Und heute? Ein paar Alte sind in der Messe, doch sie werden natürlicherweise immer weniger. Nur an Ostern, Weihnachten und vor allem der Kommunion muss um einen Sitzplatz gekämpft werden, wobei die mit besonderem Ehrgeiz dabei sind, die sonst nie zu sehen sind.

Was ist das Problem der katholischen Kirche? Denn ich bin nicht der Ansicht, dass die Menschen nicht mehr glauben. Aber mit zunehmenden Bildungsgrad, Aufklärung und individuellerer Lebensgestaltung wächst Kritik an der offiziellen Linie der katholischen Kirche und an ihren weltfremden Zielen wie Keuschheit zur AIDS-Bekämpfung und der ablehnenden Haltung gegenüber Abtreibungen.

Es ist jedem liberal denkenden Menschen klar, dass die Kirche sich ändern muss um in der modernen Welt weiterhin als wichtige Moralinstanz zu gelten und ihre Gläubigen nicht zu verlieren. Doch mit den festgefahrenen Strukturen und weltfremden Geboten wie Keuschheit von Priestern wird die katholische Kirche zu einem Auslaufmodell in der westlichen Hemisphäre werden.

Mehr zum Thema bei onezblog.

Über die Autorin

Ich bin 20 Jahre alt und schreibe auf schafott.blog über alles, was mich interessiert. Das sind vor allem die Themen Politik und Medien. Mehr über mich kannst du hier erfahren.

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