Bilder aus China zur Zeit der Kulturrevolution sind rar. Solange Brand war in den 60er Jahren Angestellte der französischen Botschaft in Peking und hat Fotos mit aus Hongkong geschmuggelten Farbfilmen gemacht. Denn Farbfotos waren nur staatlichen Veröffentlichungen erlaubt, Privatpersonen durften nur in Schwarz-Weiß fotografieren. “Beijing 66″ heißt die Kollektion ihrer Fotos, die 40 Jahre lang in Kisten lagen. Mehr Bilder gibt es in der englischen Ausgabe der Monde Diplomatique.
Schnulzen-Pop oder billige Technobeats? Meist läuft es bei der Musikauswahl in China darauf hinaus. Abseits des Mainstreams fiel mir im Dorf Gengma in der Provinz Yunnan nur die Rockszene auf. Mein Bekannter Kurt spielte in einer Band Schlagzeug. Zweimal sah ich sie in meiner Zeit in Gengma live spielen. Einem beim Neujahrsfest der Wa-Minderheit. Denn Kurt und seine Bandkollegen gehören aller dieser Minderheit an. Das andere Mal war zur Zeit des chinesischen Neujahrsfestes ein paar Wochen zuvor. “Meine Band und andere Bands aus der Gegend spielen im Kino”, lud mich Kurt ein.
Kurt steht auf Kiss.
Die Musiker hatten offensichtlich Spaß auf der Bühne. Sie tanzen Pogo und tranken Bier. Viele haben sich maskiert und sich das Gesicht bemalt. Gegen Ende des Konzertes standen alle Beteiligten auf der Bühne und tanzten und feierten wild. Doch die Situation war merkwürdig…
… denn das Publikum hatte nicht so viel Spaß. Die Mehrheit der Zuschauer waren Grundschüler. Das seltsamste Pärchen war eine alte Frau mit tiefen Furchen im Gesicht und einem krummen Rücken mit ihrem 4-jährigen Enkel, den ich aus dem Kindergarten kannte. Ungefähr 30 Minuten hielt sich das Publikum höflich zurück, angesichts der ungewohnten Musik. Zu Beginn spielten die Bands zum Teil Coverversionen von populären Liedern und die Zuhörer noch einigermaßen ruhig. Doch dann ging das Gemurmle los, die ersten verließen das Kino und am Ende waren keine zwanzig Leute mehr im Saal.
Die Bands störte das nicht weiter und wie es sich für wilde Rocker gehört gab es eine wilde Backstageparty mit viel Bier und einer Tortenschlacht (wobei die ja in China nicht so ungewöhnlich ist).
Bevor es Lob hagelt von allen Seiten hagelt: Das Foto ist nicht von mir. Sondern von Yannik Markworth, der damit den Fotowettbewerb “Musik ab” von Jugendfotos.de gewann. Inspiration für Yannik war Lenny Kravitz’ “Fly away”.
Für mich bedeutet das Bild: “Juhu, Semesterferien!”
Das chinesische Neujahrfest in China ist zu Ende gegangen. Die Feuerwerkskörper und Böller haben ihren Dienst getan und endlich knallt es nicht mehr überall. War es schon in der Kleinstadt Gengma unheimlich laut und nervtötend, wie mag es da wohl erst in der 15-Millionen Metropole Beijing sein? Bei LivingInChina weiß man es: “In Kombination mit den an Mörser aus dem zweiten Weltkrieg erinnernden Leuchtraketen ergibt sich ein furchteinflössendes Staccato, das die Beijinger Bürgersteige von 7 Uhr morgens bis Mitternacht in Kriegsschauplätze verwandelt.”
Lu Hai Rui dagegen verbrachte in Neujahr in der ländlichen Provinz Yunnan. Von dort brachte der schweizer Journalist wunderschöne Fotos aus dem Westen Chinas mit ( Teil I, Teil II, Teil III). Aber Vorsicht: Fernweh!
Die Chinesen feiern seit heute das Neujahrsfest. Das stimmt mich doch ein wenig traurig, war ich doch letztes Jahr selbst bei dem größten Fest in China mit dabei. Wehmütig, und ein kleines bisschen sentimental, habe ich in meinem china.blog nachgelesen, was ich vor einem Jahr im Städtchen Gengma in der Provinz Yunnan erlebte. Hier findet ihr ein paar Auszüge davon und Fotos vom Neujahrfest 2008.
Seit Wochen sind die Straßen mit roten Lampions geschmückt, im Supermarkt stapeln sich Geschenkkörbe und alle unsere Nachbarn putzten letzte Woche ihre Wohnung für das große Fest, so dass ihre Möbel einen Nachmittag vor der Türe verbrachten.
Chinaböller – so heißen die Feuerwerke nicht umsonst. Chinesen böllern oft und gern – bei Hochzeiten, Beerdigungen oder Einweihungen. Doch an Neujahr übertreffen sie sich selbst. Knaller stapelten sich schon seit Tagen vor Geschäften, zum Teil in furchterregender Größe.
Natürlich gehört auch ein Festessen zum Silvesterabend. Bevor jedoch wir Menschen uns die Mägen vollschlagen konnten, wurde den Ahnen ein Tisch voller Köstlichkeiten geopfert.
Später schauten wir zu zehnt die Silvestershow im Staatsfernsehen. Da wir kein Wort verstanden, war das für uns langweilig, weshalb wir uns über das Dauerlächeln chinesischer Moderatoren lustig machten. Entweder werden sie konsequent vor jeder Sendung auf Drogen gesetzt oder ein chirurgischer Eingriff verhindert einen normalen Gesichtsausdruck. Von 20 Uhr bis 1 Uhr gibt es Lieder, komoediantische Einlagen und Akrobatik zu sehen.
So erlebte ich die Silvestergala 2007. Mark Siemons, der offenbar mehr Chinesisch versteht, beschreibt die Show dieses Jahres: “Die Planung und Gestaltung der Show ist ganz oben angesiedelt, beteiligt sind die Kultur- und Kunst-Abteilung des Senders, die Leitung des Senders, das staatliche Amt für Fernsehen und Radio sowie die zentrale Propagandabehörde.” Auch 2008/2009 war es eine Schau an Sängern und Moderatoren, Sportlern und Schauspielern. Imposante Kostüme und Bühnenbilder umrahmten die Show mit viel Tanz und Musik. Wie gesagt, ich fand’s letztes Jahr langweilig, diesmal scheint es nicht viel anders gewesen zu sein. Doch ein paar Minuten Bombast-TV aus dem Reich der Mitte, können niemanden schaden, oder? Also, viel Vergnügen…