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Yunnan und das Heroin

Veröffentlicht am | 05. 08. 2010 | Noch kein Kommentar

Drogen sind in China streng verboten, Süchtige werden in Arbeitslager gesteckt und auf Drogenbesitz folgen hohe Haftstrafen. Doch natürlich gibt es auch in China Drogen. Die Provinz Yunnan liegt an der Grenze zu Burma und Laos, die zusammen mit Thailand das Goldene Dreieck bilden, dem Zentrum für Heroinproduktion und -handel in Südostasien. Yunnan, das an zwei dieser drei Länder angrenzt, wurde so zum Transitland von Heroin ins chinesische Landesinnere. “Das Problem mit dieser Droge hat in Yunnan die Ausmaße einer Epidemie. Und Heroin spielt eine fürchterliche Rolle in der Ausbreitung von Aids”, sagt der amerikanische Fotograf Rian Dundon, der in China lebt in einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung. Und weiter:

Ich wusste, dass Heroinsucht und HIV in Yunnan verbreitete Probleme sind, aber es gab keine journalistischen Arbeiten über die betroffenen Menschen. Als ich aber in Kunming ankam, habe ich relativ schnell festgestellt: Die meisten Heroinsüchtigen gehören nicht zu Chinas Jugend. Sie sind um die 30 bis 40 Jahre alt, während die jungen Menschen eher in Richtung Partydrogen wie Ecstasy und Speed gehen. Die Beliebtheit von Heroin scheint in den Neunziger Jahren ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

Heroin and HIV Harm Reduction in South-West China

Das folgende Foto hat es mit besonders angetan:  Am Welt-Aids-Tag in der Innenstadt Kunmings.

Heroin and HIV Harm Reduction in South-West China

Die gesamte Fotostrecke gibt es auf der Website von Rian Dundon. Auch die Serie “Chinese Youth” ist sehr interessant und gibt einen Einblick in das Leben von Jugendlichen abseits der Metropolen Beijing und Shanghai.

Die Links zum Sonntag

Veröffentlicht am | 28. 03. 2010 | 1 Kommentar

Heute mit: Zwei Toten und chinesischer Feierei.

Willkür vs. Rechtsstaat Vor fast einem Jahr wurde in Regensburg Tennessee Eisenberg mit zwölf (!) Schüssen von der Polizei erschossen. Aufgrund einseitiger Ermittlung legte die Familie des Toten Beschwerde beim Oberlandesgericht Nürnberg ein, das das Verfahren vor wenigen Tagen einstellte. “Die Verteidigung einzelner Beamter wiegt also selbst für ein Oberlandesgericht stärker als die objektive Aufklärung dieses Falles”, schreibt dorager und fasst die Ungereimtheiten und Ermittlungsergebnisse zusammen.

“Das war 100 Prozent in Ordnung” Vor wenigen Wochen ermordeten Angehörige des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad einen Hamas-Terroristen in Dubai. Das Interview mit einem israelischen Schriftsteller Yishai Sarid zeigt die israelische Position zu dem Mord. Auch lesenswert: Die Kommentare, die die Argumentation Sarids auseinandernehmen um den Konflikt zwischen Israel und Palästina.

Ein Mord wird in Israel leichter akzeptiert als in Europa?
Das war kein Mord. Technisch vielleicht schon, aber im Krieg spricht man nicht von Mord. Viele demokratische Länder, auch europäische, führen heute Krieg und töten Menschen. Niemand nennt das Mord.

Israel befindet sich also im Krieg?
Natürlich. Es ist seit seinem Entstehen in einem permanenten Kriegszustand. Auch wenn nicht ständig gekämpft wird, besteht doch eine ununterbrochene Bedrohung seiner Existenz. Ich bin ein Linker, ich schreibe ein Buch über die Grausamkeiten der israelischen Geheimdienste, aber trotzdem würde ich deren Arbeit wegen der existenziellen Bedrohungslage Israels nie in Zweifel ziehen. Denn die Tatsache, dass es viele Nationen und Organisationen in dieser Gegend und anderswo gibt, die uns hier nicht haben wollen, steht leider ausser Frage.

Mit der Begründung, es gehe um Leben oder Tod Israels, lässt sich alles entschuldigen?
Mahmud al-Mabhuh, der in Dubai liquidiert wurde, war zwar kein besonders grosser Fisch, aber Teil der Terrormaschine und als solcher eine direkte Bedrohung Israels. Man kann darüber diskutieren, ob das Attentat sonderlich geschickt ausgeführt wurde, ob man dafür so viele Agenten aufs Spiel setzen musste. Aber die Tat selbst ist in meinen Augen hundertprozentig in Ordnung.

Zhang Xiao / They: “Zhang Xiao fotografische Sammlung ‘They’ gibt überraschende Einblicke in die chinesische Altagskultur mit einem Schwerpunkt auf Festen jeglicher Art. Zu sehen ist ein erstaunliches Nebeneinander von Fortschritt und Tradition und – mit europäischem Auge gesehen – von Vertrautheit und Fremdheit”, schreibt das Abseits Magazin.

The longest Way

Veröffentlicht am | 14. 01. 2010 | Noch kein Kommentar

Gestern habe ich das Video von zwei Typen gepostet, die in Toronto eine Straße lang liefen und sich ständig selbst fotografiert haben. Das erinnerte mich an etwas und ich überlegte heute immer wieder, was es war (zumindest bis ich bemerkte, dass ich meine Schlüssel verloren habe und ich nur noch überlegte, wo sie sein könnten und dann sämtliche Hörsäle abgesucht habe, in denen ich heute war, in Fundämtern nachfragte und schließlich doch zu meiner Vermieterin musste, weil sie nirgends zu finden waren). Jedenfalls, ich weiß jetzt, woran mich das Video erinnerte: An “The longest way“. Ein junger Deutscher lief fast 5000 Kilometer durch China und fotografierte sich dabei selbst. Ein Jahr lief er von West nach Ost, von Urumqui nach Beijing.

At the End of Yonge Street

Veröffentlicht am | 13. 01. 2010 | 1 Kommentar

In Toronto soll es die längste Straße der Welt geben. 40 km ist die Yonge Street lang. Warum die nicht einfach mal an einem Tag ablaufen und sich die ganze Zeit ununterbrochen gegenseitig fotografieren? Das haben sich zwei junge Typen gedacht und genau das gemacht. Hier das Ergebnis:  

China through Lomo

Veröffentlicht am | 12. 01. 2010 | 4 Kommentare

Sia habe ich in Gengma kennen gelernt. Sie wuchs nur ein paar Meter entfernt von meiner Wohnung dort auf  (fünf Wohnungen weiter um genau zu sein). Ich habe sie während dem chinesischen Neujahrsfest kennen gelernt als sie ihre Eltern besuchte. Sie studiert Arabisch und fremdsprachige Literatur in Guangzhou.  large_dMdL_2184n200061

Als sie abreiste schenkte sie mir ihr Lieblingsbuch. Damals erzählte sie mir, dass sie auf eine Lomo-Kamera spart. Inzwischen hatte sie das Geld zusammen und sie schickte mir ein paar ihrer Fotos.

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Notizen

Veröffentlicht am | 24. 11. 2009 | 1 Kommentar

  • Wer Recht sucht, wird misshandelt: In China gibt es eine offizielle Behörde, bei der sich Chinesen und Chinesinnen beschweren können. Das perfide dabei: die Partei registriert, woher die Kritiker kommen und schreibt das den einzelnen Provinzen zu. Beamte aus ganz China bekommen deshalb Prämien, wenn sie die Leute verhaften, die sich gegen den Staat auflehnen. Und oft landen sie dann in “Schwarzen Gefängnissen”, wo sie gefoltert werden. Der Staat hat nun im Zuge eines Verfahrens wegen Vergewaltigung einer Gefangen. erstmals zugegeben, dass solche schwarzen Gefängnisse existieren.
  • Das Bild über China ist im Westen nicht das Beste. Das weiß natürlich auch die KP und will ihr Image aufpolieren. “Es ist wie eine Windel, die den Schmutz am Hintern verdeckt” heißt es bei ZAPP.
  • Die Leiden des jungen Werthers” hat praktisch jeder chinesische Mittelschulabsolvent mindestens einmal gelesen.” Wissenswertes über den chinesischen Buchmarkt.
  • Liu Bolin macht auch Fotos. Aber auf ganz andere Weise. Er malt sich an und integriert sich so in seine Umwelt. Auf dem Bild unten taucht ein Phänomen auf, das mir in China oft begegnete und ich nie aufklären konnte: Warum schmieren Chinesen ständig und fast überall Telefonnummern an Wände? Mehr Bilder.

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Beijing 66

Veröffentlicht am | 14. 10. 2009 | Noch kein Kommentar

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Bilder aus China zur Zeit der Kulturrevolution sind rar. Solange Brand war in den 60er Jahren Angestellte der französischen Botschaft in Peking und hat Fotos mit aus Hongkong geschmuggelten Farbfilmen gemacht. Denn Farbfotos waren nur staatlichen Veröffentlichungen erlaubt, Privatpersonen durften nur in Schwarz-Weiß fotografieren. “Beijing 66″ heißt die Kollektion ihrer Fotos, die 40 Jahre lang in Kisten lagen. Mehr Bilder gibt es in der englischen Ausgabe der Monde Diplomatique.

Rock im Kino

Veröffentlicht am | 17. 04. 2009 | Noch kein Kommentar

Schnulzen-Pop oder billige Technobeats? Meist läuft es bei der Musikauswahl in China darauf hinaus. Abseits des Mainstreams fiel mir im Dorf Gengma in der Provinz Yunnan nur die Rockszene auf. Mein Bekannter Kurt spielte in einer Band Schlagzeug. Zweimal sah ich sie in meiner Zeit in Gengma live spielen. Einem beim Neujahrsfest der Wa-Minderheit. Denn Kurt und seine Bandkollegen gehören aller dieser Minderheit an. Das andere Mal war zur Zeit des chinesischen Neujahrsfestes ein paar Wochen zuvor. “Meine Band und andere Bands aus der Gegend spielen im Kino”, lud mich Kurt ein.

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Kurt steht auf Kiss.

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Die Musiker hatten offensichtlich Spaß auf der Bühne. Sie tanzen Pogo und tranken Bier. Viele haben sich maskiert und sich das Gesicht bemalt. Gegen Ende des Konzertes standen alle Beteiligten auf der Bühne und tanzten und feierten wild. Doch die Situation war merkwürdig…

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… denn das Publikum hatte nicht so viel Spaß. Die Mehrheit der Zuschauer waren Grundschüler. Das seltsamste Pärchen war eine alte Frau mit tiefen Furchen im Gesicht und einem krummen Rücken mit ihrem 4-jährigen Enkel, den ich aus dem Kindergarten kannte. Ungefähr 30 Minuten hielt sich das Publikum höflich zurück, angesichts der ungewohnten Musik. Zu Beginn spielten die Bands zum Teil Coverversionen von populären Liedern und die Zuhörer noch einigermaßen ruhig. Doch dann ging das Gemurmle los, die ersten verließen das Kino und am Ende waren keine zwanzig Leute mehr im Saal.

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Die Bands störte das nicht weiter und wie es sich für wilde Rocker gehört gab es eine wilde Backstageparty mit viel Bier und einer Tortenschlacht (wobei die ja in China nicht so ungewöhnlich ist).

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