Post-Tag-Archiv für ‘ Bayern ’

24. September 2008 9

CSU vom Thron schmeissen

Von katha in Politisches

Die Landtagswahl in Bayern ist das Thema Nummer eins in den bayerischen Medien. Aber auch überregionale Zeitungen und Magazine beschäftigen sich mit der Wahl im größten Bundesland Deutschlands. Im Grunde ist der Tenor immer derselbe: Die CSU wird Stimmen verlieren, unter die 50 Prozentmarke rutschen, die FDP wahrscheinlich in den Landtag einziehen, die Partei DIE LINKE und die Freien Wähler sind die Unbekannten in der Gleichung. Revolution in Bayern?

Natürlich, das Ende der absoluten Mehrheit der CSU in Bayern ist nah. Endlich Koalition, von einer Regierung ohne die CSU muss wohl noch ein paar Jahrzehnte geträumt werden.

Die CSU-Regierung machte in den vergangenen Jahren einiges falsch und zog sich großen Unmut vor allem der Landbevölkerung zu, die ja traditionell blind ihr Kreuz für die Christlich-Soziale Union macht. Der Ausbau des Münchner Flughafens, die Autobahn A94 und bei mir lokal der Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen: Trotz aller Versprechungen ist den CSU-Politikern im Zweifelsfall die Umwelt noch immer egal. Wichtig ist nur das wirtschaftliche Wachstum und der Ausbau der Infrastruktur. Straßenbau scheint das gemeinsame Hobby aller CSU-Politiker zu sein.

Zurecht ziehen solch unsinnige, umweltschädliche und teure Maßnahmen den Ärger der Bevölkerung auf sich. Lokale Gruppen formieren sich gegen die geplanten Bauarbeiten, Demonstrationen auf die Beine gestellt und beim Stammtisch wird auf die CSU geschimpft. Ob das allerdings reicht die CSU in naher Zukunft vom Thron in München zu schmeißen, bezweifle ich sehr. Viel zu normal ist es in Bayern noch immer automatisch die CSU zu wählen.

Doch geben wir am Sonntag unser Bestes!

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3. September 2008 6

Sommer, Sonne, CSU

Von katha in Medien, Politisches

Landtagswahlen am 28. September – die Straßen sind allerorten bereits wieder durch vertrauensvoll lächelnde Fratzen verschandelt. Alle Kandidaten haben denselben gekünstelten Gesichtsausdruck. Nur die kleineren Parteien, deren mögliche Landtagsabgeordneten sowieso unbekannt sind, verzichten auf diese Gesichtsparade. Stattdessen versuchen sie mit den gleichen platten Sprüchen oder Blumentapeten zu überzeugen.

Wahlen in Bayern sind langweilig. Seit Jahren verlaufen sie im gleichen Muster: Die CSU gewinnt, mal mehr, mal weniger hoch. Der Rest der Horde kämpft um die übrigen Stücke der Beute. Es verwundert, dass Parteien wie die Bayernpartei oder die FDP sich die Mühe machen, Plakate zu kleben und Wahlveranstaltungen zu organisieren – es ist vergebene Liebesmüh. Daneben gibt es die SPD und die Grünen, die Opposition. Wobei die Stimmanteile der Grünen immer größer werden, die SPD dagegen sich mit einem Ergebnis von 20+X wünscht – so wie auch bald die Bundes-SPD?

Die Konstante bei bayerischen Landtagswahlen ist die CSU. Egal ob die Amigoaffäre, verschiendene Skandale oder unpopuläre Maßnahmen – all das ist den Bürgern pünktlich zum Wahltermin wieder völlig egal. Seit über 50 Jahren regiert die “Christlich Soziale Union” in Bayern mit absoluter Mehrheit. Und es ist kein Ende abzusehen. Zwar plant die SPD mit Franz Maget, dem ewigen Verlierer der Bayern-SPD, die Machtübernahme durch einer Dreier-Koalition von SPD, Grünen und den Freien Wählern. “Bei der Krise der CSU Anfang des Jahres [2007] gab es zum ersten Mal, seit ich politisch denken kann, eine Umfrage in Bayern, die eine Mehrheit im bayerischen Landtag jenseits der CSU gesehen hat”, sagte Florian Pronold, bei einem Interview, das ich im Rahmen des Landesparteitages 2007 geführt habe. Er hat recht, 2007, im Jahr des Stoiber-Sturzes, stand die CSU in Umfrageergebnissen tatsächlich seit Jahrzehnten wieder unter 50 Prozent. Dazu kommt, dass das neue Duo Beckstein und Huber nicht besonders erfolgreich agiert. Wähler haben grundsätzlich ein Kurzzeitgedächtnis. Wer erinnert sich noch an eine umtriebige Fürther Landrätin? Warum ist eigentlich der Stoiber nicht mehr dabei? Und wer ist jetzt eigentlich der neue Ministerpäsident?

Der Bayer an ist nicht nachtragend, anders ist es nicht zu erklären, dass die Schwarzen bei den Wahlen nicht in den einstelligen Bereich katapultiert werden. Vor vier Sommern führte Stoiber quasi über Nacht das 8-jährige Gymnasium ein. Der Lehrplan wurde gekürzt. Wer braucht schon Geschichte? Wer Kunst oder Musik? Für Laptop und Lederhosen reichen ja Mathe, Physik und ein Hirsch. Einer meiner früherer Lehrer berichtet davon, dass bei den Lehrplänen für das G8 eine kleiner Schriftgröße gewählt wurde – schon sind es einige Seiten weniger. Gott, erhöre und wirf Hirn auf die Staatskanzlei in München!

Doch der Herrgott steht auf der schwarzen Seite. Gottesbeweis fällig? Die aktuellen Wahlplakate der CSU. Darüber: Sonne, Sommer, Bayern. Auf den ersten Blick ein nichtssagendes Plakat; eher Werbung für die gestresste alleinerziehende Mutter auf dem Plattenbau in Neukölln Urlaub auf dem Bauernhof zu machen, denn für eine Partei, denen die Umwelt bis auf enige Ausnahmen nicht besonders am Herzen liegt.

Doch nun werfen wir einen Blick hinter den Wahlspruch. Sommer, Sonne, Bayern. Sommer und Sonne, eine Jahreszeit und ein Himmelsgestirn – übermenschliche, unbeeinflussbare Phänomene. Dazu stellt der Freistaat in einer Reihe. Da sich die CSU mit dem Land gleichsetzt, soll der Slogan eigentlich Sommer, Sonne, CSU heißen – aber das haben sie sich in der Wahlkampfzentrale wohl nicht getraut.

Gehen wir einen Schritt weiter. Wer hat die Sonne erschaffen? Erinnern wir uns: am ersten Tag schuf Gott das Licht, die Sonne und somit den Sommer. Und danach gleich die CSU? Der Wahlspruch Sommer, Sonne, Bayern – das ist quasi die göttliche Anerkennung der schwarzen Herrschaft.

Übermächtige Christsoziale Union, erhöre!

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16. Mai 2008 0

Bob Ross is Painting Bavaria

Von katha in Medien

Wer kennt das nicht? Es ist drei Uhr nachts oder später. Ich komme von einer Party oder einfach einem sinnlosen Besäufnis nach Hause, ich ist aufgedreht und (möglicherweise) berauscht. Ans sofortige Einschlafen ist nicht zu denken. Gott sei Dank gibt es dafür BR Alpha und Bob Ross. Der Maler macht aus ein paar Klecksen hier und ein paar Strichen da tolle Landschaftbilder. Ich werde ruhiger und zwischen einem “A little bit black” und “A little bit green” schlafe ich ein.

Die Sendung des Malers mit der Afrofrisur genießt Kultstatus, zumindest in meinem Freundeskreis. Klar, dass da Parodien nahe liegen.

Also hier: Bob Ross is painting Bavaria, wo sogar unser Altministerpräsident einen kleinen Auftritt hat.

Wirklich klasse das Malen der politischen Situation:

The political situation in Bavaria is very easy to paint.First of all, you need a lot of black.

direkter Link

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29. April 2008 0

Dorftrottel vom Dienst

Von katha in Tagtäglich

Oberkümmering! Ich surfe auf SpOn, lese dies und das und plötzlich: Eine Reportage aus Oberkümmering! Oberkümmering liegt bei der Stadt Hauzenberg, zu der ich von meinem Elternhaus nur einmal auf den Oberfrauenwald rauffahren muss, fast oben angelangt rechts abbiegen und die Kurven runterdüsen. Nach Passau eine halbe Stunde Fahrt, nach München zwei. Nach Tschechien 45 Minuten.

Da komme ich her. Irgendwo aus dem Nirgendwo, wo es aber zugegeben sehr hübsch ist. Wälder, Hügel, alles grün.

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Tausende von Kilometern entfernt lese ich vom Alltag niederbayerischer Jugendlicher aus genau dieser Ecke. Alles ist so vertraut: Die Fussballspieler, die Jugendlichen die bei Busbahnhöfen oder Tankstellen abhängen (und sich dort auch gerne mal volllaufen lassen) und vor allem die Sprache beim angefügten Videocast (Zugegeben, die Qualität ist nicht besonders gut. Selbst ich hatte Probleme es zu verstehen). Ich spreche niederbayerischen Dialekt, und das ziemlich derb. So wie es halt jeder hier, im Woid, macht. Nicht umsonst bin ich bei studiVZ in der Gruppe “Ich spreche Bayrisch mit deutschem Akzent”.

Das Leben dreht sich um Feiern und Freunde. Zusammengehörigkeit und Langeweile. Genauso wie auch in Berlin, Hamburg oder Köln.

Langsam, eineinhalb Monate vor der Heimkehr ist das Heimweh stärker als jemals zuvor. Ich freue mich auf Grill- und Volksfeste, selbst Blasmusik und “Oans, zwoa, gsuffa” vermisse ich. All das also, wovon ich mich immer abgrenzen wollte. Was ich immer primitiv fand und langweilig. Denn richtig Teil dieser Dorfjugend wie im Artikel war ich ja nie – oder doch?

Erst in der Ferne habe ich bemerkt, wie sehr das doch alles auch Teil meiner Identität ist – und nicht nur der anderen, den Dorftrotteln. Ich bin ja selber einer. Und das ist auch gut so.

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7. März 2008 0

Fehlender Realismus bei der bayerischen SPD

Von katha in Politisches

Franz Maget, der wohl optimistische Politiker in unseren Landen und das, obwohl er der Franktionsvorsitzende der SPD im bayerischen Landtag ist, sprach von einem “fantastischen Ergebnis für die SPD in Bayern” bei den Kommunalwahlen am 3. März. Warum behauptet er das? Muss ich an seiner Auffassungsgabe zweifeln, oder was bitte ist so lobenswert an einem Rekordtief von 22,6 Prozent der Stimmen?

Natürlich konnte Christian Ude in München seine Bürgermeisterwahl gewinnen und auch in Nürnberg und Fürth gewannen die Kandidaten der SPD. Und ja, in Passau muss der amtierende Zankl in die Stichwahl gegen den roten Dupper. Doch das sind alles Erfolge in Städten. Wie sieht es auf dem in Bayern zwar nicht ganz so flachem Land aus? Dort verkommt die SPD zu einer Splitterpartei!

Es ist schon eine Tragödie mit der SPD in Bayern. Sie können tun, was sie wollen – Erfolg werden sie nicht haben. Django Asül drückte seinen Finger bei der Nockherbergrede 2007 genau in diese Wunde: “Erfolg – ein Fremdwort für die SPD in Bayern.” Und dann träumen die Spitzen der BayernSPD sogar vom Ende der absoluten Mehrheit der CSU im Landtag.

Eine Binsenweisheit: Eine Kommunalwahl ist keine Landtagswahl. So einfach ist es. Das sieht auch der Landesgruppenchef im Bundestag Florian Pronold, mit dem ich für politikorange ein Interview geführt habe, so: “Die Menschen schauen bei Kandidaten für Kommunalwahlen darauf, was die Personen tun und wie sie rüberkommen. Bei Landtagswahlen ist die politische Grundausrichtung viel wichtiger. Deshalb läßt sich ein Erfolg bei Kommunalwahlen nicht so leicht auf die Landesebene übertragen. Trotzdem wollen wir den Schwung des Erfolges mitnehmen für die Landtagswahl.” Das sagte er vor den letzten Kommunalwahlen. Doch welchen Schwung wollen sie nach dieser Niederlage mitnehmen?

In den Stadträten und Kreistagen im Freistaat sind neben den allgemein bekannten CSU, SPD, GRÜNEN und der FDP, natürliche viele freie Wählergruppe, die Bayernpartei, die ödp und hin und wieder lässt sich leider sogar ein Republikaner finden. All diese Gruppen und Parteien gehören meist den konservativen Spektrum der Parteienlandschaft an, die bei den Landtagswahlen, bis auf wenige Ausnahmen, nicht antreten.

Wen wählt der konservative Bayer dann? Die christlich-soziale Union natürlich. Und vom Ende der absoluten Mehrheit ist man dann wieder weit entfernt.

Die einzige Chance, die CSU aus der Regierung zu drängen oder zumindest zu einer Koalition zu zwingen, ist nur möglich, wenn eine vierte Partei in den Landtag einzieht, schließlich gingen 12 Prozent bei den Wahlen 2003 an andere Parteien. Potenzial wäre theoretisch da. Doch welche Partei könnte in das Maximilianeum als vierte Partei einziehen? Die LINKE hat in Bayern keine Chance. Es bleiben die FDP, die öpd und die Freien Wähler.

Die FPD ist seit 1994 nicht mehr im Landtag vertreten. Die ödp ist eine gesichtslose Partei mit ökologischem Anliegen und konservativer Grundeinstellung. Die Freien Wähler strebt den ersten Landtagseinzug an und wäre zu einer Koalition mit der SPD und den Grünen bereit.

Könnte die Sensation im Herbst eintreten? Ich denke kaum, denn trotz der Turbulenzen um Stoiber und den Kämpfen um den Parteivorsitz zwischen Huber und Seehofer im letzen Jahr, sieht die Mehrheit der Bayern keine Alternativen neben der CSU. Auf Kommunalebene hat die CSU ihre Alleinherrschaft schon verloren, aber ich befürchte, dass dies auf Landesebene frühestens bei den Landtagswahlen 2012 möglich ist.

So sehr ich also auf eine rasche Änderung der Machtberhältnisse im schönen Bayern hoffe, realistisch gesehen muss ich darauf noch ein paar Jahre warten. Da wird auch ein “Raketenwahlkampf ” der SPD nichts nützen.

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28. Februar 2008 0

Einmal Löwe – immer Löwe

Von katha in Tagtäglich

Ich war sieben Jahre alt, als der Fußball in mein Leben trat. Ich bin der F-Jugend des örtlichen Sportvereins beigetreten und habe mich als Mädchen versucht gegen die Buben in meinem Alter durchzusetzen (Sind 7-jährige Jungs eigentlich die größten Machos?) Ich ging fleißig ins Training, doch spielen durfte ich nicht. Zugegeben ein besonders großes Talent war ich nicht.

Anerkannt war ich in meiner Mannschaft nie so richtig. Ich hatte schließlich zwei gravierende Merkmale, die mich myteriös machten. Zum einen bin ich ein Mädchen. Zum anderen Fan des TSV 1860 München.

Wie jeder in Bayern, der sich halbwegs für Fussball interessiert, hatte ich im frühesten Alter eine Entscheidung zu treffen, die das Leben, prägt. Bayern oder 60er? Edelclub oder Vorstadtverein? Champagner oder a Halbe? Sieg oder Niederlage?

Natürlich war ich mir in diesen jungen Jahren der Reichweite meiner Wahl nicht bewusst. Mein Entscheidungsfindungsprozess, am Boden in der Küche, auf meinen Knieen das Paninisammelalbum, lief folgendermaßen ab:

1. Ich war schon mal in München. Das scheint auch einigermaßen in der Nähe zu sein. Denn niemand in meinem Umfeld hatte je gesagt: “Am Wochenende bsuacha ma die Verwandtschaft in Uerdingen.”

2. Blau war meine Lieblingsfarbe (und sie sie natüerlich immer noch, einmal Löwe – immer Löwe).

3. Klare Entscheidung für die Sechziger.

Jahre voller Schmähungen und Häme sollten folgen, die von mir, einem kleinen Mädchen, natürlich auch nicht halt machen. Denn geschätzte 98 Prozent aller mir damals bekannten Personen feuerten die Roten an. Sechzgerfan und dann auch noch ein Mädchen: “Die hat ja keine Ahnung.” (Dass ich die 60er wegen der Farbe ausgewählt habe, verschwieg ich lieber, denn ich wollte ja nicht noch Vorurteile bestärken.)

An Ostern bekam ich ein veraltetes Trikot der Saison 1993/94 mit Hakkawerke-Werbung, mein ganzer Stolz. An meinem zweiten Schultag lachte mich eine Zweitklässlerin so gemein aus, dass ich kurz zweifelt (Das zweite mal zweifelte ich, als ich das Emblem malen wollte und ich sah, dass das der Bayern um so viel einfacher gewesen wäre – aber Bayernfan sein ist ja schließlich immer leicht).

In den folgenden vier Jahren konnte ich sämtliche Spieler der Sechziger (aber auch der meisten anderen Bundesligavereine) mit Geburtsdatum, vorherrigen Vereinen und den aktuellen Statistiken herunterbeten (hilfreich war am Saisonanfang immer die Sonderausgabe von Sport-Bild).

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Doch ich konnte wissen, was ich wollte, die Blauen verloren trotzdem. Das wäre im Grunde nicht schlimm gewesen, der 1. FC Köln oder Bochum verloren noch viel öfter. Das schlimme war, dass je öfter die Blauen verloren, desto öfter gewannen die Bayern. Die Sechziger krebsten um Platz 12 rum und die Bayern spielen in der Champions League. Wie es natürlich die arrogante Art aller Bayernfans ist, ließen sie uns, die verstreuten Blauen, dies bei jedem Sieg ihrerseits eindeutig spüren.

Dreimal war ich im Olympiastadium in München, nie gwannen die Sechziger. Beim ersten Mal kam ich mit meinem Vater und dessen Onkel (der in München wohnte und natürlich zu den Blauen hielt) erst zu Minute 35 an, denn wir hatten eine Autopanne. Beim zweiten und dritten Mal spielten die Sechzger so schlecht, dass ich mir eine Autopanne gewünscht hätte.

Ist die Entscheidung zwischen den Roten und den Blauen einmal gefallen, determiniert sie das ganze Leben, ja man hat keine Chance neu zu wählen. Mein Opa ist ein alter Sozi und Gewerkschaftler und ständig zetert er über Hoeneß und die ganzen Geldhungrigen Sportlern, schimpft über die Allianzarena (“rausgeschmissenes Geld”), verteufelt den FC Bayern im Allgemeinen. Und lobt den TSV 1860. Doch kaum läuft ein Spiel feuert er die Bayern, “den kapitalistischten aller Vereine” an und freut sich wie ein kleines Kind, wenn sie drei Punkte einfahren – am besten beim Derby gegen die Löwen.

Gestern war es mal wieder soweit. Ein Derby. Wie meistens verloren meine Löwen, aber an das habe ich mich inzwischen gewöhnt. Trotzdem fieberte ich hier in China mit, dachte vorm Schlafen nocheinmal an sie und wünschte ihnen viel Erfolg. Aber nichts, natürlich wie bei allen Spielen gegen die Bayern spielen sie gut, aber stehen am Ende mit leeren Händen da. Scheiß Bayern einfach.

So sehr man sich als Löwenfan definiert, so sehr muss man mindestens auch die Bayern hassen. Das ist ein Naturgesetz.

Einmal Löwe – immer Löwe!

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18. Februar 2008 1

Männersache

Von katha in Politisches, Tagtäglich

Mütter haften für ihre Kinder. Sie machen das. Sie können das. Sie haben die Kinder neun Monate lang im Bauch getragen, sind also für Pflege und Fürsorge prädestiniert – eine Haltung, die 1968 und an den antiautoritären Aufbruch zwar nicht ganz unbeschädigt überstanden hat, aber dennoch in einigen Köpfen weiterlebt, die manchmal einen Bart tragen, manchmal aber auch Eva heißen. (Die ZEIT vom 3. Januar 2008)

Diese Einstellung herrscht meiner Meinung nach in mehr Köpfen vor, als es der Autorin lieb ist. Frauen. das ist Haushalt. Frauen, das sind Friseurinnen und Krankenschwestern. Am besten halbtags, damit nachmittags die Kinder versorgt sind. Wozu also höhere Bildung? Verschwendete Zeit.

Ist es wirklich so wie der SPIEGEL im Dezember schreibt: Eltern schicken ihre Mädchen nicht aufs Gymnasium, weil doch der Realsculabschluss sowieso reicht?

Im schönen Niederbayern geht halt alles etwas langsamer. Frauen in der Politik gibt es kaum. Eine Frau sitzt im Parlament meiner Heimatstadt, im Umkreis von 150 km gibt es eine Bürgermeisterin (zumindest, soweit ich weiß.) Diese ist in der CSU, der Männerpartei, ohne die gar nichts geht. Sie ist meiner Meinung nach notwendig, um in einer konservativen Gegend wie meiner Heimat überhaupt einen Fuss auf den politischen Boden zu bekommen. Eine Frau und dann möglicherweise auch noch bei der SPD oder den Grünen – Gott bewahre. Eine Teufelsanbeterin, eine Abgefallene.

Bei der Union, beziehungsweise ihren Derivaten, die in Ostbayern tatsächlich nicht zu unterschätzende Stimmenanteile bekommen, wie die Bayernpartei oder die ödp, weiß Mann was man hat: Eine Frau mittleren Alters, die die Langeweile quält, seitdem die Kinder aus dem Haus sind.

Doch, denkt ihr Leser bestimmt, was soll die Schwarzmalerei? Wir leben im 21. Jahrhundert, auch in Niederbayern laufen der katholischen Kirche die Gläubigen davon. Natürlich, antworte ich da, doch an der politischen Mitbestimmung der Frauen hat sich trotzdem nichts geändert.

Beispiel: Die Kommunalwahlen im März. Auf der Seite bsmparty.de, dem sozialen Netzwerk für die Jugend in Ostbayern, bei der gefühlte 100 Prozent der Jugendlichen Mitglied sind, hat ein Wahlportal erstellt: Alle jungen Kandidaten können sich anmelden und sich vorstellen. Insgesamt gibt es fünf Landkreise. Inzwischen haben sich viele Kandidaten angemeldet, auch die, die nicht mehr ganz so jung sind. Doch in den fünf Landkreisen kandidiert offenbar nicht eine Frau!

Keine junge Frau will in einen Gemeinderat – das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Wobei wir beim nächsten Punkt sind. Auf Kommunalebene wohl noch mehr als auf Landes- oder Bundesebene spielt sich oft in Klüngeln ab. Der Huber und der Meier sind halt schon seit 20 Jahren im selben Stammtisch, natürlich, wählt der Huber den Meier. Und wenn der Meier dann auch noch im Sportverein oder der Feuerwehr ist, dann hat er sein Mandant sicher. Das Problem für Frauen: Sportverein und Feuerwehr sind meistens noch immer von Männer dominiert.

Ich fordere keine Quotenregelung, weiß Gott nicht. Aber es kann doch nicht sein, dass maximal eine Frau im Stadtrat sitzt. Ich kenne genug selbstbewusste, intelligente Frauen, denen ich die Aufgabe zutrauen würde. Doch das größte Problem sind wahrscheinlich leider die Frauen selbst: “Politik – das ist doch was für Männer. Geh’ ma lieber in den Frauenbund.”

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30. Januar 2008 6

Totenglöckchen der CSU

Von katha in Medien, Politisches

Beim Landesparteitag der SPD im vergangenen Juli in Würzburg war ich Teil der Redaktion von politikorange. Dabei führte ich gemeinsam mit Felix Scheidl ein Interview mit Florian Pronold, Vorsitzender der SPD-Landesgruppe im Bundestag. Im Bezug auf die Kommunalwahlen im März, dessen Wahlkämpfer schon in der Startlöchern sitzen, stelle ich das Interview online. Leider kann ich keine Umlaute darstellen – bin ja in China.


Bei den Landtagswahlen 2008 will die Bayern SPD punkten.
Einen “Raketenwahlkampf” plant Florian Pronold, 34-jähriger Hoffnungsträger der Bayern-SPD. Zurzeit ist er Vorsitzender der SPD-Landesgruppe im Bundestag. 2008 will er die Mehrheit der bayerischen CSU brechen.

Bald sind Landtagswahlen. Sie haben bereits angekündigt, dass es einen “Raketenwahlkampf” geben wird. Den werden Sie brauchen, wenn man die Umfragewerte der Partei betrachtet. Kann die absolute Mehrheit überhaupt geknackt werden?

Ja, selbstverständlich. Bei zwei der letzten drei Bundestagswahlen haben wir die CSU unter die 50-Prozent-Marke gedrückt. Was bei einer Bundestagswahl geht, kann uns auch bei einer Landtagswahl gelingen. Drei Wochen vor der letzten Bundestagswahl lag die Bayern SPD in Umfragen bei 17 Prozent. Erreicht haben wir schließlich 27 Prozent. Seitdem lasse ich mich von Umfragen nicht mehr ins Bockshorn jagen.

Glauben Sie wirklich, dass der Unschärfefaktor so groß ist? Immerhin hat die CSU ja eine gewisse Stammwählerschaft.

Ja, aber die CSU-Stammwählerschaft versteht zur Hälfte nicht, warum der Beckstein und der Huber den Edi gemeuchelt haben. Wenn sie die Stimmung vor Ort betrachten, ist da Soddom und Gomorra ausgebrochen. Die eine Hälfte der CSU-Wähler hat immer noch nicht verstanden, warum der schönste und beste Ministerpräsident Stoiber gehen muss. Die andere Hälfte ist froh darüber.

Sie sagten, dass der Laden explodieren wird, wenn die Mehrheit der CSU gedrückt wird. Doch die CSU hat eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Kann der Laden überhaupt explodieren? Selbst wenn die CSU die Zwei-Drittel-Mehrheit verliert, bleibt ihnen noch immer die einfache Mehrheit.

Die CSU lebt von dem Nimbus, sie seien die ewigen Sieger. Verlieren sie die bei einer Landtagswahl, ist dies das Totenglöckchen der CSU und der absoluten Mehrheit. Bei der Krise der CSU Anfang des Jahres gab es zum ersten Mal, seit ich politisch denken kann, eine Umfrage in Bayern, die eine Mehrheit im bayerischen Landtag jenseits der CSU gesehen hat.

Die SPD setzt ihre Hoffnungen bei den Wahlen im März 2008 auf Würzburg und Regensburg. Andere Städte wie München werden schon lange von der SPD regiert. Planen sie jetzt eine Revolution von unten?

Die Menschen schauen bei Kandidaten für Kommunalwahlen darauf, was die Personen tun und wie sie rüberkommen. Bei Landtagswahlen ist die politische Grundausrichtung viel wichtiger. Deshalb läßt sich ein Erfolg bei Kommunalwahlen nicht so leicht auf die Landesebene übertragen. Trotzdem wollen wir den Schwung des Erfolges mitnehmen für die Landtagswahl.

Also kommunale Siege als Signal.

Ja. Wir wollen dieses Signal setzen, indem wir Städte hinzugewinnen. Schon jetzt regiert die SPD in den drei größten Städten – das gibt es in keinem anderen Bundesland. Das ist ein Ergebnis unserer erfolgreichen Kommunalpolitik.

Fakt ist aber, dass die drei größten Städte nicht ganz Bayern repräsentieren. Ludwig Stiegler sagte, dass die SPD in der Bayerischen Gesellschaft nicht verankert sei. Wie wollen sie die Defizite vor allem im ländlichen Raum ausgleichen?

Wir haben in vielen ländlichen Bereichen erfolgreiche Bürgermeister. Natürlich gibt es aber auch schwarze Flecken, wo es nicht einmal einen SPD-Ortsverein gibt. Aber wir stellen noch immer genauso viele Oberbürgermeister wie die CSU.

Die CSU hat einen Plan für 2020 aufgestellt, der sich für die Wähler recht angenehm liest. Herr Stiegler meinte: “Alles geklaut.” Wo bleibt denn dann der große Umsturz, wenn die SPD wirklich an die Regierung kommen würde?

Die CSU hat ja nur die Überschriften geklaut. Aber bei der Umsetzung bleiben sie nach wie vor defizitär. Stoiber war immer gut in der Ankündigungspolitik. Die Kommunisten haben wenigstens nur Fünf-Jahrespläne gemacht, aber Edmund Stoiber macht 13-Jahrespläne. Warum? Das ist doch offensichtlich: Stoibers Plan ist nicht gegen die SPD, sondern gegen Beckstein und Huber gerichtet, weil er seinen Nachfolgern nichts zutraut. Die CSU hätte einfach die Anträge der SPD übernehmen können, dann hätten sie den Plan jetzt schon erfüllt.

Was wollen Sie besser machen?

Unsere Ziele sind klar gesetzt: Wir wollen beispielsweise mehr auf die ländlichen Regionen Bayerns eingehen. DSL-Anschlüsse müssen in allen Teilen Bayerns verfügbar sein. Auch die Autobahnen müssen ausgebaut werden – und das nicht nur in München.

Klingt nach einer Guten Idee. Aber woher soll das Geld kommen?

Sehen Sie sich doch beispielsweise einmal das Milliardengrab Transrapid an. Wir wollen den Bau stoppen und stattdessen für mehrere Millionen das Münchner S-Bahn-Netz ausbauen. Dann haben wir immer noch viel Geld übrig, um Bayern zu fördern – nur um mal ein Beispiel zu nennen.

Wie sehen sie sich in Zukunft in der SPD?

Mein Ziel ist es, die Bayern-SPD so aufzustellen, dass sie in absehbarer Zeit an der Regierung beteiligt wird und die CSU aus der Regierung schmeisst.

Das Bundeskanzleramt ist also nicht das Ziel?

Nein, Bundeskanzler zu werden ist viel zu einfach. Mein großes Ziel ist es zweiter sozialdemokratischer Ministerpräsident in der Nachkriegsgeschichte Bayerns zu werden.

[Update: Umlaute zu Hause am Laptop richtiggestellt.]

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