Don’t Forget Zensursula
Veröffentlicht am | 23. 09. 2009 | Noch kein Kommentar
Überwachung, Vorratsdatenspeicherung und Zensur im Internet? War da was? Im Wahlkampf spielen diese Themen ein paar Tage vor der Entscheidung keine Rolle (zumindest bei den beiden großen Parteien). Kein Wunder, haben die beiden Kontrahenten doch gemeinsam in der großen Koalition die Gesetze von Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble durchgebracht – gegen Widerstände der Opposition (who cares) und 130 000 Bürgern, die eine E-Petition unterschrieben haben. Erst im September demonstrierten 25 000 Menschen in Berlin gegen eine Internetgesetzgebung, die Bürgerrechte verwässert.
Wie und warum Frau von der Leyen zu ihrem Spitznamen gekommen ist, zeigt das Video von Karpfenschleuder.
(via)
Ein Ozean namens Internet
Veröffentlicht am | 02. 01. 2009 | 8 Kommentare
Politik 2.0: Im Laufe des Superwahljahres 2009 wird der Begriff mit Sicherheit immer öfter auftauchen. Doch wird diese Entwicklung außerhalb der Blogging- bzw. Internetszene überhaupt jemand wahr nehmen? Natürlich, Demokratie 2.0 nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert an und hat mit Seiten wie abgeordnetenwatch.de Wegweiser für die Zukunft. Langsam aber sicher, greifen die etablierten Parteien die Entwicklung auf und wagen sich vorsichtig hinaus auf den Ozeans namens Internet.
Einer der Pioniere der bloggenden Politikerkaste ist Julia Seeliger. Bis Ende letzten Jahres im Beriner Landesvorstand der Grünen Jugend Bündnis 90/Die Grünen saß. Eine Nachwuchspolitikerin, in die die Grünen sicherlich große Hoffnungen setzen.
Mediale Aufmerksamkeit bekommt Seeliger immer dann, wenn sich die Diskussionen um Internet und Politik 2.0 drehen. (oder Monogamie). Aktiv ist sie auch bei Twitter. Unter anderem wegen Seeliger gilt die Partei als Vorreiter für die restliche politische Welt. Aber ist sind die Grünen das wirklich? Das fragt sich auch Henning (ebenfalls grüner Politiker).
Insbesondere der Kontrollverlust wird von den meisten in der Politik nach wie vor eher als Bedrohung angesehen. Auch innerhalb der Grünen ist es nicht immer so einfach, die Leute von mehr Web 2.0 in der Politik zu überzeugen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich davon erstmal ziemlich überrascht war.
Er führt aus, dass die Grünen Partizipation groß schrieben und deshalb auch der Schritte zu einer Politik 2.0 kleiner sei, als kleiner sei als bei anderen Parteien.
Genau da kommt Julia Seeliger wieder ins Spiel. Sie arbeitet seit diesem Jahr bei campact, einem wirklich interessanten Projekt für Politik im Internet. Campact organisiert Kampagnen über das Internet und wirbt auch mit Plakaten dafür, sich online für Umweltschutz einzusetzen.
Doch wie soll das funktionieren? Die taz erklärt:
Damit sich möglichst viele Menschen an dem Onlineprotest beteiligen, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein, bevor die Campact-Aktivisten per Mail zur Unterschrift gebeten werden: Nur wenn ein Entscheidungsprozess ansteht und es einen “signifikanten Widerspruch gibt zwischen dem, was die Regierung oder eine Partei vorhat, und dem, was die Mehrheit der Bevölkerung will”, kommt ein Aufruf infrage, erklärt Kolb. Außerdem müsse es eine “reale Chance” auf Erfolg geben. Kolb hat über soziale Bewegungen promoviert und weiß: “Nicht alle Zeitpunkte sind gleich gut für Veränderungen.”
Ich finde, das hört sich interessant und vielversprechend an. Denn eines ist klar: In Zukunft findet der Wahlkampf im Internet statt am Marktplatz statt. Den Newsletter habe ich abonniert, einen Versuch ist es wert. Das kommende Jahr wird zeigen, ob der positive Eindruck von campact auch den Praxistest bei den Wahlen bestehen wird.
Ein Bayer in Brooklyn
Veröffentlicht am | 07. 12. 2008 | Noch kein Kommentar
Brooklyn, das kreative Zentrum New Yorks. Brooklyn, wo die kreativsten Köpfe, trendigsten Designer und mutigsten Musiker wohnen. Von dort berichtet "Ein Bayer in Brooklyn" für den Jugendsender des bayerischen Rundfunk on3radio.

Mal tifft er sich mit den Organisatoren sogenannter DIY-Parties ("Do it yourself"-Parties). Ohne Altersbegrenzung können dort alle feiern – allerdings illegal. Er besucht den Sänger Miles Benjamin Anthony Robinson zu Hause in seiner WG und filmt ihn beim musizieren in Bett. Oder er besucht das Denkmal Brooklyns, den Vergnügnspark Coney Island mit seinem ganz eigenem Charme ein Jahr vor seiner Schließung. Immer wieder tauchen Deutsche in den Filmen auf, Musiker oder Kreative, die in Brooklyn erfolgreich in ihrem Metier arbeiten. Kurz: Begegnungen mit Kunst und Künstlern.
Der Bayer in Brooklyn ist Matthias Röckl (15+1 Fragen bei Stylespion). Der ehermalige Moderator des legendären BR-Senders Zündfunk lebt jetzt in New York und berichtet von dort alle zwei Wochen per Video aus dem Big Apple.
Der Videoblog ist empfehlenswert. Interessante Menschen mit interessanten Tätigkeiten an interessanten Plätzen – "Ein Bayer in Brooklyn" ist einfach – prima.
Viel Spaß mit der Folge:
Ein Neu-New-Yorker gegen den Web 2.0-Kommerz
(Bild: br-online.de)
Bravo, Kabel Deutschland!
Veröffentlicht am | 10. 10. 2008 | 3 Kommentare
Servicewüste Deutschland! Dass der Kunde in Deutschland sicherlich nicht Kunde ist, ist allgemein anerkannt. Jetzt musste ich mich das erste Mal mit dreister Kundenverarsche beschäftigen.
Ich wohne nun in Regensburg, habe eine Wohnung, doch Internet fehlt noch immer. Telefonanschluss brauche ich nicht, nur Internet. Kabel Deutschland ist dafür ein guter Anbieter. Vor einem Monat hab ich den Anschluss beantragt, inzwischen war die Firma, die die Anchlüsse legt, schon zweimal bei mir – doch Internet hab ich noch immer nicht. Wieso das? Nun, das erste Mal kam ein Auszubildender ganze drei Stunden zu spät, der das ganze irgendwie nicht gecheckt hat. Ist blöde, aber kann man nichts machen. Irgendwie ist das eine komplizierte Sache, die lange dauert und zwei Arbeiter benötigt. Schade, den nächsten Termin vereinbart.
Jetzt der Hammer. Die Männer kommen (pünktlich) gehen in den Keller, probieren ein bisschen rum, dann sagen sie: "Das geht nicht." Grund: Derselbe wie beim ersten Mal! Bitte? Deswegen sind sie ja da, weil das das erste Mal nicht funktioniert hat. Sie gehen. Und wohin? Sie setzen sich in ihr Auto unter unserem Fenster und schlagen die Zeit tot, der nächste Termin ist ja erst in drei Stunden. Mein Freund ruft die Hotline von Kabel Deutschland an, stellt sich neben das Auto und beschwert sich. Das Firmenauto war dann aber relativ schnell weg.
Bis wir Internet haben, hat es dann knapp zwei Monate gedauert. Bravo, Kabel Deutschland!
Entschuldigt meinen Ton, bin noch immer ziemlich angepisst.
Internet statt Marktplatz: Demokratie 2.0
Veröffentlicht am | 25. 09. 2008 | 15 Kommentare
Beim US-Präsidentschaftswahlkampf nimmt das Internet eine wichtige Rolle ein. Wie sehr nutzen Parteien ein Jahr vor der Bundestagswahl die Möglichkeiten des WorldWideWeb? Gibt es auch in Deutschland Demokratie 2.0?
„Waren noch mit einigen delegierten und ein paar journalisten ein bier trinken. Waren alle von der michelle obama rede begeistert.“ Diese Worte schrieb Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD, vom Nominierungsparteitag der US-Demokraten in Denver. Heil nützte den Internetdienst Twitter, der Nachrichten von einer Länge bis zu 140 Zeichen erlaubt. Über 1000 Nutzer haben seine Nachrichten abonniert.
Als erster Spitzenpolitiker in Deutschland nutzt er damit die Möglichkeiten, die das so genannte Web 2.0 mit ihren sozialen Netzwerken bietet, ganz nach amerikanischem Vorbild. In den Vereinigten Staaten sind Politiker, die Blogs schreiben oder mit ihren Anhängern über soziale Netzwerke kommunizieren, normal. Vor allem der Präsidentschaftswahlkampf 2008 zeigt ganz klar, dass eine ausgefeilte Strategie im Internet wichtig für den Gewinn der Wahl ist. Deshalb nutzen John McCain und sein Kontrahent Barack Obama strategisch alle zur Verfügung stehenden Wege: Die Demokraten und Republikaner haben ihre eigenen Netzwerke; sie stellen Videos auf die Plattform YouTube; Fotos gibt es beim Fotodienst flickr; die Wähler werden mit persönlichen eMails oder Twitter auf dem laufenden gehalten. Beide Anwärter wissen, dass sie so Millionen von Bürger einbinden und aktiv am Wahlkampf teilhaben lassen können. Diese neue Form der Politik heißt Demokratie 2.0, in Anlehnung an den Begriff Web 2.0.
Internet nur als verlängertes Presseorgan
Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Natürlich haben alle Parteien ihre eigenen Webauftritte, wo sie sich vorstellen und die Bürger sich informieren können. Doch sie binden die Nutzer nicht wie in den USA ein. „Viele nutzen das Internet nur als verlängertes Presseorgan“, sagt Markus Beckedahl, Blogger bei netzpolitik.org. Eine Interaktion zwischen Politikern und Bürgern finde kaum statt. Zwar veröffentlicht Bundeskanzlerin Angela Merkel seit 2006 regelmäßig Videopodcasts, wo sie über ihre aktuelle Politik spricht. Doch ein direkter Kontakt, beispielsweise durch Fragen oder Kommentare der Zuschauer, komme nicht zustande.
Diese Zurückhaltung überrascht besonders, da in einem Jahr Bundestagswahlen anstehen und der Wahlkampf beginnt. Doch im Internet ist keine Spur davon. „Eine Inflation spontan in der heißen Wahlkampfphase aus dem Hut gezauberter Onlineaktivitäten ist erwartbar, aber weder nachhaltig noch mit den Auftritten der US-Wahlkämpfe vergleichbar.“, heißt es in der Studie „Zwischen Strategie und Experiment – Politik im Web 2.0“ vom Juni 2008. Weiter heißt es: „Die Parteien und Spitzenpolitiker sind zum Zeitpunkt der Erhebung im klassischen Wahlkampf verhaftet, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und auch die Jugendorganisationen und ihre Spitzenvertreter bilden hier keine Ausnahme.“
Julia Seeliger, Mitglied im Parteirat der Grünen, ist die einzige Politikerin, die regelmäßig bloggt. Die Landesfraktion der bayerischen Grünen macht im Wahlkampf erste Versuche mit dem Dienst Twitter. Doch geplant und durchdacht nutzen die Parteien das Web 2.0 nicht.
Auch Schäuble antwortet
Doch die Parteien sind nur eine Seite der Politik im Netz. Denn das Internet bietet Menschen, die sich für Politik interessieren sehr leicht die Möglichkeit, selbst Texte zu veröffentlichen oder sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Abseits der Parteipolitik ist die Entwicklung des Internets hin zur Kommunikationsplattform weiter fortgeschritten. „Im Netz haben vor allem kleinere Organisationen viel besser eine Möglichkeit ihr Zielpublikum zu erreichen. Früher kam man nicht ins Fernsehen, wenn die Organisation nicht groß genug war“, weiß Beckedahl. Jetzt sei es einfacher, Menschen mit denselben Interessen zu finden und als Organisation bekannt zu werden.
Ein Beispiel für Demokratie 2.0 ist die Seite abgeordnetenwatch.de. Jeder kann dort online seinen Abgeordneten befragen. Die Fragen und Antworten sind online einsehbar. „So entsteht nach und nach ein Wählergedächtnis“, sagt Gregor Hackmack, einer der Gründer der Seite, denn gespeichert wird auch das Abstimmungsverhalten. Es könne ein direkter Kontakt zwischen Bürgern und Politikern hergestellt werden. 93 Prozent aller Bundestagsabgeordneten haben auf der Plattform mindestens eine Frage vernünftig beantwortet. „Es gibt Abgeordnete, die geben nur Standartantworten“, erzählt Hackmack, „aber auch keine Antwort ist eine Antwort.“ Innenminister Schäuble habe beispielsweise 112 Standartantworten geschrieben, gebe aber seit der 113. Frage mustergültige Antworten. „Die Abgeordneten nehmen das wirklich ernst mittlerweile, weil die Antworten durch die Medien transportiert und für die Nachwelt erhalten werden.“
Politiker nutzen Chancen nicht
Es überrascht, wie wenig die Parteien bei ihren Wahlkämpfen auf das Medium Internet setzen, denn es hat das Potenzial mit wenigen Mitteln Millionen von Deutschen zu erreichen. Internetplattformen bieten sowohl Politikern als auch politisch Interessierten Chancen sich zu vernetzen, auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Viele Politiker sind sich offensichtlich nicht bewusst, welche Chance sie verspielen, wenn sie das Internet ignorieren. Die Demokratie 2.0 steht in Deutschland noch ganz am Anfang.
Für die Bundestagswahlen 2009 ist nicht mit großen Veränderungen zu rechnen. Die ersten richtigen Konzepte für Wahlkamp im Internet sind wohl erst im Jahr 2013 zu erwarten. Nichtregierungsorganisationen sind da grundsätzlich schon weiter, doch sowohl Parteien als auch alle anderen politischen Organisationen müssen sich in den kommenden Jahren mit dem Gedanken anfreunden, dass die Wahlen immer weniger auf Marktplätzen, sondern im WorldWideWeb entschieden werden.
Internetzensur in China
Veröffentlicht am | 03. 08. 2008 | Noch kein Kommentar
Wieder mal ist die Internetzensur in China in aller Munde. Während meiner neun Monate in China hatte auch immer wieder damit zu kämpfen:
- Deutsche Seiten waren grundsätzlich nicht so sehr von der Great Firewall, wie die chinesische Zensur im Netz auch genannt wird, betroffen. Auf alle Seiten von Tageszeitungen und Magazinen, wie sueddeutsche.de, faz.net oder spiegel.de, konnte ich zugreifen. Auch tagesschau.de war jederzeit erreichbar.
- Bis April 2008 war Wikipedia in allen Sprachen nicht erreichbar. Abhilfe schaffte ich mit anonymouse.org, das persönliche Daten verschlüssselt. Im April hoben die Verantwortlichen im Zuge der Öffnung für die olympischen Spiele die Sperre teilweise auf.
- Überraschenderweise konnte ich auf amnesty.de zugreifen. Jedoch surfte ich nicht darauf, da sowohl das Internet in meiner Wohnung als auch meine Karte für Internetcafes über chinesische Freunde angemeldet war. Ihnen wollte ich keinen Ärger machen.
Asiatische Sprachoptionen ohne Windows CD
Veröffentlicht am | 27. 04. 2008 | Noch kein Kommentar
Mein Gott, was war das eine Frickelei. Stundenlanges suchen und downloaden von Dateien. Doch jetzt kann ich endlich asiatische Zeichen darstellen.
Ich habe keine Windows-CD hier in China dabei und auch die Internetverbindung ist nicht die schnellste, weshalb der Download des Service Pack 2 von Windows keine Option war. Ewig wühlte ich mich durch Foren, um herauszufinden, wo ich denn nun die fehlenden Dateien herbekomme.
Irgendwann fand ich die passenden drei Seiten:
http://microsystems.siue.edu/archives/software/cabs/WinXP/lang/
http://www.tngs.tn.edu.tw/departments/gene/share/dirlisting.asp?sortby=2
Hey, hey Wiki
Veröffentlicht am | 15. 04. 2008 | Noch kein Kommentar
Internet in China ist ja so eine Sache. Während es unglaublich viele, im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Straßenecke, Internetcafes gibt, in denen Jugendliche mit sehr schnellen Verbindungen zocken, kann man sich als Privatperson nur einen Modemanschluss besorgen (Möglicherweise ist das nicht richtig. Allerdings ist das meine Erfahrung). Ganz zu schweigen von den tausenden professionellen Zensoren der Regierung.
Auf Flickr werden 80 Prozent der Fotos nicht angezeigt, YouTube funktionierte während der Ausschreitungen in Tibet nicht und Blogs die auf wordpress.com oder blogspot.com gehostet sind, können nicht aufgerufen werden. Wikipedia musste ich über anonymouse.org ansurfen – bisher. Denn, oh Wunder, aus irgendeinem Grund wird es nicht mehr geblockt. (Die wohl erste positive Erfahrung mit dem chinesischen Regime).