Fehlender Realismus bei der bayerischen SPD
Veröffentlicht am | 07. 03. 2008 | Noch kein Kommentar
Franz Maget, der wohl optimistische Politiker in unseren Landen und das, obwohl er der Franktionsvorsitzende der SPD im bayerischen Landtag ist, sprach von einem “fantastischen Ergebnis für die SPD in Bayern” bei den Kommunalwahlen am 3. März. Warum behauptet er das? Muss ich an seiner Auffassungsgabe zweifeln, oder was bitte ist so lobenswert an einem Rekordtief von 22,6 Prozent der Stimmen?
Natürlich konnte Christian Ude in München seine Bürgermeisterwahl gewinnen und auch in Nürnberg und Fürth gewannen die Kandidaten der SPD. Und ja, in Passau muss der amtierende Zankl in die Stichwahl gegen den roten Dupper. Doch das sind alles Erfolge in Städten. Wie sieht es auf dem in Bayern zwar nicht ganz so flachem Land aus? Dort verkommt die SPD zu einer Splitterpartei!
Es ist schon eine Tragödie mit der SPD in Bayern. Sie können tun, was sie wollen - Erfolg werden sie nicht haben. Django Asül drückte seinen Finger bei der Nockherbergrede 2007 genau in diese Wunde: “Erfolg - ein Fremdwort für die SPD in Bayern.” Und dann träumen die Spitzen der BayernSPD sogar vom Ende der absoluten Mehrheit der CSU im Landtag.
Eine Binsenweisheit: Eine Kommunalwahl ist keine Landtagswahl. So einfach ist es. Das sieht auch der Landesgruppenchef im Bundestag Florian Pronold, mit dem ich für politikorange ein Interview geführt habe, so: “Die Menschen schauen bei Kandidaten für Kommunalwahlen darauf, was die Personen tun und wie sie rüberkommen. Bei Landtagswahlen ist die politische Grundausrichtung viel wichtiger. Deshalb läßt sich ein Erfolg bei Kommunalwahlen nicht so leicht auf die Landesebene übertragen. Trotzdem wollen wir den Schwung des Erfolges mitnehmen für die Landtagswahl.” Das sagte er vor den letzten Kommunalwahlen. Doch welchen Schwung wollen sie nach dieser Niederlage mitnehmen?
In den Stadträten und Kreistagen im Freistaat sind neben den allgemein bekannten CSU, SPD, GRÜNEN und der FDP, natürliche viele freie Wählergruppe, die Bayernpartei, die ödp und hin und wieder lässt sich leider sogar ein Republikaner finden. All diese Gruppen und Parteien gehören meist den konservativen Spektrum der Parteienlandschaft an, die bei den Landtagswahlen, bis auf wenige Ausnahmen, nicht antreten.
Wen wählt der konservative Bayer dann? Die christlich-soziale Union natürlich. Und vom Ende der absoluten Mehrheit ist man dann wieder weit entfernt.
Die einzige Chance, die CSU aus der Regierung zu drängen oder zumindest zu einer Koalition zu zwingen, ist nur möglich, wenn eine vierte Partei in den Landtag einzieht, schließlich gingen 12 Prozent bei den Wahlen 2003 an andere Parteien. Potenzial wäre theoretisch da. Doch welche Partei könnte in das Maximilianeum als vierte Partei einziehen? Die LINKE hat in Bayern keine Chance. Es bleiben die FDP, die öpd und die Freien Wähler.
Die FPD ist seit 1994 nicht mehr im Landtag vertreten. Die ödp ist eine gesichtslose Partei mit ökologischem Anliegen und konservativer Grundeinstellung. Die Freien Wähler strebt den ersten Landtagseinzug an und wäre zu einer Koalition mit der SPD und den Grünen bereit.
Könnte die Sensation im Herbst eintreten? Ich denke kaum, denn trotz der Turbulenzen um Stoiber und den Kämpfen um den Parteivorsitz zwischen Huber und Seehofer im letzen Jahr, sieht die Mehrheit der Bayern keine Alternativen neben der CSU. Auf Kommunalebene hat die CSU ihre Alleinherrschaft schon verloren, aber ich befürchte, dass dies auf Landesebene frühestens bei den Landtagswahlen 2012 möglich ist.
So sehr ich also auf eine rasche Änderung der Machtberhältnisse im schönen Bayern hoffe, realistisch gesehen muss ich darauf noch ein paar Jahre warten. Da wird auch ein “Raketenwahlkampf ” der SPD nichts nützen.
Informationen über den Irakkrieg
Veröffentlicht am | 27. 02. 2008 | Noch kein Kommentar
Der Irakkrieg bestimmt die Medien seit vier Jahren wie kein anderes Thema. Kaum ein Tag vergeht ohne Berichte über Selbstmordattenate oder neueste Berichte über die verheerende politische Lage zwischen Eufrat und Tigris. Die Präsidentschaftsvorwahlen in den USA heizen das Thema zusätzlich an, geht es doch auch die Zukunft Iraks: Obama will den sofortigen Abzug der Truppen, Mc Cain als Vietnamveteran sieht nur militärische Härte als Möglichkeit, Clintons Meinung ist irgendwo dazwischen anzusiedeln, Tendenz zu Mc Cain.
Doch neben diesen Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln, hat kaum jemand einen Überblick über die politischen Lager. Al-Sadr, Schiiten, Sunniten oder “Grüne Zone” - natürlich kennt jeder die Begriffe, der regelmäßig Zeitung liest. Doch was bedeuten sie? Welche politischen Lager neben der Religionszugehörigkeit gibt es? Und spielt die Trennung zwischen den Muslimen wirklich eine so große Rolle, wie überall zu lesen ist?
Aufschluss über die politische Situation gibt ein Artikel auf Hintergrund.de. Er berichtet ausführlich über den Irak unter amerikanischer Besatzung. Dabei werden verschiedenste Studien ausgewertet und ein Rundumschlag über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemacht.
Die Bush-Administration habe im Irak keinen Fehler ausgelassen, so eine häufig geäußerte Kritik, gerade so, als hätten sie eine Checkliste abgearbeitet. Wäre das Hauptziel ein stabiler, demokratischer Irak gewesen, so wäre das sicher richtig. Stabilität hatte für die dominierenden Kräfte in Washington jedoch nie Priorität. Sie versuchten genau das umzusetzen, was sie sich vorgenommen hatten – ohne die geringste Rücksicht auf die Iraker.
Es ging schließlich nicht nur um die Absetzung des Regimes von Saddam Hussein. Ziel war vor allem die dauerhafte Ausschaltung des Iraks als Regionalmacht und zweitens die Etablierung einer massiven permanenten militärischen Präsenz – als Ausgangsbasis für die Umgestaltung bzw. Unterwerfung der gesamten Region. An dritter Stelle stand schließlich die Umwandlung des Iraks in ein radikal neoliberales Modell und der direkte Zugriff US-amerikanischer Konzerne aufs irakische Öl. (Unterpunkt: Weichen von Washington früh gestellt)
Neben diesen Punkten, die kritischen Beobachtern bewusst sind, beschäftigt sich der zweite Teil mit den Widerstandsgruppen und Freiheitskämpfern, ihrer Organisation und Stärke. Dabei kommt der Autor zu einem Schluss, der so direkt kaum in Zeitungen zu lesen ist. Ich zumindest hatte bisher den eindruck Sadr sei ein militanter Islamit, der die Scharia einführen will.
Keine bedeutende Widerstandsgruppe strebt einen islamischen Staat an, auch nicht die Bewegung des schiitischen Klerikers und Besatzungsgegners Muktada al Sadr. Die einzigen Organisationen, die eine islamistische Gesellschaft anstreben, sind die schiitischen Regierungsparteien SCIRI und al-Dawa, sowie die Al-Kaida-nahen Gruppen, die Ende 2006 einen »Islamischen Staat Iraks« proklamierten. (Unterpunkt: Gegenkräfte, Bewaffneter Widerstand)
Am Schluss wagt der Autor einen Ausblick in die Zukunft, einen Ausblick auf die weitere Strategie Amerikas. Nach dem Vorbild Israels wollen sie mit Mauern, Zäunen und Barrikaden die Städte unter Kontrolle halten.
Wer viel Zeit hat und Lust sich ausführlich über den Irak jenseits von ard, Süeddeutsche und Spiegel zu informieren, dem sei dieser Artikel wärmestens empfohlen.
(via).
Männersache
Veröffentlicht am | 18. 02. 2008 | 1 Kommentar
Mütter haften für ihre Kinder. Sie machen das. Sie können das. Sie haben die Kinder neun Monate lang im Bauch getragen, sind also für Pflege und Fürsorge prädestiniert - eine Haltung, die 1968 und an den antiautoritären Aufbruch zwar nicht ganz unbeschädigt überstanden hat, aber dennoch in einigen Köpfen weiterlebt, die manchmal einen Bart tragen, manchmal aber auch Eva heißen. (Die ZEIT vom 3. Januar 2008)
Diese Einstellung herrscht meiner Meinung nach in mehr Köpfen vor, als es der Autorin lieb ist. Frauen. das ist Haushalt. Frauen, das sind Friseurinnen und Krankenschwestern. Am besten halbtags, damit nachmittags die Kinder versorgt sind. Wozu also höhere Bildung? Verschwendete Zeit.
Ist es wirklich so wie der SPIEGEL im Dezember schreibt: Eltern schicken ihre Mädchen nicht aufs Gymnasium, weil doch der Realsculabschluss sowieso reicht?
Im schönen Niederbayern geht halt alles etwas langsamer. Frauen in der Politik gibt es kaum. Eine Frau sitzt im Parlament meiner Heimatstadt, im Umkreis von 150 km gibt es eine Bürgermeisterin (zumindest, soweit ich weiß.) Diese ist in der CSU, der Männerpartei, ohne die gar nichts geht. Sie ist meiner Meinung nach notwendig, um in einer konservativen Gegend wie meiner Heimat überhaupt einen Fuss auf den politischen Boden zu bekommen. Eine Frau und dann möglicherweise auch noch bei der SPD oder den Grünen - Gott bewahre. Eine Teufelsanbeterin, eine Abgefallene.
Bei der Union, beziehungsweise ihren Derivaten, die in Ostbayern tatsächlich nicht zu unterschätzende Stimmenanteile bekommen, wie die Bayernpartei oder die ödp, weiß Mann was man hat: Eine Frau mittleren Alters, die die Langeweile quält, seitdem die Kinder aus dem Haus sind.
Doch, denkt ihr Leser bestimmt, was soll die Schwarzmalerei? Wir leben im 21. Jahrhundert, auch in Niederbayern laufen der katholischen Kirche die Gläubigen davon. Natürlich, antworte ich da, doch an der politischen Mitbestimmung der Frauen hat sich trotzdem nichts geändert.
Beispiel: Die Kommunalwahlen im März. Auf der Seite bsmparty.de, dem sozialen Netzwerk für die Jugend in Ostbayern, bei der gefühlte 100 Prozent der Jugendlichen Mitglied sind, hat ein Wahlportal erstellt: Alle jungen Kandidaten können sich anmelden und sich vorstellen. Insgesamt gibt es fünf Landkreise. Inzwischen haben sich viele Kandidaten angemeldet, auch die, die nicht mehr ganz so jung sind. Doch in den fünf Landkreisen kandidiert offenbar nicht eine Frau!
Keine junge Frau will in einen Gemeinderat - das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Wobei wir beim nächsten Punkt sind. Auf Kommunalebene wohl noch mehr als auf Landes- oder Bundesebene spielt sich oft in Klüngeln ab. Der Huber und der Meier sind halt schon seit 20 Jahren im selben Stammtisch, natürlich, wählt der Huber den Meier. Und wenn der Meier dann auch noch im Sportverein oder der Feuerwehr ist, dann hat er sein Mandant sicher. Das Problem für Frauen: Sportverein und Feuerwehr sind meistens noch immer von Männer dominiert.
Ich fordere keine Quotenregelung, weiß Gott nicht. Aber es kann doch nicht sein, dass maximal eine Frau im Stadtrat sitzt. Ich kenne genug selbstbewusste, intelligente Frauen, denen ich die Aufgabe zutrauen würde. Doch das größte Problem sind wahrscheinlich leider die Frauen selbst: “Politik - das ist doch was für Männer. Geh’ ma lieber in den Frauenbund.”
Zumwinkel, halt deinen Chefsessel warm
Veröffentlicht am | 17. 02. 2008 | Noch kein Kommentar
Das hab ich nun davon. Ich wollte mich eigentlich nur über den Studiengang “Internationale Beziehungen” in Dresden informieren, schließlich beginnt im Herbst nach neun Monaten China wieder der Ernst des Lebens. Doch dabei kam mir das Grauen.
In Foren wie studis-online.de oder uni-protokolle.de trifft man auf Kollegstufenschüler, die ihre zukünftige Karriere bis in kleinste Details geplant haben. Sie wissen mit 17 oder 18 Jahren genau wie ihr Berufsleben im internationalen Management und den Führungsetagen aussehen wird. Sie haben sich bereits auf ihre Studiengänge festgelegt und bewerben sich nur an sogenannten Elite- oder Privatunis. Bestnoten haben sie sowieso. Doch unter ihnen hat sich herumgesprochen, dass bei besonders gefragten Fächern es nicht nur auf exzellente schulische Leistungen ankommt, sondern auch auf soziales Engagement.
Was also tun, wenn ich mir zwar meine Karriere in den Führungsspitzen der großen Konzerne bereits im Kinderzimmer zu Hause ausgemalt habe, es aber an so etwas Banalem scheitern sollte? Ganz einfach: Man fragt in Foren Gleichgesinnte um Rat: Wie werde ich schnellstmöglich sozial, damit ich es in meinem Lebenslauf schreiben kann?
Die Lösung ist ganz einfach. Sie erproben ihre Flexibilität, die auch später von ihnen gefordert wird und reagieren spontan auf etwaige Widrigkeiten. Zwei Monate vor Bewerbungsschluss mal schnell ins Tierheim gegangen und eine Katze gestreichelt? Ganz klar: Erfahrung im veterinärmedizinischen Bereich. Seit Kindertagen, als man mal für zwei Monate Fussball spielte, Mitglied im Sportverein? Jahrelanges Engagement im Teamsport. Man will ja nur nicht als Einzelkämpfer da stehen, ist ja ganz schlecht in diesen Zeiten: Kommunikationsfähigkeit und Teamarbeit sind schließlich gesucht - da muss man was zu bieten haben.
Aber man ist ja in solchen Foren unter sich, nutzt jedes Schlupfloch um seinen großen Traum von Geld und Macht näher zu kommen. Da wird verglichen und geprotzt: Wo ist das beste Eliteinternat? Wird den Schülern an Gesamtschulen das Abitur nachgeschmissen? Und der ultimative Schwanzvergleich: Wer hat den besten Abiturschnitt?
Mir kommt das Kotzen.
Zugegeben, auch ich bin ehrgeizig. Auch ich will das Studium gut hinbekommen. Auch ich will später einen guten Job. Aber hey, muss ich mich deshalb vor meinem Abitur informieren, an welchen Unis die Chancen für ein Praktikum bei McKinsey am besten sind?
Ich spreche dieses karrieregeilen Opportunisten nicht ab, ihre Ziele nicht zu erreichen. Im Gegenteil, viele von ihnen werden in 20 oder 30 Jahren in Konzernspitzen arbeiten, geleitet durch ihren Egoismus und zweifellos auch ihrer Intelligenz, ohne die keiner in solch einflussreiche Positionen kommt. Sie werden es sein, die auf eine soziale Struktur des Unternehmens scheißen, deren goldenes Kalb die Rendite ist.
Also, Ackermann, Schrempp, Zumwinkel oder all ihr namenlosen Topmanager: Haltet eure Chefsessel warm, ihr werdet auch in Zukunft genügend Nachahmer finden. Egal ob im Konzernsitz oder im schönen Lichtenstein.
[Leider kann ich Aussagen nicht mit Links belegen, weil ich einfach zu faul bin, mich noch einmal durch die gequirlte Scheiße zu wühlen.]
Historisch-politische Aufladung
Veröffentlicht am | 03. 02. 2008 | Noch kein Kommentar
Allenthalben ein neuer Naziskandal. Der sagt dieser, ein anderer jenes. Und am Ende hat die BILD einen Aufhänger und in Blogs ein neues Diskussionsthema.
CoffeandTV hat in einer sicherlich Heidenarbeit Skandale und Skandälchen rund um Nazivergleiche, nationalsozialistische Äußerungen usw. ab 1979 aufgelistet.
Sehr interessant ist der Nokia-Werbeslogan “Jedem das seine” im Jahr 1998. Denn die drei Woerter sind an das Lagertor in Buchenwald geschmiedet.
Jedem das Seine hat also seinen Beiklang, der in rechtsextremistischen Kreisen mit eindeutiger Absicht Verwendung findet. Allerdings finden wir neben der eindeutig rechtsextremistischen, apologetischen und provokativen Verwendung auch weiterhin einen Gebrauch des Wortes, der sich der historisch-politischen Aufladung vielleicht nicht einmal bewusst ist. (Kurzdokumentation zur Formel Jedem das Seine, Forschungs- und Arbeitsstelle Erziehung nach/über Auschwitz)
Ja genau. Ich zum Beispiel. Bis vor einer halben Stunde.
via Citronengras
Totenglöckchen der CSU
Veröffentlicht am | 30. 01. 2008 | 6 Kommentare
Beim Landesparteitag der SPD im vergangenen Juli in Würzburg war ich Teil der Redaktion von politikorange. Dabei führte ich gemeinsam mit Felix Scheidl ein Interview mit Florian Pronold, Vorsitzender der SPD-Landesgruppe im Bundestag. Im Bezug auf die Kommunalwahlen im März, dessen Wahlkämpfer schon in der Startlöchern sitzen, stelle ich das Interview online. Leider kann ich keine Umlaute darstellen - bin ja in China.
Bei den Landtagswahlen 2008 will die Bayern SPD punkten.
Einen “Raketenwahlkampf” plant Florian Pronold, 34-jähriger Hoffnungsträger der Bayern-SPD. Zurzeit ist er Vorsitzender der SPD-Landesgruppe im Bundestag. 2008 will er die Mehrheit der bayerischen CSU brechen.
Bald sind Landtagswahlen. Sie haben bereits angekündigt, dass es einen “Raketenwahlkampf” geben wird. Den werden Sie brauchen, wenn man die Umfragewerte der Partei betrachtet. Kann die absolute Mehrheit überhaupt geknackt werden?
Ja, selbstverständlich. Bei zwei der letzten drei Bundestagswahlen haben wir die CSU unter die 50-Prozent-Marke gedrückt. Was bei einer Bundestagswahl geht, kann uns auch bei einer Landtagswahl gelingen. Drei Wochen vor der letzten Bundestagswahl lag die Bayern SPD in Umfragen bei 17 Prozent. Erreicht haben wir schließlich 27 Prozent. Seitdem lasse ich mich von Umfragen nicht mehr ins Bockshorn jagen.
Glauben Sie wirklich, dass der Unschärfefaktor so groß ist? Immerhin hat die CSU ja eine gewisse Stammwählerschaft.
Ja, aber die CSU-Stammwählerschaft versteht zur Hälfte nicht, warum der Beckstein und der Huber den Edi gemeuchelt haben. Wenn sie die Stimmung vor Ort betrachten, ist da Soddom und Gomorra ausgebrochen. Die eine Hälfte der CSU-Wähler hat immer noch nicht verstanden, warum der schönste und beste Ministerpräsident Stoiber gehen muss. Die andere Hälfte ist froh darüber.
Sie sagten, dass der Laden explodieren wird, wenn die Mehrheit der CSU gedrückt wird. Doch die CSU hat eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Kann der Laden überhaupt explodieren? Selbst wenn die CSU die Zwei-Drittel-Mehrheit verliert, bleibt ihnen noch immer die einfache Mehrheit.
Die CSU lebt von dem Nimbus, sie seien die ewigen Sieger. Verlieren sie die bei einer Landtagswahl, ist dies das Totenglöckchen der CSU und der absoluten Mehrheit. Bei der Krise der CSU Anfang des Jahres gab es zum ersten Mal, seit ich politisch denken kann, eine Umfrage in Bayern, die eine Mehrheit im bayerischen Landtag jenseits der CSU gesehen hat.
Die SPD setzt ihre Hoffnungen bei den Wahlen im März 2008 auf Würzburg und Regensburg. Andere Städte wie München werden schon lange von der SPD regiert. Planen sie jetzt eine Revolution von unten?
Die Menschen schauen bei Kandidaten für Kommunalwahlen darauf, was die Personen tun und wie sie rüberkommen. Bei Landtagswahlen ist die politische Grundausrichtung viel wichtiger. Deshalb läßt sich ein Erfolg bei Kommunalwahlen nicht so leicht auf die Landesebene übertragen. Trotzdem wollen wir den Schwung des Erfolges mitnehmen für die Landtagswahl.
Also kommunale Siege als Signal.
Ja. Wir wollen dieses Signal setzen, indem wir Städte hinzugewinnen. Schon jetzt regiert die SPD in den drei größten Städten - das gibt es in keinem anderen Bundesland. Das ist ein Ergebnis unserer erfolgreichen Kommunalpolitik.
Fakt ist aber, dass die drei größten Städte nicht ganz Bayern repräsentieren. Ludwig Stiegler sagte, dass die SPD in der Bayerischen Gesellschaft nicht verankert sei. Wie wollen sie die Defizite vor allem im ländlichen Raum ausgleichen?
Wir haben in vielen ländlichen Bereichen erfolgreiche Bürgermeister. Natürlich gibt es aber auch schwarze Flecken, wo es nicht einmal einen SPD-Ortsverein gibt. Aber wir stellen noch immer genauso viele Oberbürgermeister wie die CSU.
Die CSU hat einen Plan für 2020 aufgestellt, der sich für die Wähler recht angenehm liest. Herr Stiegler meinte: “Alles geklaut.” Wo bleibt denn dann der große Umsturz, wenn die SPD wirklich an die Regierung kommen würde?
Die CSU hat ja nur die Überschriften geklaut. Aber bei der Umsetzung bleiben sie nach wie vor defizitär. Stoiber war immer gut in der Ankündigungspolitik. Die Kommunisten haben wenigstens nur Fünf-Jahrespläne gemacht, aber Edmund Stoiber macht 13-Jahrespläne. Warum? Das ist doch offensichtlich: Stoibers Plan ist nicht gegen die SPD, sondern gegen Beckstein und Huber gerichtet, weil er seinen Nachfolgern nichts zutraut. Die CSU hätte einfach die Anträge der SPD übernehmen können, dann hätten sie den Plan jetzt schon erfüllt.
Was wollen Sie besser machen?
Unsere Ziele sind klar gesetzt: Wir wollen beispielsweise mehr auf die ländlichen Regionen Bayerns eingehen. DSL-Anschlüsse müssen in allen Teilen Bayerns verfügbar sein. Auch die Autobahnen müssen ausgebaut werden - und das nicht nur in München.
Klingt nach einer Guten Idee. Aber woher soll das Geld kommen?
Sehen Sie sich doch beispielsweise einmal das Milliardengrab Transrapid an. Wir wollen den Bau stoppen und stattdessen für mehrere Millionen das Münchner S-Bahn-Netz ausbauen. Dann haben wir immer noch viel Geld übrig, um Bayern zu fördern - nur um mal ein Beispiel zu nennen.
Wie sehen sie sich in Zukunft in der SPD?
Mein Ziel ist es, die Bayern-SPD so aufzustellen, dass sie in absehbarer Zeit an der Regierung beteiligt wird und die CSU aus der Regierung schmeisst.
Das Bundeskanzleramt ist also nicht das Ziel?
Nein, Bundeskanzler zu werden ist viel zu einfach. Mein großes Ziel ist es zweiter sozialdemokratischer Ministerpräsident in der Nachkriegsgeschichte Bayerns zu werden.
[Update: Umlaute zu Hause am Laptop richtiggestellt.]
Willst du wirklich gewaehlt werden?
Veröffentlicht am | 25. 01. 2008 | Noch kein Kommentar
Schon wieder ist es passiert: Ich verpasse Wahlen. 2005 zog Gerhard Schroeder die Bundestagswahl vor - und ich haette nur noch vier Monate gebraucht, um 18 Jahre alt zu werden. Naechste Chance zur politischen Beteiligung: Kommunalwahlen in Bayern im Maerz 2008. Doch ich bin in China, Briefwahl wahrscheinlich nicht moeglich.
Vor Monaten (als China noch kein Thema war) ueberlegte ich fuer die Kommunalwahlen zu kandidieren. Nur um den Gedanken gleich wieder zu verwerfen, denn ich habe nicht vor, in Waldkirchen zu bleiben. Trotzdem interessiert mich, wer aufgestellt wird, fuer welche Partei und ob vielleicht doch ein paar Juengere in den Stadtrat gewaehlt werden.
Beim sozialen Netzwek bsmparty.de ist fast jeder Jugendliche im oestlichen Niederbayern angemeldet und bietet damit die Chance junge Waehler zu mobilisieren. bsmparty.de hat das erkannt: Sie veranstalten eine Podiumsdiskussion mit den 4 Landratskandidaten für Freyung-Grafenau speziell fuer junge Waehler und ein Wahlportal eingerichtet, bei dem sich junge Kandidaten vorstellen koennen. Das ist loeblich und sinnvoll. (Und auch nicht ganz uneigenuetztig, denn auch einer der Gruender der Seite kandidiert). Denn wohl kein Medium in Niederbayern erricht so viele Jugendliche.
Ich habe mir das Wahlportal naeher angesehen, vor allem fuer meinen Landkreis Frayung Grafenau. Noch sind nicht allzu viele Kandidaten angemeldet (oder gibt es einfach nicht mehr junge Kandidaten?).
Das Ergebnis: Neun Kandidaten fuer den Landkreis FRG habn sich bisher angemeldet. Sieben davon durchaus mit Muehe eingetragen, wenn auch sie oftmals das Durchschnittswahlkampfgerede beinhalten. Doch zwei Profile haben mich doch etwas entsetzt. Wenn ich mich fuer einen Sitz in einem Gemeinde- oder Stadtrat bewerbe, will ich mich engagieren und die Chance nutzen mich bei jungen Waehlern vorzustellen. Doch diese zwei sind lieblos verfasst. Einzeilig, kurz und sogar mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern.
Patrick Schneider, Kandidat der CSU, fuer Riedlhuette schreibt:
Wieso kandidieren Sie für den Gemeinde-/Stadtrat?
Das die Jugend in Ort vertreten ist.
Er scheint wohl Probleme mit “das” und “dass” zu haben.
Thomas Worlitschek, Kandidat für die Junge Wähler Union, aus Waldkirchen und mein ehemaliger Klassenkamerad schreibt:
Wieso kandidieren Sie für den Gemeinde-/Stadtrat?
Weil ich nicht nur drüber reden sondern selbst mitentscheiden will!
Ups, Komma vergessen.
Natuerlich, so etwas kann jedem passieren, doch scheint es den beiden nicht wert zu sein ihr Profil ohne Fehler zu gestalten. Wollen sie wirklich gewaehlt werden? Werden sie im Falle einer Wahl ebenso lieblos fuer die Buerger engagieren?
Selbstanklage
Veröffentlicht am | 18. 01. 2008 | 1 Kommentar
Ich bin selber schuld.
Auch Don Alphonsos Horrorartikel auf der Blogbar hielten mich nicht davon ab.
Ich stelle mich nackt online.
Auch noch mit meinem richtigen Namen.
Ich habe den berüchtigten AGBs zugestimmt.
Ich bin Mitglied bei studiVZ.