Post-Tag-Archiv für ‘ CSU ’

3. September 2008 6

Sommer, Sonne, CSU

Von katha in Medien, Politisches

Landtagswahlen am 28. September – die Straßen sind allerorten bereits wieder durch vertrauensvoll lächelnde Fratzen verschandelt. Alle Kandidaten haben denselben gekünstelten Gesichtsausdruck. Nur die kleineren Parteien, deren mögliche Landtagsabgeordneten sowieso unbekannt sind, verzichten auf diese Gesichtsparade. Stattdessen versuchen sie mit den gleichen platten Sprüchen oder Blumentapeten zu überzeugen.

Wahlen in Bayern sind langweilig. Seit Jahren verlaufen sie im gleichen Muster: Die CSU gewinnt, mal mehr, mal weniger hoch. Der Rest der Horde kämpft um die übrigen Stücke der Beute. Es verwundert, dass Parteien wie die Bayernpartei oder die FDP sich die Mühe machen, Plakate zu kleben und Wahlveranstaltungen zu organisieren – es ist vergebene Liebesmüh. Daneben gibt es die SPD und die Grünen, die Opposition. Wobei die Stimmanteile der Grünen immer größer werden, die SPD dagegen sich mit einem Ergebnis von 20+X wünscht – so wie auch bald die Bundes-SPD?

Die Konstante bei bayerischen Landtagswahlen ist die CSU. Egal ob die Amigoaffäre, verschiendene Skandale oder unpopuläre Maßnahmen – all das ist den Bürgern pünktlich zum Wahltermin wieder völlig egal. Seit über 50 Jahren regiert die “Christlich Soziale Union” in Bayern mit absoluter Mehrheit. Und es ist kein Ende abzusehen. Zwar plant die SPD mit Franz Maget, dem ewigen Verlierer der Bayern-SPD, die Machtübernahme durch einer Dreier-Koalition von SPD, Grünen und den Freien Wählern. “Bei der Krise der CSU Anfang des Jahres [2007] gab es zum ersten Mal, seit ich politisch denken kann, eine Umfrage in Bayern, die eine Mehrheit im bayerischen Landtag jenseits der CSU gesehen hat”, sagte Florian Pronold, bei einem Interview, das ich im Rahmen des Landesparteitages 2007 geführt habe. Er hat recht, 2007, im Jahr des Stoiber-Sturzes, stand die CSU in Umfrageergebnissen tatsächlich seit Jahrzehnten wieder unter 50 Prozent. Dazu kommt, dass das neue Duo Beckstein und Huber nicht besonders erfolgreich agiert. Wähler haben grundsätzlich ein Kurzzeitgedächtnis. Wer erinnert sich noch an eine umtriebige Fürther Landrätin? Warum ist eigentlich der Stoiber nicht mehr dabei? Und wer ist jetzt eigentlich der neue Ministerpäsident?

Der Bayer an ist nicht nachtragend, anders ist es nicht zu erklären, dass die Schwarzen bei den Wahlen nicht in den einstelligen Bereich katapultiert werden. Vor vier Sommern führte Stoiber quasi über Nacht das 8-jährige Gymnasium ein. Der Lehrplan wurde gekürzt. Wer braucht schon Geschichte? Wer Kunst oder Musik? Für Laptop und Lederhosen reichen ja Mathe, Physik und ein Hirsch. Einer meiner früherer Lehrer berichtet davon, dass bei den Lehrplänen für das G8 eine kleiner Schriftgröße gewählt wurde – schon sind es einige Seiten weniger. Gott, erhöre und wirf Hirn auf die Staatskanzlei in München!

Doch der Herrgott steht auf der schwarzen Seite. Gottesbeweis fällig? Die aktuellen Wahlplakate der CSU. Darüber: Sonne, Sommer, Bayern. Auf den ersten Blick ein nichtssagendes Plakat; eher Werbung für die gestresste alleinerziehende Mutter auf dem Plattenbau in Neukölln Urlaub auf dem Bauernhof zu machen, denn für eine Partei, denen die Umwelt bis auf enige Ausnahmen nicht besonders am Herzen liegt.

Doch nun werfen wir einen Blick hinter den Wahlspruch. Sommer, Sonne, Bayern. Sommer und Sonne, eine Jahreszeit und ein Himmelsgestirn – übermenschliche, unbeeinflussbare Phänomene. Dazu stellt der Freistaat in einer Reihe. Da sich die CSU mit dem Land gleichsetzt, soll der Slogan eigentlich Sommer, Sonne, CSU heißen – aber das haben sie sich in der Wahlkampfzentrale wohl nicht getraut.

Gehen wir einen Schritt weiter. Wer hat die Sonne erschaffen? Erinnern wir uns: am ersten Tag schuf Gott das Licht, die Sonne und somit den Sommer. Und danach gleich die CSU? Der Wahlspruch Sommer, Sonne, Bayern – das ist quasi die göttliche Anerkennung der schwarzen Herrschaft.

Übermächtige Christsoziale Union, erhöre!

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7. März 2008 0

Fehlender Realismus bei der bayerischen SPD

Von katha in Politisches

Franz Maget, der wohl optimistische Politiker in unseren Landen und das, obwohl er der Franktionsvorsitzende der SPD im bayerischen Landtag ist, sprach von einem “fantastischen Ergebnis für die SPD in Bayern” bei den Kommunalwahlen am 3. März. Warum behauptet er das? Muss ich an seiner Auffassungsgabe zweifeln, oder was bitte ist so lobenswert an einem Rekordtief von 22,6 Prozent der Stimmen?

Natürlich konnte Christian Ude in München seine Bürgermeisterwahl gewinnen und auch in Nürnberg und Fürth gewannen die Kandidaten der SPD. Und ja, in Passau muss der amtierende Zankl in die Stichwahl gegen den roten Dupper. Doch das sind alles Erfolge in Städten. Wie sieht es auf dem in Bayern zwar nicht ganz so flachem Land aus? Dort verkommt die SPD zu einer Splitterpartei!

Es ist schon eine Tragödie mit der SPD in Bayern. Sie können tun, was sie wollen – Erfolg werden sie nicht haben. Django Asül drückte seinen Finger bei der Nockherbergrede 2007 genau in diese Wunde: “Erfolg – ein Fremdwort für die SPD in Bayern.” Und dann träumen die Spitzen der BayernSPD sogar vom Ende der absoluten Mehrheit der CSU im Landtag.

Eine Binsenweisheit: Eine Kommunalwahl ist keine Landtagswahl. So einfach ist es. Das sieht auch der Landesgruppenchef im Bundestag Florian Pronold, mit dem ich für politikorange ein Interview geführt habe, so: “Die Menschen schauen bei Kandidaten für Kommunalwahlen darauf, was die Personen tun und wie sie rüberkommen. Bei Landtagswahlen ist die politische Grundausrichtung viel wichtiger. Deshalb läßt sich ein Erfolg bei Kommunalwahlen nicht so leicht auf die Landesebene übertragen. Trotzdem wollen wir den Schwung des Erfolges mitnehmen für die Landtagswahl.” Das sagte er vor den letzten Kommunalwahlen. Doch welchen Schwung wollen sie nach dieser Niederlage mitnehmen?

In den Stadträten und Kreistagen im Freistaat sind neben den allgemein bekannten CSU, SPD, GRÜNEN und der FDP, natürliche viele freie Wählergruppe, die Bayernpartei, die ödp und hin und wieder lässt sich leider sogar ein Republikaner finden. All diese Gruppen und Parteien gehören meist den konservativen Spektrum der Parteienlandschaft an, die bei den Landtagswahlen, bis auf wenige Ausnahmen, nicht antreten.

Wen wählt der konservative Bayer dann? Die christlich-soziale Union natürlich. Und vom Ende der absoluten Mehrheit ist man dann wieder weit entfernt.

Die einzige Chance, die CSU aus der Regierung zu drängen oder zumindest zu einer Koalition zu zwingen, ist nur möglich, wenn eine vierte Partei in den Landtag einzieht, schließlich gingen 12 Prozent bei den Wahlen 2003 an andere Parteien. Potenzial wäre theoretisch da. Doch welche Partei könnte in das Maximilianeum als vierte Partei einziehen? Die LINKE hat in Bayern keine Chance. Es bleiben die FDP, die öpd und die Freien Wähler.

Die FPD ist seit 1994 nicht mehr im Landtag vertreten. Die ödp ist eine gesichtslose Partei mit ökologischem Anliegen und konservativer Grundeinstellung. Die Freien Wähler strebt den ersten Landtagseinzug an und wäre zu einer Koalition mit der SPD und den Grünen bereit.

Könnte die Sensation im Herbst eintreten? Ich denke kaum, denn trotz der Turbulenzen um Stoiber und den Kämpfen um den Parteivorsitz zwischen Huber und Seehofer im letzen Jahr, sieht die Mehrheit der Bayern keine Alternativen neben der CSU. Auf Kommunalebene hat die CSU ihre Alleinherrschaft schon verloren, aber ich befürchte, dass dies auf Landesebene frühestens bei den Landtagswahlen 2012 möglich ist.

So sehr ich also auf eine rasche Änderung der Machtberhältnisse im schönen Bayern hoffe, realistisch gesehen muss ich darauf noch ein paar Jahre warten. Da wird auch ein “Raketenwahlkampf ” der SPD nichts nützen.

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18. Februar 2008 1

Männersache

Von katha in Politisches, Tagtäglich

Mütter haften für ihre Kinder. Sie machen das. Sie können das. Sie haben die Kinder neun Monate lang im Bauch getragen, sind also für Pflege und Fürsorge prädestiniert – eine Haltung, die 1968 und an den antiautoritären Aufbruch zwar nicht ganz unbeschädigt überstanden hat, aber dennoch in einigen Köpfen weiterlebt, die manchmal einen Bart tragen, manchmal aber auch Eva heißen. (Die ZEIT vom 3. Januar 2008)

Diese Einstellung herrscht meiner Meinung nach in mehr Köpfen vor, als es der Autorin lieb ist. Frauen. das ist Haushalt. Frauen, das sind Friseurinnen und Krankenschwestern. Am besten halbtags, damit nachmittags die Kinder versorgt sind. Wozu also höhere Bildung? Verschwendete Zeit.

Ist es wirklich so wie der SPIEGEL im Dezember schreibt: Eltern schicken ihre Mädchen nicht aufs Gymnasium, weil doch der Realsculabschluss sowieso reicht?

Im schönen Niederbayern geht halt alles etwas langsamer. Frauen in der Politik gibt es kaum. Eine Frau sitzt im Parlament meiner Heimatstadt, im Umkreis von 150 km gibt es eine Bürgermeisterin (zumindest, soweit ich weiß.) Diese ist in der CSU, der Männerpartei, ohne die gar nichts geht. Sie ist meiner Meinung nach notwendig, um in einer konservativen Gegend wie meiner Heimat überhaupt einen Fuss auf den politischen Boden zu bekommen. Eine Frau und dann möglicherweise auch noch bei der SPD oder den Grünen – Gott bewahre. Eine Teufelsanbeterin, eine Abgefallene.

Bei der Union, beziehungsweise ihren Derivaten, die in Ostbayern tatsächlich nicht zu unterschätzende Stimmenanteile bekommen, wie die Bayernpartei oder die ödp, weiß Mann was man hat: Eine Frau mittleren Alters, die die Langeweile quält, seitdem die Kinder aus dem Haus sind.

Doch, denkt ihr Leser bestimmt, was soll die Schwarzmalerei? Wir leben im 21. Jahrhundert, auch in Niederbayern laufen der katholischen Kirche die Gläubigen davon. Natürlich, antworte ich da, doch an der politischen Mitbestimmung der Frauen hat sich trotzdem nichts geändert.

Beispiel: Die Kommunalwahlen im März. Auf der Seite bsmparty.de, dem sozialen Netzwerk für die Jugend in Ostbayern, bei der gefühlte 100 Prozent der Jugendlichen Mitglied sind, hat ein Wahlportal erstellt: Alle jungen Kandidaten können sich anmelden und sich vorstellen. Insgesamt gibt es fünf Landkreise. Inzwischen haben sich viele Kandidaten angemeldet, auch die, die nicht mehr ganz so jung sind. Doch in den fünf Landkreisen kandidiert offenbar nicht eine Frau!

Keine junge Frau will in einen Gemeinderat – das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Wobei wir beim nächsten Punkt sind. Auf Kommunalebene wohl noch mehr als auf Landes- oder Bundesebene spielt sich oft in Klüngeln ab. Der Huber und der Meier sind halt schon seit 20 Jahren im selben Stammtisch, natürlich, wählt der Huber den Meier. Und wenn der Meier dann auch noch im Sportverein oder der Feuerwehr ist, dann hat er sein Mandant sicher. Das Problem für Frauen: Sportverein und Feuerwehr sind meistens noch immer von Männer dominiert.

Ich fordere keine Quotenregelung, weiß Gott nicht. Aber es kann doch nicht sein, dass maximal eine Frau im Stadtrat sitzt. Ich kenne genug selbstbewusste, intelligente Frauen, denen ich die Aufgabe zutrauen würde. Doch das größte Problem sind wahrscheinlich leider die Frauen selbst: “Politik – das ist doch was für Männer. Geh’ ma lieber in den Frauenbund.”

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30. Januar 2008 6

Totenglöckchen der CSU

Von katha in Medien, Politisches

Beim Landesparteitag der SPD im vergangenen Juli in Würzburg war ich Teil der Redaktion von politikorange. Dabei führte ich gemeinsam mit Felix Scheidl ein Interview mit Florian Pronold, Vorsitzender der SPD-Landesgruppe im Bundestag. Im Bezug auf die Kommunalwahlen im März, dessen Wahlkämpfer schon in der Startlöchern sitzen, stelle ich das Interview online. Leider kann ich keine Umlaute darstellen – bin ja in China.


Bei den Landtagswahlen 2008 will die Bayern SPD punkten.
Einen “Raketenwahlkampf” plant Florian Pronold, 34-jähriger Hoffnungsträger der Bayern-SPD. Zurzeit ist er Vorsitzender der SPD-Landesgruppe im Bundestag. 2008 will er die Mehrheit der bayerischen CSU brechen.

Bald sind Landtagswahlen. Sie haben bereits angekündigt, dass es einen “Raketenwahlkampf” geben wird. Den werden Sie brauchen, wenn man die Umfragewerte der Partei betrachtet. Kann die absolute Mehrheit überhaupt geknackt werden?

Ja, selbstverständlich. Bei zwei der letzten drei Bundestagswahlen haben wir die CSU unter die 50-Prozent-Marke gedrückt. Was bei einer Bundestagswahl geht, kann uns auch bei einer Landtagswahl gelingen. Drei Wochen vor der letzten Bundestagswahl lag die Bayern SPD in Umfragen bei 17 Prozent. Erreicht haben wir schließlich 27 Prozent. Seitdem lasse ich mich von Umfragen nicht mehr ins Bockshorn jagen.

Glauben Sie wirklich, dass der Unschärfefaktor so groß ist? Immerhin hat die CSU ja eine gewisse Stammwählerschaft.

Ja, aber die CSU-Stammwählerschaft versteht zur Hälfte nicht, warum der Beckstein und der Huber den Edi gemeuchelt haben. Wenn sie die Stimmung vor Ort betrachten, ist da Soddom und Gomorra ausgebrochen. Die eine Hälfte der CSU-Wähler hat immer noch nicht verstanden, warum der schönste und beste Ministerpräsident Stoiber gehen muss. Die andere Hälfte ist froh darüber.

Sie sagten, dass der Laden explodieren wird, wenn die Mehrheit der CSU gedrückt wird. Doch die CSU hat eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Kann der Laden überhaupt explodieren? Selbst wenn die CSU die Zwei-Drittel-Mehrheit verliert, bleibt ihnen noch immer die einfache Mehrheit.

Die CSU lebt von dem Nimbus, sie seien die ewigen Sieger. Verlieren sie die bei einer Landtagswahl, ist dies das Totenglöckchen der CSU und der absoluten Mehrheit. Bei der Krise der CSU Anfang des Jahres gab es zum ersten Mal, seit ich politisch denken kann, eine Umfrage in Bayern, die eine Mehrheit im bayerischen Landtag jenseits der CSU gesehen hat.

Die SPD setzt ihre Hoffnungen bei den Wahlen im März 2008 auf Würzburg und Regensburg. Andere Städte wie München werden schon lange von der SPD regiert. Planen sie jetzt eine Revolution von unten?

Die Menschen schauen bei Kandidaten für Kommunalwahlen darauf, was die Personen tun und wie sie rüberkommen. Bei Landtagswahlen ist die politische Grundausrichtung viel wichtiger. Deshalb läßt sich ein Erfolg bei Kommunalwahlen nicht so leicht auf die Landesebene übertragen. Trotzdem wollen wir den Schwung des Erfolges mitnehmen für die Landtagswahl.

Also kommunale Siege als Signal.

Ja. Wir wollen dieses Signal setzen, indem wir Städte hinzugewinnen. Schon jetzt regiert die SPD in den drei größten Städten – das gibt es in keinem anderen Bundesland. Das ist ein Ergebnis unserer erfolgreichen Kommunalpolitik.

Fakt ist aber, dass die drei größten Städte nicht ganz Bayern repräsentieren. Ludwig Stiegler sagte, dass die SPD in der Bayerischen Gesellschaft nicht verankert sei. Wie wollen sie die Defizite vor allem im ländlichen Raum ausgleichen?

Wir haben in vielen ländlichen Bereichen erfolgreiche Bürgermeister. Natürlich gibt es aber auch schwarze Flecken, wo es nicht einmal einen SPD-Ortsverein gibt. Aber wir stellen noch immer genauso viele Oberbürgermeister wie die CSU.

Die CSU hat einen Plan für 2020 aufgestellt, der sich für die Wähler recht angenehm liest. Herr Stiegler meinte: “Alles geklaut.” Wo bleibt denn dann der große Umsturz, wenn die SPD wirklich an die Regierung kommen würde?

Die CSU hat ja nur die Überschriften geklaut. Aber bei der Umsetzung bleiben sie nach wie vor defizitär. Stoiber war immer gut in der Ankündigungspolitik. Die Kommunisten haben wenigstens nur Fünf-Jahrespläne gemacht, aber Edmund Stoiber macht 13-Jahrespläne. Warum? Das ist doch offensichtlich: Stoibers Plan ist nicht gegen die SPD, sondern gegen Beckstein und Huber gerichtet, weil er seinen Nachfolgern nichts zutraut. Die CSU hätte einfach die Anträge der SPD übernehmen können, dann hätten sie den Plan jetzt schon erfüllt.

Was wollen Sie besser machen?

Unsere Ziele sind klar gesetzt: Wir wollen beispielsweise mehr auf die ländlichen Regionen Bayerns eingehen. DSL-Anschlüsse müssen in allen Teilen Bayerns verfügbar sein. Auch die Autobahnen müssen ausgebaut werden – und das nicht nur in München.

Klingt nach einer Guten Idee. Aber woher soll das Geld kommen?

Sehen Sie sich doch beispielsweise einmal das Milliardengrab Transrapid an. Wir wollen den Bau stoppen und stattdessen für mehrere Millionen das Münchner S-Bahn-Netz ausbauen. Dann haben wir immer noch viel Geld übrig, um Bayern zu fördern – nur um mal ein Beispiel zu nennen.

Wie sehen sie sich in Zukunft in der SPD?

Mein Ziel ist es, die Bayern-SPD so aufzustellen, dass sie in absehbarer Zeit an der Regierung beteiligt wird und die CSU aus der Regierung schmeisst.

Das Bundeskanzleramt ist also nicht das Ziel?

Nein, Bundeskanzler zu werden ist viel zu einfach. Mein großes Ziel ist es zweiter sozialdemokratischer Ministerpräsident in der Nachkriegsgeschichte Bayerns zu werden.

[Update: Umlaute zu Hause am Laptop richtiggestellt.]

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3. Juli 2007 2

abgeordnetenwatch.de: Was tut sich?

Von katha in Politisches

Vor einiger Zeit prüfte ich die Bundestagsabgeordneten aus den Wahlkreisen Deggendorf und Passau darauf, wie und ob sie überhaupt die Fragen auf abgeordnetenwatch.de beantworten.

Das Ergebnis war nicht gerade berauschend. Während sich Jella Tauchner und Max Stadler viel Mühe gaben auf wirklich gute Fragen zu antworten, haben Bruni Irber und Barthl Kalb dazu kaum eine Chance, weil Fragen fehlen. Andreas Scheuer dagegen hatte Fragen genug, die er jedoch allesamt ignorierte.

Wie sieht die Situation einen Monat später aus?

Nur bei Scheuer ist eine Veränderung eingetreten. Nachdem der Passauer bis Mitte Mai sämtliche Fragen ignorierte, obwohl dies bereits in Anfragen thematisiert wurde.

Sehr geehrter Herr Dr. Scheuer,

aus diesem Forum geht hervor, dass insgesamt sechs Fragen an Sie gestellt wurden, davon jedoch keine beantwortet wurde. Außerdem ist die weitere Fragestellung nach der Wahl geschlossen worden. Dies zeigt, wie ignorant Sie gegenüber den Wählern in Ihrem Wahlkreis sind. Desweiteren würde mich interessieren, welche selbständige Tätigkeit Sie ausüben.

Mit freundlichen Grüßen
R. Tham

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass ein Abgeordneter nicht tagtäglich durch das Web surft um schnellstmöglich sämtliche Fragen zu beantworten. Doch Politiker, die stets auf Außenwirkung bedacht sind, sollten ein natürliches Interesse an einer nominierten Seite des Grimme-Online-Preises sein.

Doch der Clou – und damit unterscheidet sich Abgeordnetenwatch.de von allen anderen Politikseiten im Internet – besteht darin, dass online Fragen gestellt werden können, die der oder die Abgeordnete dann online beantwortet. Das ist öffentlich einsehbar; auch wer selbst keine Fragen stellt, kann nachlesen, wie ernst ein Politiker die Bürgeranfragen nimmt, ob er sie abwimmelt oder sachgerecht beantwortet. Fast 125 000 Besucher und knapp 600 000 Seitenzugriffe im ersten Jahr belegen das rege Interesse an dieser Form des politischen Meinungsaustauschs. Täglich kommen etwa 900 weitere User hinzu. Auch Journalisten informieren sich inzwischen gern auf Abgeordnetenwatch.de. (Markierungen von mir)

Dies scheint nun auch Herr Dr. Scheuer begriffen zu haben. Denn plötzlich antwortete er (oder einer seiner Mitarbeiter) auf drei von fünf Fragen sehr ausführlich und vorbildlich. Dennoch wird aus einer Antwort deutlich, dass er abgeordnetenwatch.de als Plattform für den Kontakt zum Wähler nicht ernst nimmt.

Frage:

Sehr geehrter Herr Scheuer,

wieso beantworten Sie keine Fragen der Bürger?

Oder was machen Sie , dass Sie keine Zeit haben?

Antwort:

Sehr geehrter Herr Stamm,

vielen Dank für Ihre Frage bei abgeordnetenwatch.

Mich erreichen eine Vielzahl von Fragen aus dem Wahlkreis in meinem Berliner Büro und dem Wahlkreisbüro per Brief, Mail, Fax oder auch telefonisch. Die Kontaktdaten können der Internetseite des Deutschen Bundestages oder auch meiner Homepage entnommen werden.
Ich bitte Sie daher um Verständnis, dass ich direkte Anfrage von Bürgerinnen und Bürgern vorrangig beantworte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Andreas Scheuer, MdB

Natürlich ist der direkte Kontakt zum Bürger für die Politiker wichtiger, aber auch Scheuer ist einer der “jungen Wilden” der CSU, die sich gerne im Glanz des Lederhosen-und-Laptop-Mythos sonnen. Aber im Zweifelsfall ist das bierselige Gröhlen im Bierzelt doch dankbarer.

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17. Juni 2007 0

Hinterfotzigkeit: Der politische Kosmos der CSU

Von admin in Medien, Politisches

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT habe ich einen bissigen, wirklich lesenswerten Kommentar über die Hinterfotzigkeit in der CSU gefunden.

csu

Wenn ein Hinterfotziger einem anderen Hinterfotzigen Hinterfotzigkeit vorwirft, nähern wir und dem prallen politischen Kosmos der CSU. Keine andere Partei hat die Hinterfotzigkeit derart zur Kunst erhoben wie die weiß-blaue FJS-Erbgemeinschaft. Unvergessen etwa ist die 48-stündige offene Aussprache der 124 CSU-Landtagsabgeordneten Anfang des Jahres in Wildbad Kreuth, an deren Ende Erwin Huber und Günther Beckstein ihren Großen Vorsitzenden Edmund Stoiber unter vier Augen meuchelten. Eine einzige große Hinterfotzigkeit, die nur noch übetroffen wurde von den Gerüchten über Horst Seehofer und seine schwangere Berliner Geliebte, die zeitgleich den Weg in die Bild-Zeitung fanden.

Dass Seehofer kein Mann sein würde, der bei so viel Hinterfotzigkeit auf Dauer zurückstecken würde, hätte man sich denken können. Nun hat er seinerseits mit ein paar Gerüchten gedroht (“Ich weiß viel”) und damit Edmund Stoiber auf den Plan gerufen. Dem Großen gemeuchelten Vorsitzenden sind Gerüchte, Geliebte und Hinterfotzigkeit gleichermaßen fremd, weshalb er seine Parteifreunde nun wissen ließ, weder das Privatleben noch “vermeintliche oder wirkliche Drohungen” dürften “ein Mittel des politischen Wettbewerbs sein”.

Unterdessen hat der Spiegel enthüllt, dass die Gerchte über Seehofer gar nicht von bösen Parteifreunden, sondern von “geschwätzigen Bundestagssekretärinnen” in Umlauf gebracht worden seien. Die CSU ist überrascht. So viel Hinterfotzigkeit hätte sie den Damen gar nicht zugetraut.

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15. Mai 2007 2

Die Junge Union und der Söllner Hans

Von katha in Kulturelles, Mukke, Politisches

Die Coverband JIVE, die im östlichen Niederbayern wohl schon so auf jedem nur möglichen Fest gespielt hat, hat ein neues Hobby: Sofa TV, dem “autonomen Internetfernsehsender einiger Mitglieder.”

Letzens spielten bei den Festlichkeiten zum 60-jährigen Gründungsjubiläum in Schrobenhausen, befragten Teilnehmer und filmten drauflos. Und was kann ich da sehen? Mitglieder der Jungen Union, fesch frisiert und im feinen Sonntagsanzug, tanzen, grölen und feiern zu Hans Söllners “Mei Vodda hod an Marihuanabaam”. Verkehrte Welt.

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14. Mai 2007 0

Bundestagabgeordnete im Einsatz

Von admin in Politisches

Habe gerade www.abgeordnetenwatch.de entdeckt und wollte natürlich sogleich wissen, welche Fragen an meine Bundestagsabgeordneten gestellt wurden. Ich gebe also meine Postleitzahl ein, sehe meine Abgeordneten Bruni Irber (SPD) und Barthl Kalb (CSU). Nur Irber musste bisher eine Frage beantworten. Neugierig, was meine Mitbürger wohl wissen wollen, klicke ich diese an.

Und was lese ich da? Was interessiert die Menschen im Wahlbezirk Deggendorf? (weiterlesen…)

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