2. Oktober 2011 0

Strukturierte Prokrastination: Die Theorie und ihre Anwendung

Von Katharina in Unterwegs

Der folgende Artikel entsteht aus akuter Prokrastination. 

Prokrastination ist auch so eine Modeerscheinung, inzwischen schon ein wenig länger im Geschäft und wird langsam von Burn-out verdrängt. Prokrastination ihrerseits verwies zum Beispiel die Generation Praktikum in den Hintergrund. Texte und Videos dazu sind ein wunderbares Mittel um dieser Tätigkeit zu fröhnen. Ein besonders kluger Text dazu ist von dem amerikanischen Philosophie-Professor John Perry. “Structured Procrastination” heißt der Text, auf den mich der Lautschrift Franz (so ist er in meinem Kopf gespeichert) in den Kommentaren zu einem Video über P. hinwies. 

Dort erklärt er, was er mit dem strukturierten Aufschieben meint, und dass nicht ganz so unlogisch ist, wie es klingt:

“The key idea is that procrastinating does not mean doing absolutely nothing. Procrastinators seldom do absolutely nothing; they do marginally useful things, like gardening or sharpening pencils or making a diagram of how they will reorganize their files when they get around to it. Why does the procrastinator do these things? Because they are a way of not doing something more important. If all the procrastinator had left to do was to sharpen some pencils, no force on earth could get him do it. However, the procrastinator can be motivated to do difficult, timely and important tasks, as long as these tasks are a way of not doing something more important.”

Die Harvard University hat Professor Perry deshalb mit dem lg Nobelpreis ausgezeichnet. Was es mit diesem “lg” auf sich hat, hab ich zwar noch immer nicht verstanden, aber der Preis ist eine Parodie auf das Original und will in erster Linie zum Lachen bringen. Die Liste in 7 verschiedenen Kategorien (10) seit 10 Jahren ist inzwischen schon ganz schön lang. Der Preis ist so Hipster, dass die Seite in uncoolem 1999 HTML-Design ist, das sagen will: “Uns gabs schon, da kanntet ihr noch nicht mal die AOL-CDs.” (Hipster-Bashing ist ja noch immer amüsant, auch wenns langsam abflaut.)

Also. Perry bringts auf den Punkt: Prokrastination heißt pnicht untätig sein (Wollte sowas wie ne Alliteration bilden, aber mir ist nichts eingefallen).

Denn schließlich habe ich, seitdem ich angefangen habe diesen Beitrag zu schreiben ein Video von Robert Misik angefangen, Konversation über verschiedene Kanäle geführt, mir Artikel, die ich morgen im Zug nach Kiel lesen will, gespeichert und/oder runtergeladen, Fotos von einer Geburtstagsfeier angesehen, gearbeitet und hie und da eine Minute sinnlos rumgeklickt.

Und warum das ganze? Deshalb: Das Global Economic Symposium, eine zweitägige Konferenz in Kiel steht an. Ich werde dort über die Veranstaltungen schreiben und habe drei Interview-Termine mit Männern. Das Zeug wird auf dem niegelnagelneuen Blog namens Economic Insights veröffentlicht. Die von fünf anderen jungen Leuten auch. Wenn ihr auf den Blog geht, werdet ihr auf einen “Ok”-Knopf stoßen, damit die Seite und euer Facebook-Profil vernetzt werden können. Die Datenschutzbehörde von Schleswig-Holstein hat das vor kurzem durchgesetzt. 

Und Ich habe meinen Professor aus den Vereinigten Staaten angeschrieben, meine erste Adresse bei Indien. Der hat mich an einen Freund in Neu Dehli verwiesen. Jetzt hab ich Anregungen für das Interview Arun Maira, dem Chef der Planungskommisson für die indische Wirtschaft. In der Zeit zwischen der Unabhängigkeit 1947 und 1991 hat die Behörde die Pläne für die Wirtschaft konstruiert, heute hat sie nur mehr beratenden Charakter, aber sicherlich noch immer Einfluss.

Der Zweite ist Wolfgang Kleinwächter, Professor für irgendetwas mit Internet. Er ist der Kopf einer Bewegung, die eine Magna Carta, also einen Grundrechtskatalog, für das Internet will. Die Gegner sind dabei das ICANN. Die kümmern sich um Domains, sitzen in Kalifornien und damit ein quasi-amerikanisches Unternehmen. Ich hab noch nicht ganz heraus, ob sie privatwirtschaftlich agieren oder dem Staat gehören.

Andrew Burns ist der Dritte im Bunde. Er ist von der Weltbank und ist einer der Chefautoren des “Global Economic Prospect”, einer Untersuchung über die makroökonomischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf low und middle-income countries.

Die einzelnen Veranstaltungen weiß ich nicht auswendig und nachzuschauen wäre mir gerade zu anstrengend, aber was mit Internet Governance, Makroökonomie und idenitiy und migration. Dazu noch zwei, drei Sachen.  

Jetzt also erstmal Wikipedia-Einträge als PDFs speichern und Tagesschau gucken. Danach fällt mir sicherlich noch einiges ein. Packen, mir das Ladegerät für den Akku meiner Camera ausleihen, weil ich meins nicht finden kann, wird wohl zu Hause irgendwo rumliegen, und dann den Jauch.

Ich sollte langsam mal auf Englisch switchen.

Tags: , , ,

30. September 2011 0

Was mit Wissenschaft (III)

Von Katharina in Tagtäglich

So, erster Tiefpunkt erreicht. Inzwischen hab ich relativ gelesen, vieles verstanden, doch ich sehe noch keinen roten Faden – und das nervt mich. Nächste Woche bin ich in Kiel, die Woche drauf muss ich dann meinen Zwischenbericht abliefern. Das kann ja lustig werden. Ich hoffe auf den Druck Ende nächster Woche, der mit ein paar Geistesblitze beschert.

Tags: ,

30. September 2011 0

China vs. Indien

Von Katharina in Politisches

Wenn China und Indien verglichen werden, liegt fast immer China vorn: Das schnellere Wirtschaftswachstum, die bessere Infrastruktur, die Effizienz. Deshalb taucht die Frage auf, ob vielleicht die Demokratie in Indien das Land daran hindert es China nachzutun.

Damit beschäftigt sich ein weiterer interessanter Vortrag bei der TED Conference (btw: <3): Does democracy stifle economic growth? Huang macht unter anderem klar: Der große Vorteil Chinas war Humankapital. (Mit der Ein-Kind-Politik kann aber erwartet werden, dass sich die demografische Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten die wirtschaftliche Entwicklung eher hindern wird.) Da kommt meiner Meinung nach der große Vorteil Indiens ins Spiel: Denn dort ist genau das Gegenteil der Fall, denn die Bevölkerung ist jung. Aber ungebildet, wie Huang in seinem Vortrag auch erzählt.  

Huangs Fazit: In China müssen politische Reformen durchgezogen werden, damit das Wachstum aufrecht erhalten werden kann, Indien muss in öffentliche Versorgung investieren.

Tags: , ,

26. September 2011 0

Was mit Wissenschaft (II)

Von Katharina in Tagtäglich

Am 11.11.2011 muss ich meine Bachelorarbeit beim Prüfungsamt einreichen. Ehrensache, dass ich das um 11:11 Uhr erledigen will. Wie viele Tage ich noch genau habe, um die 30 Seiten Text zu schreiben, will ich nicht wissen. Aber es sind seit dem Startsignal schon genug vergangen, als dass ich wieder schreiben sollte, wenn ich das mit dem über die Bachelorarbeit blogge wirklich durchziehen möchte.

Mein Thema ist der Handel, und zwar die Gründe dafür. Eine Theorie geht so: Es gibt zwei Länder, Land A hat im Vergleich zu Land B mehr Kapital, Land B dafür mehr Arbeit relativ zu Land A. Unter bestimmten Annahmen spezialisiert sich Land A auf kapitalintensive Güter und stellt deshalb mehr von diesem kapitalintensivem Gut mehr her, als die Konsumenten, die Unternehmen und der Staat aus A kaufen. Der Rest exportiert es deshalb in Land B, das sich wiederum auf Produkte konzentriert, die relativ viel Arbeit benötigen. Die Herstellung übersteigt wieder den Konsum und B verkauft deshalb das arbeitsintensive Gut nach A. A, das kapitalintensive Land, exportiert also das kapitalintensive Gut und importiert das Gut, das relativ mehr Arbeit braucht, von dem A ja nicht so viel hat. Für B gilt es umgekehrt analog.

Was ich bisher gemacht habe:

  • Die zwei Einstiegslektüren gelesen. Beide Paper untersuchen mit statistischen Tests, ob das Heckscher-Ohlin-Vanek-Modell Außenhandel richtig vorhersagt, indem die Schätzergebnisse für den Faktorinhalt mit erhobenen Daten für den Faktorinhalt vergleicht. Also im Grunde: Sind die Modellergebnisse in der Wirklichkeit beobachtbar und statistisch robust?
  • Vier andere Paper und die Unterlagen aus der Vorlesung durchgearbeitet.
  • Das Notizbuch, das ich mir extra für diesen Zweck zugelegt habe, ist schon fast voll gekritzelt:

Inzwischen ergibt sich ein Bild. Ich habe alles bisherige im Groben verstanden. Das mathematische Konstrukt, das die Zusammenhänge zwischen verschieden ausgestatteten Staaten modelliert, muss ich aber noch fertig nachrechnen. Das soll dann auch einen gewissen Anteil an der Arbeit haben. Es heißt nämlich Professoren stehen auf Formeln und auch mein Betreuer hat mir nahegelegt, ganz hinter die Mathematik zu steigen. Mag ich nicht so gern, aber ist machbar. Ich kann mir vorstellen, dass das auch dankbar ist. Die Schwierigkeit ist dabei nicht das Schreiben, sondern das Dahintersteigen vorher. Ich glaube, ich stehe so bei 60 Prozent.

Aber einen wirklichen Dreh hab ich noch nicht. Sollte er in zwei Wochen noch nicht da sein, prognostiziere ich, dass ich panisch werde.

Tags: , ,

23. September 2011 0

Menschen, Castings, Sensationen

Von Katharina in Tagtäglich

Der Bus steht an der Albertstraße, dem Busbahnhof in Regensburg, schon wieder seit Minuten, die viel zu langsam vergingen als eine Gruppe Jugendlicher in den Bus stieg. Sechs, sieben angetrunkene junge Männer, Flasche Schnaps in der Hand und gut drauf. Sie visieren schnell den Typen vor mir, der in seiner blauen Trainingsjacke und dem weißen Adidas-Cappi, das er verkehrt herum trägt, vor mir sitzt. Er wippt zu schneller Musik oder zittert, aber nicht so als ob er friert, langsamer.

“Ey, Shadow”, schrie einer und die anderen echoten den Ruf nach. “Ey, Shadow”, nochmal. “Du bist scheiße": “Schämst du dich gar nicht”. Ich konnte die Aussagen keinem zuordnen. Immer wieder glucksen vom betrunkenen Lachen. Als einer der Jungs “X-Factor war scheiße” sagt, beginne ich die Sache zu durchblicken. Diese Casting-Show auf VOX, von dem an der Eisernen Brücke so ein großes Plakat steht. Sarah Conner, die Sängerin, das Bo, der Rapper, und Till Brönner, der Trompeter, stellen die Jury. Im Bus ist es laut, die Mann, der sich gegenüber eine Zigarette dreht, findet es auch spannend. Die Typen gehen Shadow dann auch körperlich an, irgendwann steht er sogar auf, um die Tätscheleien abzuwehren. Ich krächzte ein “Hört doch auf”, doch niemand hört (auf) mich.

“Ey, das war aber unfair”, Shadow beginnt sich doch zu verteidigen. “Das Bo hat mich voll gedisst, aber das haben sie rausgeschnitten".

“Sag mal ehrlich”, einer der Jungs, lehnt sich über die Halterung vor Shadow und grinst: “Sag mal ehrlich, die Sarah Conner, die ist doch schon ne Schlampe, oder?” Sofort konnte man an Shadows Körpersprache Zustimmung ablesen. “Ja, da stehst du vor denen und die war gleich total voreingenommen. Das stehst du auf der Bühne und die sind gleich gegen dich. Aber ich sag’s euch: DSDS 2012!” Alle lachen. Ich habe inzwischen meine Ohrstöpsel herausgenommen. Es war richtig unterhaltsam, die Gefahrensituation war abgewandt, alle entspannten und Shadow genoss es im Mittelpunkt zu stehen. “DSDS 2012!” Er gröhlt noch ein bisschen, die anderen auch.

Es wird ein bisschen ruhiger im Bus und ein junger Mann, ich glaube der, der vorher wissen wollte, ob Sarah Conner eine Schlampe ist, nimmt ihn sich zur Brust. “Mach weiter Kumpel, wirklich mach weiter. Du hast es drauf!”, andere stimmen ein ein. “Ich weiß, dass ich es drauf hab. DSDS 2012, Kumpel.”

“Du machst halt was neues”, war das Stichwort für Shadow. Er fing an zu rappen. Voll schnell. Ich überliege. Video? Oder nicht? Ich überlege lange, fingere dann schließlich an meinem Apple-Produkt herum und suche die Videofunktion.

“Ey, filmst du mich? Nee, das geht nicht. Nee, weg damit, lösch das. Nicht von hinten, nicht den Hinterkopf. Wart’, ich dreh mich um." (Und einer wollte nicht auf dem Video zu sehen sein). Also neue Kameraeinstellung. Shadow dreht sich um und legt nochmal los:

“Stellst du das auf ‘Tube?”, fragt mich einer, der inzwischen neben mir saß. ”Klar”, Faust drauf. “Ich will das nämlich liken,”

Meine Damen und Herren, die Hintergründe zu all der Aufregung: Shadow Storm bei X-Factor. Heute hat er das gleiche an. So schlecht wie die Jury tut, war er ja gar nicht, Sarah Conner fand nämlich, dass er den schlechtesten Auftritt ever bei der Sendung hingelegt hat. Lol, Wiener Schmäh. “Ich glaub, ich kann Englisch rappen, du nicht”, gab Shadow Storm später das Bo noch mit. Uh, schön mit Dissen zum Schluss, gar das Wort “Krieg” wird in den Mund genommen.

Tags: , ,

8. September 2011 3

Die Brückentechnologie des Wachstums

Von Katharina in Politisches

Alle reden davon, die “Märkte” stabilisieren zu müssen. Die “Schulden” abzubauen und manchmal, wenn noch Zeit ist, wie in der Sommerpause zum Beispiel, die “Rente” zu sichern. Doch irgendwie reicht bei allen großen Projekten der Horizont nicht über eine handvoll Jahre im höchsten Fall hinaus. Allerorten fallen Leute Doch irgendwie fehlt es konkreten Ideen. Was klar ist: Es braucht Wachstum. Sonst geht alles weiter bergab. Die Staaten können das alles nicht alleine finanzieren. Wie könnte es gehen?

Der Chefökonom der Weltbank, der Taiwanese Justin Yifun Lin, schlägt etwas ziemlich altmodisches vor: Infrastruktur. Die guten, alten Straßen und Brücken. Da gäb’s in den Vereinigten Staaten genauso was zu tun wie in Kenia. Die Nachfrage nach besseren Straßen, Wasser- und Stromnetzen und Leitungen ist also da, aber das Angebot fehlt. Niemand will den Job machen. Der Staat kann nicht, die Staatsschulden drücken, und die Privatwirtschaft will nicht und kann’s vielleicht auch nicht alleine.

Im Magazin “Foreign Policy” erläutert Justin Yifan Lin, der im übrigen eine sehr interessante Biographie hat (Taiwanese, der nach China flüchtet, dort marxistische Wirtschaftstheorie studiert, später an die Universität in Chicago geht und heute Chefökonom der Weltbank ist), in “Bridges to Somewhere”, wie er sich Wachstum durch Infrastruktur vorstellt. Das Zauberwort lautet “Public-private partnerships” – kurz: PPP! Vorteile hätte das für Industrieländer ebenso wie für sich Schwellen- und Entwicklungsländer:

Investitionen in Infrastruktur sind entscheidend für die Schaffung von Wachstum und mehr Arbeitsplätze – vielleicht entscheidender als jemals zuvor. Für Industrieländer könnte es der schnellste Weg aus der Krise sein. Für Entwicklungsländer ist es ein mächtiger Katalysator, um ihre Volkswirtschaften zu transformieren, die Unternehmen können ungehindert ohne Stromengpässe arbeiten, frei kommunizieren, ihre Märkte erweitern und, schlussendlich, die technologische Leiter hinaufklettern. Der Bedarf ist klar. Das Geld ist verfügbar.

Investing in infrastructure is critical for generating growth and creating jobs — perhaps now more than ever. For advanced economies, it may be the fastest way out of their slump. For developing countries, it is a powerful vehicle for transforming their economies, enabling their businesses to work unimpeded without electricity shortages, communicate freely, expand their markets, and, ultimately, climb up the technological ladder. The need is clear. The money is available.

DSC_0166

Lin ist damit nicht alleine: Eine “Infrastructure Bank” soll auch Barack Obama im Kopf haben. Europa versucht es mit dem “Europe 2020 Project Bond Initiative”, ob der wirklich bin ich mir nicht so sicher. Wenn es um konkrete Startzeiten geht, beinhaltet der Text der EU für meinen Geschmack zu viele Konjunktive. Der Baubranche könnte so wieder auf die Beine geholfen werden, die Arbeitslosigkeit verringert und Wachstum generiert werden.

Aber es geht vor allem auch darum, wie Brücken, Straßen, Strom-, Wasser- und Kommunikationsnetze in den Erdteilen außerhalb Nordamerikas, Europas, Australiens und ein paar Peripherieländern wirken.

In “Foreign Policy” steht, ich zitiere:

1,4 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Strom, etwa 880 Millionen Mänschen Menschen leben ohne sauberes Trinkwasser, und 2,6 Milliarden ohne Zugang zu einfachen sanitären Einrichtungen; Ungefähr 1 Milliarden Leute auf dem Land leben nach Schätzungen so abgelegen, dass sie keinen Zugang zu Straßen haben, die bei jedem Wetter befahrbar sind im Umkreis von zwei Kilometern (Übersetzen ist echt anstrengend.)  In der Subsahara (ohne Süd-Afrika) ist der pro_kopf_Stromkonsum im Durchschnitt nur 124 Kilowatt-Stunden im Jahr, kaum genug Strom für eine Glühlampe pro Person, die sechs Stunden am Tag brennt.

1.4 billion people have no access to electricity, about 880 million people still live without safe drinking water, and 2.6 billion are without access to basic sanitation; About 1 billion rural dwellers worldwide are estimated to have no access to all-weather roads within two kilometers (about the length of a 25- to 30-minute walk). Per capita electricity consumption in sub-Saharan Africa (excluding South Africa) averages only 124 kilowatt-hours a year, hardly enough to power one light bulb per person for six hours a day.

Aber wenn keine Straßen, auf denen man gscheid fahren kann da sind, und der Strom grad mal für ein paar Glühlampen pro Tag reicht (bei mir brennen gerade zwei) und kein Wasser aus dem Hahn kommt, ist ja klar, dass da die Wirtschaft nicht wachsen und Unternehmertum sich nicht entfalten kann.

Die asiatischen Erfolgsländer in den letzten Jahrzehnten China, Japan und Südkorea geben schon seit Jahrzehnten mindestens neun Prozent ihres BIPs (Bruttoninlandsprodukts) für Infrastruktur aus. (Ich erinnere mich an die Bravo Gameszeitung, über koreanische PC-Spiele-Meisterschaften, als ich zu Hause am 166 MgHz-Computer mit Windows 95 saß.)

Kurzum: Justin Yifu Lin plädiert, dafür, dass die Privatwirtschaft aus den Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländern investiert. PPP eben. Aber jaja, schöne Pläne gibt’s ja viele, aber wie soll das jetzt wirklich finanziert werden?

Neben mehr Effizienz, sollen die bisherigen Quellen (Entwicklungshilfe zum Beispiel) mit neuen Finanzierungsquellen kombiniert werden. Zum Beispiel durch den Privatsektor. Genau diese vermehrten privaten Investitionen würden die Lücke schließen, die bisher immer noch besteht, und Geschäfte nicht stattfinden können.

So wie ein Vertrag darüber, dass ein deutsches oder chinesischen Unternehmen eine Straße in Angola baut oder sie zumindest finanziert. Nachdem das Ding dann steht oder geteert oder wie auch immer fertiggestellt ist, bekommt der Investor seine Rendite. Denn eingeplant ist dann meist auch sowas wie eine Gebühr für das Teilstück der Autobahn, die dann an den Investor gehen. Solche Sachen gibt es durchaus schon, aber konzentriert auf die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) und die Türkei. 

Aber es darf nicht vergessen, dass eine solche Geldanlage auch riskant ist. Die Einnahmen fallen vielleicht doch nicht so hoch aus wie erwartet, denn vielleicht können sich die Leute den Superhighway durch Afrika auch gar nicht leisten, oder die Wechselkurse steigen oder fallen plötzlich. Und erstmal muss ‘ne Stange Geld in die Hand genommen werden, damit Glasfaserkabel verlegt werden können. Von heute auf morgen geht das auch nicht, da kann sich auch leicht mal was verzögern, in der Zeit darf der Investor also nicht pleite gehen.

Richtig einfach ist das auch nicht, da braucht es auch Know-How dazu, Humankapital. Wie auch finanzielles Kapital, das durch die privaten Investoren, in die entsprechenden Länder erst durch die PPPs importiert werden muss, weil es nicht in ausreichendem Maße vorhanden sein kann, so kann das auch mit ausgebildeten Männern und Frauen sein. Aber das sind ja auch genau die Lücken, in die entwickelte Ökonomien mit ihren Angeboten einspringen können: Anschubfinanzierung, Maschinen, Pläne.

Zur Sicherheit gibt es öffentliche Garantien. (Wie die genau aussehen, weiß ich nicht), aber, so Justin Yifun Lin in “Foreign Policy” seien nur solche Risiken versichert, die das Projekt direkt betreffen. Die Weltbank, so erzählt ihr Chefökonom, biete deshalb eine Versicherung gegen/für politische Risiken an: Krieg, Unruhen unter der Bevölkerung oder den Devisenmärkten, solche Sachen."Aber mehr bleibt zu tun”, glaubt Justin Yifun Lin.

Denn insgesamt fließt immer noch zu wenig Kapital für Infrastruktur in sich entwickelnde Staaten. Deshalb hat die Weltbank einen eigenen Fonds gründet, der Gelder von anderen Fonds, wie eben genannte Sovereign Wealth Funds, aber auch Pensionsfonds, sammelt und mehr Geld für infrastrukturelle Maßnahmen in Schwellen- und Entwicklungsländer zur Verfügung stellt.

In Sovereign Wealth Funds sieht Lin eine Möglichkeit Geld zu beschaffen. Warum Lin gerade diese so prominent heraushebt, verstehe ich nicht. Denn auf Deutsch heißt diese Form des Geld investierens Staatsfonds und sind – ganz genau – Knete vom Staat. Und Justin Yifan Lin will ja eigentlich vor allem den Privatsektor zum Investieren verleiten.

Andererseits wäre das ja auch eine Methode indirekt Nachfragepolitik zu betreiben. Denn haben nicht auch die amerikanische Notenbank und die Europäische Zentralbank mit ihren aufgekauften Wertpapieren nicht auch genügend Geld zur Verfügung? Gibt es bedeutsame europäische oder US-Staatsfonds? Wikipedia sagt nicht. Warum ist das so? 

Tags: ,

31. August 2011 6

Was mit Wissenschaft (I)

Von Katharina in Tagtäglich

Bachelorarbeit steht an. Ab morgen geht es los. Das heißt: Ab morgen fang ich an, auch wenn ich noch keine Bestätigung habe, aber ich kann mich noch ein bisschen an das Thema erinnern. Doch der 1. September ist der Stichtag in meinem Kopf und daran will ich mich halten. Mein Semester unterliegt nämlich einem straffen Zeitplan. Das letzte Sommersemester bin ich mit angezogener Handbremse gefahren, war zum einen recht angenehm, zum anderen auch notwendig war. Die Konsequenz ist (um in der Metapher zu verbleiben), dass ich im kommenden Semester links rechts überholen muss. Aber das Coole: Ich habe zum ersten Mal nur Vorlesungen, die ich richtig geil finde, im Vorlesungsverzeichnis zumindest.

Zu meinem ausgeklügelten Plan gehört es auch die Bachelorarbeit nicht am Schluss des Studiums zu schreiben, sondern vor meinem letzten Semester. Mein Professor hat mir sehr deutlich zu verstehen geben, dass er die Idee bescheuert finde, schließlich habe ich noch nie zuvor wissenschaftlich gearbeitet. Ist mir aber egal: Der Zeitplan! Mein Zeitplan!

Der torschtl hat zu seiner Bachelorarbeit gebloggt. Ich fand das ganz angenehm zu lesen und ich kann mir vorstellen, wenn man sich so seinen Fortschritt etwas vor Augen führt, könnte unter wohlwollenden Umständen das Frustpotenzial gesenkt werden (oder erhöht? Ich check das grad nicht: Also wenn die Latte, also der Frust, höher hängt, dann passt ja mehr drunter rein. Ergo: Ich kann beschissener laufen ohne dass ich gleich frustriert bin. Oder aber ich senke die Latte, was heißt, dass sie einfach niedriger ist. Hilfe, anyone?)

Was ich jetzt schon weiß:

  • Ich werde VIEEEEEEL twittern oder bloggen. Aber des is ja ned des schlechteste.
  • Ich werde am Schluss Word hassen. Ich weiß, alle empfehlen LaTeX (das leider “Latech” ausgesprochen wird, was ich sehr schade finde), aber ich hör nicht drauf. Bisher hat noch jemand Tage damit verbracht mit Fußnoten zu kämpfen
  • Ich hab keine Ahnung wie man zitiert, also das, was man in die Fußnoten schreibt. Aber so schwer kann das ja nicht sein.

Ja, mehr weiß ich grad nicht zum Thema. Ach doch: Ich hab mir ein Notizbuch gekauft. Habe mich gegen Evernote als zentraler Gedächtnisersatz entschieden, denn mit Grafiken und Formeln wird das blöd. Also klassisch per Hand.

Mein Thema ist übrigens irgendwas mit Faktorausstattungen beim Heckscher-Ohlin-Modell. Was ganz cool ist, weil es einfach ein ganz zentrales Grundmodell im Außenhandel ist.

Gut, also dann mal anfangen. Vielleicht mit ‘ner Vorlage in Word.

Tags: , ,

29. August 2011 3

Sowas Brutales aber auch

Von Katharina in Kulturelles

“Die Regeln der Hungerspiele sind einfach”, heißt es im ersten Band der Trilogie “Die Tribute von Panem”. 12 Jungen und 12 Mädchen werden jedes Jahr ausgelost für ein Spiel, das keine Regeln kennt: Wer überlebt, gewinnt, so einfach ist das. 24 Kinder im Alter zwischen 12 und 18 Jahren ermorden sich also gegenseitig vor den Augen aller, denn aufgezogen sind die Hungerspiele als Reality-TV-Sendung. Zur Unterhaltung dienen die Spiele für die herrschende Schicht, zur Abschreckung für die Unterschicht (aus die Kinder kommen). Katniss ist die Protagonistin der Geschichten und ernährt schon seit Jahren illegal ihre Familie als Jägerin ihre Familie. Freiwillig stellt sie sich ihren 23 Konkurrenten und erspart so ihrer Schwester die Teilnahme. Und dann beginnt das Spiel, zu dem die Medieninszenierung im Vorfeld genauso dazugehört wie die Toten. Auch die Liebe spielt eine Rolle. Es ist aber großartig, dass diese Liebesgeschichte nicht in die furchtbare “Twilight”-mäßige Richtung à la “kleines Mädchen wartet auf ihren Prinzen” – im Gegenteil.

Die krasse Story von “Die Tribute von Panem” zog mich schon nach wenigen Seiten in ihren Bann. Es ist spannend und brutal: Ich hab mich wirklich gefürchtet. Ein Jugendbuch ist es wohl nur deshalb, weil die Hauptpersonen jung sind. Es ist eine groteske Welt, in der die Autorin das Konzept “Dschungelcamp” weiterdenkt und es mit einem Unterdrückungsstaat verbindet. Im nächsten Jahr soll die Verfilmung ins Kino kommen. Das überrascht nicht, denn schließlich macht das Reality-TV-Format der Hungerspiele das Buch extrem gut verfilmbar. Teil 2 liegt schon aufgeschlagen neben mir.

Tags: ,