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Fast Food ist das Nicht – "Agreeable" von Jonathan Franzen

Veröffentlicht am | 30. 05. 2010 | 2 Kommentare

Ich lese ja kaum mehr Rezensionen. Es nervt mich ungemein, wenn darin schon alles verraten wird. Selbst Analysen und Hintergründe zu Filmen, Büchern oder Musik erzählen oft schon viel zu viel von der Handlung oder Atmosphäre. Das Dumme an der Sache ist, dass ich sie genau so etwas gerne schreibe. Und auch lese – aber halt erst nachdem ich die Geschichte gelesen habe oder im (auf) Kino (.to) war.

Konkret geht es um die Geschichte “Agreable” von Jonathan Franzen. Zu lesen ist sie im amerikanischen Original beim Magazin “New Yorker.” Nur soviel: Franzen gibt einen Einblick in das Leben von Peggy, einer Highschool-Schülerin aus New York (ich schätze in den 1970er Jahren).

Interessant ist, dass ich mir den Text ausdruckte, weil er für einen im Netz ja doch überdurchschnittlich lang ist. “Agreeable” hat ausgedruckt neun Seiten. Und solch lange Texte lese ich weiterhin am liebsten analog. Doch für den Romanschriftsteller Franzen ist es eine ausgesprochen kurze Form. Zum Vergleich: Sein Buch “Die Korrekturen” hatte fast 800 Seiten. Trotzdem schafft er es auf den wenigen Seiten eine komplexe Handlung aufzubauen. Eindringlich wird Patty und ihre Umwelt – ihre Eltern, das Sportteam – beschrieben.

Ich habe die Geschichte im Zug von Passau nach Regensburg gelesen.Wer meint zwischen Vorlesungen, Büro und Weggehen keine Zeit zu finden, oder schlicht die Muse nicht zu haben, einen ganzen Roman zu lesen, findet hier ein feines Stückchen Literatur.

“Agreeable” von Jonathan Franzen

Warum sehen Plakate nicht immer so aus?

Veröffentlicht am | 07. 05. 2010 | Noch kein Kommentar

Die Grafiker von Fubiz designen Plakate von Filmen und TV-Serien im Minimalstil. Sehr toll.

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Tomte! Kettcar! Olli Schulz! Und der Hund Marie! Für Lau!

Veröffentlicht am | 04. 05. 2010 | Noch kein Kommentar

Grand Hotel Van Cleef

Hab mir das erste Mal von Amazon Musik runtergeladen: Eine gratis Compilation vom Hamburger Label Grand Hotel Van Cleef. Eröffnet wird der Sampler mit dem ersten Lied, das ich je von Tomte gehört habe: Schreit den Namen deiner Mutter. Damals, Mitte des Jahrzehnts, als ich noch CDs und Musikzeitschriften gekauft habe, war es auf einer CD, die beim Musikexpress dabei war. Einen Sommer lang hat dann Thees Uhlmann mit seiner seltsamen und irgendwie nicht so tollen Singstimme, guten Melodien und noch besseren Texte die Fahrten mit meinem Roller durch den Bayerischen Wald untermalt. Dazu gibt’s noch neun andere Lieder mit Gitarrenmusik mit überwiegend deutschen Texten: Kettcar! Olli Schulz! Und der und Marie!

Die zehn Lieder kannst du bei Amazon downloaden. Es ist ein bisschen umständlich, denn dazu braucht man extra ein Downloadprogramm von Amazon. Doch der Aufwand lohnt sich.

Die Songliste:

  1. schreit den Namen meiner Mutter – Tomte
  2. der Moment – Olli Schulz & Der Hund Marie
  3. Baby Melancholie – Hansen Band
  4. Cindy – Ola Podrida
  5. stellt mich auf die Beine – Der Hund Marie
  6. Rooftops -Home Of The Lame
  7. Ich hab nichts erreicht außer dir – Bernd Begemann & Die Befreiung
  8. For Science Fiction – Maritime
  9. ich danke der Academy – Kettcar
  10. you wanna be so good – The Pale

Dear Andy Warhol, Love Mick Jagger

Veröffentlicht am | 25. 03. 2010 | 2 Kommentare

1969 schrieb Mick Jagger von den Rolling Stones einen Brief an Andy Warhol. Dieser soll das Cover der Platte “Sticky Fingers” gestalten. Jagger gibt ihm dabei völlig freie Hand: “I leave it in your capable hands to do what ever you want…”

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Verlangt hat Andy Warhol für die Arbeit später 15 000 Pfund. Und so sieht das Ergebnis aus: Ein Mann in engen Jeans, dessen Schwanz sich deutlich abzeichnet und einem richtigen Reissverschluss, der sich auf- und zuzippen lässt.

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Die bekanntesten Lieder von “Sticky Fingers” sind mit Sicherheit “Brown Sugar” und “Wild Horses”.

via naggen.de

Crossing California von Adam Langer

Veröffentlicht am | 20. 03. 2010 | Noch kein Kommentar

Crossing California erzählt die Geschichte dreier Familien, die in West Rogers Park, einem jüdisch-afroamerikanischen Viertel in Chicago Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre leben.

crossingcalifornia Die Rovners sind eine gut situierte jüdische Familie, der Mann Arzt, die Frau Psychologin. Doch eigentlich leben sie alle nebeneinander her. Die Eltern haben sich eigentlich nichts mehr zu sagen und ihre Hochzeit nur Folge von Ellens Schwangerschaft (außerdem vermutet Ellen, dass ihr Mann eigentlich schwul sei). Larry, der Sohn, arbeitet wie verrückt an seiner Rockkarriere mit jüdisch-orthodoxen Songs und seinem ersten Geschlechtsverkehr, zumindest auf amerikanischen Boden (während einer Reise nach Israel wurde er überraschend entjungfert). Seine jüngere Schwester Lana, rassistisch und egomanisch, will einfach um jeden Preis Aufmerksamkeit.

Jill, Michelle und ihr Vater Charlie Wasserstrom versuchen sich mit ihrem Leben zu arrangieren, seitdem die Mutter/Ehefrau tot ist. Charlie versucht die Familie mit schlecht bezahlten Jobs in Restaurants über Wasser zu halten. Michelle, 16 Jahre alt, will Schauspielerin werden und vertreibt sich mit Saufen, Kiffen und Ficken die Zeit, während die 12-jährige Jill sich vor allem mit Politik und beschäftigt und ihren Vater ihre Bat-Mizwa auszureden versucht.

Und dann gibt es noch Muley Wills. Er lebt mit seiner Mutter und versucht durch Preisausschreiben, Mal-, Foto- oder sonstigen Wettbewerben für Kinder und dem Bauen von Radios genug Geld zusammenzubekommen, damit seine Mutter ihren Collegeabschluss nachholen kann und nicht weiterhin als Putzfrau bei den Rovners arbeiten zu müssen.

Der Hintergrund von Adam Langers Roman sind die 444 Tage der Geiselnahme von Teheran, von November 1979 bis Januar 1981, was aber keine Rolle spielt, außer, dass es einen zeitlichen Rahmen vorgibt. Im Mikrokosmos der California und Western Avenue ist jeder Protagonist mittelbar oder unmittelbar mit allen anderen verbunden: Die Mutter Muleys ist Putzfrau bei den Rovner, Jill und Lana kennen sich aus der hebräischen Schule, Charlie lernt Gail kennen, die Ex-Frau des Komikers Lennie, mit dem Muley bei einer Radiosendung arbeitet usw usf.

Die Erlebnisse der Rovners, Wasserstroms und Wills’ sind eigentlich ganz banal und gerade deshalb so realistisch. Langer beschreibt das mit mit einer Menge Witz und beiläufigen Bemerkungen, die mich sehr oft zum Schmunzeln oder gar lautem (!) Lachen gebracht haben. Auf dem Buchrücken steht: “Wer Franzens Korrekturen mochte, wird Langer lieben”. Es wird also Zeit, dass ich “Die Korrekturen” lese.

Hier noch ein wahllos ausgewähltes Zitat:

“Straight Arrow, wie er sich von den Schülern gern nennen ließ, ein ehemaliger Wettkampfschwimmer, stammte aus Bourbonnais unten im Süden von Illinois und galt, obwohl er erst vierundzwanzig war, als begabtester Trainer an der Mather. Was jedoch Gesundheitslehre betraf, so schien er sehr viel weniger von Drogen und Sex zu wissen als seine Schüler, obwohl er schon Vater dreier Söhne war. Mit seinem unschuldigen Bauernjungenlächeln und den ständig wechselnden, mit erbaulichen Sprüchen bedruckten T-Shirts (“Gott mit uns”, “Frag nach Gott” oder “Gott kommt zu dir”) war er für die Klasse voller Pot rauchender, Cheap Trick hörender, vögelnder und/oder onanierender Juden und Katholiken eine unerschöpfliche Quelle des Staunens und Vergnügens.”

Adam Langer, Crossing California

In meinem kleinen Land

Veröffentlicht am | 07. 02. 2010 | Noch kein Kommentar

Jan Weiler ist der Autor von "Maria ihm schmeckt’s nicht". Nach der Veröffentlichung des Buches ging er auf Lesereise durch Deutschland und schrieb darüber: über Hotelzimmer, Züge und Buchhandlungen, Dome (stimmt der Plural?) und Fussgängerzonen. Ein neutrales Urteil über Städte nach nur einem Tag zu fällen, ist natürlich nicht wirklich möglich, aber das macht nichts. Weiler schreibt seine Erlebnisse und Beobachtungen auf und dabei kommt die eine Stadt halt besser weg, als die andere. 

In seinem Vorwort trifft Jan Weiler den Nagel auf den Kopf:

"Man traut es sich beinahe nicht zu formulieren, aber im Großen und Ganzen haben wir es nicht schlecht getroffen.

Dass dieser Befund so schwerfällt, hat mir meiner Generation zu tun. Wir sind kritisch aufgewachsen: konsumkritisch, religionskritisch, politkritisch, kulturkritisch. Unser Land zu mögen finden wir nationalistisch, unsere Sprache peinlich, den Deutschen an sich unerträglich, besonders im Urlaub. Das ist auch sehr ehrenwert, führt aber zu keiner sonderlich tiefen Identifikation mit unserem Land. Ging mir auch so. Aber es hat sich geändert.

Ob ich nach dieser Reise ein Patriot bin? Nein. Aber es gefällt mir hier. Ich bin ganz und gar nicht stolz darauf Deutscher zu sein, aber ich bin es gerne, weil mein Land friedlich ist und schön und weil ich die Deutschen mag, nachdem ich ziemlich viele von ihnen getroffen habe. "

Das Buch habe ich bei meinen Eltern vergessen. Das machte aber nichts, denn immer wenn ich zu Besuch war, habe ich ein paar Kapitel gelesen. Dafür ist genau das richtige: drei oder vier Seiten über jede Stadt. Seitdem weiß ich auch, wo Hildesheim liegt, und Krefeld und dass der "Kleine Feigling" aus Eckernförde kommt.

"In meinem kleinen Land" ist ideal für zwischendurch. Heute ein paar Kapitel, die nächsten erst in Tagen oder Wochen lesen – kein Problem, denn es ist kurzweilig und verdammt witzig. Zum Beispiel der Text über Tübingen:

Tübingen gilt als evangelisch, der Ort der abendlichen Lesung hingegen ist eine katholische Hochburg: Rottenburg. Das merkt man schon daran, dass hier für Fastnacht geschmückt wurde, wovon in Tübingen nicht zu sehen war. Tübinger Evangelen knacken an Karneval Walnüsse und trinken mehr Holundersaft, in den sie, damit es mehr kickt, Sprudel mischen.

 

Jan Weiler, In meinem kleinen Land, Rowohlt Taschenbuch Verlag 

Pfingst-open-air 2010 kann stattfinden

Veröffentlicht am | 24. 01. 2010 | Noch kein Kommentar

So gehts! Das bayerische Umweltministerium hat nach öffentlichem Druck die Entscheidung über das Pfingst-Open-Air in die Hände der Stadt Hauzenberg gegeben, die das Festival unbedingt haben will. Dieses “Überdenken” der Entscheidungswege des Ministeriums kommt einer Erlaubnis gleich. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann das Pfingst-Open-Air 2010 also stattfinden!

poa Die Grundlage des Erfolgs in Bayern ist eine Petition im Landtag, über die der Umweltausschuss am 28. Januar entscheiden sollte. Die Eingabe der Kommune PRO-Pfingst-Open-Air unterstützt eine Unterschriftenaktion aus Hauzenberg, bei der 3000 Bürger mitgemacht haben. Die Veranstalter haben außerdem eine Kampagne gestartet und dazu aufgerufen, Protestbriefe an Umweltminister Markus Söder zu schreiben.

Wichtig war aber auch die mediale Aufmerksamkeit. Zeitungsartikel und Radiobeiträge erschienen, und bei Facebook wuchs die Gruppe “FÜR ein Pfingst-Open-Air 2010! Warum wollt ihr es verbieten?!” innerhalb von wenigen Tagen auf über 1700 Personen an. Für mich war das die wichtigste Informationsquelle und ein kleines Zentrum des Protests.

Also: Das Wochenende zwischen dem 21. und 23. Mai 2010 für das 29. Pfingst-Open-Air freihalten!

Rettet das Pfingst-Open-Air 2010!

Veröffentlicht am | 18. 01. 2010 | 3 Kommentare

Seit 30 Jahren gibt es ein paar Tage im Jahr, an dem in und bei Passau einmal etwas los ist. Am Pfingstwochenende findet seitdem ein Festival statt. In den letzten Jahren Jahren sind Deichkind, Blumentopf, die Kilians oder The Whitest Boy Alive aufgetreten. Vor zwei Jahren habe ich Moneybrother verpasst, aber das habe ich erst vor kurzem gemerkt und deshalb ist mein Ärger nicht allzu groß. Und das ganze findet nur fünf Kilometer von meinen Zuhause entfernt statt: eine kurvige Strecke durch den Wald einen Berg rauf und auf der anderen Seite wieder runter (im Winter ist das eine grausame Strecke). Drei Tage lang feiern dort 7000 Besucher. Die meisten Besucher sind jung und kommen aus Bayern, Österreich und Tschechien.

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Lange Jahre fand das Pfingt-Open-Air in Passau am Thingplatz statt. Die Stadt Passau ging vor dem ersten Mal 1980 sogar bis vor das Bayerische Verwaltungsgericht um das Musikfestival zu verhindern. 2001 zogen die Veranstalter notgedrungen nach Hauzenberg um, da die Stadtverwaltung Passau eine Ausstellung auf der Veste Oberhaus gestört sah. Das Gelände in Hauzenberg ist im Stadtpark und angrenzenden Wiesen – und leider auch mitten im Ort.

Jedesmal in den letzen vier Jahren gab es Gerüchte, dass es nächstes Jahr nicht mehr statt finde könne und das Open-Air müsste nach Passau oder sonstwo hinziehen. Anwohner hätten sich beschwert, angeblich ein Zuagroaster. Wos sicheres weiß ma ned. Aber jedes Jahr blieb doch alles beim Alten: Zelte um einen Teich rum und hinter der Bühne die Hügel des Bayerischen Wald. Richtig idyllisch, und dazwischen ein tolles Fest mit Musik, vielen Leuten, guter Laune und jeder Menge Ausgelassenheit.

Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Jetzt ist es wirklich ernst: Das bayerische Umweltministerium will das Pfingst-Open-Air 2010 verbieten! Am 28. Januar tagt der Petitionsausschuss des Landtags und entscheidet darüber, ob im nächsten Früsommer Bands und junge Leute in ein verschlafenes Nest im Bayerischen Wald kommen können um dort mal richtig Leben reinzubringen. Die Petition brachte die Stadt Hauzenberg ein, und zwar eine für das Festival. So ändern sich die Zeiten: Vor 30 Jahren wollte Passau das Open-Air verbieten, Hauzenberg kämpft heute dafür. Denn das Pfingst-Open-Air hat sich als feste kulturelle Veranstaltung etabliert, die den Bekanntheitsgrad vegrößert, den Ruf der Stadt verbessert und sich sicherlich auch finanziell rentiert.

Mit 21:2 Stimme beschloss der Stadtrat, dass das Festival auch 2010 stattfinden darf, und stufte es als seltenes Ereignis ein, bei dem auch nach 22 Uhr Lautstärke über 70 dba (Schalldrucktzpegel) gemessen werden darf. Das Umweltministerium sieht das anders und will diese Ausnahme beim Pfingt-Open-Air nicht gelten lassen.

Am 28. Januar entscheidet Ausschuss. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit um gegen das drohende Verbot durch Umweltministerum zu verhindern. Die Hauzenberger haben in einer Unterschriftenaktion schon 3000 Stimmen gesammelt. Doch das können noch viel mehr werden, angesichts der 7000 Leute, die gerne zum Festival kommen.

Die Argumente des Ministeriums unter Markus Söder sind nicht besonders stichfest, denn es wurden nur Kurzzeitmessungen von bis zu fünf Minuten durchgeführt, doch eigentlich müsste es mindestens über eine Stunde gehen. Würden die harten Maßstäbe immer angewendet, dürfte kein Volksfest mit Blaskapelle mehr stattfinden.

Umwelttechnisch ist das Festival vorbildlich. Sogar der Bund Naturschutz zeichnete das Pfingst-Open-AIr als besonders nachhaltig aus und ist vom Recyclingkonzept überzeugt.

Wenn bis Ende Januar keine eindeutig positive Entscheidung gefallen ist, gibt es 2010 kein Pfingst-Open-Air, weil die Organisatoren nicht planen können.

Also: Nehmt euch die Zeit und schickt eine Protestmail oder einen Brief in den nächsten Tagen an das Umweltministerium oder die Mitglieder des Umweltausschusses. Dazu könnt ihr entweder die Vorlage der Veranstalter nehmen oder selbst einen Text schreiben.

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