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Unhappy Meal

Veröffentlicht am | 12. 07. 2010 | Noch kein Kommentar

Seit dem Beginn dieses Semesters können wir endlich in der frisch renovierten Mensa essen. Doch vielen vergeht der Appetit bei den gestiegenen Preisen. Die sind eine Folge einer gewaltigen Unterfinanzierung der Studentenwerke. Erst im Januar wurde der Mensazuschuss bayernweit überraschend um 35 Prozent gekürzt.

Die Studentenwerke sind dazu da, eine soziale, wirtschaftliche und kulturelle Infrastruktur für die Studierenden zu schaffen und den Alltag zu organisieren. Jeder, der studiert, hat die Leistungen schon mal in Anspruch genommen, viele sogar jeden Tag, schließlich betreiben sie die Mensen und Cafeterien. Neben der Essensversorgung übernimmt das Studentenwerk aber auch viele andere Aufgaben: Es verwaltet Wohnheime, bearbeitet Baföganträge, bietet verschiedenste Beratungsstellen und fördert das kulturelle Leben am Campus.

Das Studentenwerk der Regensburger Universität gehört zum Studentenwerk
Niederbayern/Oberpfalz, wie auch Passau, Deggendorf und Landshut. Der Mensazuschuss des Freistaates stellt einen großen Posten in der Finanzierung der Studentenwerke dar. Im Laufe der letzten Jahre reduzierte den die bayerische Landesregierung aber immer mehr: Seit 1996 sank der Mensazuschuss beim Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz um 85 Prozent von fast vier Millionen Euro auf knapp 700.000 Euro.

Die Finanzierung des Studentenwerks ist Aufgabe des Freistaates Bayern. Doch der zieht sich immer weiter zurück. Besonders getroffen hat die bayerischen Studentenwerke der Nachtragshaushalt 2010, in dem weniger Geld für sie vorgesehen ist. Im Schreiben des Ministeriums heißt es: »Diese Kürzung wird voll zu Lasten des Mensazuschusses gehen, so dass sperrbereinigt gegenüber 2009 rund 2,36 weniger für den Mensazuschuss zur Verfügung stehen werden. Ich bitte sie die zu erwartenden Mittelkürzungen schon jetzt in ihre Planungen für das Jahr 2010 mit einzubeziehen.« Das entspricht 35 Prozent weniger Zuschuss für die Mensen. Umgerechnet auf die knapp 300.000 Studierenden in Bayern kürzte der Freistaat den Essenszuschuss pro Kopf von 26,03 auf 15,05 Euro.

Der Brief kam kurz nach Neujahr in Regensburg an, doch der Wirtschaftsplan
für 2010 wurde bereits im Dezember 2009 dem Ministerium zur Genehmigung vorgelegt. In einem offenen Brief schrieben die bayerischen Studentenwerke an Ministerpräsident Horst Seehofer: »Dieser erneute gravierende Einschnitt bedeutet den Verlust jeder Planungssicherheit
und des Vertrauens in die Zuverlässigkeit staatlicher Finanzierungszusagen
im Bildungsbereich.«

20 Cent mehr für jedes Essen

Für das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz entstand eine Finanzierungslücke von 400.000 Euro. Es gab zwei Möglichkeiten um den Ausfall zu kompensieren: Das Studentenwerk könnte einen höheren Grundbeitrag von den Studenten verlangen. Im Moment beträgt der in Regensburg 88 Euro. »Wenn wir ihn erhöht hätten, wären wir aber das teuerste Studentenwerk geworden«, sagt die Geschäftsführerin Gerlinde Dietl. Oder aber die Essenspreise werden teurer: »Wir haben eine seit langem aufgeschobene Preiserhöhung dann moderat gestaltet.«

Auf Basis der verkauften Essen im Jahr 2008 rechnete die Geschäftsleitung der Studentenwerke Niederbayern/Oberpfalz aus, dass der Preis eines jeden Essen im Schnitt um 29 Cent erhöht werden müsste, um die fehlenden 400.000 Euro zu ersetzen. »Wir haben den Studierenden aber nicht 29 Cent  abverlangt, sondern im Schnitt 20 Cent«, erläutert Dietl. »Von den Bediensteten verlangen wir anteilig mehr. Denn das Essen für sie muss kostendeckend abgegeben werden.« Bisher haben die höheren Preise die erwartete Umsatzsteigerung gebracht: »Die Mensa ist wieder geöffnet und wir haben eine sehr gute Resonanz. Damit wären wir erst einmal über den Berg und können das Defizit klein halten.«

Begründet werden die Kürzungen von der Landesregierung mit einem Gutachten des obersten bayerischen Rechnungshofs. »Dieser hatte moniert, dass die Studentenwerke zum Ende des Jahres 2008 teilweise erhebliche Rücklagen und Rückstellungen hätten, und gefordert, diese müssten abgebaut werden«, so Susanne Raab von der Pressestelle des Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Petition blieb erfolglos.

Der Rechnungshof argumentierte, dass es nicht sein kann, dass der Freistaat
Schulden macht, um seinen Haushalt zu finanzieren und durch diese Schulden den Studentenwerken Geld für die laufenden Aufwendungen gibt, wenn die doch über hohe Rücklagen verfügen. Diese müssen für die Verwaltung und die Instandhaltung der studentischen Wohnanlagen gebildet werden. »Die Rücklagen dürfen wir aber nicht für andere Zwecke als für die Instandsetzung der Wohnanlagen einsetzen. Ich kann nicht einfach sagen: Die Mensa macht ich ein zu hohes Defizit und nehm dann meineRücklagen dafür her.«

Es dauerte nicht lange, bis sich Protest gegen die Kürzung formierte. Die Landesastenkonferenz, ein Zusammenschluss der bayerischen Sprecherräte, schrieb eine Petition an den bayerischen Landtag. Unter dem Slogan »Unhappy Meal« machten sie auf die Kürzungen aufmerksam und fanden innerhalb von zehn Tagen 30.000 Mitzeichner ihrer Beschwerde. Darunter waren nicht nur Studierende, sondern auch Dozenten oder Schüler. Auch von außerhalb Bayerns unterschrieben Leute .Im Brief an die Mitglieder des Petitionsausschusses wird an die grundlegende Aufgabe der Studentenwerke erinnert: »Es geht darum, die Lebenshaltungskosten am Studienort finanzierbar zu machen. Eine Kürzung des Mensazuschusses wird sich überproportional negativ auf Studierende aus finanziell schlechter gestellten Haushalten auswirken, die bereits jetzt massiv belastet sind.« Genützt hat die Petition allerdings nichts, denn im Februar lehnte sie der Ausschuss ab.

Wie wird es in Zukunft weitergehen?

»Minister Heubisch wird sich in den Verhandlungen für den kommenden Doppelhaushalt 2011/12 dafür einsetzen, dass die Zuschüsse für die Studentenwerke wieder entsprechend erhöht werden«, lässt das Wissenschaftsministerium verlauten. So positiv sieht das Gerlinde Dietl vom Studentenwerk an der Uni Regensburg nicht: »Mit mehr Geld können wir nicht rechnen, sondern maximal mit einer Rücknahme der Kürzungen. Und ehrlich gesagt, auch das halte ich im Moment für nicht sehr wahrscheinlich.«
Die Studentenwerke werden sich sehr wahrscheinlich also andere Finanzierungsquellen suchen müssen. Eine Privatisierung, wie sie Malte Pennekamp von der Studierendenvertretung Bayern befürchtet, schließt das Ministerium aus. Daran sei weder mittel- noch langfristig gedacht.
Gabriele Dietl vom Studentenwerk sieht pragmatisch in die Zukunft: »Wir müssen einfach versuchen, durch ein gutes betriebswirtschaftliches Konzept einigermaßen mit den noch gewährten staatlichen Subventionen um die Runden zu kommen.«

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Der Artikel erschien in der Lautschrift zum Thema “Freiheit”, Ausgabe 9, Sommersemester 2010

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Der Regensburg-Effekt

Veröffentlicht am | 11. 07. 2010 | Noch kein Kommentar

Ein Regensburger Blogger schrieb über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Die Diözese Regensburg ging juristisch gegen die Aussage vor. Eine Auseinandersetzung um Wahrheit, Meinungsfreiheit und Barbara Streisand.

Das Bistum Regensburg war in den letzten Monaten weit öfter in den Schlagzeilen als es ihm wohl lieb war. Missbrauchsfälle bei den Domspatzen wurden publik; im Zuge der Berichterstattung darüber hielt Bischof Gerhard Ludwig Müller die Gläubigen an, die «Reife des Glaubens zu haben, nicht auf all diese Schalmeien wie 1941 hereinzufallen” und gilt seitdem als der Bischof mit dem Nazi-Vergleich.

Der erste in einer Reihe von Skandalen war der Fall eines Pfarrers in Riekofen, der sich an einem Ministranten vergangen hat. Erst im Zuge des Verfahrens wurde öffentlich, dass der Pfarrer bereits zu einer zwölfmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Kindesmissbrauchs in seiner alten Gemeinde verurteilt worden war.

Eine Viertelmillion oder zwei Jahre Haft

Der Regensburger Stefan Aigner betreibt das Blog regensburg-digital.de. Er berichtet dort vor allem über Lokalpolitik. »Im März 2010 habe ich geschrieben, dass ich es als grotesk befunden habe, dass die katholische Kirche selbst Missbrauchsfälle aufklären soll, und habe das mit mehreren Beispielen begründet«, erzählt Aigner. Eines führte die Diözese Regensburg auf den Plan: Es ging um genau diesen Pfarrer aus Riekofen bei Regensburg, der 2008 wegen 22-fachen sexuellen Missbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Nachdem er sich 1999 in Viechtach während einer Osterfeier an zwei Brüdern vergriff, während ihre Schwester die Tat beobachtete, unterschrieb die Familie der Kinder eine Stillschweigeerklärung. Der Priester zahlte 6.500 Mark Schmerzensgeld an die Familie. Schon eineinhalb Jahre später arbeitete der Priester wieder mit Jugendlichen.

Die Streitfrage ist, ob es einen Zusammenhang zwischen der Schmerzensgeldzahlung und dem damaligen Stillschweigen der Familie gibt. »Dazu habe ich in meinem Kommentar eine Einschätzung getroffen, die ich so öffentlich nicht mehr äußern darf«, sagt Stefan Aigner. Im nächsten Satz schrieb er, dass das Bistum einen solchen Zusammenhang dementiert.

Die Diözese mahnte ihn ab, das heißt sie forderte Aigner auf, solche Aussagen in Zukunft zu unterlassen. Aigner machte daraufhin einen Kompromissvorschlag und veränderte seine Aussage, um sie deutlicher als Meinungsäußerung kenntlich zu machen. Das Bistum ignorierte das und erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen beide Formulierungen. Bei einer Strafandrohung von 250.000 Euro oder ersatzweise zwei Jahren Haft ist es Aigner untersagt, seine Sicht zum Verhalten der Kirche öffentlich zu sagen. Aigner findet das absurd: »Diese Einschätzung ist so oder so ähnlich auch beim Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, der Bild-Zeitung oder der taz zu finden.«

Aigner legte keine Widerspruch gegen die Unterlassungserklärung ein: »Wir wollen gleich ins Hauptsacheverfahren gehen. Hier kann man Zeugen laden und hat bessere Möglichkeiten, seinen Standpunkt darzulegen.« Falls er verliert, will er in die zweite Instanz gehen. »Mein Anwalt und ich scheuen uns auch nicht, bis zum Bundesgerichtshof zu gehen«, sagt er entschlossen, »denn in meinen Augen ist das Vorgehen ein skandalöser Angriff auf die grundgesetzlich garantierte Meinungs- und Pressefreiheit.«

Der Prozess wird in etwa einem halben Jahr stattfinden. Regensburg- digital.de wird durch Anzeigen auf der Website und den »Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.« finanziert. Um den Prozess finanziell stemmen zu können, hat Aigner auf seiner Seite zu Spenden aufgerufen. Mittlerweile konnte er auf diesem Weg etwa 10.000 Euro sammeln. Dem Medienmagazin ZAPP sagte Aigner: »Es wird ja wohl noch erlaubt sein auf Grund gewisser Tatsachen eine Einschätzung treffen zu dürfen. Die muss der Diözese Regensburg ja nicht gefallen. Die kann ja gerne dagegen argumentieren. Aber ich kann die sagen, auch öffentlich.«

Wo hört die Meinungsfreiheit auf?

Ein Richter muss nun entscheiden, ob Stefan Aigner schreiben darf, dass »die Geldzahlung nicht nur in den Augen unserer Redaktion einen Beigeschmack einer Schweigegeldzahlung hat« oder ob das Ordinariat ihm das verbieten darf. Das ist auch eine grundsätzliche Entscheidung: Wo hört Meinungsfreiheit auf und beginnen die persönlichen Rechte eines jeden?

Natürlich darf ein Autor im überall zugänglichen Internet nicht einfach schreiben, was er will. Das Grundgesetz definiert, wo die Meinungsfreiheit ihre Grenzen hat. In Artikel 5 steht: »Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.« Und genau diese persönliche Ehre des Priesters sieht das Bistum Regensburg verletzt. »Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter des Bistums Regensburg verfolgten niemals die Absicht, die Familie des Opfers zu hindern, die Straftat gesetzlich verfolgen zu lassen. Das Gegenteil ist richtig. Sie arbeiten eng mit den Behörden zusammen«, so schreibt das Bistum in der Stellungnahme »Was ist Wahrheit (Johannes 18,38)«.

Für das Bistum steht fest: »Aigner verbreitet eine glatte und bösartige Unwahrheit und bricht damit Recht.« Den Vorwurf, unwahre Behauptungen aufzustellen, macht die Diözese aber nicht nur Aigner, sondern einer ganzen Reihe von anderen deutschen Medien. Immer wieder habe man auf Tatsachen hingewiesen, je- doch ohne Erfolg: »Also entschied das Bistum, den juristischen Weg zu gehen.«

Unter anderem der Spiegel und das Handelsblatt berichteten in den letzten fünf Jahren, wie der pädophile Pfarrer Peter K. nach dem Missbrauch 1999 in Viechtach und seiner Strafe, die zu dreijähriger Bewährungszeit ausgesetzt worden war, schon nach nur eineinhalb Jahren wieder in der Jugendarbeit eingesetzt werden konnte, ohne dass die Gemeindemitglieder in seiner neuen Gemeinde Riekofen davon wussten. »Weder der Spiegel noch andere Medien belegten auch nur ansatzweise einen Zusammenhang zwischen geleisteten Zahlungen und der behaupteten und falschen Vertuschungsabsicht. Dokumente wurden niemals aufgezeigt«, steht in der Stellungnahme der Diözese.

Aigner stützte sich auf einen Artikel im Spiegel aus dem Jahr 2007 mit der Überschrift »Schweigen gegen Geld«, der sich auf Verträge zwischen der Diözese und der Familie beruft. Im Februar 2010 griff das Magazin die Geschichte in ihrer Titelgeschichte »Die Scheinheiligen – Die katholische Kirche und der Sex« wieder auf. Daraufhin erwirkte das Bistum Regensburg eine einstweilige Verfügung gegen das Nachrichtenmagazin, das wie Aigner ins Hauptsacheverfahren geht. Gegen den ursprünglichen Artikel aus dem Jahr 2007, der weiterhin abrufbar ist, geht die Diözese aber nicht vor. ´

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier griff diese Entwicklungen in seinem Blog auf, veröffentlichte die Stellen, wegen denen Aigner abgemahnt wurde, im Original – und wurde abgemahnt. »Die Diözese Regensburg geht nicht mehr nur gegen Artikel über ihr Verhalten im Zusammenhang mit dem Kindesmissbrauch eines Pfarrers vor elf Jahren vor. Sie geht auch gegen Artikel vor, die darüber berichten, wie sie gegen diese Artikel vorgeht«, so Niggemeier daraufhin. Er unterschrieb die Unterlassungserklärung nicht. Für ihn heißt das, dass es der Kirche nicht um eine Aufklärung der Ereignisse von 1999 gehe. »Es geht ihr offenkundig darum, das Thema insgesamt aus der Öffentlichkeit herauszuklagen.«

Dafür spricht die Wahl des Gerichts. Aigner betreibt die Seite zwar in Regensburg, aber da er im Internet publiziert, hat er fliegenden Gerichtsstand. In diesem Fall kann sich der Kläger den Gerichtsort aussuchen. Das Bistum Regensburg nutzte das für sich, indem es sich an das Landgericht Hamburg wandte. Die dortige Pressekammer ist umstritten, weil sie fast immer zugunsten der Persönlichkeitsrechte und gegen die Meinungs- und Pressefreiheit entscheidet.

Die mediale Aufmerksamkeit nimmt zu, nicht ab

Bischof Gerhard Ludwig Müller vermutet hinter den Medienberichten – erst über Fall des Pfarrers von Riekofen, jetzt über das juristische Vorgehen – eine gezielte Kampagne. Er predigte: »Es geht darum, heute die Glaubwürdigkeit der Kirche zu erschüttern.« Die Gefahr dabei ist für den Bischof als oberster Repräsentant der katholischen Kirche im Bistum Regensburg, dass es ihm wie der amerikanischen Sängerin Barbara Streisand ergeht. Sie verklagte 2003 eine Website und einen Fotografen auf 50 Millionen Dollar. Denn unter 12.000 Fotos von der kalifornischen Küste war auch eine Luftaufnahme ihres Hauses. Für sie war das eine Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte. Populär wurde das Bild allerdings erst während des Prozesses. Diesen Rückschlageffekt von Zensurversuchen wird »Streisand-Effekt« genannt.

In Regensburg heißt das: Das vermehrte mediale Interesse, das erst seit der Abmahnung und einstweiligen Verfügung entstanden ist, könnte für die Kirche den Effekt haben, den sie eigentlich verhindern wollte: Die Streitfrage bekommt mehr Aufmerksamkeit.

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Der Artikel erschien in der Lautschrift zum Thema “Freiheit”, Ausgabe 9, Sommersemester 2010

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EIn Preis für die Katholische Kirche

Veröffentlicht am | 11. 07. 2010 | Noch kein Kommentar

Der katholischen Kirche ist Gewinnerin der “Verschlossenen Auster”. Den Negativ-Preis verleiht das “Netzwerk Recherche”: “Er steht als mahnendes Symbol für mangelnde Offenheit und Behinderung der Pressefreiheit von Personen oder Organisationen gegenüber den Medien.” Die Laudatio von Herbiert Prantl gibt’s bei der Süddeutschen. 

Die Amtskirche hat aber geglaubt und glaubt zum Teil immer noch, ihr gebühre ein schonender Sonderstatus, sie sei unantastbar, weil sie so alt, erhaben und wertvoll sei. Anders herum wird ein Schuh daraus. Wer, wie es die Kirche tut und immer getan hat, sich die Rolle der Hüterin der öffentlichen Moral zuschreibt, wer, wie es die Kirche tut und immer getan hat, gern darauf verweist, dass er über ein gereiftes Orientierungswissen und über besondere Problemlösungskompetenz verfüge, der muss sich schon genau anschauen lassen, wenn es um die Unmoral in den eigenen Reihen geht, und der muss sich fragen lassen, wie es denn um die Qualität dieses Orientierungswissens bestellt ist und wo die Problemlösungskompetenz bleibt.

(…)

Es gibt eine Kirche, deren Selbstmitleid größer ist als das Mitleid mit den Opfern. Es gibt eine Kirche, die glaubt, sie habe lediglich ein Problem mit angeblich missliebigen Medien. Dieser Kirche widme ich diesen Negativ-Preis, die "Verschlossene Auster". Ich widme ihn, pars pro toto, dem Bischof meiner Heimatdiözese Regensburg, dem Bischof Gerhard Ludwig Müller. In diesem Bistum Regensburg liegt Wackersorf, der Ort, an dem einst eine Wiederaufbereitungsanlage gebaut und mit aller Macht und Staatsgewalt gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden sollte. Was Wackersdorf für die CSU war, ist Bischof Müller für die katholische Kirche: ein Fiasko.

Kirche kann ihr gesellschaftliches Gewicht nicht mit Geld, Geschichte und Steuermitteln erhalten oder zeugen. Es entsteht von selber durch Glaubwürdigkeit, und es verfällt mit Unglaubwürdigkeit. Die Kirche braucht das, was die Mediziner "restitutio in integrum" nennen, die vollständige Ausheilung. Mit der Forderung nach Öffnung und Demokratisierung hat Papst Johannes Paul II. einst den Ostblock gesprengt. Diese Forderung "liegt jetzt auf den Stufen des Petersdoms" (so Jobst Paul im DISS-Journal 19/2010). Damals, im Ostblock, hieß das Neue "Glasnost" und "Perestrojka". Heute, in der katholischen Kirche, heißt es, unter anderem, Aufhebung des Pflicht-Zölibats und Frauen-Ordination. Glaubwürdig wird die Kirche nur dann, wenn sie den Ursachen für die sexuelle Gewalt und deren jahrzehntelange Vertuschung auf den Grund geht. Sie muss dazu die verstörten und empörten Fragen der Menschen hören.

Vuvuzelakonzert

Veröffentlicht am | 05. 07. 2010 | Noch kein Kommentar

vuvuzela

Der Unterschied zwischen Soccer und Football

Veröffentlicht am | 27. 06. 2010 | Noch kein Kommentar

Fast Food ist das Nicht – "Agreeable" von Jonathan Franzen

Veröffentlicht am | 30. 05. 2010 | 2 Kommentare

Ich lese ja kaum mehr Rezensionen. Es nervt mich ungemein, wenn darin schon alles verraten wird. Selbst Analysen und Hintergründe zu Filmen, Büchern oder Musik erzählen oft schon viel zu viel von der Handlung oder Atmosphäre. Das Dumme an der Sache ist, dass ich sie genau so etwas gerne schreibe. Und auch lese – aber halt erst nachdem ich die Geschichte gelesen habe oder im (auf) Kino (.to) war.

Konkret geht es um die Geschichte “Agreable” von Jonathan Franzen. Zu lesen ist sie im amerikanischen Original beim Magazin “New Yorker.” Nur soviel: Franzen gibt einen Einblick in das Leben von Peggy, einer Highschool-Schülerin aus New York (ich schätze in den 1970er Jahren).

Interessant ist, dass ich mir den Text ausdruckte, weil er für einen im Netz ja doch überdurchschnittlich lang ist. “Agreeable” hat ausgedruckt neun Seiten. Und solch lange Texte lese ich weiterhin am liebsten analog. Doch für den Romanschriftsteller Franzen ist es eine ausgesprochen kurze Form. Zum Vergleich: Sein Buch “Die Korrekturen” hatte fast 800 Seiten. Trotzdem schafft er es auf den wenigen Seiten eine komplexe Handlung aufzubauen. Eindringlich wird Patty und ihre Umwelt – ihre Eltern, das Sportteam – beschrieben.

Ich habe die Geschichte im Zug von Passau nach Regensburg gelesen.Wer meint zwischen Vorlesungen, Büro und Weggehen keine Zeit zu finden, oder schlicht die Muse nicht zu haben, einen ganzen Roman zu lesen, findet hier ein feines Stückchen Literatur.

“Agreeable” von Jonathan Franzen

Ist eine grüne Wirtschaft möglich?

Veröffentlicht am | 12. 05. 2010 | 5 Kommentare

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman sagt „Ja”

Die Erde wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer weiter erwärmen. Das Kyoto-Protokoll wird 2012 auslaufen und die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen blieb ohne Ergebnis. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman erklärt, warum es nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll und notwendig ist in den Planet Erde zu investieren: Man zahlt heute einen Preis, wovon in Zukunft alle durch eine weniger zerstörte Erde profitieren.

Weiterlesen bei backview.eu

Der Moment – Olli Schulz und der Hund Marie

Veröffentlicht am | 08. 05. 2010 | Noch kein Kommentar

Alle haben ihren Glauben und sie halten daran fest

Nur was war noch mal der Grund, der so viele glauben lässt

Ihre Zukunft dauert ewig und das Jetzt ist nur ein Spiel

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