Bier und CSU: Eine direkte Proportionalität
Veröffentlicht am | 28. 09. 2008 | Noch kein Kommentar
Gestern abend war ich auf einer besonderen Wahlkampfveranstaltung der Jungen Union. Ich weiß nicht, wie es in anderen Gegenden Deutschlands aussieht, in Niederbayern haben sie sich vor allem auf das Ausrichten von Parties einen Namen gemacht. Ein Zelt oder Turnhalle, eine Band und viel Alkohol. Die Kasse wird so sicherlich gehörig aufgebessert. Aber was hat das mit Politik zu tun?
- Wahlplakate wie das "Kick it like Beckstein" oder Becher mit dem Konterfei des gestürtzten König Ede I. Hinter der Bar standen Bübchen mit braven Frisuren und rahmenlosen Brillen, die Jura oder BWL studieren.
- Der Termin einen Tag vor der Landtagswahl. Alkoholisierte Bürger neigen ja eher dazu schwarz zu wählen, wie die tolle Sendung quer im Bayerischen Rundfunk herausgefunden hat. Bei einer Umfrage auf dem Münchner Oktoberfest unter nüchternen, angetrunkenen und volltrunkenen Besuchern konnte eindeutig ein Zusammenhang festgestellt werden: Alkoholkonsum und eine Entscheidung für die CSU sind direkt proportional! (Link zur Mediathek des BR). Da bekommt Becksteins Aussage mit den zwei Maß gleich eine ganz andere Bedeutung.
Beckstein und vor allem die JU scheinen also den drohenden Verlust der absoluten Mehrheit mit Alkohol zu bekämpfen. Ich hoffe, dass sie diese Taktik auch heute abend weiterverfolgen müssen: Dann aber wenn sie ihren Frust in ein paar Maß ertrinken werden – hoffentlich!
Männersache
Veröffentlicht am | 18. 02. 2008 | 1 Kommentar
Mütter haften für ihre Kinder. Sie machen das. Sie können das. Sie haben die Kinder neun Monate lang im Bauch getragen, sind also für Pflege und Fürsorge prädestiniert – eine Haltung, die 1968 und an den antiautoritären Aufbruch zwar nicht ganz unbeschädigt überstanden hat, aber dennoch in einigen Köpfen weiterlebt, die manchmal einen Bart tragen, manchmal aber auch Eva heißen. (Die ZEIT vom 3. Januar 2008)
Diese Einstellung herrscht meiner Meinung nach in mehr Köpfen vor, als es der Autorin lieb ist. Frauen. das ist Haushalt. Frauen, das sind Friseurinnen und Krankenschwestern. Am besten halbtags, damit nachmittags die Kinder versorgt sind. Wozu also höhere Bildung? Verschwendete Zeit.
Ist es wirklich so wie der SPIEGEL im Dezember schreibt: Eltern schicken ihre Mädchen nicht aufs Gymnasium, weil doch der Realsculabschluss sowieso reicht?
Im schönen Niederbayern geht halt alles etwas langsamer. Frauen in der Politik gibt es kaum. Eine Frau sitzt im Parlament meiner Heimatstadt, im Umkreis von 150 km gibt es eine Bürgermeisterin (zumindest, soweit ich weiß.) Diese ist in der CSU, der Männerpartei, ohne die gar nichts geht. Sie ist meiner Meinung nach notwendig, um in einer konservativen Gegend wie meiner Heimat überhaupt einen Fuss auf den politischen Boden zu bekommen. Eine Frau und dann möglicherweise auch noch bei der SPD oder den Grünen – Gott bewahre. Eine Teufelsanbeterin, eine Abgefallene.
Bei der Union, beziehungsweise ihren Derivaten, die in Ostbayern tatsächlich nicht zu unterschätzende Stimmenanteile bekommen, wie die Bayernpartei oder die ödp, weiß Mann was man hat: Eine Frau mittleren Alters, die die Langeweile quält, seitdem die Kinder aus dem Haus sind.
Doch, denkt ihr Leser bestimmt, was soll die Schwarzmalerei? Wir leben im 21. Jahrhundert, auch in Niederbayern laufen der katholischen Kirche die Gläubigen davon. Natürlich, antworte ich da, doch an der politischen Mitbestimmung der Frauen hat sich trotzdem nichts geändert.
Beispiel: Die Kommunalwahlen im März. Auf der Seite bsmparty.de, dem sozialen Netzwerk für die Jugend in Ostbayern, bei der gefühlte 100 Prozent der Jugendlichen Mitglied sind, hat ein Wahlportal erstellt: Alle jungen Kandidaten können sich anmelden und sich vorstellen. Insgesamt gibt es fünf Landkreise. Inzwischen haben sich viele Kandidaten angemeldet, auch die, die nicht mehr ganz so jung sind. Doch in den fünf Landkreisen kandidiert offenbar nicht eine Frau!
Keine junge Frau will in einen Gemeinderat – das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Wobei wir beim nächsten Punkt sind. Auf Kommunalebene wohl noch mehr als auf Landes- oder Bundesebene spielt sich oft in Klüngeln ab. Der Huber und der Meier sind halt schon seit 20 Jahren im selben Stammtisch, natürlich, wählt der Huber den Meier. Und wenn der Meier dann auch noch im Sportverein oder der Feuerwehr ist, dann hat er sein Mandant sicher. Das Problem für Frauen: Sportverein und Feuerwehr sind meistens noch immer von Männer dominiert.
Ich fordere keine Quotenregelung, weiß Gott nicht. Aber es kann doch nicht sein, dass maximal eine Frau im Stadtrat sitzt. Ich kenne genug selbstbewusste, intelligente Frauen, denen ich die Aufgabe zutrauen würde. Doch das größte Problem sind wahrscheinlich leider die Frauen selbst: “Politik – das ist doch was für Männer. Geh’ ma lieber in den Frauenbund.”
Willst du wirklich gewaehlt werden?
Veröffentlicht am | 25. 01. 2008 | Noch kein Kommentar
Schon wieder ist es passiert: Ich verpasse Wahlen. 2005 zog Gerhard Schroeder die Bundestagswahl vor – und ich haette nur noch vier Monate gebraucht, um 18 Jahre alt zu werden. Naechste Chance zur politischen Beteiligung: Kommunalwahlen in Bayern im Maerz 2008. Doch ich bin in China, Briefwahl wahrscheinlich nicht moeglich.
Vor Monaten (als China noch kein Thema war) ueberlegte ich fuer die Kommunalwahlen zu kandidieren. Nur um den Gedanken gleich wieder zu verwerfen, denn ich habe nicht vor, in Waldkirchen zu bleiben. Trotzdem interessiert mich, wer aufgestellt wird, fuer welche Partei und ob vielleicht doch ein paar Juengere in den Stadtrat gewaehlt werden.
Beim sozialen Netzwek bsmparty.de ist fast jeder Jugendliche im oestlichen Niederbayern angemeldet und bietet damit die Chance junge Waehler zu mobilisieren. bsmparty.de hat das erkannt: Sie veranstalten eine Podiumsdiskussion mit den 4 Landratskandidaten für Freyung-Grafenau speziell fuer junge Waehler und ein Wahlportal eingerichtet, bei dem sich junge Kandidaten vorstellen koennen. Das ist loeblich und sinnvoll. (Und auch nicht ganz uneigenuetztig, denn auch einer der Gruender der Seite kandidiert). Denn wohl kein Medium in Niederbayern erricht so viele Jugendliche.
Ich habe mir das Wahlportal naeher angesehen, vor allem fuer meinen Landkreis Frayung Grafenau. Noch sind nicht allzu viele Kandidaten angemeldet (oder gibt es einfach nicht mehr junge Kandidaten?).
Das Ergebnis: Neun Kandidaten fuer den Landkreis FRG habn sich bisher angemeldet. Sieben davon durchaus mit Muehe eingetragen, wenn auch sie oftmals das Durchschnittswahlkampfgerede beinhalten. Doch zwei Profile haben mich doch etwas entsetzt. Wenn ich mich fuer einen Sitz in einem Gemeinde- oder Stadtrat bewerbe, will ich mich engagieren und die Chance nutzen mich bei jungen Waehlern vorzustellen. Doch diese zwei sind lieblos verfasst. Einzeilig, kurz und sogar mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern.
Patrick Schneider, Kandidat der CSU, fuer Riedlhuette schreibt:
Wieso kandidieren Sie für den Gemeinde-/Stadtrat?
Das die Jugend in Ort vertreten ist.
Er scheint wohl Probleme mit “das” und “dass” zu haben.
Thomas Worlitschek, Kandidat für die Junge Wähler Union, aus Waldkirchen und mein ehemaliger Klassenkamerad schreibt:
Wieso kandidieren Sie für den Gemeinde-/Stadtrat?
Weil ich nicht nur drüber reden sondern selbst mitentscheiden will!
Ups, Komma vergessen.
Natuerlich, so etwas kann jedem passieren, doch scheint es den beiden nicht wert zu sein ihr Profil ohne Fehler zu gestalten. Wollen sie wirklich gewaehlt werden? Werden sie im Falle einer Wahl ebenso lieblos fuer die Buerger engagieren?
Diskussion
Veröffentlicht am | 17. 05. 2007 | Noch kein Kommentar
Im Hans Söllner Forum Highberg hat sich eine Diskussion über meinen Beitrag zum Thema Junge Union und Hans Söllner entwickelt.
Die Junge Union und der Söllner Hans
Veröffentlicht am | 15. 05. 2007 | 2 Kommentare
Die Coverband JIVE, die im östlichen Niederbayern wohl schon so auf jedem nur möglichen Fest gespielt hat, hat ein neues Hobby: Sofa TV, dem “autonomen Internetfernsehsender einiger Mitglieder.”
Letzens spielten bei den Festlichkeiten zum 60-jährigen Gründungsjubiläum in Schrobenhausen, befragten Teilnehmer und filmten drauflos. Und was kann ich da sehen? Mitglieder der Jungen Union, fesch frisiert und im feinen Sonntagsanzug, tanzen, grölen und feiern zu Hans Söllners “Mei Vodda hod an Marihuanabaam”. Verkehrte Welt.
