So schlimm ist die Trennung der Biermösl Blosn nicht, schließlich ist diese Beschreibung Bayerns zeitlos.
Tags: Bayern, Kabarett, Musik, Politisches
So schlimm ist die Trennung der Biermösl Blosn nicht, schließlich ist diese Beschreibung Bayerns zeitlos.
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Der bayerische Rundfunk stellt drei großartige Kabarettisten und Comedians auf eine Bühne, nennt die Sendung die “Die Klugscheißer” und verbockt es trotzdem. Ich war sehr euphorisch als ich die Sendung entdeckt habe. Mein nicht besonders komplexer Gedankengang nachdem ich den Trailer gesehen habe, war folgender: “Der Jonas, die Monika Gruber und der Rick von der Bullyparade zusammen beim Dritten, geil, Mediathek.” Die drei stellen Politikberater dar und machen dazu dann klassisches politisches Kabarett.
Die erste Folge war nicht sehr überzeugend. Die Sendung will zu viel. Sie ist ganz modern konzipiert, mit viel Touchscreen-Optik, schon im Vorspann, dann auch während der Sendung. Aber trotzdem – und vielleicht gerade deswegen – wirken machen Dinge sehr veraltet: Bei Bruno Jonas fängt ein Bildschirm immer zu flimmern an. So ein Blödsinn, erst so technikaffin tun – und dann krabbeln die schwarzen Ameisen über weißen Grund. TV-Satellitenempfang ist so letztes Jahrhundert.
Aber das anachronistische Fernsehsflimmern ist nicht das einzige, was bei den Klugscheißern nicht passt. So ganz nehme ich Bruno Jonas seine Rolle als Internetanalysator nicht ab. Monika Gruber macht Späße über Veronika Ferres und Uschi Glas. Wen interessieren denn die beiden? Womöglich die Zielgruppe des Bayerischen Rundfunks, die er hat – so ab der Lebensmitte – und die nicht die, die er gerne hätte – die darunter.
Apropos Monika Gruber. Monika Gruber ist eine der wenigen Frauen auf den deutschen Kabarettbühnen. Die Gruber ist messerscharf in ihren Beobachtungen, spricht derbes Bayerisch und sich leider manchmal auch für ein paar Lacher mit plattesten Vorurteilen zum Beispiel bezüglich Ausländer nicht zu schade. (Habe da an eine kleine Tirade über klauende Polen in Erinnerung.)
Bei den Klugscheißern stöckelt sie auf High-Heels und blauem Minikleid über die Bühne und spielt die Sekretärin vom Jonas, der von dem Job überfordert scheint. Sie allerdings ist schlagkräftig und kennt sich aus. Wenn sie schon seine Sekretärin ist, dann könnte es zumindest realistisch dargestellt werden: Ich möchte ich mal eine Sekretärin im echten Leben sehen, die in solch einem Kleid am Arbeitsplatz sind. Überhaupt macht diese Sekretärin-und-Chef-Nummer keinen Sinn. Es ist nur eine doofe und schlechte Hintergrundstory, mit der sich die Sendung von Einzelauftritt zu Einzelauftritt der drei hangelt.
Aber die Sendung hat auf jeden Fall Potenzial. Vielleicht sollten alle drei nicht so in ihren Rollen verharren –. Monika Gruber als blonde Frau, Rick Kavanian als der Grieche und der Bruno Jonas als der alternde Überklugscheisser und Chef. Die Monika Gruber kann nämlich auch Nummern über Politik ohne Frauen, Kinder und Sozialstaat; Rick Kavenian ist bestimmt auch schon gelangweilt davon, dass er die ganze Sendung einen Ausländer spielen musste, nur weil er gut mit Akzenten ist. Bruno Jonas ist wie immer.
So verkümmert die gute Idee zu einer herkömmlichen Kabarettshow, der ein Social-Media-Experte vom Internet erzählt hat. Lieber keinen Background mit der Politikberatung und einfach so auf die Bühne gehen und die Stücke nacheinander ohne größeren Zusammenhang erzählen als auf diesem Papa-hat-Geburtstag-wir-machen-eine-Einlage-Level. Denn alleine sind sie ziemlich gut, aber zusammen, mit der “Hintergrundstory” macht es keinen großen Spaß. Ich glaube, dafür sind sie auch alle drei zu schlechte Schauspieler. Es würde reichen, wenn sie das täten was sie am besten können: Blöd daherreden. Und zwar mit weniger Klischees und auf gleicher Ebene.
Weil Ostern ist ein Papst-Witz und einem Mann mit blondem und wallendem Haar:
Papst braucht neuen Job: “Er trägt gerne ausgefallene Klamotten und glaubt an das Unmögliche? Er soll Wetten Dass moderieren.”
Es spricht nicht für die Klugscheißer, dass ich mir dachte: Wenigstens haben sie einen guten Schluss-Gag hingebracht.
Tags: Bayern, Kabarett, Politisches, TV
So, der nächste ist weg. Michael Lerchenberg ist beim Nockhergberg ausgestiegen. "Mein "Bruder Barnabas" hat mit seiner Form der politischen, auch zu Teilen ernsten und durchaus manchmal provokanten Fastenpredigt sicherlich Maßstäbe gesetzt. Nichts und niemanden hat er geschont", sagt Lerchenberg bei zeit.de.
Ich habe mir die Rede angesehen. Ich fand die Fastenpredigt treffend, böse und sehr wahr – und genau so soll sie ja auch sein: Niemanden schonen! Lechenberg machte einen Rundumschlag: bayerische Landespolitik, Schwarz-Gelb, Landesbank, Afghanistan, SPD und die Grünen, Kärnten und die Merkel. Kurz: jedes wichtige Thema sprach Lerchenberg an, kritisierte die Politiker konkret und mit großem Wissen. Die bayerische Justizministerin Beate Merk hätte wohl nicht damit gerechnet, wegen der Situation in den Gefängnissen und ein Gesetz, das Waffenbesitz erheblich erleichtert, angegangen wird.
Ich fand des KZ-Vergleich nicht lustig. Er war grenzwertig, aber kein Grund zur Zensur. 2007 stieg schon Django Asül aus, weil er die Herren und Damen Politiker zu hart angegangen sein soll. Aber das ist doch Sinn und Zweck der Veranstaltung. Bayern hat ja eine Menge Kabarettisten, aber langsam gehen sie aus: Bruno Jonas – hat ma schon, Django Asül – hat ma schon, Lerchenberg – auch weg. Wen gäb’s denn noch? Und vor allem wer hat denn noch Bock darauf?
(Der Goppel hat mir fast schon ein bisschen Leid getan, als ihm mal einer ins Gesicht gesagt hat, dass er schon sowas wie der Depp vom Dienst der CSU ist. Aber nur fast.)
Tags: Bayern, CSU, Die Grünen, Kabarett, Medien, Nockherberg, SPD
Im Vorraum vom Audimax war es schon verdächtig voll. Auch wenn im Zentrum der Uni Regensburg seit Mitte November mehr los ist, seitdem Studenten den Hörsaal H2 besetzt halten und es mit den ganzen Plakten und der Protestlounge wesentlich freundlicher und lebendiger aussieht im Betonbunker, war einer Schlange von 15 Studenten vor der Cafebar schon erstaunlich viel. Am Eingang zum H2 staute es sich. Nachdem ich an der Tür meine Schulbuserfahrung einsetzte, musste ich drinnen feststellen, dass nicht mehr ging. Links, wo eigentlich an der Treppe runter zu den Bänken geht, standen bis zur obersten Stufe Studenten Schulter an Schulter. Sitzen konnte ich also schon mal vergessen. Und einen Blick zu Bühne auch, wie ich feststellen musste, nachdem ich zur rechten Treppe durchgekämpft hatte. Zwischen mir und der Bühne stand eine drei Meter hohe Betonmauer, hinter der er ein schmaler Gang lag. In dem stand ich. Es gab sogar eine Leinwand, habe ich aufgeschnappt, als einer später erzählte, er habe sich am Beamer seine Arschbacke verbrannt. Der Beamer stand auf der Mauer, auf die so viele gekrackselt sind, dass auch da oben kein Platz mehr freigewesen war. Wie konnte ich nur auf die Idee kommen, bei einem kostenlosen Auftritt von Josef Hader an der Uni Regensburg noch einen Platz zu bekommen, wenn ich gerade noch rechtzeitig zum Beginnn um halb vier ankomme?
Denn Hader ist toll. Er verbindet Kabarett mit Theater und erzählt derb, aber treffend von seiner Scheidung, Vorurteilen oder von der Hölle mit Reinhold Messner.
Die Besetzer haben nach fast einem Monat wieder auf sich aufmerksam gemacht. Diesmal nicht mit Bildungspolitik und Forderungen, sondern in erster Linie bei den Studenten in Regensburg.