Post-Tag-Archiv für ‘ Bayern ’

16. November 2011 2

Zur Vollversammlung der Uni Regensburg

Von Katharina in Tagtäglich

Vor wenigen Minuten ist die Vollversammlung der Studierenden an der Uni Regensburg zu Ende gegangen. Das wichtigste Resultat nach drei-stündiger Diskussion: Die Verwaltung der Uni Regensburg wird sofort besetzt. Nach einer halben Stunde kam die Revision. Die Versammlung war nicht beschlussfähig. Und das ist auch gut so. Falsche Nachricht: Die Verwaltung ist doch besetzt.

Denn: Eine Besetzung soll das allerletzte Mittel des Protests sein. Hier ist es aber gerade umgekehrt: Bevor irgendwelche anderen Mittel zu Rande gezogen werden, wird besetzt. Genau das war auch schon der Fehler bei der Besetzung des H2 vor ziemlich genau zwei Jahren: Es gab keine KONKRETEN Forderungen und Ziele. Das hat die Studierendenschaft eher gegen die Besatzer aufgebracht.

Klar, kann man da sagen: Die Occupy-Bewegung hat auch keine klaren Forderungen, aber trotzdem Gewicht. Ja, das haben sie, aber deshalb, weil sich viele Menschen mobilisieren lassen. Das kann von der Uni Regensburg nicht behauptet werden (Was ich von der Besetzung mitnehmen konnte: Ein gratis Auftritt des Kabarattisten Josef Hader).

Der Beschluss zur erneuten Besetzung war in meinen Augen undemokratisch. Abgesehen davon, dass erschreckend wenige zu der Vollversammlung erschienen sind (ich schätze, dass zu Beginn die Plätze des Audimax’ zu etwa 2/3 besetzt waren), sind zusätzlich in den folgenden zwei Stunden immer mehr Leute abgehauen, sodass zum Schluss vielleicht 100, vielleicht auch 200 Studierende darüber abgestimmt haben, ob die Uni besetzt werden soll. (Ich habe dagegen gestimmt).

Egal, ob man die erneute Besetzung für sinnvoll hält: Das Desinteresse der Studenten und Studentinnen an der Uni an Mitbestimmung ist erschreckend! Wie erwähnt, war der Audimax nicht annähernd voll besetzt und das bei über 20.000 eingeschriebenen Leuten. Und ich wage zu behaupten, dass der Großteil Dinge am Unisystem auszusetzen hat: Seien es die Studienbeiträge, das Bachelor-Master-System, die fehlende Grundfinanzierung durch die Landesregierung in München, die überfüllten Hörsäle oder auch nur die fehlenden Parkplätze und vollgestopften Busse des RVV.

Und dann kommt der Vorwurf auf: “Die labern doch nur und bringen eh nichts zu Rande”. Das liegt aber daran, dass die Studierenden keine Macht haben. Bayern ist das einzige der 16 Bundesländer, in denen die Studenten und Studentinnen kein Mitbestimmungsrecht haben – und zwar schon fast 40 Jahren. 1973 hat die Landesregierung die Parlamente, Asta usw. abgeschafft und zwar mit “um den terroristischen Sumpf trocken zu legen.” Das ist natürlich ein Witz!

Meiner Einschätzung nach, kann das aber nur durch einen Weg verbessert werden. Ihr müsst zu den Hochschulwahlen gehen! Würde ich in der Staatskanzlei oder dem Kultusministerium sitzen und dann sehen, dass die Wahlbeteiligungen Jahr für Jahr unter 20 Prozent liegen, dann würd ich mir auch denken: Die haben doch keinen Bock darauf. Dass das natürlich auch daran liegt, dass sich jeder der Machtlosigkeit der Gremien bewusst ist, ist ein Teufelskreis.

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28. August 2011 3

Aus nicht-mehr-ganz-so-aktuellem Anlass

Von Katharina in Tagtäglich

So schlimm ist die Trennung der Biermösl Blosn nicht, schließlich ist diese Beschreibung Bayerns zeitlos.

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19. Juni 2011 2

Von 90 auf 120 km/h: Blitzermelder als Raserhelfer

Von Katharina in Tagtäglich

Heute geht’s um Daheim, also dem Bayerischen Wald. Autos sind dort das ultimative Statussymbol. Kein Wunder, denn neben Schulbussen gibt es kaum öffentliche Verkehrsmittel. Wer nicht mit 15 den Rollerführerschein macht, ist bis zur Volljährigkeit auf Erwachsene oder ältere Freunde angewiesen, wenn man von A nach B kommen will. Und von A nach B ist es oft ziemlich weit und bergig, was zum Beispiel Rad fahren ausschließt. Der 18. Geburtstag heißt als eigener Führerschein, mobil und unabhängig sein.

Die Straßen zwischen den Bergen sind kurvenreich und oft leer. Das lädt schon sehr dazu ein, einen auf Sebastian Vettel zu machen und das Gaspedal sauber durchzudrücken. Wer am schnellsten fährt, ist der Macker, am besten mit einem Audi Quattro, mit einem Aufkleber der Adi-Ringe an den Seiten und einem Abschleppseil, das aus dem Kofferraum hängt. Marktrunden, bei denen sinnlos x-Mal im Kreis durch die Stadt gefahren wird, ist eine beliebte Freitzeitgestaltung in Waldkirchen. Ausgeruht wird sich dann an Tankstellen, wo sich Jugendliche versammeln und abhängen (inklusive eigenen Klappstühlen und Notebooks).

Vor der Wende mussten die Autobesitzer aus dem Landkreis Freyung-Grafenau mit die höchsten Prämien für Autoversicherungen zahlen. Inzwischen wurden sie von ein paar Landkreisen in Ostdeutschland überholt.

Kein Wunder, dass immer wieder tödliche Autounfälle gibt. Vor zwei Jahren starben vier Mädchen um die 18 Jahre auf dem Weg ins McDonalds. Die Ursache ist, soweit ich weiß, ungeklärt, wahrscheinlich überhöhte Geschwindigkeit. Vor wenigen Monaten verunglückten zwei Cousins gemeinsam, eine weitere Frau starb dabei. Die Unfälle werden medial aufgebauscht: Bei den Mädchen waren überregionale TV-Teams da, aber auch die Lokalpresse beteiligt sich inzwischen Rege. Berichtet wird über Gedenkgottesdienste und Auto-Korsos (sic!), die rund um die Todesfälle entstehen. Am krassesten fand ich einen Brief eines Mädchens an ihren verstorben Bruder, der fotografiert und gut leserlich abgedruckt wurde. Das ist Boulevard ohne Skrupel vom feinsten. 

Das ist natürlich alles schlimm, jaja, klar. Aber mei, was soll man denn machen?

Langsamer fahren offensichtlich nicht. Unterstützt wird die Raserei von den sogenannten Blitzermeldern. Früher ging das ganze über private SMS, in denen Leute schrieben, wo Radarkontrollen stehen. Damit an den passenden Stellen abgebremst und dann wieder schnell auf 130 km/h beschleunigt werden kann.

Vier junge Burschen aus meinem Heimatort haben nun eine Facebookgruppe gegründet, in der nun zentral über die neuesten Blitzer informiert wird. 36000 Autofahrer machen laut einem Artikel mit dem Titel “Bayerns größter Blitzermelderclub” in der Passauer Neuen Presse. Kritische Fragen über das zweifelhafte Fahrverhalten vieler junger Leute in der Gegend fehlen völlig. Stattdessen werden “der selbstständige Unternehmer” und “Versicherungsmakler” als verantwortungsbewusste Herren dargestellt, die sich in den Dienst der Öffentlichkeit stellen. (Dass, wenn mich mein Gedächtnis nicht irrt, beide schon in sehr jungen Jahren Sportwagen gefahren haben, findet keine Erwähnung). Als ob die schweren Unfälle, denen die Zeitung so viele Zeilen gewidmet hat, völlig im Redaktionsarchiv vergessen wären.

Am Ende des Artikels kommt die Auflösung. Die Passauer Neue Presse beteiligt sich nun selbst an dem Projekt zur Mithilfe zur Raserei. Damit wird es auch in Zukunft nicht an Sonderberichterstattungen von Beerdigungen mangeln.

Disclaimer: Ich habe früher selbst für die Passauer Neue Presse als freie Mitarbeiterin gearbeitet.

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3. Juni 2011 0

Rohkost

Von Katharina in Politisches

In der bayerischen Vertretung in Berlin glauben die Köche, dass ein Teller mit gelben Rüben, Salat, Tomaten, Paprika und Oliven mit schmalzartigem dunkelgrünem Etwas darauf eine vollwertige fleischlose Mahlzeit sei. Zumindest mit einer Hoibe Bier im Steinkrug sollte ich so auf meine erforderlichen Kalorien kommen. Obst in Vanillesoße, eine mir bis dahin unbekannte Kombination, rundete ein karges Mittagessen ab. Und das gerade an dem Ort, von dem mir eine Mitstudentin sagte, dass es ihn nur gebe, um Besuchergruppen aus Bayern zu verköstigen.

Es wird in dem Gebäude in Berlin-Mitte aber auch gearbeitet, sagte der Referent für Bildungspolitik. Im Bundesrat zum Beispiel. Darauf gehe mindestens ein Arbeitstag in der Woche drauf. Ich dachte an Kalbsgulasch mit Kartoffeln. Der Herr im mittleren Alter erzählte, dass ein Unterschied zwischen dem Landtag in München und dem Bundestag sei, dass die Entscheidungsprozesse professioneller ablaufen. Es gebe in Berlin einfach viel mehr Mitarbeitern in den Fraktionen. "Jeder hat hier vier, fünf Referenten." In Bayern gebe es für jeden Fachbereich der Fraktionen einen Mitarbeiter (Wobei ich mir das zum Beispiel bei der CSU nicht vorstellen kann, bei den Freien Wählern, die ihre erste Legislaturperiode im Parlament sitzen, dagegen schon).

Ähnliches schreibt die Zeit über die Grünen, denen gerade in Wirtschaftspolitik kein großes Sachverständnis zugetraut wird. Das liege gerade auch an der fehlenden Erfahrung, heißt es unter der Überschrift "Wenn Grün auf Wirtschaft trifft": 

Grüne Fachpolitiker verweisen darauf, dass noch nicht alles bis ins Klein-Klein durchdacht ist. Oftmals seien nur Fernziele formuliert. Anders als andere Parteien verfüge man noch nicht über den jahrelangen Erfahrungsschatz von (Landes-)Finanz- und Wirtschaftsministerien.

Die Zeit schreibt einen Artikel über grüne Wirtschafts- und Finanzpolitik, wie ich ihn schon lange lesen wollte. Jetzt, wo sie zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellen und auch im Bund in die Regierungsverantwortung drängen, bleibt diese Frage nicht aus: Kann denn das klappen mit den vermeintlichen Verstaatlichern und Windparkanlagenfans? Was hat es denn jetzt auf sich mit diesem "New Green Deal"? Taugt der was?

Zentraler Punkt ist darin eine Vermögenssteuer für Menschen mit einem Einkommen über einer Million Euro im Jahr. Betroffen wären ein Prozent der Steuerzahler. Opposition gibt es da sogar schon innerparteilich. Christine Scheel warnt davor, dass das dem Mittelstand nicht so gut bekommen könnte.

Umstritten sei auch die Zahl 420 Euro in der Grundsicherung für Hartz-4-Empfänger,heißt es  "hinter vorgehaltener Hand", was irgendwie komisch klingt aus einer Partei, die doch so offen mit Meinungen umgehen will.

In einer "Grünen Bürgerversicherung" soll es gleiche Bedingungen geben, egal öffentliche oder private Krankenkasse. "Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen wieder gleich hohe Beiträge zahlen. Der Beitragssatz eines Bürgers soll sich zusätzlich aus "allen übrigen Einkünften, wie Miet- und Vermögenserträgen" berechnen (…)".

Was das große Ganze der Finanzmärkte angeht, glaube ich, dass die Grünen das einzige Konzept entwickeln könnten, das sich von dem der anderen Parteien unterscheidet. Außer der Finanztransaktionssteuer weiß ich nur wenig konkretes darüber.

Nach der Seriosität einer grünen WIrtschaftpolitik zu fragen, ist aber nicht mehr zeitgemäß:

In den Forschungsinstituten, die sich mit grünen Ideen befasst haben, äußert man sich jedenfalls positiv über die Partei: Deren Konzepte seien genauso gut vorbereitet, wie die von Union und SPD auch. Manchmal enthielten sie Fehler, falsche Einschätzungen. Aber das sei auch bei den anderen Parteien normal. Deswegen werde ja extern geprüft.

Der Vollständigkeit halber: Nach einem Tag mit nur halb mit Rohkost gefülltem Magen in Zeiten von EHEC, kehrten wir irgendwann in einem Fastfood-Restaurant ein und genossen das güldene Glück.

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25. April 2011 0

Die Klugscheisser: Im Internet flimmert nichts.

Von Katharina in Politisches

Der bayerische Rundfunk stellt drei großartige Kabarettisten und Comedians auf eine Bühne, nennt die Sendung die “Die Klugscheißer” und verbockt es trotzdem. Ich war sehr euphorisch als ich die Sendung entdeckt habe. Mein nicht besonders komplexer Gedankengang nachdem ich den Trailer gesehen habe, war folgender: “Der Jonas, die Monika Gruber und der Rick von der Bullyparade zusammen beim Dritten, geil, Mediathek.” Die drei stellen Politikberater dar und machen dazu dann klassisches politisches Kabarett.

Die erste Folge war nicht sehr überzeugend. Die Sendung will zu viel. Sie ist ganz modern konzipiert, mit viel Touchscreen-Optik, schon im Vorspann, dann auch während der Sendung. Aber trotzdem – und vielleicht gerade deswegen – wirken machen Dinge sehr veraltet: Bei Bruno Jonas fängt ein Bildschirm immer zu flimmern an. So ein Blödsinn, erst so technikaffin tun – und dann krabbeln die schwarzen Ameisen über weißen Grund. TV-Satellitenempfang ist so letztes Jahrhundert.

Aber das anachronistische Fernsehsflimmern ist nicht das einzige, was bei den Klugscheißern nicht passt. So ganz nehme ich Bruno Jonas seine Rolle als Internetanalysator nicht ab. Monika Gruber macht Späße über Veronika Ferres und Uschi Glas. Wen interessieren  denn die beiden? Womöglich die Zielgruppe des Bayerischen Rundfunks, die er hat – so ab der Lebensmitte – und die nicht die, die er gerne hätte – die darunter.

Apropos Monika Gruber. Monika Gruber ist eine der wenigen Frauen auf den deutschen Kabarettbühnen. Die Gruber ist messerscharf in ihren Beobachtungen, spricht derbes Bayerisch und sich leider manchmal auch für ein paar Lacher mit plattesten Vorurteilen zum Beispiel bezüglich Ausländer nicht zu schade. (Habe da an eine kleine Tirade über klauende Polen in Erinnerung.)

Bei den Klugscheißern stöckelt sie auf High-Heels und blauem Minikleid über die Bühne und spielt die Sekretärin vom Jonas, der von dem Job überfordert scheint. Sie allerdings  ist schlagkräftig und kennt sich aus. Wenn sie schon seine Sekretärin ist, dann könnte es zumindest realistisch dargestellt werden: Ich möchte ich mal eine Sekretärin im echten Leben sehen, die in solch einem Kleid am Arbeitsplatz sind. Überhaupt macht diese Sekretärin-und-Chef-Nummer keinen Sinn. Es ist nur eine doofe und schlechte Hintergrundstory, mit der sich die Sendung von Einzelauftritt zu Einzelauftritt der drei hangelt.

Aber die Sendung hat auf jeden Fall Potenzial. Vielleicht sollten alle drei nicht so in ihren Rollen verharren –. Monika Gruber als blonde Frau, Rick Kavanian als der Grieche und der Bruno Jonas als der alternde Überklugscheisser und Chef. Die Monika Gruber kann nämlich auch Nummern über Politik ohne Frauen, Kinder und Sozialstaat; Rick Kavenian ist bestimmt auch schon gelangweilt davon, dass er die ganze Sendung einen Ausländer spielen musste, nur weil er gut mit Akzenten ist. Bruno Jonas ist wie immer.

So verkümmert die gute Idee zu einer herkömmlichen Kabarettshow, der ein Social-Media-Experte vom Internet erzählt hat. Lieber keinen Background mit der Politikberatung und  einfach so auf die Bühne gehen und die Stücke nacheinander ohne größeren Zusammenhang erzählen als auf diesem Papa-hat-Geburtstag-wir-machen-eine-Einlage-Level. Denn alleine sind sie ziemlich gut, aber zusammen, mit der “Hintergrundstory” macht es keinen großen Spaß. Ich glaube, dafür sind sie auch alle drei zu schlechte Schauspieler. Es würde reichen, wenn sie das täten was sie am besten können: Blöd daherreden. Und zwar mit weniger Klischees und auf gleicher Ebene.  

Weil Ostern ist ein Papst-Witz und einem Mann mit blondem und wallendem Haar:

Papst braucht neuen Job: “Er trägt gerne ausgefallene Klamotten und glaubt an das Unmögliche? Er soll Wetten Dass moderieren.” 

Es spricht nicht für die Klugscheißer, dass ich mir dachte: Wenigstens haben sie einen guten Schluss-Gag hingebracht.

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24. März 2011 0

Nockherberg 2011

Von Katharina in Politisches

Luise Kinseher hatte es nicht leicht beim Nockherberg 2011. Als erste Frau derbleckte sie die Politiker und statt eines Mönchs hielt die Bavaria, die “weibliche Symbolgestalt Bayerns”, die Fastenrede.

Es geht ab zur Zeit in der Politik: Revolution jagt Doktorarbeit, Ghaddafi seine Bevölkerung und die Natur Japan. Das ist gäbe jede Menge Stoff her, aber: Bayern und bayerische Politiker spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. (Ausgenommen Guttenberg natürlich.) Das macht es schwierig eine richtig gute Rede zu machen, wenn die brennenden Themen irgendwie nicht passen (dürfen). Denn der Spaß am Nockherberg ist ja, dass die Menschen, die ihr Fett wegkriegen, auch anwesend sein sollen, damit ihr gezwungenes Lachen mit einer Maß Bier vor dem Gesicht in Großaufnahme gesendet werden kann.

Da blieb dann nicht richtig viel übrig für die Kinseher. Ein bisschen Landesbank, ein bisschen Dioxinskandal und für meinen Geschmack viel zu viel Olympiabewerbung. Den Ude interessiert außerhalb Münchens niemanden (also mich zumindest nicht; außer wenn als Sechzger-Fan den Verein von der Insolvenz retten würde). Aber die etwas veralteten Themen waren weniger Kinsehers Schuld, sondern der Tatsache geschuldet, dass die CSU irgendwie ruhiger geworden ist. Es gibt keine Landtagswahl dieses Jahr und Kanzler wird nach der Plagiatsaffäre wohl auch kein CSU-ler werden. Der Stoiber sitzt wahrscheinlich in Wolfratshausen und sortiert die Akten der BayernLB und der alte Rabauke Söder durfte auf Befehl Merkels den Stecker im AKW Isar I ziehen, obwohl dem bayerischen Umweltminister dabei sicherlich das Herz blutete. Mit der FDP zog auch die Langeweile in die Staatskanzlei ein.

Mein Lieblingsspruch war zur Landesbank und dass sich die bayerische Regierung in ihrem Größenwahn von Jörg Haider über den Tisch ziehen lassen hat. “Von einem Putin oder Berlousconi – das wäre zumindest auf Augenhöhe gewesen.”

Kinseher brachte Ilse Aigner als Kandidatin für den Posten der Ministerpräsidentin bei den nächsten Landtagswahlen 2013 ins Spiel. Daran hatte ich noch nie gedacht, aber vielleicht ist das wirklich die einzige Chance, einen weiteren Abturz Richtung der 40 Prozent Marke zu verhindern. “Keine Chance als Frau in Bayern”, meinte übrigens mein CSU-wählender Mitgucker. Trotzdem: mein Tipp für die Landtagswahlen 2013: Aigner vs. Pronold!

Das Singspiel fand ich langweilig und hab nach 10 Minuten abgeschaltet. Was das verfrüht? Hat es doch noch mehr hergegeben als eine schunkelnde Merkel, die mit Seehofer ein gar frohes Lied darbot?

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15. März 2011 0

Atomenenergie ist wie Russisches Roulette mit einer AK47

Von Katharina in Politisches

Samstagmorgen im Sommer. Ich bin acht Jahre alt und suche mit meinem Papa und meinem Bruder Schwammerl im Wald. Ich hatte nicht wirklich Spaß an der Sache, das lange Gehen, steil war es noch dazu und eigentlich mochte ich Pilze nicht wirklich.  Wir waren aber ziemlich erfolgreich: Wir fanden Dobernigel, Rehgeissal und Pfifferlinge. Nur die Giftigen und Ungenießnbaren ließen wir im Wald: Fliegenpilze natürlich, die jedes Kind kennt, aber auch Bitterlinge. Und Maronennatürlich, denn die hatten bei dem Reaktorunfall in Tschernobyl besonders viel Strahlung abbekommen und auch Jahre danach war es besser sie lieber nicht zu essen. Sogar noch im letzten Sommer – mehr als 20 Jahre nach dem GAU in Tschernobyl – warnte der Bayerische Rundfunk davor Wildpilze zu essen.

Nicht weit weg vom Dreiländereck Deutschland-Österreich-Tschechien, in der Nähe von Budweis, steht das größte tschechische Atomkraftwerk Temelin. Immer wieder gab es dort Störfälle, Ungereimtheiten und Probleme (tagesschau-Reportage: Das Wort “Problem” ist im AKW Temelin unbekannt). Zu Beginn des neuen Jahrtausends demonstrierten immer wieder Leute für die Schließung des AKWs, in Österreich gefährdete die Temelinfrage fast den EU-Beitritt Tschechiens. Interessanterweise waren viele nicht gegen Atomenergie im allgemeinen, sondern nur gegen das AKW in Tschechien, wo die Sicherheitsrichtlinien lascher sein sollten. Generell ist die Meinnung nach meinem Eindruck: Lieber Strom aus sicheren deutschen AKWs als aus veralteten Anlagen sowjetischer Bauart. Ach ja, Temelin soll weiter ausgebaut werden.

Doch was nun? In Japan galten die AKWs als sicher, modern und mit hoher Ingenieurskunst gebaut. Hat alles nichts geholfen! Denn im Endeffekt ist Atomenenergie der Wahnsinn. Es passieren die ganze Zeit unglaubliche Sachen, wieso nicht auch eine Verkettung unglücklicher Umstände, die zu einem GAU in Deutschland führen? Naturkatastrophen sind in Deutschland nicht so wahrscheinlich (aber natürlich, ein Restrisiko bleibt, hat uns ja die Atom-Lobby gelehrt). Flugzeugabstürze dagegen sind eine reale Gefahr, so der bayerische Umweltminister Markus Söder. Und es passiert einfach ein Kurzschluss, worauf hin die Notstromversorgung nicht anspringt und es fast zu einer Kernschmelze kommt – so wie 2006 in Schweden.

Söder im Interview mit der Süddeutschen Zeitung:

SZ: Muss man über die Laufzeitverlängerung jetzt noch einmal reden?

Söder: Japan verändert alles. Auch bei mir. Daher ist es ist in Ordnung, wenn man die eigenen Positionen hinterfragt. Die Laufzeitverlängerung ist nur dann vertretbar, wenn Sicherheit absolute Priorität vor Wirtschaftlichkeit hat. Es braucht einfach noch einmal eine grundlegende Debatte über alle möglichen Risiken und Schutzmechanismen dazu.

Mögliche Risiken Das lustige und perfide an der Sache ist ja, dass man nicht alle möglichen Risiken herausfinden kann. Es können Zufälle passieren: ein Kurzschluss, dann funktioniert die Notstromversorgung nicht, vielleicht macht jemand auch einfach einen Fehler, möglicherweise geschieht etwas Unerklärliches oder bei der Wartung wird geschlampt. Dieses “Restrisiko” mit dem sich die Atom-Lobby jahrzehntelang hinter statistischen Berechnungen vor den Argumenten der Atom-Gegner versteckt haben, ist jetzt in Japan eingetreten.

Zum berühmten Restrisiko:  (Ich wage hier mal einen Vergleich, von dem ich nicht weiß, ob er auch technisch in der Realität funktioniert.) Atomenergie zu nutzen, ist wie einzuschlafen mit der Mündung einer AK 47 an der Schläfe, von deren Patronen jedoch nur eine funktioniert und der Abzug nur betätigt wird, wenn Schnüre, die im Zimmer wirr aufgehängt sind, in einer ganz besonderen Reihenfolge gezogen werden. Dass es dazu kommt ist unwahrscheinlich, aber ruhig schlafen könnte ich nicht – dieses verfluchte Restrisiko mal wieder.

Die Atomkraftwerke an sich sind nur ein Teil der Unischerheit, der andere ist die Endlagerung. Dort wird  ganz klassisch mit Verdrängung gearbeitet. Ich stelle mir das ganze so vor:

AKW-Mensch I: “Wir haben hier radioaktive Abfälle und wissen nicht was wir damit tun sollten. Kann ziemlich gefährlich werden, hoffentlich erst in ein paar tausend Jahren. Aber so genau weiß das ja niemand.”

AKW-Mensch II: “Ich weiß das so nen leerstehenden Salzstollen. Lass uns das Zeug einfach da runter bringen. Gott sei Dank, haben wir Deutschen neben den sichersten AKWs auch die sichersten alten leerstehenden Salzstollen.”

AKW-Mensch I: “Gute Idee! Aus den Augen aus dem Sinn.” (Gemeine Bösewichtlache.)

So, und dann vergräbt man das Zeug als in einem Salzstock, in den Wasser eindringt. Und dabei sollen die ja da am Besten noch tausende Jahre liegen.  In der Wikipedia heißt es zum Versuchsendlager Asse: “Eine erneute Überprüfung des Inventars zeigt 2010 zusätzlich zu den bisher angenommenen ca. 1.300 weitere 14.800 undeklarierte Fässer, somit insgesamt 16.100 Abfallbehälter mit mittelradioaktivem Müll.” 16 000 Fässer liegen also nur mal so zum Versuch, zum Testen?! WTF!

Jetzt ist es Zeit, denn Atomausstieg endlich wieder rückgängig zu machen. Und wenn in einem anderen Industrieland plötzlich eine Katastrophe nach der anderen passiert, geht es plötzlich ganz schnell: Sieben AKWs will die Regierung bis auf unbekannte Zeit abschalten. Leider ergreift mich das Grfühl, dass es sich dabei weniger um eine überzeugte Tat handelt, als die Angst vor den Landtagswahlen in Baden-Würtemberg. Aber darüber sehe ich hinweg, denn das ist jetzt die Chance den Atomausstieg wieder rückgängig zu machen.

Wir brauchen nicht darum herumreden: Atomenergie ist billig und effizient. Aber damit stehen wir vor einem ähnlichen Dilemma wie nach der Finanzkrise – wenn alles gut geht, ist alles fein, wenn aber was schief läuft, dann ist die Kacke kräftig am Dampfen. Mit dem Unterschied: Eine Wirtschaftskrise zerstört nur Geld und Existenzen, Atomunfälle töten Menschen.

Unbedingt lesen: Die Göttlichkeit der Atommaschine nach menschlichem Ermessen

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10. März 2011 9

"Aber überhaupt nicht!” – Der politische Aschermittwoch in Passau

Von Katharina in Politisches

An einem Tag im Jahr ist meine Heimatgegend im Fokus des politischen Deutschlands. Jeden Aschermittwoch hält die CSU ihre Feier in Passau ab, erst in der Nibelungenhalle, jetzt schon seit ein paar Jahren in der Dreiländerhalle, draußen in Kohlbruck. Die anderen Parteien im Umkreis.

In Amerika feiern Leute Politiker mit rechteckigen Namensschildern ab, in Bayern mit dem Maßkrug in der Hand. Gibt’s dort eigentlich Freibier? Pünktlich zum Beginn der Fastenzeit machen sich nochmal alle Parteien richtig dumm von der Seite an. Dieses Jahr kommt noch die ganze Reihe an Landtagswahlen dazu, und die Guttenberg-Sache haben wir auch alle gerade erst hinter uns. Und grundsätzlich läufts in den Koalitionen nicht so toll für die Schwesterpartei. In Berlin wird laut gemault, in München eher leise, aber gegen die FDP gehts oft, auch gegen die Roten, die Grünen und die Dunkelroten. Stoiber, der Beckenbauer der CSU ist auch da. Der in letzter Zeit so liebevoll KT genannte Verteidigungsminister a.D. dagegen nicht.

Die Sache, die die CSU an der abgeschriebenen Doktorarbeit des Karl-Theodors zu Guttenbergs am meisten schmerzt, ist die, des Anstandes und der Moral. Denn wenn jemand ständig betont, dass er diese Werte gepachtet hat, jawohl, als ob er sie sich verdient habe, weil er so gewandt, hübsch und intelligent und obendrauf auch noch adelig ist, dann tut es besonders weh, wenn gerade dieser Freiherr des Betrugs überführt werden kann. Das Internet und die Medien prallten an mehreren Fronten zusammen über den Fragen, ob 1. die Doktorarbeit in Teilen kopiert ist (ja!), 2., ob das etwas mit seiner Arbeit als Politiker zu tun hat (Ja! Nein!) und ob er, 3., deshalb zurücktreten soll (Ja! Seid ihr denn wahnsinnig – er ist so doch so gewandt, hübsch und intelligent und obendrein auch noch adelig!).

Wenn dann auch noch die Partei, der dieser Politiker angehört, genau dieselbe Strategie fährt, und sich als der einzige warme Herd mit Familie, Anstand und Füßen unter den Tischen sieht, inmitten einer kalten Welt aus Quoten, Integration und Gutmenschen, dann trifft es ganz tief ins Herz, wenn der hellste Stern am schwarzen Firmament untergeht.

Dann kann man es Horst Seehofer schon nachsehen, wenn er sich heute in Passau so arg aufregen musste: “Ich sage euch, liebe Freunde, aus der Partei der Sterne- äh Steinewerfer, der RAF-Sympathisanten und von den Stasi-Kommunisten lassen wir uns nicht Anstand und Moral vorhalten!” (Jubel!) -  Und noch schnell ein “Aber überhaupt nicht!” nachschieben. Als Abschluss in all der Aufregung noch eine entschlossene Kopfbewegung.

Da ist es ein bisschen mit ihm durchgegangen in den ersten 22 Sekunden des folgenden Videos. Oder nicht, Herr Seehofer?

Die anderen Parteien habe ich noch nicht viel gesehen, der Ernst von der Linkspartei scheint ein Hobby-Kabarettist zu sein. Doch die CSU macht immer noch am meisten Spaß, das weiß-blaue Original.

Zum Weiterlesen:

Fridolin Wernick war für den Passauer Bürgerblick das erste Mal bei den CSU-lern und berichtet von da, wo das Herz für die Politik nach Fasching ach-so-leidenschafltich schlägt: “Seehofer ruft Guttenbergs Geist”.

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