Dorftrottel vom Dienst
Veröffentlicht am | 29. 04. 2008 | Noch kein Kommentar
Oberkümmering! Ich surfe auf SpOn, lese dies und das und plötzlich: Eine Reportage aus Oberkümmering! Oberkümmering liegt bei der Stadt Hauzenberg, zu der ich von meinem Elternhaus nur einmal auf den Oberfrauenwald rauffahren muss, fast oben angelangt rechts abbiegen und die Kurven runterdüsen. Nach Passau eine halbe Stunde Fahrt, nach München zwei. Nach Tschechien 45 Minuten.
Da komme ich her. Irgendwo aus dem Nirgendwo, wo es aber zugegeben sehr hübsch ist. Wälder, Hügel, alles grün.
Tausende von Kilometern entfernt lese ich vom Alltag niederbayerischer Jugendlicher aus genau dieser Ecke. Alles ist so vertraut: Die Fussballspieler, die Jugendlichen die bei Busbahnhöfen oder Tankstellen abhängen (und sich dort auch gerne mal volllaufen lassen) und vor allem die Sprache beim angefügten Videocast (Zugegeben, die Qualität ist nicht besonders gut. Selbst ich hatte Probleme es zu verstehen). Ich spreche niederbayerischen Dialekt, und das ziemlich derb. So wie es halt jeder hier, im Woid, macht. Nicht umsonst bin ich bei studiVZ in der Gruppe “Ich spreche Bayrisch mit deutschem Akzent”.
Das Leben dreht sich um Feiern und Freunde. Zusammengehörigkeit und Langeweile. Genauso wie auch in Berlin, Hamburg oder Köln.
Langsam, eineinhalb Monate vor der Heimkehr ist das Heimweh stärker als jemals zuvor. Ich freue mich auf Grill- und Volksfeste, selbst Blasmusik und “Oans, zwoa, gsuffa” vermisse ich. All das also, wovon ich mich immer abgrenzen wollte. Was ich immer primitiv fand und langweilig. Denn richtig Teil dieser Dorfjugend wie im Artikel war ich ja nie – oder doch?
Erst in der Ferne habe ich bemerkt, wie sehr das doch alles auch Teil meiner Identität ist – und nicht nur der anderen, den Dorftrotteln. Ich bin ja selber einer. Und das ist auch gut so.
Nicht alles ist planbar
Veröffentlicht am | 01. 07. 2007 | 1 Kommentar
Ich habe bereits geschrieben, dass in meiner Heimatstadt Waldkirchen die Gartenschau stattfindet. Alles ist in heller Aufregung und will den Gästen eine schöne Zeit bereiten. Doch nicht alles ist planbar.
An der Straße, die zum Haupteingang führt, liegt das Gymnasium, wo wir Abiturienten Freitag unseren Abiturball feierten. Als ich am Samstagvormittag an der Schule ankam, um den von uns verursachten Dreck wegzuräumen, kommen mir Scharren von Gartenschaubesuchern entgegen, die den Haupteingang stürmen. Und alle mussten im perfekt herausgeputzten Städtchen an einer stinkenden Lacke Kotze vorbei.
Landesgartenschau: Eine Stadt dreht durch
Veröffentlicht am | 01. 07. 2007 | Noch kein Kommentar
Mein Wohnort ist ein idyllisches Städtchen, eingebettet in die weichen Hügel des Bayerischen Waldes. Es gibt einen Marktplatz, an dessen Ende der Bayerwalddom thront, einen Maibaum, einen Brunnen, eine Stadtmauer und ein berühmtes Modehaus. In dieser Stadt wohnen 10 000 Einwohner, bei der die Mehrheit entweder beim Sportverein, der Feuerwehr oder dem Trachtenverein Mitglied ist. Das Leben ist also beschaulich, das Wetter manchmal richtig schön und den jungen Menschen langweilig.
Doch seit Freitag ist alles anders. Die Landesgartenschau öffnete ihre Tore. Seit Jahren wird im und um das Stadtgebiet gebaut, gegraben und gepflanzt. Ein Parkplatz wird in den letzten Wochen mühsam aus dem Boden gestampft und ein Sportplatz mit Rasen wird kurzerhand zu einem Sportplatz mit Kies – und damit zum Parkplatz.
Scharren von grauhaarigen, Rucksack- und Allwetterjacken tragenden Menschen fallen seit Freitag in die Stadt ein. Sie werden in Bussen hergekarrt und fressen in einem Wirtshaus sämtliche Fleischvorräte weg. Dazu scheint die Sonne, was manch Poeten zum Ausspruch “Waldkirchen – Ein Sommermärchen” bewegt.
Verändert diese Veranstaltung die Stadt? Werden wir alle ebenfalls zu grauhaarigen, Rucksack- und Allwetterjacken tragenden Menschen? werden wir womöglich auch selbst wieder die bayerischen Wirtshäuser besuchen anstatt den Italiener um die Ecke und das McDonalds in der Nachbarstadt?
