Archiv für die Kategorie ‘ Politisches ’

28. Juni 2011 0

Reich (auch) über Reiche. *Hust*

Von Katharina in Politisches

“Die Wahrheit über die Wirtschaft” ist schon ein sehr ehrgeiziger Titel, den das Video von Robert Reich trägt. Reich versucht in 2 Minuten und 15 Sekunden die fundamentalen Probleme der US-amerikanischen Wirtschaft zu erklären. Das gelingt dem ehemaligen Arbeitsminister unter Präsident Clinton gut.

Reich hat sechs Kernpunkte ausgemacht:

  • Die Wirtschaftskraft hat sich seit 1980 verdoppelt, die Löhne sind aber nicht dementsprechend angestiegen
  • Sämtliche Einnahmen gehen an die Superreichen
  • Mit Geld geht politische Macht einher
  • Hohe Budgetdefizite
  • Die Mittelschicht spaltet sich
  • Kraftlose Erholung nach der Finanzkrise

Interessant, gerade zum zweiten Punkt, nämlich, dass die Gewinne aus dem Wirtschaftswachstum ausschließlich an die Superreichen gehen:

Im Fall der 400 Amerikaner mit dem höchsten Einkommen liegt der durchschnittliche Steuersatz bei 18%.

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24. Juni 2011 1

Was ist jetzt eigentlich mit Griechenland?

Von Katharina in Politisches

Rettungspaket, Demonstrationen, strukturelles Defizit, Gemeinschaftswährung, Ratings, IWF, bla, bla, bla. Seit Monaten geht das so: Griechenland als Dauerbrenner. Gestern verhandelten die Regierungschefs der EU wieder über die Zukunft Griechenlands. Aber um was geht es eigentlich?Der Journalist Michalis Pantelouris hat das auf jetzt.de nochmal kurz und bündig erklärt (so kurz es eben geht): 

Was soll man jetzt zu Griechenland denken? (Teil 1) – GESTERN. Wie ist Griechenland in die Krise geraten?

Was soll man jetzt zu Griechenland denken? (Teil 2) – HEUTE. Was ist die Situation im Moment?

Was soll man jetzt zu Griechenland denken? (Teil 3) – MORGEN. Was wird?

Das Wirtschaftsmagazin Economist stellt klar, dass sich die EU-Regierungschefs sowieso nur zwischen drei Optionen entscheiden können – und das bitteschön schnell!

1. Immens hohe Transferzahlungen nach Griechenland, das die anderen Europäer wütend macht und somit aus politischen Gründen so gut wie unmöglich ist.

2. Griechenland stellt seine Zahlungen ein, was die Märkte destabilisiert und die Europäische Union gefährdet, ebenso eine unrealistische Version.

3. bleibt damit nur eine Umschuldung. Die bedeutet, dass Griechenland weiterhin auf externe Hilfe angewiesen sein wird. Eine weiter gefasste politische EU und eine Reform ihrer Institutionen ist dann aber endgültig unausweichlich.

Die Zeitschrift veröffentlicht ihren eigenen Vorschlag: “There is an alternative, for which this newspaper has long argued”: Eine Umschuldung, bei der die Schulden von im Moment 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukt auf 80% des BIPs halbiert werden. Einen Schock auf die Märkte wie bei Lehmann Brothers würde es nicht geben, denn ein Zahlungsstopp würde ja schon lange erwartet werden (genau das sagen ja auch die schlechten Ratings aus). Banken, die noch immer griechische Papiere halten seien heute besser in der Lage, die Verluste hinzunehmen. Aber eines sei klar: Nur einfach mal 50% der Schulden wegzustreichen, löst Griechenlands Probleme nicht. Die Einnahmen und Ausgaben müssten kontrolliert werden, was in die Souveränität der Staaten eingreift, die EU also ihre politischen Rechte ausweiten müsste: Hallo Wirtschaftsregierung!

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18. Juni 2011 0

Stuxnet: Die erste Waffe nur aus Code

Von Katharina in Politisches

Cyberwar ist ja seit ein paar Wochen wieder ein großes Thema. Dazu: Stuxnet, der krasseste Virus, den man bisher entdeckt hat. “Stuxnet is the first weapon to be entirely made out of code.” Und so funktioniert diese Waffe:

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14. Juni 2011 2

Mobil machen in Syrien

Von Katharina in Politisches

Manche Geschichten sind so verquer, ambivalent und absurd, dass sie einfach nur noch komisch sind. So wie diese: Amina Adalla ist  verschleppt worden, mitten in der Hauptstadt Syriens.  So steht es plötzlich auf ihrem Blog, es gebe Zeugen. Amina Affaf bloggt als Gay Girl in Damascus mit Verve und einem großen “Fuck you” gegen das politische System in Syrien.

Die Bevölkerung hat dort seit Wochen und Monaten soviel Druck auf Präsident Baschir und seine Regierung aus Geheimdienst und Militär ausgeübt, dass das Regime nur mehr mit Gewalt zu helfen weiß. Unter dem schlanken Baschir, dessen Aussehen sich aus einem Hitlerbild in einem Programm, das Gesichter verzerrt, darstellen lassen kann gibt es so viel Gewalt, dass Tausende Menschen über die Grenze in die Türkei flüchten. Die Proteste der Bevölkerung sollen vor allem auf dem Land sein, im Norden des Landes, in Gegenden, von denen die türkische Grenze nicht mehr als 150 Kilometer zurück sind.

Recht viel mehr ist nicht bekannnt. Journalisten dürfen sich schon lange nicht mehr dort aufhalten, nachdem die Rebellionen in Nordafrika und dem Nahen Osten im Winter und Frühling auch in Syrien die Menschen für mehr Freiheit, mehr Geld und mehr Demokratie forderten. In Berlin hatte es schon im März Demonstrationen gegen die syrische Regierung gegeben, etwas abseits von Kairo, Tunis und Bahrain und machten mobil. Ein bisschen Informationen aus dem Land zwischen der Türkei und Israel, bringt Amina Abdalla. Annina verlinkte auf Facebook zu den Unterstützern von Amina, ebenfalls auf Facebook, wo ihre Seite “Free Amina Abdalla” heißt. Mir gefiel das natürlich, genauso wie 13 Tausend 399 anderen bis gerade eben auch.

Plötzlich zwei Tage, nachdem ich den Gefällt-mir-Button gedrückt habe und mehrere Artikel, die ich nur am Rande auf den üblichen feministischen Blogs wahrnahm, ist aus Amina Abdalla, einer 26-Jährigen aus Damaskus plötzlich ein 27-jähriger Amerikaner aus Istanbul geworden.

Hä? Und nun?

Gedanken aus erster Hand und weiterführende:

  • Apology to reader – Die Entschuldigung von Tom MacMaster, in der er erklärt, warum er angefangen hat, als lesbische Frau zu bloggen und die Entführung seiner Person (in einen syrischen Folterkeller) zu inszenieren.
  • Amina is a Man, and He’s Sorry – so am I! – Auch Annina entschuldigt sich dafür, dass sie ihre Leser aufforderte eine Petition zu unterschreiben. Ich meine: Der Fehleralam hat wenigstens geklappt.
  • A Fake Girl in Damascus - Hakan fragt sich, wie solche Identitäten von Onlinepersonen überprüft werden könnten. Denn gerade auch, dass Journalisten die Geschichte aufgenommen haben ohne offenbar herauszufinden, dass Amina eigentlich von Tom erfunden wurde, machte sie groß.
  • Lesbian Ranting – “Amina” und “Paula” Charly ist auf Kweens ja mal richtig sauer, u.a. wegen, wer einem lügt, dem glaubt man kaum. Und tatsächlich: Würde morgen eine 23-jährige Frau aus Syrien verschwinden, woher soll man den wissen, ob es die Person hinter der anrührenden Geschichte aus wirklich gibt? Und warum machte das Tom MacMaster überhaupt fünf Monate lang?

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3. Juni 2011 0

Rohkost

Von Katharina in Politisches

In der bayerischen Vertretung in Berlin glauben die Köche, dass ein Teller mit gelben Rüben, Salat, Tomaten, Paprika und Oliven mit schmalzartigem dunkelgrünem Etwas darauf eine vollwertige fleischlose Mahlzeit sei. Zumindest mit einer Hoibe Bier im Steinkrug sollte ich so auf meine erforderlichen Kalorien kommen. Obst in Vanillesoße, eine mir bis dahin unbekannte Kombination, rundete ein karges Mittagessen ab. Und das gerade an dem Ort, von dem mir eine Mitstudentin sagte, dass es ihn nur gebe, um Besuchergruppen aus Bayern zu verköstigen.

Es wird in dem Gebäude in Berlin-Mitte aber auch gearbeitet, sagte der Referent für Bildungspolitik. Im Bundesrat zum Beispiel. Darauf gehe mindestens ein Arbeitstag in der Woche drauf. Ich dachte an Kalbsgulasch mit Kartoffeln. Der Herr im mittleren Alter erzählte, dass ein Unterschied zwischen dem Landtag in München und dem Bundestag sei, dass die Entscheidungsprozesse professioneller ablaufen. Es gebe in Berlin einfach viel mehr Mitarbeitern in den Fraktionen. "Jeder hat hier vier, fünf Referenten." In Bayern gebe es für jeden Fachbereich der Fraktionen einen Mitarbeiter (Wobei ich mir das zum Beispiel bei der CSU nicht vorstellen kann, bei den Freien Wählern, die ihre erste Legislaturperiode im Parlament sitzen, dagegen schon).

Ähnliches schreibt die Zeit über die Grünen, denen gerade in Wirtschaftspolitik kein großes Sachverständnis zugetraut wird. Das liege gerade auch an der fehlenden Erfahrung, heißt es unter der Überschrift "Wenn Grün auf Wirtschaft trifft": 

Grüne Fachpolitiker verweisen darauf, dass noch nicht alles bis ins Klein-Klein durchdacht ist. Oftmals seien nur Fernziele formuliert. Anders als andere Parteien verfüge man noch nicht über den jahrelangen Erfahrungsschatz von (Landes-)Finanz- und Wirtschaftsministerien.

Die Zeit schreibt einen Artikel über grüne Wirtschafts- und Finanzpolitik, wie ich ihn schon lange lesen wollte. Jetzt, wo sie zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellen und auch im Bund in die Regierungsverantwortung drängen, bleibt diese Frage nicht aus: Kann denn das klappen mit den vermeintlichen Verstaatlichern und Windparkanlagenfans? Was hat es denn jetzt auf sich mit diesem "New Green Deal"? Taugt der was?

Zentraler Punkt ist darin eine Vermögenssteuer für Menschen mit einem Einkommen über einer Million Euro im Jahr. Betroffen wären ein Prozent der Steuerzahler. Opposition gibt es da sogar schon innerparteilich. Christine Scheel warnt davor, dass das dem Mittelstand nicht so gut bekommen könnte.

Umstritten sei auch die Zahl 420 Euro in der Grundsicherung für Hartz-4-Empfänger,heißt es  "hinter vorgehaltener Hand", was irgendwie komisch klingt aus einer Partei, die doch so offen mit Meinungen umgehen will.

In einer "Grünen Bürgerversicherung" soll es gleiche Bedingungen geben, egal öffentliche oder private Krankenkasse. "Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen wieder gleich hohe Beiträge zahlen. Der Beitragssatz eines Bürgers soll sich zusätzlich aus "allen übrigen Einkünften, wie Miet- und Vermögenserträgen" berechnen (…)".

Was das große Ganze der Finanzmärkte angeht, glaube ich, dass die Grünen das einzige Konzept entwickeln könnten, das sich von dem der anderen Parteien unterscheidet. Außer der Finanztransaktionssteuer weiß ich nur wenig konkretes darüber.

Nach der Seriosität einer grünen WIrtschaftpolitik zu fragen, ist aber nicht mehr zeitgemäß:

In den Forschungsinstituten, die sich mit grünen Ideen befasst haben, äußert man sich jedenfalls positiv über die Partei: Deren Konzepte seien genauso gut vorbereitet, wie die von Union und SPD auch. Manchmal enthielten sie Fehler, falsche Einschätzungen. Aber das sei auch bei den anderen Parteien normal. Deswegen werde ja extern geprüft.

Der Vollständigkeit halber: Nach einem Tag mit nur halb mit Rohkost gefülltem Magen in Zeiten von EHEC, kehrten wir irgendwann in einem Fastfood-Restaurant ein und genossen das güldene Glück.

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25. April 2011 0

Globalisierung 3.0: Die flache Welt

Von Katharina in Politisches

Thomas Friedman ist Kolumnist bei der New York Times. Er beackert die großen außenpoltischen Fragen und hat sich dem Thema Globalisierung angenommen. In “Die Welt ist flach – Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts” versucht er sich, die Welt in Zeiten des Internets und weltumspannender Kommunikation zu erklären. In großen Teilen macht er das gut und plausibel. Seine zentrale These ist: “Die Mitspieler [der Globalisierung] haben die gleichen Voraussetzungen. Das Spielfeld wird eingeebnet.“

Die erste Phase der Globalisierung war die Zeit der Kolonialreiche, als Nationen sich auf der ganzen Welt ausbreiteten. Danach, so zwischen 1800 und 2000, war die Zeit der global agierenden Unternehmen. McDonalds und Coca-Cola sind da nur die Aushängeschilder von Firmen, deren Markt die ganze Welt ist. Seit etwa dem Jahr 2000 ist die dritte Welle der Globalisierung im Anrollen. Jetzt sind es die Individuen, die miteinander kooperieren und konkurrieren.

Für Friedman sind für diese Einebnung der Welt zehn Faktoren verantwortlich, die sich grob in drei Themengebiete einteilen lassen: Politische Veränderungen, Internet und Computer, und veränderte Unternehmensstrukturen.

Der Fall der Mauer war der erste wichtige, und einzig politische Schritt. Interessant fand ich die Feststellung, dass totalitäre Systeme ein Informationsmonopol brauchen. Genau das versucht ja der chinesische Staat mit der (Internet-)zensur zu halten.

Dazu kommt der Start des Netscape-Browsers, der PC-Laien erlaubte, das Internet zu benutzen. Der Workflow konnte durch Software und allgemeine Standards verbessert werden, schließlich braucht man sich zB heute keine Gedanken darüber machen, ob der andere ein Word-Dokument öffnen kann. Diese Frage stellt sich einfach nicht mehr; Word ist Standard (Alter!).  Außerdem die Open-Source-Bewegung, Wikipedia, Blogger usw.

Auf Unternehmensebene veränderten das Outsourcing (klar beschränkte Aufgabe von einem anderen Unternehmen durchführen lassen, z.B. Kundenservice in indischen Callcenters), Offshoring (ganze Fabriken verlagern) und Insourcing (Logistik der Wertschöpfung wird von externen Dienstleistern unternommen, beispielsweise hat sich Nike ganz auf die Entwicklung neuen Schuhwerks konzentriert und hat mit der Logistik seiner Waren nichts mehr zu tun) die Geschäftswelt. Das Meisterstück sind globale Wertschöpfungsketten, die perfekt aufeinander abgestimmt werden. Und der Spitzenreiter ist (oder war zumindest zum Zeitpunkt als das Buch 2007 geschrieben wurde) Walmart das größte Unternehmen der Welt, das kein einziges Produkt selbst herstellt. Stattdessen hat es eine super-effiziente Wertschöpfungskette, die schwer zu kopieren ist.

Zum ersten Mal erfuhr ich dem Buch von einem positiven Aspekt der Dotcom-Blase Ende der 90er Jahre. Massive Überinvestitionen in Glasfaserkabel führten dazu, dass nach dem Platzen der Blase, viel zu viele Kabel in die Erde gelegt wurden. Das heißt: Das Angebot war größer als die Nachfrage, die Firmen mussten als den Preis für die Datenübertragungen senken. Deshalb wurde dann langsam schnelles Internet und Flatrates auch für kleinere Unternehmen und Privathaushalte erschwinglich.

Thomas Friedman ist Journalist bei der New York Times. Das ist Vorteil und Nachteil zugleich. Es ist großartig, weil er unterhaltsam schreibt, mit Leuten gesprochen hat und das Buch wie eine Reportage über 600 Buchseiten daherkommt. Immer wieder kommen Unternehmer, Manager und Arbeitnehmer aus aller Welt zu Wort, die beschreiben, wie sich die Globalisierung auf ihr Geschäft auswirkt. Vor allem seine zehn Faktoren für die Einebnung der Welt stellt er so überzeugend dar.

Danach schreibt er auch darüber, was das für Menschen und Staaten bedeutet, die einfach nicht mitmachen können. Was da raus kommen kann, sieht man an den Revolutionen in Nordafrika. 

Nach der Hälfte des Buches machen die ständigen Beispiele das Buch sehr langatmig. Fast hat man das Gefühl Friedman musste die Seiten irgendwie füllen. Vor allem gegen Ende merkt man, dass sich das Buch für den amerikanischen Markt geschrieben ist. Sehr pathetisch wird es wenn es um das Thema 11.September und Terrorismus geht, was ja auch gerade nur wegen der flachen Welt möglich war: Osama bin Laden organisierte “eine globale Wertzerstörungskette”.

Meine Empfehlung lautet daher: Lest das Buch, es erklärt großartig, wie die Globalisierung auf Individuen wirkt. Die zweite Hälfte des Buches ist nicht schlechter als die erste, hätte jedoch auch mit weit weniger bedruckten Seiten auskommen können.

Schön ist übrigens immer wieder in Texten, die fünf bis zehn Jahre alt, sind Lobeshymnen auf Irland und Schimpftiraden auf den deutschen Arbeitsmarkt zu finden.

Thomas L. Friedman, Die Welt ist flach Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts, Suhrkamp, 764 Seiten

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25. April 2011 0

Die Klugscheisser: Im Internet flimmert nichts.

Von Katharina in Politisches

Der bayerische Rundfunk stellt drei großartige Kabarettisten und Comedians auf eine Bühne, nennt die Sendung die “Die Klugscheißer” und verbockt es trotzdem. Ich war sehr euphorisch als ich die Sendung entdeckt habe. Mein nicht besonders komplexer Gedankengang nachdem ich den Trailer gesehen habe, war folgender: “Der Jonas, die Monika Gruber und der Rick von der Bullyparade zusammen beim Dritten, geil, Mediathek.” Die drei stellen Politikberater dar und machen dazu dann klassisches politisches Kabarett.

Die erste Folge war nicht sehr überzeugend. Die Sendung will zu viel. Sie ist ganz modern konzipiert, mit viel Touchscreen-Optik, schon im Vorspann, dann auch während der Sendung. Aber trotzdem – und vielleicht gerade deswegen – wirken machen Dinge sehr veraltet: Bei Bruno Jonas fängt ein Bildschirm immer zu flimmern an. So ein Blödsinn, erst so technikaffin tun – und dann krabbeln die schwarzen Ameisen über weißen Grund. TV-Satellitenempfang ist so letztes Jahrhundert.

Aber das anachronistische Fernsehsflimmern ist nicht das einzige, was bei den Klugscheißern nicht passt. So ganz nehme ich Bruno Jonas seine Rolle als Internetanalysator nicht ab. Monika Gruber macht Späße über Veronika Ferres und Uschi Glas. Wen interessieren  denn die beiden? Womöglich die Zielgruppe des Bayerischen Rundfunks, die er hat – so ab der Lebensmitte – und die nicht die, die er gerne hätte – die darunter.

Apropos Monika Gruber. Monika Gruber ist eine der wenigen Frauen auf den deutschen Kabarettbühnen. Die Gruber ist messerscharf in ihren Beobachtungen, spricht derbes Bayerisch und sich leider manchmal auch für ein paar Lacher mit plattesten Vorurteilen zum Beispiel bezüglich Ausländer nicht zu schade. (Habe da an eine kleine Tirade über klauende Polen in Erinnerung.)

Bei den Klugscheißern stöckelt sie auf High-Heels und blauem Minikleid über die Bühne und spielt die Sekretärin vom Jonas, der von dem Job überfordert scheint. Sie allerdings  ist schlagkräftig und kennt sich aus. Wenn sie schon seine Sekretärin ist, dann könnte es zumindest realistisch dargestellt werden: Ich möchte ich mal eine Sekretärin im echten Leben sehen, die in solch einem Kleid am Arbeitsplatz sind. Überhaupt macht diese Sekretärin-und-Chef-Nummer keinen Sinn. Es ist nur eine doofe und schlechte Hintergrundstory, mit der sich die Sendung von Einzelauftritt zu Einzelauftritt der drei hangelt.

Aber die Sendung hat auf jeden Fall Potenzial. Vielleicht sollten alle drei nicht so in ihren Rollen verharren –. Monika Gruber als blonde Frau, Rick Kavanian als der Grieche und der Bruno Jonas als der alternde Überklugscheisser und Chef. Die Monika Gruber kann nämlich auch Nummern über Politik ohne Frauen, Kinder und Sozialstaat; Rick Kavenian ist bestimmt auch schon gelangweilt davon, dass er die ganze Sendung einen Ausländer spielen musste, nur weil er gut mit Akzenten ist. Bruno Jonas ist wie immer.

So verkümmert die gute Idee zu einer herkömmlichen Kabarettshow, der ein Social-Media-Experte vom Internet erzählt hat. Lieber keinen Background mit der Politikberatung und  einfach so auf die Bühne gehen und die Stücke nacheinander ohne größeren Zusammenhang erzählen als auf diesem Papa-hat-Geburtstag-wir-machen-eine-Einlage-Level. Denn alleine sind sie ziemlich gut, aber zusammen, mit der “Hintergrundstory” macht es keinen großen Spaß. Ich glaube, dafür sind sie auch alle drei zu schlechte Schauspieler. Es würde reichen, wenn sie das täten was sie am besten können: Blöd daherreden. Und zwar mit weniger Klischees und auf gleicher Ebene.  

Weil Ostern ist ein Papst-Witz und einem Mann mit blondem und wallendem Haar:

Papst braucht neuen Job: “Er trägt gerne ausgefallene Klamotten und glaubt an das Unmögliche? Er soll Wetten Dass moderieren.” 

Es spricht nicht für die Klugscheißer, dass ich mir dachte: Wenigstens haben sie einen guten Schluss-Gag hingebracht.

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17. April 2011 1

Die digitale Gesellschaft: Aktivisten fürs Internet

Von Katharina in Politisches

In Berlin hat sich letzte Woche die Digitale Gesellschaft gegründet. Grob gesagt, ist das eine Interessensvereinigung für das Internet. Ihre Themen sind die großen Diskussionen in Sachen Internetpolitik: Vorratsdatenspeicherung, Netzneutralität, Urheberrecht und Datenschutz. Sie wollen auch mehr offene Daten in Deutschland und transparente Strukturen bei Lobbyisten.

Markus Beckedahl von Netzpolitik.org hat den Verein auf der Re-publica vorgestellt. Diskussionen gab es, weil der Verein nicht offen für jeden ist, sondern mit einem geschlossenen Kreis an Menschen die Arbeit beginnt. Der Grund ist einfacher: Zu viele Menschen diskutieren viel (und verderben den Brei – ich hasse Sprichwörter) und zu einer Lösung zu kommen wird schwierig. Es war absehbar, dass genau das auch angegriffen wird – so war es dann auch. Eigentlich alle Fragen aus dem Publikum gingen in die gleiche Richtung: Warum kann nicht jeder beitreten? Wird sich der Verein öffnen? Läuft da alles transparent ab?

Es hatte schon etwas komisches, wie die Fragesteller genau den Grund lieferten, warum der Verein mit einer festen Zahl an Leuten startet (später kann er sich öffnen, meinte Beckedahl): Mit einer großen Gruppe von Leuten ist es schwer effizient zu arbeiten.  Und wie ich eben sah, dreschen viele, viele Kommentare auf dem Blog der Digitalen Gesellschaft in dieselbe Kerbe, aber auf eher beleidigendem Niveau. Ich vermute, das ist ein solcher Shitstorm von dem auf der Republica in den letzten Tagen so viel geredet wurde (da geilen sich die Kommentatoren zum Beispiel daran auf, dass am Sonntag um 7 Uhr morgens niemand die Kommentare moderiert – erbärmlich, da ist es wirklich besser, da sie die Leute nicht mitmachen lassen).

Die digitale Gesellschaft will in Zukunft Kampagnen schalten und startet mit “Warum?”-Fragen, zum Beispiel:

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Ich finde es gut, dass sie auch das Thema Lobbyismus aufgegriffen haben. Im Grunde will ja auch die digitale Gesellschaft das gleiche machen: Einfluss auf die Politik und die öffentliche Meinung nehmen. Das ist ja auch legitim und ich finde es großartig, wenn sich die Gegenseite der “bösen” Lobbyisten professionalisiert. Denn wenn man schon bedauert und schimpft, dass die Unternehmen und die Wirtschaft zu viel Einfluss, zu viel Geld und zu viele ihrer Leute in Berlin und Brüssel haben, dann sollte man dieser Armada am besten so effizient wie möglich entgegentreten. Ich halte die digitale Gesellschaft für einen guten Anfang.

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