Post-Tag-Archiv für ‘ Internet ’

25. September 2008 15

Internet statt Marktplatz: Demokratie 2.0

Von katha in Medien, Politisches

 

Beim US-Präsidentschaftswahlkampf nimmt das Internet eine wichtige Rolle ein. Wie sehr nutzen Parteien ein Jahr vor der Bundestagswahl die Möglichkeiten des WorldWideWeb? Gibt es auch in Deutschland Demokratie 2.0?

„Waren noch mit einigen delegierten und ein paar journalisten ein bier trinken. Waren alle von der michelle obama rede begeistert.“ Diese Worte schrieb Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD, vom Nominierungsparteitag der US-Demokraten in Denver. Heil nützte den Internetdienst Twitter, der Nachrichten von einer Länge bis zu 140 Zeichen erlaubt. Über 1000 Nutzer haben seine Nachrichten abonniert.

Als erster Spitzenpolitiker in Deutschland nutzt er damit die Möglichkeiten, die das so genannte Web 2.0 mit ihren sozialen Netzwerken bietet, ganz nach amerikanischem Vorbild. In den Vereinigten Staaten sind Politiker, die Blogs schreiben oder mit ihren Anhängern über soziale Netzwerke kommunizieren, normal. Vor allem der Präsidentschaftswahlkampf 2008 zeigt ganz klar, dass eine ausgefeilte Strategie im Internet wichtig für den Gewinn der Wahl ist. Deshalb nutzen John McCain und sein Kontrahent Barack Obama strategisch alle zur Verfügung stehenden Wege: Die Demokraten und Republikaner haben ihre eigenen Netzwerke; sie stellen Videos auf die Plattform YouTube; Fotos gibt es beim Fotodienst flickr; die Wähler werden mit persönlichen eMails oder Twitter auf dem laufenden gehalten. Beide Anwärter wissen, dass sie so Millionen von Bürger einbinden und aktiv am Wahlkampf teilhaben lassen können. Diese neue Form der Politik heißt Demokratie 2.0, in Anlehnung an den Begriff Web 2.0.

Internet nur als verlängertes Presseorgan

Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Natürlich haben alle Parteien ihre eigenen Webauftritte, wo sie sich vorstellen und die Bürger sich informieren können. Doch sie binden die Nutzer nicht wie in den USA ein. „Viele nutzen das Internet nur als verlängertes Presseorgan“, sagt Markus Beckedahl, Blogger bei netzpolitik.org. Eine Interaktion zwischen Politikern und Bürgern finde kaum statt. Zwar veröffentlicht Bundeskanzlerin Angela Merkel seit 2006 regelmäßig Videopodcasts, wo sie über ihre aktuelle Politik spricht. Doch ein direkter Kontakt, beispielsweise durch Fragen oder Kommentare der Zuschauer, komme nicht zustande.

Diese Zurückhaltung überrascht besonders, da in einem Jahr Bundestagswahlen anstehen und der Wahlkampf beginnt. Doch im Internet ist keine Spur davon. „Eine Inflation spontan in der heißen Wahlkampfphase aus dem Hut gezauberter Onlineaktivitäten ist erwartbar, aber weder nachhaltig noch mit den Auftritten der US-Wahlkämpfe vergleichbar.“, heißt es in der Studie „Zwischen Strategie und Experiment – Politik im Web 2.0“ vom Juni 2008. Weiter heißt es: „Die Parteien und Spitzenpolitiker sind zum Zeitpunkt der Erhebung im klassischen Wahlkampf verhaftet, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und auch die Jugendorganisationen und ihre Spitzenvertreter bilden hier keine Ausnahme.“

Julia Seeliger, Mitglied im Parteirat der Grünen, ist die einzige Politikerin, die regelmäßig bloggt. Die Landesfraktion der bayerischen Grünen macht im Wahlkampf erste Versuche mit dem Dienst Twitter. Doch geplant und durchdacht nutzen die Parteien das Web 2.0 nicht.

Auch Schäuble antwortet

Doch die Parteien sind nur eine Seite der Politik im Netz. Denn das Internet bietet Menschen, die sich für Politik interessieren sehr leicht die Möglichkeit, selbst Texte zu veröffentlichen oder sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Abseits der Parteipolitik ist die Entwicklung des Internets hin zur Kommunikationsplattform weiter fortgeschritten. „Im Netz haben vor allem kleinere Organisationen viel besser eine Möglichkeit ihr Zielpublikum zu erreichen. Früher kam man nicht ins Fernsehen, wenn die Organisation nicht groß genug war“, weiß Beckedahl. Jetzt sei es einfacher, Menschen mit denselben Interessen zu finden und als Organisation bekannt zu werden.

Ein Beispiel für Demokratie 2.0 ist die Seite abgeordnetenwatch.de. Jeder kann dort online seinen Abgeordneten befragen. Die Fragen und Antworten sind online einsehbar. „So entsteht nach und nach ein Wählergedächtnis“, sagt Gregor Hackmack, einer der Gründer der Seite, denn gespeichert wird auch das Abstimmungsverhalten. Es könne ein direkter Kontakt zwischen Bürgern und Politikern hergestellt werden. 93 Prozent aller Bundestagsabgeordneten haben auf der Plattform mindestens eine Frage vernünftig beantwortet. „Es gibt Abgeordnete, die geben nur Standartantworten“, erzählt Hackmack, „aber auch keine Antwort ist eine Antwort.“ Innenminister Schäuble habe beispielsweise 112 Standartantworten geschrieben, gebe aber seit der 113. Frage mustergültige Antworten. „Die Abgeordneten nehmen das wirklich ernst mittlerweile, weil die Antworten durch die Medien transportiert und für die Nachwelt erhalten werden.“

Politiker nutzen Chancen nicht

Es überrascht, wie wenig die Parteien bei ihren Wahlkämpfen auf das Medium Internet setzen, denn es hat das Potenzial mit wenigen Mitteln Millionen von Deutschen zu erreichen. Internetplattformen bieten sowohl Politikern als auch politisch Interessierten Chancen sich zu vernetzen, auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Viele Politiker sind sich offensichtlich nicht bewusst, welche Chance sie verspielen, wenn sie das Internet ignorieren. Die Demokratie 2.0 steht in Deutschland noch ganz am Anfang.

Für die Bundestagswahlen 2009 ist nicht mit großen Veränderungen zu rechnen. Die ersten richtigen Konzepte für Wahlkamp im Internet sind wohl erst im Jahr 2013 zu erwarten. Nichtregierungsorganisationen sind da grundsätzlich schon weiter, doch sowohl Parteien als auch alle anderen politischen Organisationen müssen sich in den kommenden Jahren mit dem Gedanken anfreunden, dass die Wahlen immer weniger auf Marktplätzen, sondern im WorldWideWeb entschieden werden.

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3. August 2008 0

Internetzensur in China

Von katha in China, Medien

Wieder mal ist die Internetzensur in China in aller Munde. Während meiner neun Monate in China hatte auch immer wieder damit zu kämpfen:

  • Deutsche Seiten waren grundsätzlich nicht so sehr von der Great Firewall, wie die chinesische Zensur im Netz auch genannt wird, betroffen. Auf alle Seiten von Tageszeitungen und Magazinen, wie sueddeutsche.de, faz.net oder spiegel.de, konnte ich zugreifen. Auch tagesschau.de war jederzeit erreichbar.
  • Bis April 2008 war Wikipedia in allen Sprachen nicht erreichbar. Abhilfe schaffte ich mit anonymouse.org, das persönliche Daten verschlüssselt. Im April hoben die Verantwortlichen im Zuge der Öffnung für die olympischen Spiele die Sperre teilweise auf.
  • Überraschenderweise konnte ich auf amnesty.de zugreifen. Jedoch surfte ich nicht darauf, da sowohl das Internet in meiner Wohnung als auch meine Karte für Internetcafes über chinesische Freunde angemeldet war. Ihnen wollte ich keinen Ärger machen.

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27. April 2008 0

Asiatische Sprachoptionen ohne Windows CD

Von katha in Tagtäglich

Mein Gott, was war das eine Frickelei. Stundenlanges suchen und downloaden von Dateien. Doch jetzt kann ich endlich asiatische Zeichen darstellen.

Ich habe keine Windows-CD hier in China dabei und auch die Internetverbindung ist nicht die schnellste, weshalb der Download des Service Pack 2 von Windows keine Option war. Ewig wühlte ich mich durch Foren, um herauszufinden, wo ich denn nun die fehlenden Dateien herbekomme.

Irgendwann fand ich die passenden drei Seiten:

http://microsystems.siue.edu/archives/software/cabs/WinXP/lang/

http://www.tngs.tn.edu.tw/departments/gene/share/dirlisting.asp?sortby=2

http://www.dlldump.com/

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15. April 2008 0

Hey, hey Wiki

Von katha in China, Medien

Internet in China ist ja so eine Sache. Während es unglaublich viele, im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Straßenecke, Internetcafes gibt, in denen Jugendliche mit sehr schnellen Verbindungen zocken, kann man sich als Privatperson nur einen Modemanschluss besorgen (Möglicherweise ist das nicht richtig. Allerdings ist das meine Erfahrung). Ganz zu schweigen von den tausenden professionellen Zensoren der Regierung.

Auf Flickr werden 80 Prozent der Fotos nicht angezeigt, YouTube funktionierte während der Ausschreitungen in Tibet nicht und Blogs die auf wordpress.com oder blogspot.com gehostet sind, können nicht aufgerufen werden. Wikipedia musste ich über anonymouse.org ansurfen – bisher. Denn, oh Wunder, aus irgendeinem Grund wird es nicht mehr geblockt. (Die wohl erste positive Erfahrung mit dem chinesischen Regime).

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14. April 2008 0

schafott.net

Von katha in Tagtäglich

Schafott.blog ist ab sofort über schafott.net zu erreichen. Ich würde euch bitten eure Blogrolls zu ändern. Neben dieser äußerlichen Veränderung wird sich in Zukunft auch inhaltlich ein bisschen war verändern. Zum einen habe ich die Kategorie “lesen” in Bücher geändert, die Kategorie “lernen” habe ich ganz abgeschafft. Desweitern will ich regelmäßig lesenswerte Posts und Artikel verlinken, kurz und ohne langen Text meinerseits.

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24. Februar 2008 0

Ein Junkie und sein Ersatzstoff

Von katha in Medien

Angenommen, es wäre nicht das Jahr 2008, sondern 10 Jahre früher. Ich wäre von der Außenwelt, den politischen und wirschaftichen Entwicklungen der Welt und in Deutschland abgeschnitten. Ich wüsste nichts von der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo, den morgendlichen Razzien der Steuerfahndungen und sogar von Britney Spears neuesten Ausrutschern wüßte ich nichts.

Denn ich lebe momentan in Gengma, einer Kleinstadt in der südchinesischen Provinz Yunnan: 80 km bis zur Grenze zu Burma, 700 km bis zur Provinzhauptstadt Kunming und 3000 km bis nach Beijing.

Angenommen ich lebte hier in den 90er Jahren, ich könnte keine Zeitungen lesen, denn ich kann kein Chinesisch. Doch das Gewäsch, von der ideologischer Beeinflussung geschwängert, wäre aber sowieso keine ernstzunehmende Informationsquelle. Briefe dauern zum Teil Wochen um in Deutschland anzukommen. Mit dem Wort Blog wüsste ich nichts anzufangen. Die Beiträge und Diskussionen in denselben über Politik und vieles andere würde ich sehr vermissen.

Doch es gibt Internet. Der RSSFeed von tagesschau.de hält mich kurz und bündig auf dem Laufenden und jetzt.de, die Jugendseite der Süddeutschen Zeitung, liefert mir sogar jeden Tag 15 Artikel aus der gedruckten Zeitung auf meinen Bildschirm – kostenlos. Daneben ergänzen Blogs mein tägliches Pensum – und sie werden immer mehr. Je mehr ich mich in der sogenannten Blogosphäre bewege, desto mehr interessante und gut geschriebene Seiten entdecke ich.

Doch auch meine eigenen Blogs werden mir hier immer wichtiger. War es in Deutschland eine kleine Spielerei, so ist es hier fast die einzige Möglichkeit Gedanken auszutauschen und zu diskutieren, denn tiefergehende Gespräche sind hier oft wegen sprachlichen Barrieren schwierig.

Angenommen, es gäbe kein Internet, ein Informationsjunkie, wie ich es bin, wäre auf kaltem Entzug. Doch Gott sei Dank habe ich meinen Ersatzstoff: Das Internet.

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23. Mai 2007 0

Keine Aktualität beim Lonely Planet

Von admin in Medien

Lonely Planet sieht sich gerne als der beste und aktuellste Reiseführer für Rucksackreisende. Die Beliebtheit der Bücher bestätigt diese Sicht.

Nur auf der deutschen Internetseite nimmt man es mit der Aktualität nicht so genau. Dort ist Silvio Berlusconi noch immer italienischer Ministerpräsident, obwohl seit immerhin einem Jahr Romano Prodi das Amt bekleidet.

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