Archiv für die Kategorie ‘ Medien ’

1. November 2008 1

Brander Kasper und das ewige Leben

Von katha in Medien

Heute ist Allerheiligen. Dazu gehören in meiner Familie seit Jahrzehnten zwei Dinge: Der Gräbergang am Nachmittag und abends "Der Brandner Kasper". Seit 30 Jahren strahlt das Bayerische Fernsehen jedes Jahr das Volkstheatherstück aus dem Jahr 1975 aus. Jedes Jahr wieder erfreue ich mich an der Geschichte vom Kasper, der den Boandlkramer aka Tod beim Kartenspiel und unter dem Einfluss von einer erheblichen Menge an Kerschgeist um das ewige Leben bescheisst.

Der Brander Kasper ist ein bayerische Haudegen, anarchistisch, stur und ständig mit der Obrigkeit im Clinch. Er ist Wilderer, der so sich und seine Enkelin Nannerl über die Runden bringt. Doch er ist nicht mehr der Jüngste, der Tod naht. Eines Tages ist es dann soweit. Der Brandner hört die Totenglocken und plötzlich steht der Boandlkramer in seiner Hütte. Mit List und Schnaps kann er sich weitere Jahre Leben erschwindeln. Das Wissen um seine Unsterblichkeit lässt ihn aufleben: Nichts ist ihm zu gefährlich, für nichts ist er zu alt, auch die Liebe kommt wieder.

Doch natürlich kann es nicht so weitergehen, das Schicksal schlägt zu. Bei der Verfolgung von Wilderern wird seine Enkelin Nannerl erschossen. Das Leben ist nun für KaspDer Brandner Kasper mit Freitz Strasserer nur mehr eine große Qual. Wie recht es ihm nun kommt, dass im Himmel der Betrug offenbar wird. Denn die Buchhaltung ist falsch, dem Boandlkramer aufgetragen, den Brandner sofort zu holen, um seine Verfehlung gut zu machen. Das Ende vom Lied: Der Brandner Kasper und seine Familie lebt glücklich und zufrieden im Himmel der Bayern das ewige Leben.

Meine Lieblingsszenen sind im Himmel, dem bayerischen Himmel wohlgemerkt. Dort wird mit Klischees nur so um sich geworfen: Weißbier und -würste, Blasmusik und Schafkopfen und die Ablehnung gegen die Preussen (Denn es ist doch klar, dass das Paradies kein solches ist, wenn dort auch Preussen ihr ewiges Leben verbringen würden). Alles was richtige Bayern ausmacht wird dort praktiziert. Dazu kommt das barocke Interieur, Engel mit Pausbäckchen und blonden Locken: genauso wie ich mir als Kind den Himmel vorgestellt habe.

Die Geschichte finde ich brilliant. Natürlich habe ich, als eingefleischter Brandner-Fan, die Neuverfilmung von Joseph Vilsmaier gesehen. Doch kann Vilsmaier sie im Film richtig umsetzen? Die eineinhalb Stunden im Kino waren kurzweilig, unterhaltsam und lustig. Doch es fehlt ihm an Charme, den der Film aus dem Jahr 1975 hat: gemalte Landschaften und in Zeiten von special effects die wunderbar obsolete Szene, bei der Brandner und der Boandlkramer auf eine Kutsche in den Himmel fahren (und man die Seile, an denen sie hängen, sehen kann). Das alles im wunderbaren Stil des bayerischen Volkstheaters.

90CE8F5E59444B1ABF60D9AFFE6EAD8C_fn062391_pla_02Im Film von Vilsmaier nimmt der Kitsch zuweilen Überhand und es gibt unnötige Längen, denn die ursprünglich recht kurze Erzählung von Franz von Kobell musste auf 100 Minuten Kinolänge getrimmt werden (die Originalfassung bei Projekt Gutenberg). Dazu kommt Bully Herbig als Boandlkramer. Die Figur des Todes ist durchaus komisch und nicht wirklich ernst zu nehmen, doch mit Bully als Schauspieler wird er lächerlich. Ich jedenfalls konnte ihn nicht von seinen albernen Figuren aus diversen Filmen trennen und sah ständig Abahachi aus "Der Schuh des Manitu" vor mir.

Der Brandner Kasper ist all seinen Versionen ein Stück bayerische Gemütlichkeit. Lustige Unterhaltung mit ernsten Zwischentönen. In naher Zukunft will ich mir deshalb im Münchner Volkstheater die Version von Christian Stückl ansehen.

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11. Oktober 2008 2

Baader-Meinhof-Komplex

Von katha in Medien, Tagtäglich

Baader, Meinhof, RAF – in den letzten Wochen wiederholen sich zum Teil wieder die Diskussionen rund um Terrorismus in Deutschland. Der "Baader-Meinhof-Komplex" ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Spielfilm. Die Betonung liegt auf "Spiel". Überall betonte Produzent Eichinger zwar, dass der Film auf Fakten beruht, auf dem Buch von Stefan Aust. Ich bezweifle nicht, dass jede Patrone an der richtigen Stelle einschlägt und jede Haarsträne perfekt frisiert ist. Der Film lässt mich als Jahrgang 1988 wunderbar in die Mode und Lebenswelten der 60er und 70er Jahre eintauchen. Vor allem der Beginn mit der Demonstration gegen den Besuch des persischen Schahs und die Rede von Rudi Dutschke an der Berliner Universität sind eindrucksvoll. Die Stimmung der Studenten und ihre Motivation zur Revolte sind klar nachzuvollziehen.

Alle Fakten werden beachtet, die Anschläge nachgezeichnet, die Initiatoren  Baader, Meinhof und Ensslin vorgestellt. Die Anschläge detailgenau nachgezeichnet, Baader als Macho, Meinhof als die stille Denkerin und Ensslin als kaltblütige Möderin stilisert (obwohl kaltblütige Mörder natürlich alle waren).

Ich war mit meiner kleinen Schwester im Kino. Ich hätte nicht gewollt, dass sie sich den Film ohne Vorkenntnisse ansieht. Denn die Motive, warum sich diese kleine Gruppe von Menschen so radikalisierte und vor Gewalt nicht zurückschreckte, wird zu sehr übergangen. Bei Ulrike Meinhof gar konnte man gar das Gefühl haben, sie habe die ganze Sache (ein bisschen Schießen und Abenteuer) nur aus Langeweile und Unzufriedenheit in ihrer Ehe begonnen. 

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25. September 2008 15

Internet statt Marktplatz: Demokratie 2.0

Von katha in Medien, Politisches

 

Beim US-Präsidentschaftswahlkampf nimmt das Internet eine wichtige Rolle ein. Wie sehr nutzen Parteien ein Jahr vor der Bundestagswahl die Möglichkeiten des WorldWideWeb? Gibt es auch in Deutschland Demokratie 2.0?

„Waren noch mit einigen delegierten und ein paar journalisten ein bier trinken. Waren alle von der michelle obama rede begeistert.“ Diese Worte schrieb Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD, vom Nominierungsparteitag der US-Demokraten in Denver. Heil nützte den Internetdienst Twitter, der Nachrichten von einer Länge bis zu 140 Zeichen erlaubt. Über 1000 Nutzer haben seine Nachrichten abonniert.

Als erster Spitzenpolitiker in Deutschland nutzt er damit die Möglichkeiten, die das so genannte Web 2.0 mit ihren sozialen Netzwerken bietet, ganz nach amerikanischem Vorbild. In den Vereinigten Staaten sind Politiker, die Blogs schreiben oder mit ihren Anhängern über soziale Netzwerke kommunizieren, normal. Vor allem der Präsidentschaftswahlkampf 2008 zeigt ganz klar, dass eine ausgefeilte Strategie im Internet wichtig für den Gewinn der Wahl ist. Deshalb nutzen John McCain und sein Kontrahent Barack Obama strategisch alle zur Verfügung stehenden Wege: Die Demokraten und Republikaner haben ihre eigenen Netzwerke; sie stellen Videos auf die Plattform YouTube; Fotos gibt es beim Fotodienst flickr; die Wähler werden mit persönlichen eMails oder Twitter auf dem laufenden gehalten. Beide Anwärter wissen, dass sie so Millionen von Bürger einbinden und aktiv am Wahlkampf teilhaben lassen können. Diese neue Form der Politik heißt Demokratie 2.0, in Anlehnung an den Begriff Web 2.0.

Internet nur als verlängertes Presseorgan

Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Natürlich haben alle Parteien ihre eigenen Webauftritte, wo sie sich vorstellen und die Bürger sich informieren können. Doch sie binden die Nutzer nicht wie in den USA ein. „Viele nutzen das Internet nur als verlängertes Presseorgan“, sagt Markus Beckedahl, Blogger bei netzpolitik.org. Eine Interaktion zwischen Politikern und Bürgern finde kaum statt. Zwar veröffentlicht Bundeskanzlerin Angela Merkel seit 2006 regelmäßig Videopodcasts, wo sie über ihre aktuelle Politik spricht. Doch ein direkter Kontakt, beispielsweise durch Fragen oder Kommentare der Zuschauer, komme nicht zustande.

Diese Zurückhaltung überrascht besonders, da in einem Jahr Bundestagswahlen anstehen und der Wahlkampf beginnt. Doch im Internet ist keine Spur davon. „Eine Inflation spontan in der heißen Wahlkampfphase aus dem Hut gezauberter Onlineaktivitäten ist erwartbar, aber weder nachhaltig noch mit den Auftritten der US-Wahlkämpfe vergleichbar.“, heißt es in der Studie „Zwischen Strategie und Experiment – Politik im Web 2.0“ vom Juni 2008. Weiter heißt es: „Die Parteien und Spitzenpolitiker sind zum Zeitpunkt der Erhebung im klassischen Wahlkampf verhaftet, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und auch die Jugendorganisationen und ihre Spitzenvertreter bilden hier keine Ausnahme.“

Julia Seeliger, Mitglied im Parteirat der Grünen, ist die einzige Politikerin, die regelmäßig bloggt. Die Landesfraktion der bayerischen Grünen macht im Wahlkampf erste Versuche mit dem Dienst Twitter. Doch geplant und durchdacht nutzen die Parteien das Web 2.0 nicht.

Auch Schäuble antwortet

Doch die Parteien sind nur eine Seite der Politik im Netz. Denn das Internet bietet Menschen, die sich für Politik interessieren sehr leicht die Möglichkeit, selbst Texte zu veröffentlichen oder sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Abseits der Parteipolitik ist die Entwicklung des Internets hin zur Kommunikationsplattform weiter fortgeschritten. „Im Netz haben vor allem kleinere Organisationen viel besser eine Möglichkeit ihr Zielpublikum zu erreichen. Früher kam man nicht ins Fernsehen, wenn die Organisation nicht groß genug war“, weiß Beckedahl. Jetzt sei es einfacher, Menschen mit denselben Interessen zu finden und als Organisation bekannt zu werden.

Ein Beispiel für Demokratie 2.0 ist die Seite abgeordnetenwatch.de. Jeder kann dort online seinen Abgeordneten befragen. Die Fragen und Antworten sind online einsehbar. „So entsteht nach und nach ein Wählergedächtnis“, sagt Gregor Hackmack, einer der Gründer der Seite, denn gespeichert wird auch das Abstimmungsverhalten. Es könne ein direkter Kontakt zwischen Bürgern und Politikern hergestellt werden. 93 Prozent aller Bundestagsabgeordneten haben auf der Plattform mindestens eine Frage vernünftig beantwortet. „Es gibt Abgeordnete, die geben nur Standartantworten“, erzählt Hackmack, „aber auch keine Antwort ist eine Antwort.“ Innenminister Schäuble habe beispielsweise 112 Standartantworten geschrieben, gebe aber seit der 113. Frage mustergültige Antworten. „Die Abgeordneten nehmen das wirklich ernst mittlerweile, weil die Antworten durch die Medien transportiert und für die Nachwelt erhalten werden.“

Politiker nutzen Chancen nicht

Es überrascht, wie wenig die Parteien bei ihren Wahlkämpfen auf das Medium Internet setzen, denn es hat das Potenzial mit wenigen Mitteln Millionen von Deutschen zu erreichen. Internetplattformen bieten sowohl Politikern als auch politisch Interessierten Chancen sich zu vernetzen, auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Viele Politiker sind sich offensichtlich nicht bewusst, welche Chance sie verspielen, wenn sie das Internet ignorieren. Die Demokratie 2.0 steht in Deutschland noch ganz am Anfang.

Für die Bundestagswahlen 2009 ist nicht mit großen Veränderungen zu rechnen. Die ersten richtigen Konzepte für Wahlkamp im Internet sind wohl erst im Jahr 2013 zu erwarten. Nichtregierungsorganisationen sind da grundsätzlich schon weiter, doch sowohl Parteien als auch alle anderen politischen Organisationen müssen sich in den kommenden Jahren mit dem Gedanken anfreunden, dass die Wahlen immer weniger auf Marktplätzen, sondern im WorldWideWeb entschieden werden.

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15. September 2008 0

Schwierigekeiten fuer Journalisten in CHina

Von katha in China, Medien

China hat tolle Seiten: Es ist außerordentlich gastfreundlich, in einem Maße, das in Deutschland undenkbar ist; die Menschen sind freundlich und lustig.

China ist toll, solange man keine Fragen stellt. Das hat auch der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in China erfahren, als er im rahmen der Paralympics für einen Artikel über Behinderte in China recherchierte. Bei zu großer Neugierde und falschen Fragen (außer chinesischer Sicht natürlich) versteht der Staat keinen Spaß.

So wurde aus der Reportage über Behinderte Geschichte über die Schwierigkeiten in China als Journalist zu arbeiten

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12. September 2008 0

Bayerns braune Suppe

Von katha in Medien, Politisches

Noch 18 Tage bis zur Landtagswahl in Bayern. Der Wahlkampf läuft auch Hochtouren. Meine Wahl ist im Grunde gefallen, dennoch will ich mich über die Kandidaten für meine Region informieren. In Zeiten von Politik 2.0 verschlägt es mich auf die Seite kandidatenwatch.de. Bereits vor einiger Zeit hatte ich mich mit dem Pendant dazu beschäftigt. Dem Frageportal für Parlamentarier abgeordnetenwatch.de. Mein Fazit damals war eher ernüchternd. Von großem Willen Antworten zu geben war seitens der Politiker nicht viel zu spüren.

Jetzt, knapp ein Jahr später, habe ich das Gefühl, dass sich das geändert hat. Natürlich ist der Andrang auf Spitzenpolitiker größer, doch Politiker, die sich der digitalen Fragerunde ganz verschließen gibt es kaum noch. Selbst Innenminister Schäuble hat sich nach langem Zaudern dazu herabgelassen, den Bürgern via Internet zu antworten.

Ich schaue mich also bei den Kandidaten aus Niederbayern. Die meisten Fragen bekam  erwartungsgemäß unser Huber Erwin.  Doch dann gab es Überraschungen. Insgesamt sechsmal wollten die Nutzer mehr als 15 mal Antworten zu ihren Fragen. Von diesen sechs Personen gehörten drei rechtsradikalen Parteien an. Zweimal NPD, einmal die Republikaner.

Das überrascht mich, gehe ich doch davon aus, dass die Wähler vor allem jene Politiker befragen, die eine reale Chance haben in den Landtag gewählt zu werden (Ich unterstelle zwar vielen Niederbayern eine rechte Einstellung nahe dem politischen Rand. Einer Wahl der Parteien, die dafür stehen, ist aber selten, weil sie diejenigen sich auch in der CSU pudelwohl fühlen können).

Doch ich war sehr erfreut, als ich v.a. beim NPD-Kandidaten Peter Haese viele kritische Fragen las. Speziell nach dem skandalösen Begräbnis eines NPD-Anhängers in Passau ist der Kandidat unter Druck. Das ist gut so. Ich muss aber sagen, dass ich nur die Fragen gelesen habe. Das braune Gewäsch in den Antworten wollte ich mir ersparen.

Informativ und interessant zum Thema NPD in Bayern ist der Artikel "Weiß-brauner Himmel über Bayern" beim NPD-Blog, wo der folgende Satz im Grunde alles auf den Punkt bringt:

Konsequent durchdacht ist das Programm nicht, auch nicht finanzier- oder umsetzbar. Aber das zählt bei der potentiellen Wählerschaft auch nicht.

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7. September 2008 5

Neues Theme, neues Bloggerglück

Von katha in Medien

Lieber Leser,

ich muss mich entschuldigen. Schon wieder müsst ihr euch an ein neues Design gewöhnen. Erst wechselte ich auf das Theme Natural Essence. Doch ich konnte nicht anders. Vor drei Tagen packte mich die Updatewut. Zuerst spielte ich die neueste WordPress 2.6.1 auf, danach suchte ich ein passendes Theme, veränderte einiges, löschte alle meine bisherigen Plugins, spielte neue, wirklich notwendige auf. Kurz: auf www.schafott.net ist äußerlich und wordpresstechnisch alles auf dem neusten Stand und nichts mehr wie zuvor. Das freut mich und hoffentlich euch auch.

Ich weiß, es ist nicht gerade förderlich für ein Blog, wenn das Aussehen ständig geändert wird. Doch ich habe mich in den Brauntönen des Alten nicht mehr wohlgefühlt. Außerdem wollte ich endlich Tags integrieren. An alle bisherigen Beiträge habe ich Schlagwörter verteilt, denn die Kategorien sind nur eine Grobeinteilung. Innerhalb derer haben nur wenige Beiträge etwas miteinander zu tun. Deshalb gibt es nun Tags, die neben den Kategorien an sich eine gewisse Struktur bringen.

Noch ist das Update nicht abgeschlossen. An ein paar Ecken funktioniert noch nicht alles wie es soll, aber das wird sich heute im Laufe des Tages hoffentlich ändern.

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3. September 2008 6

Sommer, Sonne, CSU

Von katha in Medien, Politisches

Landtagswahlen am 28. September – die Straßen sind allerorten bereits wieder durch vertrauensvoll lächelnde Fratzen verschandelt. Alle Kandidaten haben denselben gekünstelten Gesichtsausdruck. Nur die kleineren Parteien, deren mögliche Landtagsabgeordneten sowieso unbekannt sind, verzichten auf diese Gesichtsparade. Stattdessen versuchen sie mit den gleichen platten Sprüchen oder Blumentapeten zu überzeugen.

Wahlen in Bayern sind langweilig. Seit Jahren verlaufen sie im gleichen Muster: Die CSU gewinnt, mal mehr, mal weniger hoch. Der Rest der Horde kämpft um die übrigen Stücke der Beute. Es verwundert, dass Parteien wie die Bayernpartei oder die FDP sich die Mühe machen, Plakate zu kleben und Wahlveranstaltungen zu organisieren – es ist vergebene Liebesmüh. Daneben gibt es die SPD und die Grünen, die Opposition. Wobei die Stimmanteile der Grünen immer größer werden, die SPD dagegen sich mit einem Ergebnis von 20+X wünscht – so wie auch bald die Bundes-SPD?

Die Konstante bei bayerischen Landtagswahlen ist die CSU. Egal ob die Amigoaffäre, verschiendene Skandale oder unpopuläre Maßnahmen – all das ist den Bürgern pünktlich zum Wahltermin wieder völlig egal. Seit über 50 Jahren regiert die “Christlich Soziale Union” in Bayern mit absoluter Mehrheit. Und es ist kein Ende abzusehen. Zwar plant die SPD mit Franz Maget, dem ewigen Verlierer der Bayern-SPD, die Machtübernahme durch einer Dreier-Koalition von SPD, Grünen und den Freien Wählern. “Bei der Krise der CSU Anfang des Jahres [2007] gab es zum ersten Mal, seit ich politisch denken kann, eine Umfrage in Bayern, die eine Mehrheit im bayerischen Landtag jenseits der CSU gesehen hat”, sagte Florian Pronold, bei einem Interview, das ich im Rahmen des Landesparteitages 2007 geführt habe. Er hat recht, 2007, im Jahr des Stoiber-Sturzes, stand die CSU in Umfrageergebnissen tatsächlich seit Jahrzehnten wieder unter 50 Prozent. Dazu kommt, dass das neue Duo Beckstein und Huber nicht besonders erfolgreich agiert. Wähler haben grundsätzlich ein Kurzzeitgedächtnis. Wer erinnert sich noch an eine umtriebige Fürther Landrätin? Warum ist eigentlich der Stoiber nicht mehr dabei? Und wer ist jetzt eigentlich der neue Ministerpäsident?

Der Bayer an ist nicht nachtragend, anders ist es nicht zu erklären, dass die Schwarzen bei den Wahlen nicht in den einstelligen Bereich katapultiert werden. Vor vier Sommern führte Stoiber quasi über Nacht das 8-jährige Gymnasium ein. Der Lehrplan wurde gekürzt. Wer braucht schon Geschichte? Wer Kunst oder Musik? Für Laptop und Lederhosen reichen ja Mathe, Physik und ein Hirsch. Einer meiner früherer Lehrer berichtet davon, dass bei den Lehrplänen für das G8 eine kleiner Schriftgröße gewählt wurde – schon sind es einige Seiten weniger. Gott, erhöre und wirf Hirn auf die Staatskanzlei in München!

Doch der Herrgott steht auf der schwarzen Seite. Gottesbeweis fällig? Die aktuellen Wahlplakate der CSU. Darüber: Sonne, Sommer, Bayern. Auf den ersten Blick ein nichtssagendes Plakat; eher Werbung für die gestresste alleinerziehende Mutter auf dem Plattenbau in Neukölln Urlaub auf dem Bauernhof zu machen, denn für eine Partei, denen die Umwelt bis auf enige Ausnahmen nicht besonders am Herzen liegt.

Doch nun werfen wir einen Blick hinter den Wahlspruch. Sommer, Sonne, Bayern. Sommer und Sonne, eine Jahreszeit und ein Himmelsgestirn – übermenschliche, unbeeinflussbare Phänomene. Dazu stellt der Freistaat in einer Reihe. Da sich die CSU mit dem Land gleichsetzt, soll der Slogan eigentlich Sommer, Sonne, CSU heißen – aber das haben sie sich in der Wahlkampfzentrale wohl nicht getraut.

Gehen wir einen Schritt weiter. Wer hat die Sonne erschaffen? Erinnern wir uns: am ersten Tag schuf Gott das Licht, die Sonne und somit den Sommer. Und danach gleich die CSU? Der Wahlspruch Sommer, Sonne, Bayern – das ist quasi die göttliche Anerkennung der schwarzen Herrschaft.

Übermächtige Christsoziale Union, erhöre!

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3. September 2008 1

WordPress Theme “Natural Essence” in deutscher Übersetzung

Von katha in Medien

Vor einem Monat habe ich das Design dieses Blog neu aufgesetzt und habe mich dabei für das WordPress Theme Natural Essence von Arcsin entschieden. Das Theme ist in Brauntönen gehalten und ist ideal für die kommenden verregneten Herbsttage.

Leider habe ich es nicht in deutscher Sprache gefunden, weshalb ich es übersetzt habe. Und weil ich ja ein netter Mensch bin, könnt ihr die übersetzte Version downloaden.

 >> Natural-Essence_DE.zip <<

(57,4 KB)

Das Theme steht unter Creative Commons License. Die einzige Bedingung dafür, dass du es benutzen und nach deinen Wünschen abändern kannst, ist, dass du im Footer die Links zu arcsin und mir stehen lässt.

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