Xitele Bu Hao
Veröffentlicht am | 10. 12. 2008 | Noch kein Kommentar
"Xitele Xitele", schrieen sie oft, sprangen auf und rissen ihren rechten Arm hoch. Oftmals wiederholte sich diese Szene, wenn ich sagte, woher ich kam. "Xitele bu hao", antwortete ich dann. " Hitler nicht gut." Warum er nicht gut war? Leider konnte ich das mit meinem sehr begrenzten Wortschatz nicht beantworten. Nicht nur mir ging es so. Auch Christian Y. Schmidt erzählt in seinem Buch "Allein unter 1,3 Milliarden" davon und überlegt sich (hier in einem Auszug), wie dieser Unkenntnis in China entgegen gewirkt werden könnte:
Könnte da das Goethe-Institut nicht mal was machen? Zum Beispiel eine Milliarde Flugblätter drucken lassen, auf denen man den Chinesen in einfachen Worten erklärt, dass dieser Herr Xitele nicht nur ein großer Verbrecher war, sondern im Zweiten Weltkrieg auch ein großer Freund und Bundesgenosse der Chinesen metzelnden Japaner? Das wäre sicher sinnvoller, als immer nur Juli Zeh oder DJ Fix und Foxi nach Peking einfliegen zu lassen.
In den Medien spielt Deutschland vor allem auf dem Sportkanal eine Rolle. Fussball aus Europa ist sehr populär, Fussballspiele mit deutscher Beteiligung sah ich so oft wie zu Hause in Deutschland. Die Schweiz und Österreich wurden vor der EM vorgestellt. Ein chinesisch sprechender Österreicher reiste nach Wien, zeigte den Prater und Schloss Schönbrunn. Gelegentlich lachte mich Angela Merkel an, meist an der Seite von George W. Bush. Bekannt waren auch Bierkrüge und Ballack. Und Siemens. Nur einmal war in meinen neun Monaten Deutschland wichtiges Thema: Als die deutsche Regierung, die chinesische Politik in Tibet kritisierte.
Wie das Bild Deutschlands in den chinesischen Medien ist, kann ich nicht mehr sagen als: Überwiegend positiv. Aber Mark Siemons weiß es. Er schreibt die "Pekinger Bekanntmachungen". Er übersetzt, was die Pekinger Hauptstadtzeitung über Deutschland in Zeiten der Finanzkrise schreibt. Sie berichtet von Methoden, wie die Deutschen mit der Krise arrangieren: „Die Kunden drängen sich vor Ein-Euro-Läden".
Noch ist der Blog ganz frisch. Erst Anfang Dezmber veröffentlichte Siemons die ersten Beträge. Bis jetzt habe ich den Eindruck, als ob da ein neuer, qualitativ hochwertiges Blog über China im Aufbau ist.
Wechseln wir zum Abschluss mal kurz die Seite: Wieviel wissen wir schon über China? Irgendein Kaiser von China; Schwarzpulver erfunden; Mao; Fälschungen; kleine, geschminkte Mädchen, die bei Olympia Goldmedaillen gewinnen.
Schwierigekeiten fuer Journalisten in CHina
Veröffentlicht am | 15. 09. 2008 | Noch kein Kommentar
China hat tolle Seiten: Es ist außerordentlich gastfreundlich, in einem Maße, das in Deutschland undenkbar ist; die Menschen sind freundlich und lustig.
China ist toll, solange man keine Fragen stellt. Das hat auch der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in China erfahren, als er im rahmen der Paralympics für einen Artikel über Behinderte in China recherchierte. Bei zu großer Neugierde und falschen Fragen (außer chinesischer Sicht natürlich) versteht der Staat keinen Spaß.
So wurde aus der Reportage über Behinderte Geschichte über die Schwierigkeiten in China als Journalist zu arbeiten.
Myanmar – Der wertlose Juwel Südostasiens
Veröffentlicht am | 10. 09. 2008 | 6 Kommentare
Mönche in safranroten Roben demonstrierten in Rangun vor der Shwedagon-Pagode, einer der heiligsten Stätten Myanmars gegen Repressionen des Militärregimes. Die Armee schlug die Unruhen im September 2007 blutig nieder. Anfang Mai verwüstete der Zyklon Nargis weite Teile des Landes, doch die Regierung lässt keine ausländischen Hilfsgüter zu. Die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi steht seit 1990 in Rangun unter Hausarrest. Seit Jahren erreichen uns nur negative Berichte aus Myanmar. Was geht vor in dem südostasiatischen Land, das sich so gut es geht von der Außenwelt abschirmt?
In Myanmar herrscht ein diktatorisches Militärregime, das allen freiheitlichen Tendenzen gewaltsam entgegenwirkt. Nach einer kurzen demokratischen Phase nach der Unabhängigkeit 1948, als das Land „Juwel Südostasiens“ genannt wurde, übernahm das Militär durch einen Putsch 1962 die Macht. Im September letzten Jahres kam es zu großen Protesten im ganzen Land. Anfangs marschierten buddhistische Mönche, um gegen eine Erhöhung des Treibstoffpreises um bis zu 500 Prozent, zu protestierten. Weite Teile der Bevölkerung konnten sich diese Teuerung nicht leisten und mussten große Einschränkungen im alltäglichen Leben auf sich nehmen.
Weltweite Solidaritätsbekundungen
In den folgenden Tagen gingen bis zu 100 000 Zivilisten auf die Straße. Die forderten nicht nur, dass die Regierung die teueren Preise zurücknehmen soll, sondern auch Demokratie. Eine Woche lang ließ die Regierung unter General Than Shwe die Protestierenden gewähren, dann schlug sie die Demonstrationen gewaltsam nieder. Unterschiedliche Quellen berichten von 15 bis 200 Toten, darunter ein japanischer Journalist. Weltweit führte der Einsatz von Gewalt gegen die Protestierenden zu Solidaritätsbekundungen. “Ich rufe alle Nationen, die Einfluss auf das Regime haben, dazu auf, mit uns zusammen die Bestrebungen des birmanischen Volkes zu unterstützen und die birmanische Junta dazu aufzufordern, die Gewalt gegen das eigene Volk einzustellen”, hieß es beispielsweise in einer Erklärung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush.
Eine Resolution des UN-Sicherheitsrates verhinderten jedoch Russland und die birmanische Schutzmacht China, die sowohl militärisch als auch wirtschaftlich mit Myanmar zusammenarbeitet. Die Weltöffentlichkeit konnte nur zusehen, wie das Regime in vielen Klöstern Razzien durchführte, tausende Mönche und Zivilisten verhaftete und in Arbeitslager steckte. Zudem kappte die Regierung die Internetverbindung, damit so wenig Bilder und Informationen wie möglich ins Ausland drangen.
Symbiose zwischen Staat und Religion
Die ausländischen Medien nannten die Demonstrationen Safranrevolution, da sie buddhistische Mönche in ihren roten Roben auslösten. In Myanmar sind der Klerus und die Regierung in besonderem Maße von einander abhängig. Die buddhistischen Mönche leben von den Almosen der Bevölkerung. Geht es den Menschen wirtschaftlich schlechter, wie durch die von der Regierung festgesetzten Preissteigerungen im August 2007, ist auch die Lebensgrundlage der Mönche gefährdet. Andererseits ist die Religion auch für die Regierung überlebenswichtig. Denn wer die Mönche nicht materiell unterstützt, verwehrt sich das Recht auf Wohlstand, Ansehen und den buddhistischen Kreislauf der Wiedergeburten. Im streng gläubigen Myanmar käme dies einer Exkommunikation gleich. Religiöser Streik ist somit auch immer politischer Aufruhr. Nicht umsonst heißt „streiken“ auf birmanisch soviel wie „die Reisschale umdrehen“, also dem Ablehnen von Almosen.
Doch die Aufstände im September 2007 waren nicht die ersten, die sich gegen die Junta richteten. Schon im August 1988 gingen hunderttausende Menschen im ganzen Land auf die Straße und forderten friedlich demokratische Reformen. Auch damals schlug die Regierung den Aufruhr nieder, was laut Menschenrechtsorganisationen rund 3000 Menschen das Leben kostete. Trotz der repressiven Maßnahmen der Regierung gewann die demokratische Partei „National League for Democracy“ 1990 die Parlamentswahlen deutlich. Das Militärregime kannte das Ergebnis aber nie an und setzte die Parteivorsitzende Aung San Suu Kyi unter Hausarrest.
Doch nicht nur gegen die demokratische Opposition kämpft die Junta. Auch die Einheit des Staates ist in Gefahr, denn mehrere Ethnien des Vielvölkerstaates, allen voran das Bergvolk der Karen, wollen ihren eigenen Staat. Die birmanische Regierung versucht dies mit ethnischen Säuberungen und Massenmorden zu verhindern.
Jahrzehntelange Misswirtschaft
Doch nicht nur politisch hat das Land große Probleme, denn die Wirtschaft liegt brach. Eigentlich hätte das Land gute Voraussetzungen: Es besitzt Öl- und Gasvorkommen, Edelsteine werden gefördert und das Irrawady-Delta ist sehr fruchtbar. Dennoch ist die Bevölkerung arm, weil das Militärregime es nicht verstand diese wirtschaftlichen Vorteile auszunutzen. Stattdessen belastet Korruption die wirtschaftliche Entwicklung. In einer Statistik der Organisation Transparency International, das Maß an Korruption untersucht, belegt Myanmar den letzten Platz. Dazu kommt eine hohe Inflationsrate, die die einheimische Währung Kyat wertlos macht. Vor allem in den Grenzregionen hat sich die chinesische Währung Renminbi als Ersatzwährung durchgesetzt. Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist der offiziell illegale Drogenanbau- und schmuggel.
Ein weiterer hemmender Punkt für die Entwicklung des Landes sind die Ausgaben für Militär, Polizei und Geheimdienst. Sie umfassen rund 50 Prozent des Staatshaushaltes und machen ausreichende Investitionen in wichtigen Sparten wie Bildung und Gesundheit unmöglich. Die Militärjunta macht sich einer groben Misswirtschaft schuldig, wodurch die Birmanen weiterhin in Armut leben müssen, die Macht des Regimes aber erhalten werden kann.
Tod hunderttausender Menschen durch Verantwortungslosigkeit
Ein zusätzlich Schlag gegen die Wirtschaft waren die Verwüstungen, die der Zyklon Nargis im Mai dieses Jahres im Westen des Landes verursachte. Der Sturm zerstörte 42 Prozent aller Nahrungsvorräte und kostete offiziellen Angaben zufolge rund 80 000 Menschen das Leben, hunderttausende wurden obdachlos. Trotz dieser humanitären Katastrophe ließ die Regierung keine ausländischen Hilfsgüter ins Land. Josef Silverstein, emeritierter Professor der Rutgers-University und langjähriger Burma-Experte sagt: „Sie befürchten, dass ausländische Soldaten die Vorhut für einen Sturz der Regierung sein könnten.”
Das Regime zieht nach dem Zyklon aus Verfolgungswahn und Verantwortungslosigkeit den Tod hunderttausender Mitbürger vor. Es geht gewaltsam gegen ethnische Minderheiten vor, Korruption und Drogenanbau dominieren die Wirtschaft. Die Bevölkerung lebt in bitterer Armut, wohingegen der Regierungschef Than Shwe eine opulente Hochzeit für seine Tochter veranstaltet. Der Name, den sich die Militärregierung selbst gegeben hat, „Staatsrat für Frieden und Entwicklung“, klingt da wie reiner Zynismus.
Veröffentlicht bei: backview
Stadt, Land, Fluss - eine Weltreise
Veröffentlicht am | 02. 09. 2008 | 1 Kommentar
Während meiner Zeit in China lernte ich einen beeindruckenden Deutschen kennen. Er bereiste 113 Länder und sprach Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Englisch, Französisch und Spanisch fließend. Gerade war er dabei Arabisch zu lernen. Er war Mitte 60 und verbrachte schon rund zehn Jahre nur mit Reisen. Die chinesischen Grenzbeamten sahen in ihm gar schon einen Spion, da er sehr gut chinesisch spricht und ständig über kleine Grenzübergänge aus- und einreist. Dieses Jahr, so erzählte er uns, wolle er nach Schwarzafrika, denn dort war noch kaum. Sonst bereiste er schon so gut wie alle Länder.
Dagegen bin ich ein kleines Reiselicht. Meine bisher besuchten Länder:
Europa:
- Österreich (30 km entfernt)
- Tschechien (35 km entfernt)
- Italien (immer mal wieder Urlaub, u.a. Ischia)
- Spanien (Urlaub im 17. Bundesland)
- Frankreich (Klassenfahrt)
- Schweiz (Urlaub)
- Lichtenstein (Urlaub)
- Ungarn (Partyurlaub nach dem Abitur)
Afrika
- Kenia (u.a. Maasai Mara, Nairobi)
- Tansania (Serengenti)
Asien:
- China (Neun Monate in Gengma)
- Laos (Luang Prabang)
Auf der Weltkarte sieht das so aus:
Diese Weltkarte kannst du für dich auf world66 erstellen.
In welchen Ländern bist du schon gewesen? Wohin würdest du gerne mal reisen?
Willkommen bei den "Kindern des Glücks"
Veröffentlicht am | 15. 08. 2008 | Noch kein Kommentar
Wie sich China auf Olympia einstimmt
„Beijing 2008, Beijing 2008“: 35 Kinder einer Vorschulklasse singen lauthals ihr Lied und versuchen angestrengt, die einstudierte Choreografie umzusetzen. In der rechten Hand halten sie eine kleine chinesische Fahne, links eine, die die olympischen Ringe zeigt. Ob jung oder alt, reich oder arm: Olympia ist der ganze Stolz der Nation.
Das ist die Einleitung eines Artikel von mir auf schekker.de, dem Jugendonlinemagazin der Bundesregierung. Er handelt von den Vorbereitungen Chinas auf die olympischen Spiele und gründet auf meinen Erfahrungen während meines Aufenthalts im Reich der Mitte.
Schekker.de ist das Jugendonlinemagazin der Bundesregierung und veröffentlicht einmal pro Monat verschiedene Artikel zu einem Topthema. Diese reichen von aktuellen Olympiaausgabe über die Themengebiete Demographie bis zu Heimat. Mittlerweile gab es 60 Ausgaben, alle speziell auf Jugendliche zugeschnitten. Seit kurzem werden auch professionelle Videos zum jeweiligen Thema produziert und es gibt eine Kommentarfunktion. Neben den Themen gibt es die Ressorts Bücher und Städte&Regionen.
Auf dieser Plattform können junge Journalisten ihre Texte veröffentlichen. Besonders dabei ist, dass sie professionell von drei Redakteuren redigiert werden, wodurch die Autoren wertvolle Tipps und Hinweise für ihre weitere Arbeit bekommen. Lange Zeit habe ich das Magazin nur gelesen und freue mich deshalb sehr, dort nun auch einen eigenen Artikel veröffentlicht zu haben.
Chinesen, die unbekannten Wesen Teil 3: Verrückt nach Handys
Veröffentlicht am | 10. 08. 2008 | Noch kein Kommentar
Eine alte Frau in der traditionellen Kleidung der Dai-Minderheit hat eines und auch unser alter Nachbar, der ständig verwirrte Selbstgespräche führte: Ein Handy. Jeder, wirklich jeder, ob jung oder alt, reich oder arm, hat ein Mobiltelefon - das ultimative Statussymbol der Chinesen.
Mein Papa sagt: “Ich habe vierzig Jahre ohne Handy gelebt, wieso brauch ich jetzt eins?” Chinesen scheinen da anders zu denken: “Ich habe vierzig Jahre ohne Handy gelebt. Diese Jahre muss ich schnleungist aufholen!” Immer und überall tippen sie in ihre Handys, oft verziehrt mit Bändchen (In den letzten Monaten waren vor allem die Maskottchen der olympischen Spiele beliebt). Sie simsen was das Zeug hält. China Mobile, eine der zwei Mobilfunkfirmen, ist mittlerweile der größte Konzern dieser Art weltweit.
Es gibt Straßenzüge, in denen es nur Handyläden gibt. Selbst in der Stadt Gengma mit 50 000 Einwohnern gibt es eine Kreuzung, in deren Radius von 300 Metern sich insgesamt 17 Geschäfte, die von Handys profitieren, niedergelassen haben. ![]()
Die Produktpiraterie macht natürlich auch vor Mobiltelefonen nicht halt. Neben Nokia- oder Samsunggeräten gibt es sehr viele chinesische Marken. Diese sind preisgünstiger und weisen oft erstaunlicherweise große Ähnlichkeit mit den Geräten der ausländischen Marken auf. Indem chinesische Firmen das Design kopieren oder minderwertigerer Produkte verarbeiten ist es zu erklären, dass sehr viele Modelle erstaunlich preiswert sind. Besonders beliebt sind Handys mit Touchscreen, die mit einem Stick zu bedienen sind. Diese sind in China weit verbreitet.
Chinesesn schreiben SMS in Pinyin, einem System, bei dem die chinesischen Schriftzeichen in lateinische Buchstaben umgewandelt werden. Ein Touchscreengerät hat dafür zwei Vorteile:
- Die chinesischen Schriftzeichen können direkt hingeschrieben werden (Zeichenerkennung), was einen immensen Zeitgewinn zur Folge hat, weil die Wörter nicht über die Zifferntasten eingetippt werden müssen
- Leute, die nicht lange zur Schule gegangen sind, beherrschen oft die lateinischen Buchstaben nicht. Sie können also kein Pinyin. Handy (- und PC-Nutzung) wäre ihnen sonst unmöglich.
Wie so vieles in China geschieht auch das Telefonieren in unglaublicher Lautstärke. Die Klingeltöne ertönen prinzipiell so laut wie möglich. Läutet dann das Handy, erklingen die schlimmsten chinesischen Schlager, bei denen sogar ich manchmal die Texte verstehe (”Wo ai ni” - “Ich liebe dich”). Bei Militärs ist auch die Nationalhymne beliebt. Auch bei den Gesprächen selbst sprechen die Chinesen für deutsche Verhältnisse viel zu laut.
Ich habe dafür keinerlei Beweis, aber ich denke, dass der wachsende Mobilfunk besonders für abgelegene Bergdörfer, so wie ich sie in Yunnan sah, eine großer Verbesserung ist. Keine Kanalisation, zum Teil Holzhütten, keine asphaltierten Straßen. Mit dem Mobilfunknetz sind sie aber nun wenigstens ein bisschen an die Welt angeschlossen. Denn Proteste gegen Sendemasten wie in Deutschland gibt es mit Sicherheit nicht.
Dieser Beitrag ist ein Teil der Serie “Chinesen, die unbekannten Wesen”.
Teil 1: Chinesen, die unbekannten Wesen
Olympia von der anderen Seite
Veröffentlicht am | 09. 08. 2008 | Noch kein Kommentar
Wer sich in der Blogossphäre herumtreibt kennt ihn wohl schon, Jens Weinreich, der Sportreporter, der aus Peking bloggt. Er schreibt über das IOC, seine Arbeit und die meteorologischen Herausforderungen in der chinesischen Hauptstadt. Was passiert hinter den Kulissen, wie arbeitet es sich bei dem Großereignis mit 20 000 Kollegen aus aller Welt. Über jeden Tag führt Weinreich Protokoll und eines ist klar: Für ihn ist das alles großer Stress.
Stets amüsant und interessant, unbedingt lesen!
Chinesen, die unbekannten Wesen Teil 2: Die Trinkkultur
Veröffentlicht am | 09. 08. 2008 | Noch kein Kommentar
Asiaten vertragen keinen Alkohol! Ein Enzym, das den Alkohol abbaut, arbeitet bei ihnen langsamer, führt daher schneller zu einem Vollrausch. Das hält Chinesen aber sehr oft nicht vom übermäßigen Alkoholkonsum ab.
Alkohol trinken gehört zu einem Abendessen mit Freunden oder Kollegen genauso dazu wie Reis. Entweder gibt es Reisschnaps, wenn man Pech hat ist er sogar selbst gebrannt und scheint sämtliche Zellen vom Mund über den Rachen bis in den Magen irreparabel zu zerstören. Oder es wird Bier getrunken, lauwarm.
Meistens wird Schnaps beim Essen bevorzugt. Ein Tipp für alle Chinareisende bei der Getränkeauswahl: “Wine” ist in China hochprozentiger Schnaps und kein edles Tröpfchen aus Frankreich oder Franken.
Aus kleinen Schnapsgläsern wird vor, während und nach dem Essen getrunken. In einem Tempo, dass ich manchmal kaum Zeit fand meinen Magen mit Leckereien zu füllen, um die Promillezahl einigermaßen niedrig zu halten. “Gambei, Gambei!” - “Prost, Prost”, wörtlich “Trockne das Glas”, ist das Zeichen sich den Alkohol auf Ex hinter die Birne zu kippen. Zu Beginn prosten alle zusammen, dann jeder mit jedem, zu Beginn die Ranghöchsten.
Bei einem Abendessen mit 10 Personen werden da schon mal leicht drei bis vier Flaschen Schnaps geleert, es entwickelt sich sehr oft zu einem richtigen Gelage. Ein “Nein” zählt selten. Nur eine Krankheit überzeugt, einfach aus Spaß nüchtern bleiben - undenkbar. Immer wieder habe ich erlebt, dass Bekannte, die offensichtlich sturzbesoffen waren und keine Lust mehr auf Alkohol hatten, sich bei ihren Vorgesetzten nicht trauten, abzulehnen. Dies zeugt vom weit verbreiteten Hierarchiedenken und dem Gehorsam, der Älteren oder höher gestellten Personen entgegen gebracht wird.
Vor allem in Männerrunden konnte ich ein Verhalten beobachten, das ich in Deutschland vor allem von 14-jährigen pubertierenden Jungs kenne: Wer kann am meisten Saufen? Da wird geprahlt und versucht sich gegenseitig unter den Tisch zu saufen. Wird nicht das ganze Glas geleert, wird zäh über die zu trinkende Menge verhandelt, zum Teil minutenlang: Der eine zeigt eine Linie auf seinem Glas - soweit will er trinken. Der andere deutet auf sein Glas. Das ganze geht so lange bis sie sich geeinigt haben.
Natürlich sind nicht alle Chinesen Alkoholiker, aber der Konsum von Bier und Schnaps ist überraschend hoch und als Ausländer (und auch Chinese!) gerät man in Situationen, wo sehr viel diplomatisches Geschick nötig ist, um zu vermitteln: “Nein, ich will nichts mehr trinken” ohne zu unhöflich zu werden.
Dieser Beitrag ist ein Teil der Serie “Chinesen, die unbekannten Wesen”.
Teil 1: Chinesen, die unbekannten Wesen