Spielzeugland: In der Kürze liegt die Würze
Veröffentlicht am | 02. 03. 2009 | 3 Kommentare
Gerade hab ich im Ersten den Film “Spielzeugland” gesehen, der bei den diesjährigen Oscarverleihungen in der Kategorie bester Kurzfilm gewann. Der Regisseur Jochen Freydank versetzt uns Zuschauer in das Deutschland des Dritten Reiches. Heinrich und David sind Blutsbrüder und die besten Freunde. Doch die Idylle wird getrübt, denn Davids jüdischer Familie droht die Deportation in ein Konzentrationslager. Um ihren Sohn nicht mit der Wahrheit zu konfrontieren zu müssen, lügt Heinrichs Mutter ihren Sohn an. Sie erzählt ihm, dass die Nachbarsfamilie ins Spiezeugland fahre. Da will Heinrich unbedingt mit und schleicht sich frühmorgens aus dem Haus. Als seine Mutter schließlich bemerkt, dass Heinrich verschwunden ist, sucht sie ihn verzweifelt. Schließlich steht sie dank der Hilfe zweier SS-Männer vor der Zug, der ins KZ fährt. Doch ihren Sohn kann sie nicht finden. Stattdessen trifft sie auf den besten Freund ihres Sohnes und steht vor der Entscheidung: Rettet sie ein fremdes Kind aus dem sicheren Tod oder sucht sie weiter nach ihrem Sohn?
Es ist wirklich erstaunlich, wie gut es Freydank gelang, die komplexe Geschichte in 14 Minuten unterzubringen. Andere brauchen für ähnliche Szenerien mindestens 6-mal soviel Zeit. Ich weiß nicht ob die Ausstrahlung schon länger geplant war oder der Kurzfilm spontan in ins Programm geholt wurde. Doch so kurz nach den Oscarverleihungen sicherlich der beste Zeitpunkt. Dass “Spielzeugland” kurz vor Mitternacht läuft, sehe ich nicht so kritisch wie bei Medienlese. Wer glaubt denn wirklich, der Tatort würde verschoben werden, damit der Kurzfilm zur Primetime läufen kann?
Habe meine Meinung geändert, weil ich diesen Satz überlesen habe: “So ein Film kann natürlich nicht an einem Wochentag nach der Tagesschau laufen.” Ich war auf das Wochenende fixiert. Doch Ole von Medienlese hat Recht. Eine realistischere Möglichkeit wäre er als eine Art Brennpunkt. Thema: Deutsche Geschichte. Da gäbe es sicherlich mehr zu lernen, als bei Familie Dr. Sommerfeldt (Die Serie spielt übrigens in Regensburg habe ich unlängst feststellen dürfen).
Ich bin sicher, dass die Story in Spielfilmlänge sicherlich einen attraktiveren Sendeplatz bekommen hätte. Doch wäre er “Spielzeugland” damit ein besserer Film geworden? Ich glaube nicht.
Für alle die den Film verpasst haben, gibt es noch eine Chance: Am Dienstagabend um 22.10 Uhr im MDR. Ich nehme an, dass auch alle weitere regionalen Rundfunkanstalten den Film in Kürze senden werden.
Trailer zum Film:
Weiteres zum Thema:
- Die offizielle Seite von “Spielzeugland”
- Die FAZ kritisiert, dass der Film eine ganze Reihe an Klischees über Deutsche bedient.
- Interview mit zwei deutschen Oscarpreiträgern im Bereich Kurzfilm: Jochen Freydank und Florian Gallenberger
7. Dezember 1941: Der Angriff auf Pearl Harbor
Veröffentlicht am | 07. 12. 2008 | Noch kein Kommentar
Heute vor 67 Jahren - Wie aus dem europäischen ein weltweiter Krieg wurde
In den frühen Morgenstunden am 7. Oktober 1941 griff die japanische Armee in zwei Wellen die Pazifikflotte der USA an. 2500 Tote hatten die Amerikaner zu beklagen, dazu über 1000 Verwundete. Der Angriff auf Pearl Harbor ohne Kriegserklärung war ein Angelpunkt im 2. Weltkrieg: Aus einem Krieg, der sich auf Europa beschränkte, wurde ein sich über den ganzen Globus erstreckender Weltkrieg.
Vor dem Day of Infamy (Tag der Ehrlosigkeit), wie die Amerikaner den Tag im Herbst 1941 nennen, verfolgte die Regierung eine isolationistische Politik. Präsident Franklin D. Roosevelt griff militärisch nicht in den Krieg in Europa ein und propagierte eine friedliche Politik. Tatsächlich aber erlaubte die „Cash-und Carryklausel“ England Rüstung zu verkaufen. Ab dem Frühling 1941 beteiligte sich die USA noch stärker für die Alliierten: In unbegrenzter Höhe und ohne Gegenleistung konnten sich Briten, Franzosen und auch Sowjets bei den Amerikanern mit Kriegsmaterialen eindecken. So gingen die amerikanischen Politiker ihren Interessen in Europa nach, ohne sich selbst militärisch zu engagieren.
Verhandlungen oder Angriff?
Auch die Japaner waren indirekt am Krieg in Europa beteiligt. Mit der Sowjetunion verband das Reich ein Nichtangriffspakt, während es mit China im Krieg stand. Das Massaker in der chinesischen Stadt Nanking und die drohende Besetzung von Französisch-Indochina durch japanische Truppen, ließen die USA ihre Neutralität aufgeben. Die Regierung in Washington erließ Sanktionen: Durch ein Öl- und Handelsembargo, dem sich Großbritannien und die Niederlande anschlossen, verlor Japan 90 Prozent seiner Ölimporte und es fiel drei Viertel des Außenhandels weg. Um den drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern, sah sich Japan vor die Wahl gestellt: Verhandlungen mit den USA oder die Besetzung von ressourcenreichen Gebieten in Südostasien?
Der verheerende Angriff aus der Luft am Morgen des 7. Dezember brachte den Krieg in den Pazifik. Neben der Offensive gegen die Amerikaner griffen die Japaner in Südostasien auch Großbritannien und die Niederlande an.
Von Pazifismus zum Kriegseintritt
Doch mit dem Angriff aus dem Hinterhalt auf die Flotte in Pearl Harbor war die friedliche Politik in Amerika nicht mehr durchsetzbar. Die Strategie des Isolationismus und Pazifismus wurde über den Haufen geworfen. Einen Tag nach dem Angriff unterschrieb Präsident Roosevelt die Kriegerklärung an die Japaner. Vier Tage später, am 11. Dezember 1941, erklärten Deutschland und Italien den USA den Krieg. Amerika war nun militärisch auf der ganzen Welt involviert.
Die gesellschaftliche Stimmung in den USA wandte sich schnell: Die öffentliche Meinung sinnte auf Rache auf den hinterhältigen Angriff, änderte seine Meinung von Neutralität in Angriffshaltung. In Scharen meldeten sich junge Männer freiwillig für den Militärdienst. Hart ging man auch mit japanischstämmigen Amerikanern um: Sie wurden verfolgt und in Internierungslager gesteckt. Unklar ist bis heute, ob die US-Regierung rechtzeitig Informationen über den drohenden Angriff auf Pearl Harbor hatte. Kritiker meinen, die Regierung habe den Angriff genutzt, um die neutrale gesinnte Bevölkerung für den Krieg gegen die Achsenmächte zu gewinnen.
Die USA übernahm schnell die entscheidende Rolle im 2. Weltkrieg. Die Industrie war die aller anderen Kriegsparteien überlegen. Dazu kamen frische Truppen. Zusammen mit den Alliierten Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion zwangen die Amerikaner Deutschland und Japan 1945 zur Kapitulation.
erschienen bei: backview.eu
