Archiv für die Kategorie ‘ China ’

15. September 2008 0

Schwierigekeiten fuer Journalisten in CHina

Von katha in China, Medien

China hat tolle Seiten: Es ist außerordentlich gastfreundlich, in einem Maße, das in Deutschland undenkbar ist; die Menschen sind freundlich und lustig.

China ist toll, solange man keine Fragen stellt. Das hat auch der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in China erfahren, als er im rahmen der Paralympics für einen Artikel über Behinderte in China recherchierte. Bei zu großer Neugierde und falschen Fragen (außer chinesischer Sicht natürlich) versteht der Staat keinen Spaß.

So wurde aus der Reportage über Behinderte Geschichte über die Schwierigkeiten in China als Journalist zu arbeiten

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15. August 2008 0

Willkommen bei den "Kindern des Glücks"

Von katha in China, Medien

Wie sich China auf Olympia einstimmt

„Beijing 2008, Beijing 2008“: 35 Kinder einer Vorschulklasse singen lauthals ihr Lied und versuchen angestrengt, die einstudierte Choreografie umzusetzen. In der rechten Hand halten sie eine kleine chinesische Fahne, links eine, die die olympischen Ringe zeigt. Ob jung oder alt, reich oder arm: Olympia ist der ganze Stolz der Nation.

Das ist die Einleitung eines Artikel von mir auf schekker.de, dem Jugendonlinemagazin der Bundesregierung. Er handelt von den Vorbereitungen Chinas auf die olympischen Spiele und gründet auf meinen Erfahrungen während meines Aufenthalts im Reich der Mitte.

Schekker.de ist das Jugendonlinemagazin der Bundesregierung und veröffentlicht einmal pro Monat verschiedene Artikel zu einem Topthema. Diese reichen von aktuellen Olympiaausgabe über die Themengebiete Demographie bis zu Heimat. Mittlerweile gab es 60 Ausgaben, alle speziell auf Jugendliche zugeschnitten. Seit kurzem werden auch professionelle Videos zum jeweiligen Thema produziert und es gibt eine Kommentarfunktion. Neben den Themen gibt es die Ressorts Bücher und Städte&Regionen.

Auf dieser Plattform können junge Journalisten ihre Texte veröffentlichen. Besonders dabei ist, dass sie professionell von drei Redakteuren redigiert werden, wodurch die Autoren wertvolle Tipps und Hinweise für ihre weitere Arbeit bekommen. Lange Zeit habe ich das Magazin nur gelesen und freue mich deshalb sehr, dort nun auch einen eigenen Artikel veröffentlicht zu haben.

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10. August 2008 0

Chinesen, die unbekannten Wesen Teil 3: Verrückt nach Handys

Von katha in China

Eine alte Frau in der traditionellen Kleidung der Dai-Minderheit hat eines und auch unser alter Nachbar, der ständig verwirrte Selbstgespräche führte: Ein Handy. Jeder, wirklich jeder, ob jung oder alt, reich oder arm, hat ein Mobiltelefon – das ultimative Statussymbol der Chinesen.

Mein Papa sagt: “Ich habe vierzig Jahre ohne Handy gelebt, wieso brauch ich jetzt eins?” Chinesen scheinen da anders zu denken: “Ich habe vierzig Jahre ohne Handy gelebt. Diese Jahre muss ich schnleungist aufholen!” Immer und überall tippen sie in ihre Handys, oft verziehrt mit Bändchen (In den letzten Monaten waren vor allem die Maskottchen der olympischen Spiele beliebt). Sie simsen was das Zeug hält. China Mobile, eine der zwei Mobilfunkfirmen, ist mittlerweile der größte Konzern dieser Art weltweit.

Es gibt Straßenzüge, in denen es nur Handyläden gibt. Selbst in der Stadt Gengma mit 50 000 Einwohnern gibt es eine Kreuzung, in deren Radius von 300 Metern sich insgesamt 17 Geschäfte, die von Handys profitieren, niedergelassen haben. DSC_0227

Die Produktpiraterie macht natürlich auch vor Mobiltelefonen nicht halt. Neben Nokia- oder Samsunggeräten gibt es sehr viele chinesische Marken. Diese sind preisgünstiger und weisen oft erstaunlicherweise große Ähnlichkeit mit den Geräten der ausländischen Marken auf. Indem chinesische Firmen das Design kopieren oder minderwertigerer Produkte verarbeiten ist es zu erklären, dass sehr viele Modelle erstaunlich preiswert sind. Besonders beliebt sind Handys mit Touchscreen, die mit einem Stick zu bedienen sind. Diese sind in China weit verbreitet.

Chinesesn schreiben SMS in Pinyin, einem System, bei dem die chinesischen Schriftzeichen in lateinische Buchstaben umgewandelt werden. Ein Touchscreengerät hat dafür zwei Vorteile:

  • Die chinesischen Schriftzeichen können direkt hingeschrieben werden (Zeichenerkennung), was einen immensen Zeitgewinn zur Folge hat, weil die Wörter nicht über die Zifferntasten eingetippt werden müssen
  • Leute, die nicht lange zur Schule gegangen sind, beherrschen oft die lateinischen Buchstaben nicht. Sie können also kein Pinyin. Handy (- und PC-Nutzung) wäre ihnen sonst unmöglich.

Wie so vieles in China geschieht auch das Telefonieren in unglaublicher Lautstärke. Die Klingeltöne ertönen prinzipiell so laut wie möglich. Läutet dann das Handy, erklingen die schlimmsten chinesischen Schlager, bei denen sogar ich manchmal die Texte verstehe (“Wo ai ni” – “Ich liebe dich”). Bei Militärs ist auch die Nationalhymne beliebt. Auch bei den Gesprächen selbst sprechen die Chinesen für deutsche Verhältnisse viel zu laut.

Ich habe dafür keinerlei Beweis, aber ich denke, dass der wachsende Mobilfunk besonders für abgelegene Bergdörfer, so wie ich sie in Yunnan sah, eine großer Verbesserung ist. Keine Kanalisation, zum Teil Holzhütten, keine asphaltierten Straßen. Mit dem Mobilfunknetz sind sie aber nun wenigstens ein bisschen an die Welt angeschlossen. Denn Proteste gegen Sendemasten wie in Deutschland gibt es mit Sicherheit nicht.

Dieser Beitrag ist ein Teil der Serie “Chinesen, die unbekannten Wesen”.

Teil 1: Chinesen, die unbekannten Wesen

Teil 2: Die Trinkkultur

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9. August 2008 0

Olympia von der anderen Seite

Von katha in China

Wer sich in der Blogossphäre herumtreibt kennt ihn wohl schon, Jens Weinreich, der Sportreporter, der  aus Peking bloggt. Er schreibt über das IOC, seine Arbeit und die meteorologischen Herausforderungen in der chinesischen Hauptstadt. Was passiert hinter den Kulissen, wie arbeitet es sich bei dem Großereignis mit 20 000 Kollegen aus aller Welt. Über jeden Tag führt Weinreich Protokoll und eines ist klar: Für ihn ist das alles großer Stress.

Stets amüsant und interessant, unbedingt lesen!

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9. August 2008 0

Chinesen, die unbekannten Wesen Teil 2: Die Trinkkultur

Von katha in China

Asiaten vertragen keinen Alkohol! Ein Enzym, das den Alkohol abbaut, arbeitet bei ihnen langsamer, führt daher schneller zu einem Vollrausch. Das hält Chinesen aber sehr oft nicht vom übermäßigen Alkoholkonsum ab.

Alkohol trinken gehört zu einem Abendessen mit Freunden oder Kollegen genauso dazu wie Reis. Entweder gibt es Reisschnaps, wenn man Pech hat ist er sogar selbst gebrannt und scheint sämtliche Zellen vom Mund über den Rachen bis in den Magen irreparabel zu zerstören. Oder es wird Bier getrunken, lauwarm.

Meistens wird Schnaps beim Essen bevorzugt. Ein Tipp für alle Chinareisende bei der Getränkeauswahl: “Wine” ist in China hochprozentiger Schnaps und kein edles Tröpfchen aus Frankreich oder Franken.

Aus kleinen Schnapsgläsern wird vor, während und nach dem Essen getrunken. In einem Tempo, dass ich manchmal kaum Zeit fand meinen Magen mit Leckereien zu füllen, um die Promillezahl einigermaßen niedrig zu halten. “Gambei, Gambei!” – “Prost, Prost”, wörtlich “Trockne das Glas”, ist das Zeichen sich den Alkohol auf Ex hinter die Birne zu kippen. Zu Beginn prosten alle zusammen, dann jeder mit jedem, zu Beginn die Ranghöchsten.

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Bei einem Abendessen mit 10 Personen werden da schon mal leicht drei bis vier Flaschen Schnaps geleert, es entwickelt sich sehr oft zu einem richtigen Gelage. Ein “Nein” zählt selten. Nur eine Krankheit überzeugt, einfach aus Spaß nüchtern bleiben – undenkbar. Immer wieder habe ich erlebt, dass Bekannte, die offensichtlich sturzbesoffen waren und keine Lust mehr auf Alkohol hatten, sich bei ihren Vorgesetzten nicht trauten, abzulehnen. Dies zeugt vom weit verbreiteten Hierarchiedenken und dem Gehorsam, der Älteren oder höher gestellten Personen entgegen gebracht wird.

Vor allem in Männerrunden konnte ich ein Verhalten beobachten, das ich in Deutschland vor allem von 14-jährigen pubertierenden Jungs kenne: Wer kann am meisten Saufen? Da wird geprahlt und versucht sich gegenseitig unter den Tisch zu saufen. Wird nicht das ganze Glas geleert, wird zäh über die zu trinkende Menge verhandelt, zum Teil minutenlang: Der eine zeigt eine Linie auf seinem Glas – soweit will er trinken. Der andere deutet auf sein Glas. Das ganze geht so lange bis sie sich geeinigt haben.

Natürlich sind nicht alle Chinesen Alkoholiker, aber der Konsum von Bier und Schnaps ist überraschend hoch und als Ausländer (und auch Chinese!) gerät man in Situationen, wo sehr viel diplomatisches Geschick nötig ist, um zu vermitteln: “Nein, ich will nichts mehr trinken” ohne zu unhöflich zu werden.

Dieser Beitrag ist ein Teil der Serie “Chinesen, die unbekannten Wesen”.

Teil 1: Chinesen, die unbekannten Wesen

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8. August 2008 1

Willkommen bei den “Kindern des Glücks?!

Von Katharina in China

Wie sich China auf Olympia einstimmt.

“Beijing 2008, Beijing 2008″: 35 Kinder einer Vorschulklasse singen lauthals ihr Lied und versuchen angestrengt, die einstudierte Choreografie umzusetzen. In der rechten Hand halten sie eine kleine chinesische Fahne, links eine, die die olympischen Ringe zeigt. Ob jung oder alt, reich oder arm: Olympia ist der ganze Stolz der Nation.

In Kunming, Kanton oder Hongkong: Auf jeder meiner Reisestationen in China sah ich große Uhren in den Innenstädten, die mit großen roten Ziffern den Countdown anzeigten: Noch 30 Tage, 5 Stunden, 8 Minuten und 43 Sekunden bis zur Eröffnung der Olympischen Spiele! Oft ließen sich die Menschen davor fotografieren. Ein klares Zeichen: Viele Chinesinnen und Chinesen fieberten, auch tausende Kilometer von Peking entfernt, dem 8. August entgegen. Um 8:08 Uhr abends chinesischer Zeit eröffnete Staatsoberhaupt Hu Jintao die Olympischen Spiele im Nationalstadion. Drei Wochen blickt nun die Welt auf das Reich der Mitte. Für die chinesische Regierung ist das sportliche Großereignis die Möglichkeit, der Welt das moderne China zu präsentieren: Das Nationalstadion als ein architektonisches Denkmal; Peking als eine Stadt, die es mit den großen Metropolen der Welt aufnehmen kann. Und weltoffene Menschen, die den ausländischen Besucherinnen und Besuchern bei Problemen gerne auf Englisch weiterhelfen. Das bevölkerungsreichste Land der Erde will zeigen, dass es in der Liga der Weltmächte mitspielt.

Vaterland statt Bruderstaat

Doch die kommunistische Führung will auch nach innen Stärke demonstrieren. Bis vor 30 Jahren war der Kommunismus der Kleister, der das Milliardenvolk zusammenhielt. Doch seit Deng Xiaoping, der Nachfolger Maos, das Land Ende der achtziger Jahre wirtschaftlich öffnete, hat sich einiges geändert. Zwar ist der Kommunismus immer noch Staatsziel. Die Planwirtschaft jedoch ist der “sozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Prägung? gewichen. Immerhin: Die Wirtschaftsdaten sind beeindruckend. China ist inzwischen die viertgrößte Volkswirtschaft und drittgrößte Handelsnation der Welt. Für 2009 wird erwartet, dass China Deutschland als Exportweltmeister ablöst. Das rasante Wirtschaftswachstum hat den Lebensstandard vieler Chinesinnen und Chinesen erhöht, aber auch zu großen Ungleichgewichten bei der Einkommensverteilung zwischen Stadt und Land sowie Küsten- und Binnenprovinzen geführt. Die Arbeitslosigkeit ist stark angestiegen. Trotzdem fühlen sich die Chinesinnen und Chinesen der Nation und der Kommunistischen Partei eng verbunden.

Vorfreude auf die “besten Spiele aller Zeiten”

In einem Park in Kunming beobachtete ich einen Händler, der innerhalb einer halben Stunde alle T-Shirts mit patriotischen Aufschriften verkauft hatte. Am beliebtesten waren solche mit dem Aufdruck “Beijing 2008″ und “I love China”. Dieser Vaterlandsstolz verstärkte sich besonders nach den Unruhen in Tibet und den darauf folgenden Boykottaufrufen aus dem Westen. Über Nacht hatte plötzlich ein Großteil der 160 Millionen Benutzerinnen und Benutzer des populären Chatprogramms QQ die chinesische Flagge oder die olympischen Ringe als Userbild gespeichert. Sie protestierten so gegen die Kritik aus dem Ausland und stellten sich hinter ihre Regierung. Olympia wird alles untergeordnet. Als das Land im Jahr 2001 den Zuschlag für die Ausrichtung der Spiele bekam, versprach die chinesische Regierung, die Demokratie zu stärken. In diesem Zusammenhang wurde im März 2004 die Verfassung geändert, die nun unter anderem das Recht auf Privateigentum und den Schutz der Menschenrechte festschreibt. Wichtig für die Weltöffentlichkeit ist das neue Presserecht, das es jedem chinesischem Bürger erlaubt, mit ausländischen Journalisten zu sprechen. Doch wer gegen das Regime spricht, hat trotzdem Repressalien zu befürchten.

Eine echte Presse- oder Meinungsfreiheit gibt es nicht. Die Politiker haben Angst, dass etwas schief geht, schließlich hat Hu “die besten Spiele aller Zeiten” versprochen.

Gewaltiger Werbeaufwand

Mit einer gewaltigen Werbekampagne hat China seine Bevölkerung ein Jahr lang in Vorfreude und Euphorie versetzt: Die olympischen Ringe sah ich auf jeder Cola-Flasche, auf Milchtüten und Chipsverpackungen. Neun Monate lang begegnete ich jeden Tag Yao Ming. Der Spieler der amerikanischen Basketballliga NBA steht als Pappfigur mit 2,29 Meter Lebensgröße vor vielen Filialen der China Construction Bank. Der Sportsender CCTV 5 trägt schon seit Monaten die olympischen Ringe als zusätzliches Logo und wiederholt die großen Triumphe chinesischer Sportlerinnen und Sportler immer und immer wieder. Die Erwartungen des Publikums an die chinesische Mannschaft sind enorm. Das Staatsfernsehen CCTV brachte auch beeindruckende Bilder des Fackellaufs in die Wohnzimmer der Chinesinnen und Chinesen: Weltweit schienen sich die Menschen auf Olympia zu freuen und Peking für den idealen Austragungsort zu halten. Einheimische und Exilchinesen schwenkten gemeinsam ihre Flagge. Störungen des Fackellaufs sendete CCTV nicht. Die Chinesen sollen zeigen, dass sie sich auf Olympia freuen, und werden deshalb mit Merchandisingprodukten überschwemmt. Neben den olympischen Ringen und dem offiziellen Logo “Tanzendes Peking” sind es vor allem die fünf Maskottchen, die “Die freundlichen Fünf”, die in China “Kinder des Glücks” heißen und sich großer Beliebtheit erfreuen. Ob als Plüschtiere in allen Größen, als Anhänger für den Schlüsselbund oder als Handydisplay: Die Tierchen sind überall. Selbst bei einem Umzug eines Kindergartens im Dezember 2007 trugen Kinder die Maskottchen durch die Straßen.

Verhaltenstraining

So viel die Regierung auch plant, damit die Spiele perfekt werden: Eine große Rolle spielt auch das Verhalten der Pekinger. Da die meisten Gäste aus westlichen Ländern kommen werden, wird der Kulturschock groß sein. Ich habe mich in China wie eine Analphabetin gefühlt, konnte nichts lesen und kaum etwas verstehen. So wird es wohl auch einem Großteil der Touristinnen und Touristen während der Spiele ergehen. Weil die Englischkenntnisse in weiten Teilen der Bevölkerung sehr schlecht sind, gab es für alle Dienstleister, die mit Ausländern zu tun haben werden, beispielsweise für Taxifahrer, Englischkurse. Aber Sprache ist nicht alles. Drängeln, schubsen, ziehen: All das gehörte bisher dazu, wenn man in China in ein öffentliches Verkehrsmittel steigen wollte. Und auch das geräuschvolle Ausspucken, das viele Chinesen mit Hingabe praktizieren, passte nicht zum Bild, das die Verantwortlichen vom Land vermitteln wollen. Deshalb müssen die Pekinger seit einem Jahr einmal im Monat das Schlange stehen üben. Das Spucken ist verboten worden. Und was machen die Vorschulkinder, um sich neben dem Singen noch mehr auf Olympia vorzubereiten? Sie nehmen an einem Wettbewerb teil, bei dem sie die fünf Maskottchen malen müssen. Ihre fünf Namen ergeben im Chinesischen den Satz: “Peking heißt dich willkommen!”

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8. August 2008 0

Chinesen, die unbekannten Wesen

Von katha in China, Medien

In jeder Fernsehsendung, in alles Tageszeitungen: Berichte und Reportagen über Peking, Olympia und die Repressionen des kommunistischen Regime. Alles interessant, alles wissenswert und informativ. Doch die Chinesen an sich werden dabei oft vergessen.

Bei allen olympischen Spielen ist es eine wichtige Aufgabe der Medien den Menschen in aller Welt das Gastgeberland und seine Einwohner vorzustellen. 2000 standen die Aborigines in Australien im Fokus, 2002 in Salt Lake City die Mormonen. In Athen 2004 und Turin 2006 war die kulturelle und gesellschaftliche Bildung für uns Europäer nicht so wichtig. Schließlich sind uns die italienische und griechische Welt doch einigermaßen vertraut.

Doch genau das ist in China nicht der Fall. Unbekannte Lebenswelten, asiatische Verhaltensweisen. Kein Europäer fügt sich da problemlos ein. Olympia ist also ein prima Rahmen für diese Berichterstattung. Denn je wichtiger China als Wirtschaftsmacht wird, desto mehr wächst unbewusst die Angst vor “dem Chinesen”, uns – den westlichen Industrieländern – den Rang abzulaufen.

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Viele befürchten von der asiatischen Supermacht überrollt zu werden und China durch seine Wirtschaftskraft und sein Humankapital in den nächsten Jahrzehnten zum dominierenden Faktor in der Welt wird. Möglicherweise wird das so kommen, vorhersagen kann das niemand. Was aber verhindert werden kann, ist die Angst vor der unbekannten Kultur, dem fremden Alltag hinter dem Himalayagebirge. Und das ist die Aufgaben der Medien.

Individuen trotz Kollektivgedanken

Doch oft bin ich nicht glücklich mit den Berichten aus dem Reich der Mitte. Möglichweise ist es ein fataler Trugschluss meinerseits: Doch oft habe ich das Gefühl, bei Medienberichten als auch bei Gesprächen, es handle sich bei Chinesen einfach um riesige Massen von Menschen. 1,3 Milliarden gleicher schwazhaariger Menschen mit Schlitzaugen und gelber Haut. Trotz aller Kollektivgedanken der kommunistischen Ideologie sind sie trotzdem Induviduen. Sie haben helle und dunkle Haut; sie lachen und weinen; sie lieben und hassen sich. Das mag vielleicht lächerlich klingen, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass das nicht allen klar ist!

Nur wenig wird berichtet über Chinesen, ihren Alltag und Einstellungen. Wie leben Chinesen? Was ist ihnen besonders wichtig?

Natürlich ist es anmassend, mich als Expertin der chinesischen Gesellschaft hinzustellen. Weder habe ich wissenschaftliche Beweise noch einen Überblick über ganz China. Ganz davon abgesehen, dass es sinnlos ist Millionen von Menschen bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben. Dennoch traue ich mich behaupten, den “Menschenschlag” in Yunnan, einer südwestchineschischen Provinz zu kennen. Ich habe dort neun Monate verbracht. Im Radius von 150 Kilometern waren mein Freund und ich die einzigen “Laowai”, Ausländer. Nur sehr vereinzelt kamen Reisende in das abgelegene Gebiet an der burmesischen Grenze. Es gibt dort kein Brot, kein McDonalds und Ausländer sind eine echte Seltenheit.

Der kleinste gemeinsame Nenner

In den folgenden Wochen will ich in loser Reihenfolge von bestimmten Eigenheiten, Besonderheiten und Verhaltensweisen in China erzählen. Vorneweg: Meine Berichte sind allesamt subjektiv und sind der kleinste gemeinsame Nenner. 1,3 Milliarden Menschen – 1,3 Milliarden Persönlichkeiten. Dennoch habe ich vor allem durch Blogs und mit Gesprächen mit anderen eines gemerkt: Gewisse Dinge gibt es überall: Von Urumqui ganz im Westen bis an die Ostküste in Beijing – einer Strecke über 5000 Kilometer.

Sollte ich etwas schreiben, was nicht der Wahrheit entspricht und/oder einfach totaler Mist ist: Sofort Bescheid sagen, sonst kehrt sich mein Anliegen, euch China und eine Einwohner näher zu bringen, ins Gegenteil.

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7. August 2008 1

Eileen Chang: Gefahr und Begierde

Von katha in China, Kulturelles

Oder: Wie kleine Zufälle das Leben versüßen können

Ich liege entspannt auf dem Sofa und überfliege kurz den SPIEGEL der letzten Woche, bevor sein Schicksal den Müllentsorgungsfirmen übergeben wird. Dann, am Ende, in der Rubrik “Szene”: Einspaltiger Artikel, Überschrift: “Shanghai in Krieg und Liebe.” Wie immer, China – das zieht meine Aufmerksamkeit an. Eileen Changs Roman wurde ins Deutsche übersetzt. Dann sehe ich das Buchcover. Irgendwie kommt mir das bekannt vor!

10 Minuten später: Ich hab’s! Ich schnappe mir ein Buch, vergleiche die chinesischen Schriftzeichen: Eindeutig! Ich hab ein Buch von Eileen Chang zu Hause. Liebe Leser, ihr fragt euch vielleicht, wieso mich das so freut.

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Die Antwort: Während meiner Monate in China lernte ich ein Mädchen kennen. Sie studiert Arabisch und ihre Leidenschaft ist Literatur. Lange unterhielten wir uns: Über Orhan Pamuks “Rot ist mein Name” oder Goethe . Am Ende der Ferien, bevor sie wieder zu ihrem Studienort am anderen Ende Chinas aufbrach (ich konnte mir die Stadt nicht merken), schenkte sie mir ein Buch. Es sei eine ihrer Lieblingschriftstellerin, ihre Bücher in China Klassiker und vor allem bei den Jüngeren beliebt. Ich freue mich, finde es jedoch schade, dass ich es nicht lesen kann. Aber ein schönes Souvenir ist es trotzdem.

Und jetzt das: Der erste Band “Gefahr und Begierde” wurde ins Deutsche übersetzt. Die Rezensenten sind begeistert, z.B. taz:

Kniffeliger Geschlechterkampf, in dem Blut, Schweiß und Tränen fließen, das ist der Stoff, aus dem nach Ansicht der begeisterten Rezensentin Susanne Messmer Eileen Changs Literatur gemacht ist, die mit diesem Erzählungsband nun endlich auch auf Deutsch zu entdecken sei. Chang werde im “angloamerikanische Raum” schon länger als “dichtende Garbo” kultisch verehrt. Zu Recht, wie man dem leidenschaftlichen Plädoyer der Rezensentin entnehmen kann, die diese Autorin für eine der interessantesten Erzählerinnen der klassischen chinesischen Moderne hält. Die Texte des Bandes bestächen mit Milieugenauigkeit und psychologischer Schärfe, mit der hier die Verwicklungen der Gefühle immer auch im Kontext von Geschlechter- und Klassenverhältnissen geschildert würden. Schonungslos bitterböse Prosa also, wie die Rezensentin genüsslich notiert.

Ang Lee hat den Stoff verfilmt. Leider kenne ich den Film nicht. Ich freue mich, werde das Buch schnellstmöglich lesen, den Film ansehen und auf die Übersetzung des zweiten Bandes hoffen!

Im anglo-amerikanischen Raum sind die Bücher seit langem übersetzt und geschätzt; ich könnte also die englische Version lesen. Doch mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wie der Titel “meines Buches” ist. Die englischsprachigen Ausgaben haben – im Gegensatz zur ersten deutschen Übersetzung – das chinesische Buchcover nicht übernommen.

Ich freue mich, dieses Buch auch bald lesen zu können und zufällig von der Übersetzung erfahren zu haben. Oh, wie schön sind Zufälle!

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