Post-Tag-Archiv für ‘ Bücher ’

29. August 2011 3

Sowas Brutales aber auch

Von Katharina in Kulturelles

“Die Regeln der Hungerspiele sind einfach”, heißt es im ersten Band der Trilogie “Die Tribute von Panem”. 12 Jungen und 12 Mädchen werden jedes Jahr ausgelost für ein Spiel, das keine Regeln kennt: Wer überlebt, gewinnt, so einfach ist das. 24 Kinder im Alter zwischen 12 und 18 Jahren ermorden sich also gegenseitig vor den Augen aller, denn aufgezogen sind die Hungerspiele als Reality-TV-Sendung. Zur Unterhaltung dienen die Spiele für die herrschende Schicht, zur Abschreckung für die Unterschicht (aus die Kinder kommen). Katniss ist die Protagonistin der Geschichten und ernährt schon seit Jahren illegal ihre Familie als Jägerin ihre Familie. Freiwillig stellt sie sich ihren 23 Konkurrenten und erspart so ihrer Schwester die Teilnahme. Und dann beginnt das Spiel, zu dem die Medieninszenierung im Vorfeld genauso dazugehört wie die Toten. Auch die Liebe spielt eine Rolle. Es ist aber großartig, dass diese Liebesgeschichte nicht in die furchtbare “Twilight”-mäßige Richtung à la “kleines Mädchen wartet auf ihren Prinzen” – im Gegenteil.

Die krasse Story von “Die Tribute von Panem” zog mich schon nach wenigen Seiten in ihren Bann. Es ist spannend und brutal: Ich hab mich wirklich gefürchtet. Ein Jugendbuch ist es wohl nur deshalb, weil die Hauptpersonen jung sind. Es ist eine groteske Welt, in der die Autorin das Konzept “Dschungelcamp” weiterdenkt und es mit einem Unterdrückungsstaat verbindet. Im nächsten Jahr soll die Verfilmung ins Kino kommen. Das überrascht nicht, denn schließlich macht das Reality-TV-Format der Hungerspiele das Buch extrem gut verfilmbar. Teil 2 liegt schon aufgeschlagen neben mir.

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30. Juni 2011 1

So sieht die Zukunft aus! (Vielleicht).

Von Katharina in Lesenswertes

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„Wie wir leben werden“ ist ein ehrgeiziges Buch. Es geht schließlich über die Zukunft.

Matthias Horx, der Gründer des Think-Tanks Zukunftsinstitut, schreibt aber nicht 250 Seiten Zukunftsvision, vielleicht 15 bis 20 Prozent befassen sich wirklich mit konkreteren Ideen vom Leben in ein paar Jahrzehnten. Viel mehr wabern seine Vorstellungen über den einzelnen Kapiteln, die mit Begriffen wie Geburt, Familie, Wohlstand, Kriege und Katastrophen bis zum Tod überschrieben sind. Die verschiedensten Lebensbereiche betreffen jede Person.

Zu Beginn war ich nicht besonders überzeugt, bis ich das Buch nicht mehr mit dem Gedanken ein Zukunftsbuch zu lesen in die Hand genommen habe, sondern kleine Essays über verschiedene Themen. Gefallen haben mir  vor allem die Teile, in denen historische Entwicklungen aufzeigt und es dann schafft den Bogen logisch über die Gegenwart in die Zukunft zu schlagen.

So schreibt Horx über Zukunftsideen Anfang des 20. Jahrhunderts. Die technologische Revolution, die besonders die Kommunikation beeinflusst hat, konnten sich anscheinend Menschen ganz gut vorstellen. Was auch daran liegt, dass gerade Technologie besonders linear entsteht, schreibt Horx. Auf der anderen Seite trieften die Texte von Horx’ Vorgängern vor hundert Jahren vor Rassismus und Überlegenheitsgeschichten.

Unvollständige Zusammenfassungen von ein paar Themengebieten (Interessanterweise, sind die meisten meiner Notizen Historisches).

Wohlstand

  • Warum konsumieren wie wild und lassen uns auf den Konsumterror ein? Drei Gründe zählt Horx auf:
  1. Wir sind einfach Jäger und Sammler
  2. Der Kauf eines iPhones bringt ein soziales Upgrade mit sich (zumindest so lange, bis es fast alle haben).
  3. Konsum verändert die Rollenstrukturen in einer Gesellschaft: Nicht mehr der Stand ist entscheidend für Privilegien.
  • Horx geht von sogenannten postmateriellen Ökonomiekreisläufen aus. Güter werden weniger gekauft als “angeboten”, was durch das englische Wort “provide” besser ausgedrückt wird, und so zum Beispiel vom Kunden nur noch für die benötigte Zeit gemietet.
  • In einer Wissensgesellschaft, die viele Arbeiten aussourct, wird sich eine Unterschicht, die nur schwer zurechtkommt, kaum vermeiden lassen.

Krieg und Katastrophen

Globale Auseinandersetzungen sollen nicht mehr so strukturiert ablaufen: Fronten an der Grenze zwischen zwei Ländern gehören der Vergangenheit an und territoriale Eroberung deshalb nicht mehr das Ziel eines Krieges. Stattdessen sollen Netzwerke der Zerstörung, die wie Verbrecher agieren, sollen dann Netzwerken des Wissens gegenüberstehen. Horx ist Realist genug nicht auf ewigen Frieden zu hoffen, aber Optimist genug, sich einen dominanten Frieden vorstellen zu können.

Politik

  • Links vs. Rechts haben in ausgedient und sind Schuld daran, dass eine Lieblingsbeschäftigung von allen ist, auf Politiker zu schimpfen: „Das was wir „Politikverdrossenheit“ nennen, ist nichts anderes als das logische Resultat dieses bipolaren Versagens. Linke wie Rechte stehen wie Ochsen vorm Berg der Zukunft. Sie scharren mit den Hufen, muhen und sehnen sich lautstark und polemisch nach einer vergangenen Zeit. Sie appellieren, drohen, heben die Zeigefinger früher oder später gegen den Bürger“
  • Eine existenzielle Frage für globale Zukunft lautet: Wer bestraft in Zukunft diejenigen, die den Nichtbestrafer nicht bestrafen? Denn sobald sich komplexere Gesellschaften entwickeln, also alles, was über 20, 30 Personen hinausgeht braucht irgendeine Form von neutralen Institutionen. Entscheidend für das Zusammenleben ist es dann nämlich, dass nicht nur eine Strafe gibt, wenn gegen Regeln verstoßen wird, sondern auch, wenn es jemanden gleichgültig, ob jemand anderer Regeln ignoriert.
  • Schweinegrippe, EHEC und so soll’s auch weitergehen: Eine Gefahr geht in Zukunft von Hysterischen Epidemien aus, die Angst und Panik in Gesellschaft schüren.

Natürlich muss es nicht so geschehen, aber warum denn auch nicht?

Zum Buch: Matthias Horx, Wie wir leben werden, Campus

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25. April 2011 0

Globalisierung 3.0: Die flache Welt

Von Katharina in Politisches

Thomas Friedman ist Kolumnist bei der New York Times. Er beackert die großen außenpoltischen Fragen und hat sich dem Thema Globalisierung angenommen. In “Die Welt ist flach – Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts” versucht er sich, die Welt in Zeiten des Internets und weltumspannender Kommunikation zu erklären. In großen Teilen macht er das gut und plausibel. Seine zentrale These ist: “Die Mitspieler [der Globalisierung] haben die gleichen Voraussetzungen. Das Spielfeld wird eingeebnet.“

Die erste Phase der Globalisierung war die Zeit der Kolonialreiche, als Nationen sich auf der ganzen Welt ausbreiteten. Danach, so zwischen 1800 und 2000, war die Zeit der global agierenden Unternehmen. McDonalds und Coca-Cola sind da nur die Aushängeschilder von Firmen, deren Markt die ganze Welt ist. Seit etwa dem Jahr 2000 ist die dritte Welle der Globalisierung im Anrollen. Jetzt sind es die Individuen, die miteinander kooperieren und konkurrieren.

Für Friedman sind für diese Einebnung der Welt zehn Faktoren verantwortlich, die sich grob in drei Themengebiete einteilen lassen: Politische Veränderungen, Internet und Computer, und veränderte Unternehmensstrukturen.

Der Fall der Mauer war der erste wichtige, und einzig politische Schritt. Interessant fand ich die Feststellung, dass totalitäre Systeme ein Informationsmonopol brauchen. Genau das versucht ja der chinesische Staat mit der (Internet-)zensur zu halten.

Dazu kommt der Start des Netscape-Browsers, der PC-Laien erlaubte, das Internet zu benutzen. Der Workflow konnte durch Software und allgemeine Standards verbessert werden, schließlich braucht man sich zB heute keine Gedanken darüber machen, ob der andere ein Word-Dokument öffnen kann. Diese Frage stellt sich einfach nicht mehr; Word ist Standard (Alter!).  Außerdem die Open-Source-Bewegung, Wikipedia, Blogger usw.

Auf Unternehmensebene veränderten das Outsourcing (klar beschränkte Aufgabe von einem anderen Unternehmen durchführen lassen, z.B. Kundenservice in indischen Callcenters), Offshoring (ganze Fabriken verlagern) und Insourcing (Logistik der Wertschöpfung wird von externen Dienstleistern unternommen, beispielsweise hat sich Nike ganz auf die Entwicklung neuen Schuhwerks konzentriert und hat mit der Logistik seiner Waren nichts mehr zu tun) die Geschäftswelt. Das Meisterstück sind globale Wertschöpfungsketten, die perfekt aufeinander abgestimmt werden. Und der Spitzenreiter ist (oder war zumindest zum Zeitpunkt als das Buch 2007 geschrieben wurde) Walmart das größte Unternehmen der Welt, das kein einziges Produkt selbst herstellt. Stattdessen hat es eine super-effiziente Wertschöpfungskette, die schwer zu kopieren ist.

Zum ersten Mal erfuhr ich dem Buch von einem positiven Aspekt der Dotcom-Blase Ende der 90er Jahre. Massive Überinvestitionen in Glasfaserkabel führten dazu, dass nach dem Platzen der Blase, viel zu viele Kabel in die Erde gelegt wurden. Das heißt: Das Angebot war größer als die Nachfrage, die Firmen mussten als den Preis für die Datenübertragungen senken. Deshalb wurde dann langsam schnelles Internet und Flatrates auch für kleinere Unternehmen und Privathaushalte erschwinglich.

Thomas Friedman ist Journalist bei der New York Times. Das ist Vorteil und Nachteil zugleich. Es ist großartig, weil er unterhaltsam schreibt, mit Leuten gesprochen hat und das Buch wie eine Reportage über 600 Buchseiten daherkommt. Immer wieder kommen Unternehmer, Manager und Arbeitnehmer aus aller Welt zu Wort, die beschreiben, wie sich die Globalisierung auf ihr Geschäft auswirkt. Vor allem seine zehn Faktoren für die Einebnung der Welt stellt er so überzeugend dar.

Danach schreibt er auch darüber, was das für Menschen und Staaten bedeutet, die einfach nicht mitmachen können. Was da raus kommen kann, sieht man an den Revolutionen in Nordafrika. 

Nach der Hälfte des Buches machen die ständigen Beispiele das Buch sehr langatmig. Fast hat man das Gefühl Friedman musste die Seiten irgendwie füllen. Vor allem gegen Ende merkt man, dass sich das Buch für den amerikanischen Markt geschrieben ist. Sehr pathetisch wird es wenn es um das Thema 11.September und Terrorismus geht, was ja auch gerade nur wegen der flachen Welt möglich war: Osama bin Laden organisierte “eine globale Wertzerstörungskette”.

Meine Empfehlung lautet daher: Lest das Buch, es erklärt großartig, wie die Globalisierung auf Individuen wirkt. Die zweite Hälfte des Buches ist nicht schlechter als die erste, hätte jedoch auch mit weit weniger bedruckten Seiten auskommen können.

Schön ist übrigens immer wieder in Texten, die fünf bis zehn Jahre alt, sind Lobeshymnen auf Irland und Schimpftiraden auf den deutschen Arbeitsmarkt zu finden.

Thomas L. Friedman, Die Welt ist flach Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts, Suhrkamp, 764 Seiten

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20. März 2010 0

Crossing California von Adam Langer

Von katha in Kulturelles

Crossing California erzählt die Geschichte dreier Familien, die in West Rogers Park, einem jüdisch-afroamerikanischen Viertel in Chicago Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre leben.

crossingcalifornia Die Rovners sind eine gut situierte jüdische Familie, der Mann Arzt, die Frau Psychologin. Doch eigentlich leben sie alle nebeneinander her. Die Eltern haben sich eigentlich nichts mehr zu sagen und ihre Hochzeit nur Folge von Ellens Schwangerschaft (außerdem vermutet Ellen, dass ihr Mann eigentlich schwul sei). Larry, der Sohn, arbeitet wie verrückt an seiner Rockkarriere mit jüdisch-orthodoxen Songs und seinem ersten Geschlechtsverkehr, zumindest auf amerikanischen Boden (während einer Reise nach Israel wurde er überraschend entjungfert). Seine jüngere Schwester Lana, rassistisch und egomanisch, will einfach um jeden Preis Aufmerksamkeit.

Jill, Michelle und ihr Vater Charlie Wasserstrom versuchen sich mit ihrem Leben zu arrangieren, seitdem die Mutter/Ehefrau tot ist. Charlie versucht die Familie mit schlecht bezahlten Jobs in Restaurants über Wasser zu halten. Michelle, 16 Jahre alt, will Schauspielerin werden und vertreibt sich mit Saufen, Kiffen und Ficken die Zeit, während die 12-jährige Jill sich vor allem mit Politik und beschäftigt und ihren Vater ihre Bat-Mizwa auszureden versucht.

Und dann gibt es noch Muley Wills. Er lebt mit seiner Mutter und versucht durch Preisausschreiben, Mal-, Foto- oder sonstigen Wettbewerben für Kinder und dem Bauen von Radios genug Geld zusammenzubekommen, damit seine Mutter ihren Collegeabschluss nachholen kann und nicht weiterhin als Putzfrau bei den Rovners arbeiten zu müssen.

Der Hintergrund von Adam Langers Roman sind die 444 Tage der Geiselnahme von Teheran, von November 1979 bis Januar 1981, was aber keine Rolle spielt, außer, dass es einen zeitlichen Rahmen vorgibt. Im Mikrokosmos der California und Western Avenue ist jeder Protagonist mittelbar oder unmittelbar mit allen anderen verbunden: Die Mutter Muleys ist Putzfrau bei den Rovner, Jill und Lana kennen sich aus der hebräischen Schule, Charlie lernt Gail kennen, die Ex-Frau des Komikers Lennie, mit dem Muley bei einer Radiosendung arbeitet usw usf.

Die Erlebnisse der Rovners, Wasserstroms und Wills’ sind eigentlich ganz banal und gerade deshalb so realistisch. Langer beschreibt das mit mit einer Menge Witz und beiläufigen Bemerkungen, die mich sehr oft zum Schmunzeln oder gar lautem (!) Lachen gebracht haben. Auf dem Buchrücken steht: “Wer Franzens Korrekturen mochte, wird Langer lieben”. Es wird also Zeit, dass ich “Die Korrekturen” lese.

Hier noch ein wahllos ausgewähltes Zitat:

“Straight Arrow, wie er sich von den Schülern gern nennen ließ, ein ehemaliger Wettkampfschwimmer, stammte aus Bourbonnais unten im Süden von Illinois und galt, obwohl er erst vierundzwanzig war, als begabtester Trainer an der Mather. Was jedoch Gesundheitslehre betraf, so schien er sehr viel weniger von Drogen und Sex zu wissen als seine Schüler, obwohl er schon Vater dreier Söhne war. Mit seinem unschuldigen Bauernjungenlächeln und den ständig wechselnden, mit erbaulichen Sprüchen bedruckten T-Shirts (“Gott mit uns”, “Frag nach Gott” oder “Gott kommt zu dir”) war er für die Klasse voller Pot rauchender, Cheap Trick hörender, vögelnder und/oder onanierender Juden und Katholiken eine unerschöpfliche Quelle des Staunens und Vergnügens.”

Adam Langer, Crossing California

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7. Februar 2010 0

In meinem kleinen Land

Von katha in Kulturelles

Jan Weiler ist der Autor von "Maria ihm schmeckt’s nicht". Nach der Veröffentlichung des Buches ging er auf Lesereise durch Deutschland und schrieb darüber: über Hotelzimmer, Züge und Buchhandlungen, Dome (stimmt der Plural?) und Fussgängerzonen. Ein neutrales Urteil über Städte nach nur einem Tag zu fällen, ist natürlich nicht wirklich möglich, aber das macht nichts. Weiler schreibt seine Erlebnisse und Beobachtungen auf und dabei kommt die eine Stadt halt besser weg, als die andere. 

In seinem Vorwort trifft Jan Weiler den Nagel auf den Kopf:

"Man traut es sich beinahe nicht zu formulieren, aber im Großen und Ganzen haben wir es nicht schlecht getroffen.

Dass dieser Befund so schwerfällt, hat mir meiner Generation zu tun. Wir sind kritisch aufgewachsen: konsumkritisch, religionskritisch, politkritisch, kulturkritisch. Unser Land zu mögen finden wir nationalistisch, unsere Sprache peinlich, den Deutschen an sich unerträglich, besonders im Urlaub. Das ist auch sehr ehrenwert, führt aber zu keiner sonderlich tiefen Identifikation mit unserem Land. Ging mir auch so. Aber es hat sich geändert.

Ob ich nach dieser Reise ein Patriot bin? Nein. Aber es gefällt mir hier. Ich bin ganz und gar nicht stolz darauf Deutscher zu sein, aber ich bin es gerne, weil mein Land friedlich ist und schön und weil ich die Deutschen mag, nachdem ich ziemlich viele von ihnen getroffen habe. "

Das Buch habe ich bei meinen Eltern vergessen. Das machte aber nichts, denn immer wenn ich zu Besuch war, habe ich ein paar Kapitel gelesen. Dafür ist genau das richtige: drei oder vier Seiten über jede Stadt. Seitdem weiß ich auch, wo Hildesheim liegt, und Krefeld und dass der "Kleine Feigling" aus Eckernförde kommt.

"In meinem kleinen Land" ist ideal für zwischendurch. Heute ein paar Kapitel, die nächsten erst in Tagen oder Wochen lesen – kein Problem, denn es ist kurzweilig und verdammt witzig. Zum Beispiel der Text über Tübingen:

Tübingen gilt als evangelisch, der Ort der abendlichen Lesung hingegen ist eine katholische Hochburg: Rottenburg. Das merkt man schon daran, dass hier für Fastnacht geschmückt wurde, wovon in Tübingen nicht zu sehen war. Tübinger Evangelen knacken an Karneval Walnüsse und trinken mehr Holundersaft, in den sie, damit es mehr kickt, Sprudel mischen.

 

Jan Weiler, In meinem kleinen Land, Rowohlt Taschenbuch Verlag 

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16. September 2009 4

“Der Gott der kleinen Dinge” von Arundhati Roy

Von katha in Kulturelles

Es gibt Bücher, bei denen weiß ich bereits nach ein paar Seiten, dass sie zu meinen Lieblingsbüchern gehören werden und ich sie immer wieder lesen werde. “Der Gott der kleinen Dinge” von Arundhati Roy ist so ein Buch.

Die Geschichte handelt von einer indischen Familie in den 60er Jahren in politisch unruhigen Zeiten und einer Katastrophe, die das Leben der Beteiligten entweder beendet oder komplett verändert. Im Mittelpunkt stehen die zweieiigen Zwillinge Estha und Rahel, die als umgekehrte siamesische Zwillinge beschrieben werden: Zwei Körper, aber ein Geist. Doch das Schicksal will es, dass die beiden getrennt werden (“Estha wird zurückgegeben”) und sich erst Jahre später wieder sehen.

Die Tragödie ist im ganzen Buch durch Rückblenden und Andeutungen präsent. Dieser ungewöhnliche Aufbau macht das Buch spannend: Das Ergebnis ist längst bekannt – getrennte Zwillinge, zwei Tote, das Ende einer glanzvollen Familie im Süden Indiens -, bis ich den Auslöser des Ganzen erahnte.

Arundhati Roy ist die poetische Erzählerin einer großen Geschichte. Einer Geschichte über die essentiellen Dinge des Lebens: Liebe und Hass, Rivalität und Verlust. Hintergrund sind in dem halb-biographischen Roman die 60er Jahre, die politisch vom Kommunismus und dem entwürdigendem Kastensystem geprägt waren. Zu kommt der schwelende Konflikt zwischen der christlichen Oberschicht und der hinduistischen Unterschicht, der auch nach der Unabhängigkeit Indiens noch immer die kolonialen Machtverhältnisse darstellte.

Mein Tipp: Unbedingt lesen. Warum? Roy gibt in ihrem Roman selbst die Antwort:

“Die großen Geschichten sind die, die man gehört hat und wieder hören will. Die man überall betreten und bequem bewohnen kann. Sie führen einen nicht mit Nervenkitzel und einem unerwartenden Ende hinters Licht. Sie überraschen einen nicht mit Unvorhergesehenem. Sie sind einem so vertraut wie das Haus, in dem man lebt. Oder wie der Geruch der Haut des Geliebten. Man weiß wie sie enden, aber man hört zu, als wüsste man es nicht. So wie man, obwohl man weiß, dass man eines Tages sterben wird, lebt, als wüsste man es nicht.”

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1. Februar 2009 1

Rafik Schami erzählt “Das Geheimnis des Kalligraphen”

Von Katharina in Kulturelles

Erst vor kurzem schwärmte ich über den Schriftsteller Rafik Schami und seiner Erzählweise. Denn er versteht sich weniger als Schreiber, denn als Geschichtenerzähler in der Tradition von 1001 Nacht.

Unter Beweis stellt er das auf zehnseiten.de. Dort lesen verschiedene Schriftsteller zehn Seiten aus einem ihrer Bücher vor. Die Videos sind einfach gehalten: schwarz-weiß und Nahaufnahme, denn der Fokus liegt klar auf den Worten. “Ich bin ein mündlicher Erzähler und habe diese Traditon nach Europa gebracht”, sagt Rafik Schami in einem anderen Video. Was er damit meint, zeigt er auf zehnseiten.de. Er liest nicht, wie alle anderen Autoren aus einem Buch oder von einem Zettel. Stattdessen trägt er frei vor, gestikuliert und sieht direkt in die Kamera hinein und damit den Zuschauer an. Und der wichtigste Punkt: Er liest nicht, er erzählt!

Wie spricht er eigentlich die Hörbücher nicht selbst?

Zum Video auf zehnseiten.de

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14. Januar 2009 7

Rafik Schami und die Lust am Lesen

Von katha in Kulturelles

Rafik Schami ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Aber auch ein leidenschaftlicher Leser. In einem Video von lit.COLONY berichtet er davon, wie er als Junge allabendlich 23.30 Uhr am Radio die Geschichte von 1001 Nacht hörte – 1001 Nächte lang. Diese Liebe zum Wort ist bis heute geblieben, die er ansteckend und mit unbeschreiblichen Begeistert darstellt.

Wer nach diesem überzeugendem Plädoyer für das Lesen von Schami begeistert ist, dem kann ich seinen Roman "Die dunkle Seite der Liebe" empfehlen.

Rafik Schami – Die dunkle Seite der Liebe

Romeo und Julia im Syrien des 20. Jahrhunderts. Rana und Farid lieben sich, doch sie sind beide Christen: Einer katholisch, eine orthodox. Doch das ist fast noch schlimmer als christlich und muslimisch.

Schami erzählt von zwei Familien, ihren Ursprüngen, ihrer Feindschaft und das Leid, das sie übereinander brachten. Immer wieder beeinflussten die politisch unruhigen Zeiten in Syrien die Familienfehde. In diesem Chaos kämpfen Rana und Farid für ihre Liebe. Doch Rafik Schami schrieb auch eine Geschichte Damaskus. "Damaskus ist keine Stadt, kein Fleck auf einem Atlas, sondern ein Märchen, das sich in Häuser und Gassen, Geschichten und Gerüche kleidet", schwärmt Schami.

Der ganze Roman spinnt sich um Damaskus. In meinem Kopf ist ein Bild ist das Bild einer wunderschönen und lebendigen Stadt mit ihren Gerüchen und Farben entstanden. "Die dunkle Seite der Liebe" ist ein langes, aber wunderschönes Buch einer Liebe, die alle Hürden des Glaubens, des Todes und des Krieges überwindet.

(via)

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