Lautschrift: Ein Heft über Regensburg
Veröffentlicht am | 14. 02. 2010 | Noch kein Kommentar
Die neue Ausgabe der Lautschrift ist verteilt. In einem Heft über Regensburg haben wir uns mit verschiedensten Themen rund um die Stadt und ihre Verbindung zur Uni beschäftigt. Ein Auszug aus dem Editorial:
In einem Heft über Regensburg will die Redaktion verschiedene Seiten der Stadt und ihre Verbindung zur Universität zeigen. Oberbürgermeister Hans Schaidinger spricht darin in einem Interview über das Verhältnis der Stadt Regensburg zur Universität. Unsere Redakteure nehmen euch mit zu besonderen Orten und stellen euch außergewöhnliche Bewohner der Stadt vor. Wir haben Fakten der Stadtgeschichte und Regensburger Institutionen zusammengetragen. Und wer sich besonders gut auskennt, kann sich am Bilderrätsel versuchen.
Der Bildungsstreik war in den letzten Monaten das am meisten und heftigste diskutierte Thema unter den Studierenden. Der H2 wurde besetzt, es gab Demonstrationen in der Stadt und die Verhältnisse an den Universitäten waren plötzlich prominent in den Medien vertreten. Doch was halten die Regensburger Studenten und Studentinnen von der Besetzung einer ihrer Hörsäle? Unterstützen sie die Forderungen oder sehen sie die Aktionen eher kritisch? Zwei Redakteurinnen haben Fragebögen in der Uni verteilt, um genau das herauszufinden.
Die Lautschrift#8 “Ein Heft über Regensburg” zum Download: Lautschrift 8 (3,38 mb).
die wahre Neda
Veröffentlicht am | 05. 02. 2010 | Noch kein Kommentar
Das Schicksal von Neda Soltani hat etwas von einer schlechten Verwechslungskomödie, nur dass ihre Geschichte ganz und gar nicht zum Lachen ist.
Teheran, im Sommer 2009: Tausende demonstrieren gegen das Wahlergebnis, das den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Amt bestätigt. Mit Tweets und Videos auf Youtube berichteten Iraner der Welt von den Geschehnissen. Vor allem das Video der sterbenden Neda geht um die Welt – und kurz danach auch ein Bild von ihr. Aber es war das Falsche: anstatt Neda Soltan zeigte es Neda Soltani. Twitter und Blogs, Zeitungen und Fernsehen verbreiteten ein aus Facebook kopierte Foto. Die wahre Neda versucht das Missverständis auszuklären, aber dadurch wird alles nur noch schlimmer. Schlussendlich flieht die bis dato unpolitische 32-Jährige Uni-Dozentin, lässt ihr ganzes Leben zurück und lebt heute als Ayslsuchende in Deutschland.
"Die Nachricht von ihrem Tod beruhte auf einer Verwechslung, sagt sie in fließendem Englisch, ein ursprünglich kleiner Irrtum der Medien, mit fatalen Konsequenzen für die Frau auf dem Foto."
Die ganze Geschichte gibt es im Süddeutsche Magazin: Das zweite Leben der Neda Soltani
Lesenswert: Zahlenfetisch
Veröffentlicht am | 09. 01. 2010 | Noch kein Kommentar
Die BILD-Zeitung veröffentlicht falsche Zahlen zur rechtsextremen Gewalt, woraufhin sie die dpa ungeprüft übernimmt (von der BILD-Zeitung!). Die dpa gilt als seriöse Quelle, weshalb die Meldung bald auch bei der Süddeutschen und dem Stern landet. “In dieser Geschichte steckt fast das ganze Elend des Journalismus von heute“, schreibt Stefan Niggemeier und zeigt die Misere der Medien im Umgang mit Statistiken auf. Gerade im Fall von Rechtsextremismus spielt das natürlich genau den den falschen Leute in die Hände.
“Der Zahlenfetisch der Massenmedien hat bizarre Ausmaße angenommen. Irgendwelche Prozentwerte, Statistiken und Hitparaden sagen zwar oft nichts aus, tun aber immer so, als ob. Sie wirken wie Fakten, lassen sich knackig auch in kürzesten Meldungen formulieren und ersetzen die ungleich mühsamere Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit in Form von Anschauung und Reflexion.”
Und manchmal schaffen es auch einfach falsche Proportionen bei Diagrammen in seriösen Nachrichtensendungen aus richtigen Zahlen Falsches zu suggerieren.
Mein Herz für Blogs
Veröffentlicht am | 21. 04. 2009 | 9 Kommentare

Der große Hype um Blogs ist vorbei, hip ist jetzt Twitter. Kaum eines der großen Medien kam in den letzten Wochen und Monaten ohne einen Bericht über das Gezwitschere aus. Doch nicht nur in Zeitungen und Zeitschriften nahm das Interesse an Blogs ab, auch in der Blogosphäre scheint die Euphorie der letzten beiden Jahren vorbei zu sein. Mehrere Blogger, die ich regelmäßig lese, schreiben immer weniger und/oder haben ihren Schwerpunkt auf Twitter verlegt. Ich nehme mich da nicht aus, auch ich veröffentliche hier immer weniger Dinge. Kurze Links oder kurze Gedanken poste ich nur mehr über Twitter. Diese Beiträge werden einmal pro Woche hier integriert.
Vielleicht ist es auch so, dass sich viele schon seit längerer Zeit in Blogs informieren und ihre festen Adressen ansteuern. Bei mir hab ich bemerkt, dass ich nicht mehr so intensiv nach neuen Blogs suche, sondern die meisten meiner RSS-Feed seit langer Zeit im Reader habe.
Deshalb ist es an der Zeit, dass ich neuen Input bekomme. Dazu ist die Aktion “Ein Herz für Blogs” genau richtig. Einer ganzen Reihen von tollen Blogs bin ich heute begegnet. Und vielleicht gefallen auch einigen von euch meine Tipps.
Isarstadt: Ein Blog über München. Ich las es vor ein einem Jahr schon einmal, dann kamen irgendwann keine Postings mehr und ich warf es aus dem Feedreader. Vor kurzem hab ich es wieder entdeckt und es berichtet noch immer witzig und kreativ aus meiner Landeshauptstadt – garantiert ohne Partytermine. Die Autoren erzählen kleine Geschichten von der Isar – auch (oder gerade) für Nicht-Münchner interessant.
Malte Welding: Sein Abgang hat eine große Lücke bei Spreeblick hinterlassen, dem lange Zeit wohl wichtigstem Blog über Popkultur überhaupt. Jetzt gibt’s auf seiner persönlichen Seite Links und Geschichten mit hohem literarischen Anspruch.
Buchstaben in Bewegung: Der Jurastudent Simon schreibt über Politik und Pop, Recht und Medien. Und das gut recherchiert und in leichtem Ton.
Chinablog.ch: Lu Hai Rui, ein Schweizer Journalist, schickt ein Stück China über die Glasfaberkabeln in alle Welt. Fotos und Anekdoten aus seinem Alltag in Shanghai.
Die Neon kann es doch noch
Veröffentlicht am | 29. 03. 2009 | 4 Kommentare
Seit einigen Monaten schon kaufe ich die NEON mehr aus Pflichtgefühl, denn aus Überzeugung. Ich lese sie jeden Monat und finde sie durchaus unterhaltsam. Sie bildet meine Lebenswelt besser ab als jede andere Zeitschrift auf dem deutschen Markt. Doch richtig überrascht hat sie mich schon lange nicht mehr. Die Reportagen sind gefällig. Themen, die die Zielgruppe interessieren: Sex, Musik, Drogen. Im Grunde macht das Magazin Boulevard für Hipster. Die Geschichte des Mannes, der sich von Pferden ficken ließ – bis er starb. Eine Reportage aus Kalifornien, wo Cannabis auf Rezept auf dem Vormarsch ist. In dieser Ausgabe eine Anleitung für den Ritalinkonsum. Kathrin Passing hält ein flammendes Plädoyer für Ritalin, der sie in einen Arbeitsrausch versetzt. (Das wirft natürlich ein ganz anderes Bild auf ihr Buch: „Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin“.)
Auch politische Texte finden ihren Platz. Meist interessant und informativ, aber nicht neu. Meistens habe ich das Gefühl diese Geschichten schon einmal gelesen. In Tageszeitungen und Zeitschriften, Online und Print. Und immer öfter auch in Blogs. Blackwater, Söldner und Korruption in der UNO – die Themen hatten auch die SZ oder die Zeit betrachtet, die NEON hinkt immer ein bisschen hinterher. Die Musik- und Filmtipps findet man auf Blogs schon seit Wochen und zeigt ganz deutlich die Nachteile einer monatlichen Zeitschrift. Slumdog Millionär, The Whitest Boy Alive: ich dachte einen Moment, ich hätte nicht die aktuelle Ausgabe in meinen Händen.
Doch in der Ausgabe April 09 hat mich die NEON überzeugt, mit einem Artikel über Heavy Metal und seine Bedeutung in der zweiten und dritten Welt. Brasilien, Indonesien und der arabischen Raum sind die Zentren dieser Kultur. Mit der Musik folgt oft eine politische Einstellung, die mehr Freiheit in den meist undemokratischen Staaten fordert. In vielen Ländern des mittleren Ostens haben Jugendliche mit langen Haaren und einschlägigen Band-T-Shirts Repressionen zu befürchten.
Der Artikel berichtet über die Band Sepeltura und einem Metalfestival in Dubai. Millionen Fans weltweit laden sich die Songs ihrer Helden wie Metallica aus dem Internet. In Ländern wie Iran, in denen Metal verboten ist, ist das Netz oft die einzige Möglichkeit an die Musik zu kommen. Und natürlich auch der modernste und einfachste.
Solche Artikel erwarte ich von einem Magazin, das nach eigenen Angaben diejenigen bedienen will, die nicht erwachsen werden wollen, obwohl sie es sollten. Da sind Jugendkulturen aus aller Welt ein wichtiges Thema und der die Reportage “Iran Maiden” trifft da den Nagel auf den Kopf.
Sie haben gewonnen!
Veröffentlicht am | 18. 12. 2008 | Noch kein Kommentar
Weihnachten steht erst noch vor der Tür, doch ein Geschenk habe ich schon bekommen.
1000ff – Neue Medien fragte nach den besten Artikeln des letzen Jahres. Die drei Jungs, die den Blog schreiben, hauen nicht einfach Meldungen anderer rein, sondern veröffentlichen Informatives mit Gehalt und Hintergrund rund um das Internet und seinen Möglichkeiten. Auf die wirklich tollen Grease-Monkey-Skripte wäre ich ohne sie wohl nicht aufmerksam geworden.
Als Bonbon gab es unter allen Teilnehmern einen Amazon Gutschein im Wert von 25 Euro zu gewinnen. Und wer hat gewonnen? Genau, ich! Ein verfrühtes schönes Weihnachtsgeschenk. Vielen Dank!
Allzu viele Teilnehmer gab es bei der Umfrage nicht, worüber sich Sebastian in den Kommentaren zurecht wundert:
Das ist doch Irrsinn, gibt es irgendwo ein lausiges T-Shirt, entblöden sich nicht weniger als 500 Leute, auf ihrem Blog einen pseudoironischen Beitrag zum Thema Linknutten zu schreiben und ein bisschen Werbung zu machen, aber einen amazon-Gutschein will dann wieder kaum einer.
Oh Schreck! Wetten, dass…?
Veröffentlicht am | 09. 11. 2008 | 4 Kommentare
Gestern abend zappte ich aus Versehen auf das ZDF. "Wetten, dass…?" lief und ich erschrak. Vor 10 Jahren war die Sendung das Größte für mich. Jeder Samstag, bei dem mir mein Papa erlaubte, die Sendung ganz – mit allen Überlängen – zu sehen, war ein guter Tag. Denn oft musste ich bereits nach den Wetten ins Bett: Wer zum Wettkönig gewählt wurde, wusste ich erst am nächsten Morgen. Beim Frühstück unterrichteten meine Eltern mich und meinen Bruder über den restlichen Verlauf: Wer gewann die Saalwette? Wer trat noch auf? Wie lange hat Gottschalk mal wieder überzogen?
Menschen die Wärmflaschen aufgeblasen haben oder weltbekannte Stars, die es sich auf dem Sofa bei Thomas bequem gemacht haben. Danach Simultanübersetzung, die immer eine kurze Verzögerung bei den Antworten von Madonna oder Elton John mit sich zog – auch das ist typisch "Wetten, dass…?".
Doch gestern war alles anders. Es war erscheckend. Es hätte auch eine zehn Jahre alte Sendung laufen können. "Wetten, dass…?" hat keine Entwicklung durchlaufen. Sie wirkte auf mich wie eine Sendung aus den 70er Jahren, die man in den letzten Jahren in diversen Rückblicksformaten zu sehen bekam.
Nur kurz sah ich "Wetten dass…?". Gottschalk stellte in dieser Viertelstunde komische Fragen, wies Jamie Oliver mindestens zweimal auf die widerliche Küche in England hin, nannte ihn später "Jeremy". Pink, wahrlich ein internationaler Superstar, ließ er links liegen. Die Unterhaltung war alles als locker. Alicia Keys durfte davor noch kurz die Flirtversuche von Gottschalk an sich abprallen lassen. In englischer Sprache machte er seine sogenannten Altherrenwitzchen.
Und wieso spricht Gottschalk so schlecht Englisch? Ich dachte, er lebt seit Jahren in den Vereinigten Staaten? Oder ist es Ironie? Will er uns Deutschen mit unserem akzentgefärbten Englisch den Spiegel vorhalten? Hat er diese Taktik mit Marcel Reich-Ranicki ausgeheckt?
USA: Zwei Jahre Wahlkampf
Veröffentlicht am | 04. 11. 2008 | Noch kein Kommentar
Die New York Times bietet eine wunderbare Einstimmung auf die heutige Wahlnacht: Ein Überblick über den Wahlkampf. Ein wirklich sehenswertes Stück Onlinejournalimus.
Was ist das? Eine Audioslideshow mit wirklich exzellenten Fotos aus dem Wahlkampf. Dazu gibt es Videoeinspielungen mit Statements sowohl von den Kandidaten als auch von Wählern.
So sieht die Zukunft des Journalismus aus! Qualitativ hochwertige Beiträge, anstatt endlosen Bilderstrecken und lieblos gemachten Videos, wie wir es Deutschland noch immer gewohnt sind. So machen auch Printmedien im Internet Spaß.
