schafott.blog

Si tacuisses, philosopha mansisses

Hello Teacher! How are you?

Veröffentlicht am | 10. 01. 2010 | Noch kein Kommentar

Jan-Christoph Kammann unterrichtet zur Zeit Englisch in China, so wie ich es auch getan habe, und darüber bei Spiegel Online geschrieben. Ich sitze hier zu Hause in Deutschland, denke zurück an die Zeit in Yunnan und kann so vieles, was Jan-Christoph schreibt, genauso bestätigen:

In der ersten Stunde habe ich noch versucht, mir die Namen der Schüler zu merken. Unmöglich. So sehr ich auch dagegen kämpfe – nach ein paar Stunden nehme ich die Schüler nur noch als gleichförmige Masse in blauen Trainingsanzügen wahr. Und die englischen Namen, die sie sich ausgesucht haben, wiederholen sich ständig: Kevin, Peter, Jack und Linda, Nicole, Tracy. Namen sind aber auch nicht so wichtig. Die Schüler sind dazu übergegangen, mich schlicht “Teacher” statt “Yang Laoshi” zu rufen.

Zum Stundenbeginn werde ich stets begrüßt mit euphorischem Jubel: “Hello Teacher! How are you?” Ich stelle mich vor und erzähle, wo ich herkomme. Jeder kennt Volkswagen, Deutschland auf der Karte zeigen kann keiner. Ja nun, wir sind im Englischunterricht. England findet aber auch niemand, die USA und Kanada dagegen schon, weil es so große Länder sind. Und Neuseeland auch – weil es so bemitleidenswert klein ist.

(…)

Als ich Deutschland auf der Karte zeige, wundern sich alle über die mickrige Größe. Von einer so großen Autonation kann man ja wohl etwas mehr Fläche erwarten! Einige wirken enttäuscht, andere belustigt. “Zhong Guo hen da” (China ist sehr groß), sage ich und habe die Sympathien auf meiner Seite.

(…)

Zum Abschied hieß es dann immer im Chor und in einer Wahnsinnslautstärke: “Bye bye teacher!”

(…)

In den ersten Tagen habe ich meinen Job als unheimlich anstrengend empfunden. Aber das ist relativ, verglichen mit dem Alltag der Schüler. Jeden Tag, auch samstags, zwölf Stunden Unterricht und danach Hausaufgaben - das geht nicht spurlos an ihnen vorüber. Man sieht, dass sie total übermüdet sind. Dafür spricht auch ihre liebste Freizeitaktivität. Die meisten sagen: Schlafen.

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Gengma Middle School, Yunnan Province, China

Beijing 66

Veröffentlicht am | 14. 10. 2009 | Noch kein Kommentar

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Bilder aus China zur Zeit der Kulturrevolution sind rar. Solange Brand war in den 60er Jahren Angestellte der französischen Botschaft in Peking und hat Fotos mit aus Hongkong geschmuggelten Farbfilmen gemacht. Denn Farbfotos waren nur staatlichen Veröffentlichungen erlaubt, Privatpersonen durften nur in Schwarz-Weiß fotografieren. “Beijing 66″ heißt die Kollektion ihrer Fotos, die 40 Jahre lang in Kisten lagen. Mehr Bilder gibt es in der englischen Ausgabe der Monde Diplomatique.

Fast Forward

Veröffentlicht am | 01. 10. 2009 | 3 Kommentare

Die Volksrepublik China feiert ihren 60. Geburtstag und sie hat seitdem einiges erlebt: Mao wollte Ende der 50er Jahre unbedingt den “Großen Sprung nach vorn” schaffen und war so für die größte von Menschen verschuldete Hungersnot verantwortlich; 30 Millionen Menschen sterben. Danach folgte die Kulturrevolution mit Einheitskleidung und vielen Dissidenten, Studenten und Intellektuelle, die ins Gefängnis kamen oder zur Zwangsarbeit verrichten mussten. In den letzten zwanzig Jahren kam durch die wirtschaftliche Öffnung der unglaubliche Aufstieg, der weite Teile des Landes aus der vorindustriellen Zeit in das 21. Jahrhundert katapultierte. Mao_China

Doch seit dem Einzug des Kapitalismus fehlt der Kommunistischen Partei Chinas ihre Ideologie. Sozialismus und Marktwirtschaft lassen sich nur schwierig vereinbaren. Also bedarf es eines neuen Klebstoffes, der das Millardenvolk zusammenhält. Die Partei hat ihn im Nationalismus gefunden. 2008 (chinesische Glückszahl 8 ) war der vorläufige Höhepunkt mit den Olympischen Spielen, bei denen China als erfolgreichste Nation hervorging.

Doch der Nationalismus lässt sich nur schwer mit der “harmonischen Gesellschaft” verbinden, die sich die Regierung wünscht. Denn der Nationalismus schließt alle aus, die nicht zu den Han-Chinesen gehören: Die Tibeter, die muslimischen Uiguren in Xinjiang und viele andere der über 50 Minderheiten.

Der Großteil der Bevölkerung aber steht hinter ihrer Regierung. Natürlich, es gibt Unzufriedenheit mit lokalen Beamten und der Polizei, aber Zweifel an den Machthabern in Peking gibt es trotzdem kaum. Und solange es wirtschaftlichen weiterhin bergauf geht, sich die Lebensbedingungen weiterhin im Zeitraffer verbessern, wird sich das auch kaum ändern. Der Deal zwischen den Chinesen und ihren Machthabern lautet: Unfreiheit gegen Geld. Nur so langes dieses Gleichgewicht weiter in der Waage gehalten werden kann, bleibt die KPCh an der Macht.

In der Vergangenheit war es bisher so, dass mit wirtschaftlichem Erfolg auch ein Wandel hin zur Demokratie statt fand. Ich befürchte allerdings, dass sich in China eine Staatsform etabliert, die wirtschaftlichen Liberalismus recht erfolgreich mit einem totalitärem System verbindet – und so zum Vorbild für andere Länder werden könnte.

Ein Star in China: Maximilian Hecker

Veröffentlicht am | 16. 02. 2009 | Noch kein Kommentar

In Asien ist der Sänger Maximilian Hecker ein Star, in Deutschland dagegen ist er eher ein unbekannter Independent-Künstler. “Infinite Love Song” hörte ich vor ein paar Jahren bei Liebeskummer. Ich fand das Lied auf einem Sampler von Visions oder Musikexpress. Ich glaube, dass ich mir damals sein Album kaufen wollte, aber nicht genug Geld hatte. Irgendwann war der Liebeskummer verschwunden und Maximilian Hecker vergessen. Bis er mich vor etwa einem Jahr aus einer chinesischen Musikzeitschrift anlächelte.

In einem Interview bei jetzt.de erzählt er von seinem Erfolg am anderen Ende der Welt. “(…) ich [habe] es in Asien leichter, weil man mich akzeptiert, wie ich bin und weil man nicht gleich alles in popkulturelle Schubladen schiebt. Meine asiatischen Fans gehen zum Glück kaum intellektuell mit Popmusik um, sie nehmen sie einfach intuitiv, eins zu eins, auf. In Asien machen romantische Liebesballaden bestimmt 70 bis 80 Prozent aller Popmusik aus.”, erklärt Hecker seine Popularität.

Hecker hat recht. Seine Musik passt zu China: Sie ist ruhig, melodisch und manchmal auch kitschig ist. Traurige Liebeskummermusik eben.

Maximilian Hecker – Infinite Lovesong

Ende des Krieges

Veröffentlicht am | 01. 02. 2009 | 1 Kommentar

Das chinesische Neujahrfest in China ist zu Ende gegangen. Die Feuerwerkskörper und Böller haben ihren Dienst getan und endlich knallt es nicht mehr überall. War es schon in der Kleinstadt Gengma unheimlich laut und nervtötend, wie mag es da wohl erst in der 15-Millionen Metropole Beijing sein? Bei LivingInChina weiß man es: “In Kombination mit den an Mörser aus dem zweiten Weltkrieg erinnernden Leuchtraketen ergibt sich ein furchteinflössendes Staccato, das die Beijinger Bürgersteige von 7 Uhr morgens bis Mitternacht in Kriegsschauplätze verwandelt.”

Lu Hai Rui dagegen verbrachte in Neujahr in der ländlichen Provinz Yunnan. Von dort brachte der schweizer Journalist wunderschöne Fotos aus dem Westen Chinas mit ( Teil I, Teil II, Teil III). Aber Vorsicht: Fernweh!

How To Eat Sugercane With Style

Veröffentlicht am | 27. 01. 2009 | 1 Kommentar

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Erst das Zuckerrohr schälen. Dann das holzige Innere mit den Zähnen abreisen, daraus die Süße saugen, den Rest ausspucken.

Xinnián Kuaile – fröhliches neues Jahr!

Veröffentlicht am | 26. 01. 2009 | Noch kein Kommentar

Die Chinesen feiern seit heute das Neujahrsfest. Das stimmt mich doch ein wenig traurig, war ich doch letztes Jahr selbst bei dem größten Fest in China mit dabei. Wehmütig, und ein kleines bisschen sentimental, habe ich in meinem china.blog nachgelesen, was ich vor einem Jahr im Städtchen Gengma in der Provinz Yunnan erlebte. Hier findet ihr ein paar Auszüge davon und Fotos vom Neujahrfest 2008.

Seit Wochen sind die Straßen mit roten Lampions geschmückt, im Supermarkt stapeln sich Geschenkkörbe und alle unsere Nachbarn putzten letzte Woche ihre Wohnung für das große Fest, so dass ihre Möbel einen Nachmittag vor der Türe verbrachten.

Chinesisches Neujahr

Chinesisches Neujahr Yunnan

Chinaböller – so heißen die Feuerwerke nicht umsonst. Chinesen böllern oft und gern – bei Hochzeiten, Beerdigungen oder Einweihungen. Doch an Neujahr übertreffen sie sich selbst. Knaller stapelten sich schon seit Tagen vor Geschäften, zum Teil in furchterregender Größe.

Chinesisches Neujahr Yunnan

Natürlich gehört auch ein Festessen zum Silvesterabend. Bevor jedoch wir Menschen uns die Mägen vollschlagen konnten, wurde den Ahnen ein Tisch voller Köstlichkeiten geopfert.

Chinesisches Essen Yunnan

Später schauten wir zu zehnt die Silvestershow im Staatsfernsehen. Da wir kein Wort verstanden, war das für uns langweilig, weshalb wir uns über das Dauerlächeln chinesischer Moderatoren lustig machten. Entweder werden sie konsequent vor jeder Sendung auf Drogen gesetzt oder ein chirurgischer Eingriff verhindert einen normalen Gesichtsausdruck. Von 20 Uhr bis 1 Uhr gibt es Lieder, komoediantische Einlagen und Akrobatik zu sehen.

So erlebte ich die Silvestergala 2007. Mark Siemons, der offenbar mehr Chinesisch versteht, beschreibt die Show dieses Jahres: “Die Planung und Gestaltung der Show ist ganz oben angesiedelt, beteiligt sind die Kultur- und Kunst-Abteilung des Senders, die Leitung des Senders, das staatliche Amt für Fernsehen und Radio sowie die zentrale Propagandabehörde.” Auch 2008/2009 war es eine Schau an Sängern und Moderatoren, Sportlern und Schauspielern. Imposante Kostüme und Bühnenbilder umrahmten die Show mit viel Tanz und Musik. Wie gesagt, ich fand’s letztes Jahr langweilig, diesmal scheint es nicht viel anders gewesen zu sein. Doch ein paar Minuten Bombast-TV aus dem Reich der Mitte, können niemanden schaden, oder? Also, viel Vergnügen…

… und ein gutes neues Jahr des Ochsen!

Chinesisches Neujahr Feuerwerk

Xitele Bu Hao

Veröffentlicht am | 10. 12. 2008 | Noch kein Kommentar

"Xitele Xitele", schrieen sie oft, sprangen auf und rissen ihren rechten Arm hoch. Oftmals wiederholte sich diese Szene, wenn ich sagte, woher ich kam. "Xitele bu hao", antwortete ich dann. " Hitler nicht gut." Warum er nicht gut war? Leider konnte ich das mit meinem sehr begrenzten Wortschatz nicht beantworten. Nicht nur mir ging es so. Auch Christian Y. Schmidt erzählt in seinem Buch "Allein unter 1,3 Milliarden" davon und überlegt sich (hier in einem Auszug), wie dieser Unkenntnis in China entgegen gewirkt werden könnte:

Könnte da das Goethe-Institut nicht mal was machen? Zum Beispiel eine Milliarde Flugblätter drucken lassen, auf denen man den Chinesen in einfachen Worten erklärt, dass dieser Herr Xitele nicht nur ein großer Verbrecher war, sondern im Zweiten Weltkrieg auch ein großer Freund und Bundesgenosse der Chinesen metzelnden Japaner? Das wäre sicher sinnvoller, als immer nur Juli Zeh oder DJ Fix und Foxi nach Peking einfliegen zu lassen.

In den Medien spielt Deutschland vor allem auf dem Sportkanal eine Rolle. Fussball aus Europa ist sehr populär, Fussballspiele mit deutscher Beteiligung sah ich so oft wie zu Hause in Deutschland. Die Schweiz und Österreich wurden vor der EM vorgestellt. Ein chinesisch sprechender Österreicher reiste nach Wien, zeigte den Prater und Schloss Schönbrunn. Gelegentlich lachte mich Angela Merkel an, meist an der Seite von George W. Bush. Bekannt waren auch Bierkrüge und Ballack. Und Siemens. Nur einmal war in meinen neun Monaten Deutschland wichtiges Thema: Als die deutsche Regierung, die chinesische Politik in Tibet kritisierte.

Wie das Bild Deutschlands in den chinesischen Medien ist, kann ich nicht mehr sagen als: Überwiegend positiv. Aber Mark Siemons weiß es. Er schreibt die "Pekinger Bekanntmachungen". Er übersetzt, was die Pekinger Hauptstadtzeitung über Deutschland in Zeiten der Finanzkrise schreibt. Sie berichtet von Methoden, wie die Deutschen mit der Krise arrangieren: „Die Kunden drängen sich vor Ein-Euro-Läden".

Noch ist der Blog ganz frisch. Erst Anfang Dezmber veröffentlichte Siemons die ersten Beträge. Bis jetzt habe ich den Eindruck, als ob da ein neuer, qualitativ hochwertiges Blog über China im Aufbau ist.

Wechseln wir zum Abschluss mal kurz die Seite: Wieviel wissen wir schon über China? Irgendein Kaiser von China; Schwarzpulver erfunden; Mao; Fälschungen; kleine, geschminkte Mädchen, die bei Olympia Goldmedaillen gewinnen.

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