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G’schicht’n ausm Schichtl

Veröffentlicht am | 16. 10. 2009 | Noch kein Kommentar

Auf’m Oktoberfest war ich dieses Jahr wieder nicht. Erst einmal war ich dort als kleines Mädchen, aber damals hatte ich nur geheult. Doch ein bisschen Wies’n -Feeling gabs trotzdem. 1. Durch regen Bierkonsum. 2. Durch die Süddeutsche Zeitung. Aber nicht durch den Printausgabe, die mir jeden Tag eine Flut an Kolummnen, G’schichten und allerlei Klatsch und Tratsch in dem Briefkasten spülte. Sondern in der viel gescholtenen Onlineausgabe hab ich ein Schmanckerl gefunden. Und mit sogleich vorgenommen (mal wieder), nächstes Jahr aber dann wirklich hin zu fahren.

Dort will ich dann unbedingt ins Schichtl, einem Varieté-Theater, in dem geköpft wird – mit einer Guillotine (das ist das erste Mal, dass ich hier etwas erwähne, das auf einem Schafott steht – Zeit is woan). “Die Vorstellungen sind heute noch ausverkauft, obwohl der Trick derselbe ist wie vor 140 Jahren – und so einfach, dass er hier gar nicht verraten werden muss.”

Schichtl

Der Journalist Matthias Eberl hat mit Hilfe von Fotos, einem Interview und der originalen Geräuschkulisse die Atmosphäre festgehalten und einer Audioslideshow verdichtet. Der Inhaber stellt – nie um einen Spurch verlegen – seine Truppe und sein Reich vor, my Bude is my Castle. “Eine ruhige Schausteller-Reportage hätte ich zwar auch gerne gemacht – und einige Bilder erzählen diese andere Geschichte und diese spezielle Stimmung hinter der Bühne – aber letztlich habe ich mich dann doch dafür entschieden, dem bewährten Sprücheklopfer Schauer das Kommentieren der Fotos zu überlassen,” schreibt Eberl. Nun, das hat ja funktioniert bei mir.

Foto: Matthias Eberl

Ein Junkie und sein Ersatzstoff

Veröffentlicht am | 24. 02. 2008 | Noch kein Kommentar

Angenommen, es wäre nicht das Jahr 2008, sondern 10 Jahre früher. Ich wäre von der Außenwelt, den politischen und wirschaftichen Entwicklungen der Welt und in Deutschland abgeschnitten. Ich wüsste nichts von der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo, den morgendlichen Razzien der Steuerfahndungen und sogar von Britney Spears neuesten Ausrutschern wüßte ich nichts.

Denn ich lebe momentan in Gengma, einer Kleinstadt in der südchinesischen Provinz Yunnan: 80 km bis zur Grenze zu Burma, 700 km bis zur Provinzhauptstadt Kunming und 3000 km bis nach Beijing.

Angenommen ich lebte hier in den 90er Jahren, ich könnte keine Zeitungen lesen, denn ich kann kein Chinesisch. Doch das Gewäsch, von der ideologischer Beeinflussung geschwängert, wäre aber sowieso keine ernstzunehmende Informationsquelle. Briefe dauern zum Teil Wochen um in Deutschland anzukommen. Mit dem Wort Blog wüsste ich nichts anzufangen. Die Beiträge und Diskussionen in denselben über Politik und vieles andere würde ich sehr vermissen.

Doch es gibt Internet. Der RSSFeed von tagesschau.de hält mich kurz und bündig auf dem Laufenden und jetzt.de, die Jugendseite der Süddeutschen Zeitung, liefert mir sogar jeden Tag 15 Artikel aus der gedruckten Zeitung auf meinen Bildschirm – kostenlos. Daneben ergänzen Blogs mein tägliches Pensum – und sie werden immer mehr. Je mehr ich mich in der sogenannten Blogosphäre bewege, desto mehr interessante und gut geschriebene Seiten entdecke ich.

Doch auch meine eigenen Blogs werden mir hier immer wichtiger. War es in Deutschland eine kleine Spielerei, so ist es hier fast die einzige Möglichkeit Gedanken auszutauschen und zu diskutieren, denn tiefergehende Gespräche sind hier oft wegen sprachlichen Barrieren schwierig.

Angenommen, es gäbe kein Internet, ein Informationsjunkie, wie ich es bin, wäre auf kaltem Entzug. Doch Gott sei Dank habe ich meinen Ersatzstoff: Das Internet.

Tokio Hotel in China (2)

Veröffentlicht am | 22. 02. 2008 | 3 Kommentare

Mich kann nichts mehr schocken. Vorgestern noch sorge ich mich ob der Berichterstattung über Tokio Hotel als Aufmacher in der Onlineausgabe der “New York Times”. Heute kann ich nur müde darüber lächeln. Denn es kommt noch schlimmer: Tokio Hotel nehmen China ein!

Rückblende. Ich sitze gemütlich in einer Nachbarswohnung und unterhalte mich nett mit der mit Zhini Xu, der Tochter des Hauses, die am anderen Ende Chinas Arabisch studiert und wegen des Neujahrfestes nach Hause gekommen war. Das erste Mal im Reich der Mitte kann ich mich mal wieder über Musik und Bücher austauschen. Wir sprechen über Orhan Pamuks “Mein Name ist Rot” und Oscar Wilde. Wir hören Musik von den Arctic Monkeys und Mando Diao. Ich hatte es nicht mehr zu glauben gewagt, dass es Chinesen mit einem guten Musikgeschmack gibt, hatte ich doch bisher nur das Gegenteil erfahren.

Sie zeigt mir chinesische Zeitschriften für Musik und Filme, die sich fast nur mit westlicher Kultur beschäftigten. Ich sah Rezensionen für “Blood Diamonds”, dem deutschen Film “Der letzte Zug” oder “The Departed”. In den fünf Magazinen, die ich sah, war sogar eine explizite Sexszene abgebildet, verwunderlich in einem Land, wo sich die Regierung dem Kampf gegen Pornografie verschrieben hat.

Dann die erste Überraschung. Über Maximilian Hecker, einem deutschen Sänger, dessen Lieder von Welt- und Herzschmerz triefen, wird sogar auf zwei Seiten berichtet. In Deutschland dagegen kennt ihn fast niemand.

Dann die zweite, wesentlich unangenehmere Überraschung. Schon wieder die Tröten aus Magdeburg. Diesmal gezeichnet und gebastelt von Fans. Wobei das rechte Bild nicht wirklich den Eindruck macht, aus China zu stammen, denn in China gibt es traditionell eher wenige Menschen, die auf den Namen Sophia hören und dann auch noch auf Deutsch “Frohe Weihnachten” wünschen können.

Ich frage Zhini Xu was es mit Tokio Hotel in China auf sich hat: “Große Stars sind sie noch nicht, aber sie werden langsam immer bekannter.”

Doch vielleicht hilft uns die Weltgeschichte, den Feldzug der Zwillinge aufzuhalten, denn die Chinesen und Japaner sind aus historischen Gründen nicht besonders gut aufeinander zu sprechen. Wer will denn da eine Band hoeren, die die Hauptstadt der Japaner im Namen trägt?

Tokio Hotel in China

Veröffentlicht am | 20. 02. 2008 | 3 Kommentare

Da sitz ich hier also hier im chinesischen Hinterland und will wissen, was los ist in der Welt. Also gehe auf die Seite der New York Times, erhoffe mir Informationen über den Zickenterror zwischen der Hillary und dem Barack. Und über Fidel, dem obsoleten Amischreck. Doch was sehe ich? Kreischende Mädchen, heiß auf Tokio Hotel.

The New York Times - Breaking News, World News & Multimedia

In deutschen Medien, vernachlässigt man die Bravo und andere Teeniezeitschriften, gibt es nur zwei Arten der Berichterstattung:

1. Es wird sich gewundert, wie zwei halbstarke Jungs mit ihren Bandkollegen einen solchen Erfolg haben können. Warum himmeln 15-jährige Mädchen einen androgynen Jungen an? Die Backstreet Boys waren dagegen ja richtige Kerle, sie hatten teilweise ja sogar schon Bartwuchs.

2. Tokio Hotel ist scheisse. Punkt. Aus. Ende, Gelände.

Determiniert auf dieses Schema, erwarte ich ähnliches im Artikel der NY Times. Doch was ist los? Was soll denn das? Trauen sich diese Halunken überm Ozean tatsächlich ohne zu berichten ohne die Band lächerlich zu machen. Es kommt noch härter: Sie loben den kleinen Bill auch noch.

But compared with Mr. Kaulitz, those band members (including his identical but very differently styled twin, Tom Kaulitz) couldn’t help but seem underwhelming. As they trudged, sometimes clumsily, through a short set, they seemed a lot less sophisticated than the skinny guy in front, who looks as if he has been honing his stage act since birth. If this concert was oddly delightful from start to finish, thank Bill Kaulitz, who should, with any luck, be thrilling and perplexing young Americans for the rest of the year.

Nichts zu spüren von “Kill Bill”. Aber: Kommt Zeit, kommt Rat.

Tokio Hotel als zweite bekannte deutsche Band neben Rammstein in den USA? Wie sollen wir unseren transnationalen Partnern jemals klar machen, dass es in Deutschland auch normale Bands gibt? Ganz ohne Hobbypyromanen und Stromschlagfrisuren.

Dreck von gestern

Veröffentlicht am | 30. 01. 2008 | Noch kein Kommentar

Seit etwa einem Monat bin ich wieder in China. Heute nachmittag bin ich im Park des Krankenhauses gesessen, habe mich gerne von der Sonne blenden lassen und dabei die ZEIT gelesen.

Diese Ausgabe der ZEIT ist genau einen Monat alt – veraltet. Dreck von gestern. Altpapier. So interessant, wie ein Stromausfall in Gengma. Nichts ist bekanntlich älter als die ZEIT von vor vier Wochen.

Eigentlich.

Alte Zeitungen sind lesenswert, informativ und aufschlussreich. Sie verraten, ob die Prognosen richtig waren oder ob doch alles anders gekommen ist.

Ich habe vier Ausgaben der ZEIT dabei, zum Teil vom November letzten Jahres, drei Ausgaben des Spiegels (wobei ich eine fuer 10 Euro auf der Heimreise am Flughafen Hongkong gekauft habe), einige Mitgliedszeitschriften von amnesty international und viele, viele dicke Schmöker.

Doch ich bin in der Maschinerie der aktuellen Information. Aus welch anderem Grund habe ich sonst trotzdem mit der letzten, aktuellsten Ausgabe der ZEIT begonnen?

Urlaubsdilemma

Veröffentlicht am | 04. 07. 2007 | 1 Kommentar

Nach jedem Urlaub das gleiche Dilemma: Ich komme entspannt nach Hause und bleibe dies auch bis ich den Berg von Süddeutscher Zeitung und ZEIT erblicke. Denn dieser muss in den nächsten Tagen abgearbeitet werden. Ich bringe es nämlich nich übers Herz eine Zeitung ungelesen in den Müll zu werfen.

Heute habe ich es geschafft: Sieben Ausgaben der SZ und eine ZEIT habe ich nachgeholt zu lesen. Naja, vielleicht nicht so gründlich wie normal, aber ich habe nun das Gefühl, nichts verpasst zu haben: Den EU-Gipfel, die Amtsübernahme Gordon Browns, Blairs neuen Job als Vorsitzender des Nahostquartetts und, natürlich nicht zu vergessen, das Haftende der Ms. Hilton.

Hinterfotzigkeit: Der politische Kosmos der CSU

Veröffentlicht am | 17. 06. 2007 | Noch kein Kommentar

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT habe ich einen bissigen, wirklich lesenswerten Kommentar über die Hinterfotzigkeit in der CSU gefunden.

csu

Wenn ein Hinterfotziger einem anderen Hinterfotzigen Hinterfotzigkeit vorwirft, nähern wir und dem prallen politischen Kosmos der CSU. Keine andere Partei hat die Hinterfotzigkeit derart zur Kunst erhoben wie die weiß-blaue FJS-Erbgemeinschaft. Unvergessen etwa ist die 48-stündige offene Aussprache der 124 CSU-Landtagsabgeordneten Anfang des Jahres in Wildbad Kreuth, an deren Ende Erwin Huber und Günther Beckstein ihren Großen Vorsitzenden Edmund Stoiber unter vier Augen meuchelten. Eine einzige große Hinterfotzigkeit, die nur noch übetroffen wurde von den Gerüchten über Horst Seehofer und seine schwangere Berliner Geliebte, die zeitgleich den Weg in die Bild-Zeitung fanden.

Dass Seehofer kein Mann sein würde, der bei so viel Hinterfotzigkeit auf Dauer zurückstecken würde, hätte man sich denken können. Nun hat er seinerseits mit ein paar Gerüchten gedroht (“Ich weiß viel”) und damit Edmund Stoiber auf den Plan gerufen. Dem Großen gemeuchelten Vorsitzenden sind Gerüchte, Geliebte und Hinterfotzigkeit gleichermaßen fremd, weshalb er seine Parteifreunde nun wissen ließ, weder das Privatleben noch “vermeintliche oder wirkliche Drohungen” dürften “ein Mittel des politischen Wettbewerbs sein”.

Unterdessen hat der Spiegel enthüllt, dass die Gerchte über Seehofer gar nicht von bösen Parteifreunden, sondern von “geschwätzigen Bundestagssekretärinnen” in Umlauf gebracht worden seien. Die CSU ist überrascht. So viel Hinterfotzigkeit hätte sie den Damen gar nicht zugetraut.