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Wasser predigen, Wein saufen: Der Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsvorwürfen

Veröffentlicht am | 23. 03. 2010 | 4 Kommentare

Ich bin im Schoss der katholischen Kirche aufgewachsen. Ich habe unzählige Male mit dem Chor in der Kirche gesungen, als Ministrantin das Kreuz getragen oder den Altarraum beweihräuchert. Und der sonntägliche Gang zur Messe gehörte zwölf Jahre lang ganz selbstverständlich zu meinem Leben. Ich fühlte mich in der kirchlichen Gemeinschaft wohl und im Kindergarten- und Grundschulalter habe ich gerne mit meinem Bruder zu Hause den Gottesdienst nachgespielt, genauso wie meine Cousinnen und viele andere Kinder, die im katholischen Glauben erzogen wurden.

Ich bezeichne mich als bibelfest und wage zu behaupten, dass ich zumindest in Zusammenarbeit mit meinem Bruder leicht die Namen der zwölf Apostel und möglicherweise sogar alle Brüder Josefs aufzählen kann. (Ok, zugegeben, das ist vielleicht schon etwas zu krass und wir müssten wohl wikipedia zu Rate ziehen). Ich persönlich habe mich schon länger von der katholischen Kirche distanziert, in erster Linie wegen ihrer Sexualmoral.

Ich komme aus Niederbayern, genauer gesagt aus dem Bayerischen Wald. Das ist dort, wo die Kirche noch wirklich Einfluss auf die Gesellschaft hat. Nicht unbedingt, weil die Menschen hier gläubiger oder redlicher sind als anderswo. Aber hier sind der Pfarrer und der Kaplan noch immer wirkliche Respektspersonen. “Die Herrn” hat man vor noch nicht allzu langer Zeit zu ihnen gesagt. Die Gottesdienste sind an den großen Feiertagen noch immer richtig gut besucht, an einem gewöhnlichen Sonntag sieht es dagegen anders aus: Graue Haare und ein Durchschnittsalter von über 50 Jahren dominieren dann das Bild.

Eines ist sicher: Die katholische Kirche verliert auch im ländlichen Bereich weiter an Boden. Die Glaubwürdigkeit sinkt schon seit Jahren. Skandale auf lokaler Ebene gibt es immer wieder und dass es die viele der Pfarrer mit dem Zölibat nicht ganz so eng sehen, ist allgemein bekannt. Beispiele aus meiner Gegend der letzten Jahre: Ein junger, beliebter Pfarrer aus der Nachbargemeinde wird suspendiert und dann exkommuniziert, weil er zu seiner schwangeren Frau steht. Heute ist er mit ihr verheiratet. Ein volljähriger Ministrant soll ein Verhältnis mit einem Kaplan gehabt haben. Der Stadtpfarrer wird mit seinem Partner händchenhaltend in München gesehen.

Jeder, der es wissen möchte, weiß davon; und wer es nicht wissen möchte, sehr wahrscheinlich auch. Von allen wird das stillschweigend akzeptiert, ist ja schließlich menschlich. Schuld sind ja vor allem die Leute im Vatikan, die stur jahrhundertealten Regeln folgen, so die Meinung vieler, mit der Realität habe das ja nichts zu tun.

Doch seit fünf Jahren ist auch die Amtskirche wieder näher dran an den Menschen. Seitdem Josef Ratzinger Papst ist, und auf dem Heiligen Stuhl ein Bayer sitzt, ist alles anders. Der Kaplan fährt mit zwei kleinen Vatikanfahnen am Motorrad herum und in Regensburg produziert die Labertaler extra ein Papst-Erfrischungsgetränk. (Allerdings haben sie zu viel produziert von der goldfarbenen Schorle mit allerlei exotischen Früchten, denn Schüler der BOS fanden im Keller parlettenweise das Benedikt-XVI-Getränk).

Doch irgendwann ist Schluss mit lustig! Die Missbrauchsfälle sind eine Nummer größer! Es geht jetzt nicht mehr um die Privatangelegenheiten einzelner Priester, sondern um Kinder, die von ihren Eltern in die Obhut kirchlicher Einrichtungen gegeben wurden, um gerade auch in moralischer Hinsicht ausgebildet zu werden.

Doch hier tritt ein Dilemma auf: Wasser predigen, Wein saufen. Psychologen kennen dieses Verhalten: “So zeigt sich in zahlreichen Studien, dass Menschen, die sich öffentlich als moralisch besonders integer profilieren, eher dazu neigen, gegen genau diese Normen zu verstoßen. Ganz so, als brauchten sie den Kitzel einer besonderen Fallhöhe”, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Was ist die Reaktion der Kirche auf die Vorwürfe? Die Medienberichterstattung wird als Komplott gegen die Kirche dargestellt; Bischöfe beschließen, nun jeden Verdacht an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben: Sollte das denn in einem Rechtsstaat nicht die Normalität sein? Natürlich, es braucht eine Anzeige dafür, aber wer unter dem Deckmantel des Glaubens Leute stützt, die Kinder missbrauchen, sollte sich nochmal gut überlegen, was Moral heißt. Oder sich einfach nochmal das 8. Gebot durchlesen. Oder das Hirn einschalten.

Der Papst äußert sich in seinem Hirtenbrief nicht zur Situation in Deutschland. Der Regensburger Bischof Müller dagegen geht in die Offensive und forderte in seiner Predigt am vergangenen Sonntag die Menschen auf, die “Reife des Glaubens zu haben, nicht auf all diese Schalmeien wie 1941 hereinzufallen”. Er nutzt dadurch geschickt die Dynamik, die nach Nazi-Vergleichen entsteht und lenkt vom Kernthema – Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen – ab: Kaum jemand redet mehr über die Sache an sich, sondern nur mehr über den Vergleich.

Im Passauer Bistumsblatt gab letzte Woche ein Kaplan einen Kommentar zu den Missbrauchvorwürfen ab, der mich zur Weißglut trieb. Erstens stellte er sie auf eine Stufe mit der Trunkenheitsfahrt von Bischöfin Käßmann und fordert “Wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein”. Zweitens schreibt er: “Gott geht es nicht um reine Bestrafung nach dem Gesetz”. Gott vielleicht nicht, aber den Opfern, ihren Eltern und dem Staat!

Mit diesem Verhalten, das in erster Linie das Ziel hat, zu vertuschen und sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen, anstatt zu den Straftaten/Sünden zu stehen, wird die katholische Kirche eine große Zahl an vernünftigen Anhängern verlieren. Also die, die durch die Ablehnung von Homosexuellen, dem Verbot von Verhütung oder der Enthaltsamkeit als Lösung gegen AIDS in Afrika noch nicht genug angewidert sind. Also die, die bisher dachten, sexueller Missbrauch und Gewalt seien weit weg, in den USA oder in Irland oder sonst wo. Also die, die bisher nach viel Gemurmel und Gerüchten auf Beweise gewartet haben. Und von denen gibt es einige, auch in Niederbayern und der Oberpfalz. In Gegenden, die das Rückgrat der Kirche – katholisch und ländlich – sind.

In den nächsten Wochen und Monaten wird es wohl immer stiller werden um katholische Kirche. Das mediale Interesse wird abebben und die Bischöfe und Internatsleiter können sich wieder in ihre Glaubenswelt zurückziehen. Doch die katholische Kirche, die sich selbst als moralische Instanz sieht in einer Welt, die in ihren Augen immer unmoralischer wird, hat ihr wichtigstes Argument verloren: Ihre Glaubwürdigkeit. Da nützt auch ein Papst, der “einer von uns” ist, nichts.

tweetkirchenaustritt

Wenn Papst Benedikt XVI. in einer Woche am Ostersonntag auf dem Balkon am Petersplatz stehen wird und seinen Segen “urbi et orbi” sprechen wird, wird ihm ein eisiger Gegenwind aus seiner Heimat ins Gesicht blasen.

Der Kabarettist Volker Pispers meint zum Regensburger Bischof: “Beichten befreit: Den einen von seinen Sünden, den anderen von seiner Pflicht Strafanzeige zu stellen.” Unbedingt anschauen! Ab Minute 4:40. (via @zideshowbob)

Zum Weiterlesen:

Hans Küng, suspendierter Theologe, zu Ratzingers Verantwortung

Leben mit der Doppelmoral: Warum gerade erklärte Moralisten oft zu sexuellen Eskapaden, Rassismus und Betrug neigen.

Nockherberg 2010

Veröffentlicht am | 06. 03. 2010 | 1 Kommentar

So, der nächste ist weg. Michael Lerchenberg ist beim Nockhergberg ausgestiegen. "Mein "Bruder Barnabas" hat mit seiner Form der politischen, auch zu Teilen ernsten und durchaus manchmal provokanten Fastenpredigt sicherlich Maßstäbe gesetzt. Nichts und niemanden hat er geschont", sagt Lerchenberg bei zeit.de.

Ich habe mir die Rede angesehen. Ich fand die Fastenpredigt treffend, böse und sehr wahr – und genau so soll sie ja auch sein: Niemanden schonen! Lechenberg machte einen Rundumschlag: bayerische Landespolitik, Schwarz-Gelb, Landesbank, Afghanistan, SPD und die Grünen, Kärnten und die Merkel. Kurz: jedes wichtige Thema sprach Lerchenberg an, kritisierte die Politiker konkret und mit großem Wissen. Die bayerische Justizministerin Beate Merk hätte wohl nicht damit gerechnet, wegen der Situation in den Gefängnissen und ein Gesetz, das Waffenbesitz erheblich erleichtert, angegangen wird.

Ich fand des KZ-Vergleich nicht lustig. Er war grenzwertig, aber kein Grund zur Zensur. 2007 stieg schon Django Asül aus, weil er die Herren und Damen Politiker zu hart angegangen sein soll. Aber das ist doch Sinn und Zweck der Veranstaltung. Bayern hat ja eine Menge Kabarettisten, aber langsam gehen sie aus: Bruno Jonas – hat ma schon, Django Asül – hat ma schon, Lerchenberg – auch weg. Wen gäb’s denn noch? Und vor allem wer hat denn noch Bock darauf?

(Der Goppel hat mir fast schon ein bisschen Leid getan, als ihm mal einer ins Gesicht gesagt hat, dass er schon sowas wie der Depp vom Dienst der CSU ist. Aber nur fast.)

Brander Kasper und das ewige Leben

Veröffentlicht am | 01. 11. 2008 | 1 Kommentar

Heute ist Allerheiligen. Dazu gehören in meiner Familie seit Jahrzehnten zwei Dinge: Der Gräbergang am Nachmittag und abends "Der Brandner Kasper". Seit 30 Jahren strahlt das Bayerische Fernsehen jedes Jahr das Volkstheatherstück aus dem Jahr 1975 aus. Jedes Jahr wieder erfreue ich mich an der Geschichte vom Kasper, der den Boandlkramer aka Tod beim Kartenspiel und unter dem Einfluss von einer erheblichen Menge an Kerschgeist um das ewige Leben bescheisst.

Der Brander Kasper ist ein bayerische Haudegen, anarchistisch, stur und ständig mit der Obrigkeit im Clinch. Er ist Wilderer, der so sich und seine Enkelin Nannerl über die Runden bringt. Doch er ist nicht mehr der Jüngste, der Tod naht. Eines Tages ist es dann soweit. Der Brandner hört die Totenglocken und plötzlich steht der Boandlkramer in seiner Hütte. Mit List und Schnaps kann er sich weitere Jahre Leben erschwindeln. Das Wissen um seine Unsterblichkeit lässt ihn aufleben: Nichts ist ihm zu gefährlich, für nichts ist er zu alt, auch die Liebe kommt wieder.

Doch natürlich kann es nicht so weitergehen, das Schicksal schlägt zu. Bei der Verfolgung von Wilderern wird seine Enkelin Nannerl erschossen. Das Leben ist nun für KaspDer Brandner Kasper mit Freitz Strasserer nur mehr eine große Qual. Wie recht es ihm nun kommt, dass im Himmel der Betrug offenbar wird. Denn die Buchhaltung ist falsch, dem Boandlkramer aufgetragen, den Brandner sofort zu holen, um seine Verfehlung gut zu machen. Das Ende vom Lied: Der Brandner Kasper und seine Familie lebt glücklich und zufrieden im Himmel der Bayern das ewige Leben.

Meine Lieblingsszenen sind im Himmel, dem bayerischen Himmel wohlgemerkt. Dort wird mit Klischees nur so um sich geworfen: Weißbier und -würste, Blasmusik und Schafkopfen und die Ablehnung gegen die Preussen (Denn es ist doch klar, dass das Paradies kein solches ist, wenn dort auch Preussen ihr ewiges Leben verbringen würden). Alles was richtige Bayern ausmacht wird dort praktiziert. Dazu kommt das barocke Interieur, Engel mit Pausbäckchen und blonden Locken: genauso wie ich mir als Kind den Himmel vorgestellt habe.

Die Geschichte finde ich brilliant. Natürlich habe ich, als eingefleischter Brandner-Fan, die Neuverfilmung von Joseph Vilsmaier gesehen. Doch kann Vilsmaier sie im Film richtig umsetzen? Die eineinhalb Stunden im Kino waren kurzweilig, unterhaltsam und lustig. Doch es fehlt ihm an Charme, den der Film aus dem Jahr 1975 hat: gemalte Landschaften und in Zeiten von special effects die wunderbar obsolete Szene, bei der Brandner und der Boandlkramer auf eine Kutsche in den Himmel fahren (und man die Seile, an denen sie hängen, sehen kann). Das alles im wunderbaren Stil des bayerischen Volkstheaters.

90CE8F5E59444B1ABF60D9AFFE6EAD8C_fn062391_pla_02Im Film von Vilsmaier nimmt der Kitsch zuweilen Überhand und es gibt unnötige Längen, denn die ursprünglich recht kurze Erzählung von Franz von Kobell musste auf 100 Minuten Kinolänge getrimmt werden (die Originalfassung bei Projekt Gutenberg). Dazu kommt Bully Herbig als Boandlkramer. Die Figur des Todes ist durchaus komisch und nicht wirklich ernst zu nehmen, doch mit Bully als Schauspieler wird er lächerlich. Ich jedenfalls konnte ihn nicht von seinen albernen Figuren aus diversen Filmen trennen und sah ständig Abahachi aus "Der Schuh des Manitu" vor mir.

Der Brandner Kasper ist all seinen Versionen ein Stück bayerische Gemütlichkeit. Lustige Unterhaltung mit ernsten Zwischentönen. In naher Zukunft will ich mir deshalb im Münchner Volkstheater die Version von Christian Stückl ansehen.

Selbstreinigung – Fehlanzeige!

Veröffentlicht am | 04. 10. 2008 | 2 Kommentare

Wir haben es geschafft. Die Alleinherrschaft der CSU ist zu Ende. Was nun folgt ist schön anzuschauen für alle CSU-Gegner.  Speichellecker sind möglicherweise doch nicht das beste politische Führungspersonal für ein demokratisches Land. 

In den folgenden Wochen werden wohl die Sondierungsgespräche mit der FDP positiv verlaufen, eine Koalition geschmiedet und der Wahlspruch der freien Demokraten "Gelb ist der stärkste Kontrast zu schwarz" war schon am Wahlabend vergessen. Die FDP ist nach Jahrzehnten ohne Einfluss über Nacht im Paradies angekommen: Regierung und Macht sind ihrer! Viel werden die Gelben unter ihrem Vorsitzendem Martin Zeil der – im Verhältnis zur prozentual noch immer übermächtigen CSU – wohl im alltäglichen Geschäft nicht entgegensetzen zu können. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass bei Themen wie Rauchverbot, Datenschutz oder Versammlungsfreiheit Bayern nicht wieder die negative Vorreiterrolle spielen wird.

Doch bevor die Koalition geschmiedet wird, steht die Suche nach einem neuen Ministerpräsidenten bevor. Doch wer soll die CSU in diesen ungewohnten Zeiten führen? Die Unruhe ist groß zwischen Aschaffenburg und Garmisch-Patenkirchen, verwirrte CSUler, Machtkmäpfe um den Posten des Ministerpäsidenten, den aber nun wohl Horst Seehofer erklimmen wird. Erinnern wir uns an die letzte Woche: CSU ist am Ende, von Neuanfang war die Rede. Neuanfang? Mit Horst Seehofer, fast 60, seit Anfang der Neuziger Jahre auf verschiedenen Ministerposten und stellvetretender CSU-Vorsitzender? Eine Selbstreinigung der angestaubten Strukturen sieht anders aus. Im Grunde geht es weiter wie zuvor, selbes Personal, aber Koalitionsregierung.

Der wirkliche Generationssprung wird in fünf Jahren kommen. Den potenziellen Nachwuchs unter 50 Jahren, jene kritisierten aalglatten Karrierepolitiker, kommt diese Verzögerung nur zu Gute. Manfred Weber, Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg oder Markus Söder können sich im Europaparlament, im Bundestag und auf dem ungeliebten Ministerposten Auslandserfahrung sammeln, bevor sie sich in fünf Jahren in die Höhle des Löwen, nach Bayern gegeben um dort ihre wirklichen Karriereziele zu erreichen.

Bier und CSU: Eine direkte Proportionalität

Veröffentlicht am | 28. 09. 2008 | Noch kein Kommentar

Gestern abend war ich auf einer besonderen Wahlkampfveranstaltung der Jungen Union. Ich weiß nicht, wie es in anderen Gegenden Deutschlands aussieht, in Niederbayern haben sie sich vor allem auf das Ausrichten von Parties einen Namen gemacht. Ein Zelt oder Turnhalle, eine Band und viel Alkohol. Die Kasse wird so sicherlich gehörig aufgebessert. Aber was hat das mit Politik zu tun?

  1. Wahlplakate wie das "Kick it like Beckstein" oder Becher mit dem Konterfei des gestürtzten König Ede I. Hinter der Bar standen Bübchen mit braven Frisuren und rahmenlosen Brillen, die Jura oder BWL studieren.
  2. Der Termin einen Tag vor der Landtagswahl. Alkoholisierte Bürger neigen ja eher dazu schwarz zu wählen, wie die tolle Sendung quer im Bayerischen Rundfunk herausgefunden hat. Bei einer Umfrage auf dem Münchner Oktoberfest unter nüchternen, angetrunkenen und volltrunkenen Besuchern konnte eindeutig ein Zusammenhang festgestellt werden: Alkoholkonsum und eine Entscheidung für die CSU sind direkt proportional! (Link zur Mediathek des BR). Da bekommt Becksteins Aussage mit den zwei Maß gleich eine ganz andere Bedeutung.

Beckstein und vor allem die JU scheinen also den drohenden Verlust der absoluten Mehrheit mit Alkohol zu bekämpfen. Ich hoffe, dass sie diese Taktik auch heute abend weiterverfolgen müssen: Dann aber wenn sie ihren Frust in ein paar Maß ertrinken werden – hoffentlich!

Das ist die erste Wahl

Veröffentlicht am | 28. 09. 2008 | Noch kein Kommentar

Eigentlich sollte ich bei der Bundestagswahl im Jahr 2006 das erste Mal wählen. Doch die vorgezogenen Neuwahlen machten das unmöglich. Die politischen Gründe für eine Wahl bereits im Jahr 2005 habe ich verstanden, persönlich bin ich Gerd S. und der gesamten SPD aber immer noch beleidigt. Bei den Kommunalwahlen im März diesen Jahres war ich in China – Wahl unmöglich. H

Heute bei den bayerischen Landtagswahlen konnte ich also das erste Mal hinter dem Vorhang verschwinden, meine insgesamt vier Kreuze machen, die zwei großen Blätter umständlich falten und dann in die Urnen werfen.

Eine kleine Charakterisierung der bayerischen Parteien vor der Wahl

Veröffentlicht am | 27. 09. 2008 | 11 Kommentare

CSU

Stammtischbrüder, die seit Jahrzehnten den besten und größten Tisch für sich beanspruchen. Eine eingeschworene Truppe, wo der, der am lautesten schreit, am meisten trinkt und der Kellnerin am häufigsten auf den Arsch haut, der Chef ist – ein richtiger Hund halt. Jetzt ist die Maß aber voll: Die Wirtin hat wegen ihres schlechten Verhaltens schon angedroht, sie rauszuschmeissen. Ihre Verteidigung: Die anderen sand ja noch schlimmer.

SPD

Die ewigen Außenseiter. Schon in der Schule waren sie die, die beim Fussball im Tor stehen mussten. Sie spielen zusammen Schafkopf. Eigentlich würden sie gerne einen Stammtisch gründen, aber weil niemand mitmachen mag, bleibt’s bei der Vierer-Runde. Sie scheinen manisch-depressiv: viereinhalb Jahre schicksalsergeben, ein halbes Jahr voller Optimismus.

Freie Wähler

Beheimatet in den Wirtschaften des Freistaates, wo sie sich aber einmal mit den Stammtischbrüdern (-> CSU) über die Zeche uneinig waren. Gründeten deshalb ihr die Runde "Zur freien Wählerschaft". Sie verfahren nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund", hoffen aber eigentlich darauf von dem heimlichen Vorbild (->CSU) aufgenommen zu werden.

FDP

Der Zahnarzt, der eigentlich im Golfclub verkehrt. Nach einer Reifenpanne und strömenden Regen schaut er kurz in die Wirtschaft hinein. Nach abfälligen Blicken und Naserümpfen der anderen, dazu Schweißgeruch (kalter Zigarettenrauch wär ihm da lieber gewesen, aber, weißt schon, das Rauchverbot), entscheidet er sich dafür, lieber im Vorraum auf den ADAC zu warten.

Die Grünen

Die zugezogene Sozialpädagogin, die keinen Dialekt spricht. Im Wirtshaus wird sie nicht bedient als sie ein "Cola-Mix-Getränk" bestellt. Mit Kursen wie "Schönes Basteln mit Kürbissen zur Herbstzeit" gliedert sie sich in die Dorfgemeinschaft ein (meint sie). Nach zehn Jahren gehört sie dazu, weil sie immer den tollen Kirschkuchen nur aus Bioprodukten für das Dorffest backt. Für voll nimmt man sie trotzdem nicht.

Die Linke

Bei denen weiß eigentlich niemand wo sie herkommen und niemand kennt jemanden, der da dabei ist. Ein Rätsel.

NPD

Minderheit, die aber nur eine solche ist, weil die Stammtischbrüder (-> CSU) sowieso jeden mitmachen lassen.

Bayernpartei

Gstandene Mannsbilder, die jeder mag. Aber keiner versteht, was die wollen. Wer braucht einen Ludwig in Neuschwanstein, wenn man einen Ede in Wolfratshausen haben kann?

ödp

Die, die eigentlich gerne mit den Stammtischbrüdern (-> CSU) eine Halbe trinken, aber irgendwie auch gerne am Bastelkurs teilnehmen würden (Weil’s den Kindern so gut gefällt).

CSU vom Thron schmeissen

Veröffentlicht am | 24. 09. 2008 | 9 Kommentare

Die Landtagswahl in Bayern ist das Thema Nummer eins in den bayerischen Medien. Aber auch überregionale Zeitungen und Magazine beschäftigen sich mit der Wahl im größten Bundesland Deutschlands. Im Grunde ist der Tenor immer derselbe: Die CSU wird Stimmen verlieren, unter die 50 Prozentmarke rutschen, die FDP wahrscheinlich in den Landtag einziehen, die Partei DIE LINKE und die Freien Wähler sind die Unbekannten in der Gleichung. Revolution in Bayern?

Natürlich, das Ende der absoluten Mehrheit der CSU in Bayern ist nah. Endlich Koalition, von einer Regierung ohne die CSU muss wohl noch ein paar Jahrzehnte geträumt werden.

Die CSU-Regierung machte in den vergangenen Jahren einiges falsch und zog sich großen Unmut vor allem der Landbevölkerung zu, die ja traditionell blind ihr Kreuz für die Christlich-Soziale Union macht. Der Ausbau des Münchner Flughafens, die Autobahn A94 und bei mir lokal der Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen: Trotz aller Versprechungen ist den CSU-Politikern im Zweifelsfall die Umwelt noch immer egal. Wichtig ist nur das wirtschaftliche Wachstum und der Ausbau der Infrastruktur. Straßenbau scheint das gemeinsame Hobby aller CSU-Politiker zu sein.

Zurecht ziehen solch unsinnige, umweltschädliche und teure Maßnahmen den Ärger der Bevölkerung auf sich. Lokale Gruppen formieren sich gegen die geplanten Bauarbeiten, Demonstrationen auf die Beine gestellt und beim Stammtisch wird auf die CSU geschimpft. Ob das allerdings reicht die CSU in naher Zukunft vom Thron in München zu schmeißen, bezweifle ich sehr. Viel zu normal ist es in Bayern noch immer automatisch die CSU zu wählen.

Doch geben wir am Sonntag unser Bestes!

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