Archiv für die Kategorie ‘ China ’

28. Juni 2011 0

Gehen zwei nach China

Von Katharina in China

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Folgenden englischsprachigen Satz habe ich bisher nur passiv wahrgenommen habe (Quelle: Internet). Ich habe jetzt die Gelegenheit ihn auch selbst zu verwenden. Aufgepasst:

Xifan Yang und Philipp Mattheis, beide Redakteure beim jetzt-Magazin, scheinen ein Paar zu sein und werden gemeinsam nach Shanghai gehen. Noch mal zum auf der Zunge zergehen lassen: Junges Pärchen geht zusammen nach China. (Jetzt kommt der Satz.) Been there, done that, got the t-shirt (hellblau ist es.) Das kann ja, äh…, heiter** werden.

Am besten also gleich die Reisbetriebenen Roboter abonnieren. Freu mich auf drauf.

Anderer Blog, der in eure Feedreader sollte: Accidental Chinese Hipster. Wie der Name sagt, Chinesen mit Kombinationen von Klamotten, mit denen ihnen in westlichen Städten das Dasein eines Hipsters auf keinen Fall verwehrt werden könnte.

* Das fallende Kind! Oder was immer das Mädchen da macht.

** Aber die beiden sind ja auch schon geschätzt zehn Jahre älter, und zumindest Xifan spricht Chinesisch. Das ist ja schon mal ein nicht zu verachtender Vorteil.

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17. April 2011 1

Lass uns mal ne Runde unterdrücken: Die Angst Chinas vor seinen Bürgern

Von Katharina in China

Der Economist legt in seiner aktuellen Ausgabe dar, warum die aktuelle Verhaftungswelle zu einem Zyklus gehört, der 2008 begann. Seitdem werde die politische Freiheit in China immer weiter eingeschränkt. Dafür gebe es drei Gründe:

1) In den letzten Jahren ging das Regime gegen Topanwälte vor. “Als erstes lässt man die Anwälte verschwinden”, sagte auch Lorenz Lorenz-Meyer bei seinem Vortrag “Die Rückkehr des Politischen in China” bei der diesjährigen Re:publica.

2) Der aktuelle Zyklus ist seit dem Jahr 2008 am Laufen – also schon seit drei Jahren. Los ging es im Frühjahr 2008 mit den Unruhen in Tibet, im Sommer folgten die olympischen Spiele in China, bei denen sich das Reich der Mitte im besten Licht darstellen wollte – Kritiker konnte man da nicht brauchen und die Hoffnung, dass sich Olympia positiv für die Demokratiebewegung auswirken könnte, löste sich in Luft auf. Auch das Erdbeben in Sichuan 2008 führte zu Repression, die auch Ai Weiwei spürte, der das Augenmerk besonders auf die Kinder lenkte, die wegen schlecht gebauten Schulgebäuden sterben mussten. Außerdem jährte sich das Massaker am 4. Juni 1989 am Tiananmen-Platz zum 20. Mal. Auch bei der Expo in Shanghai letztes Jahr konnte die kommunistische Partei keine Kritik brauchen.

3) Die Methoden des Staates verschärft: Leute verschwinden einfach – so wie Ai Weiwei und viele andere – und Gewalt ist an der Tagesordnung.

Mittlerweile gibt der chinesische Staat mehr Geld für die innere Sicherheit aus als für das Militär – viel geht dabei in die Überwachung des Internets. Die Great Firewall ist dabei nur die Spitze des Eisberges.

Lorenz Lorenz-Meyer stellte in seinem Vortrag “Die Rückkehr des Politischen in China” die zwei Sichtweisen zum Internet und autokratischen Systemen dar. Die Optimisten glauben, dass Bürgerbewegungen durch das Internet im Allgemeinen und die sozialen Netzwerke im Besonderen profitieren. Die Pessimisten sind der Meinung, dass autokratische Systeme genauso schnell wie die Kritiker lernen die sozialen Netzwerke für ihre Zwecke zu nutzen.

In China passiert beides: In Blogs können Privatpersonen Missstände öffentlich machen. In China muss dabei aber die ausgefeilte Zensur umgangen werden. Praktisch läuft das dann so ab, berichtete Lorenz-Meyer, dass Blogger Accounts bei verschiedenen Plattformen haben und ihre Beiträge überall raufstellen. Denn damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beitrag durch die Zensur kommt. Eine Studie zufolge gebe es nämlich große Unterschiede in der Stärke der Zensur.

Lorenz-Meyer erklärte auch, dass es leichter für Journalisten und Blogger sei, über Probleme zu berichten, die nicht in der eigenen Provinz herrschen. “Dann hat man nämlich nicht mit mit den lokalen Zensurbehörden zu tun”, so Lorenz-Meyer. Die Internetzensur in China hat nämlich zwei Zweige: Zum einen gibt es Zensur auf lokaler Ebene, bei der Behörden dezentral unliebsame Inhalte entfernen. Daneben gibt es aber auch noch Propaganda- und Sicherheitsbehörden, die denselben Job landesweit machen.

Im Grunde zeigt die Entwicklung die Angst der chinesischen Führungsriege vor seinen Bürgern. Während Kritik auf lokaler Ebene zum Teil geduldet wird, wenn es gegen die Zentralregierung geht, versteht die kommunistische Partei keinen Spaß mehr. Gerade auch ein Jahr bevor die Führungsriege der Nation ausgetauscht wird. Dazu kommen wirtschaftliche Entwicklungen  – hohe Inflation, die Gefahr einer Immobilienblase – die den “Faustian Deal” – Wohlstand im Tausch gegen Freiheit – in Gefahr bringen und die Angst vor Unruhen wachsen lassen.

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7. Oktober 2010 0

Catch Me If You Can

Von Katharina in China

Chinesen haben ein anderes Verhältnis zum geistigen Eigentum als Europäer oder Amerikaner. Wenn sich deutsche Unternehmen über chinesische Raubkopieren ihrer Produkte beschweren, sieht der chinesische Fabrikant vielleicht das Problem gar nicht: “Durch Nachahmen lernen” heißt das Motto. Dieses (Raub-)Kopieren hat einen großen Anteil am Aufstieg Chinas als Werkbank der Welt. Doch nun könnte China dieses Verhalten zum Verhängnis werden, denn es werden nicht nur Schuhe von Adidas gefälscht, sondern auch Zeugnisse und wissenschaftliche Arbeiten: Es gibt falsche Mediziner, Piloten, Lehrer und im wissenschaftlichen Bereich häufen sich Plagiatsvorwürfe an Chinesen so sehr, dass ihre Glaubhaftigkeit erheblich sinkt – und das könnte ein schwerwiegendes Problem in der weiteren Entwicklung des Landes darstellen.

Die New York Times dazu:

"The problem is not confined to the realm of science. In fact many educators say the culture of cheating takes root in high school, where the competition for slots in the country’s best colleges is unrelenting and high marks on standardized tests are the most important criterion for admission. Ghost-written essays and test questions can be bought. So, too, can a “hired gun” test taker who will assume the student’s identity for the grueling two-day college entrance exam".

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5. August 2010 0

Yunnan und das Heroin

Von Katharina in China

Drogen sind in China streng verboten, Süchtige werden in Arbeitslager gesteckt und auf Drogenbesitz folgen hohe Haftstrafen. Doch natürlich gibt es auch in China Drogen. Die Provinz Yunnan liegt an der Grenze zu Burma und Laos, die zusammen mit Thailand das Goldene Dreieck bilden, dem Zentrum für Heroinproduktion und -handel in Südostasien. Yunnan, das an zwei dieser drei Länder angrenzt, wurde so zum Transitland von Heroin ins chinesische Landesinnere. “Das Problem mit dieser Droge hat in Yunnan die Ausmaße einer Epidemie. Und Heroin spielt eine fürchterliche Rolle in der Ausbreitung von Aids”, sagt der amerikanische Fotograf Rian Dundon, der in China lebt in einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung. Und weiter:

Ich wusste, dass Heroinsucht und HIV in Yunnan verbreitete Probleme sind, aber es gab keine journalistischen Arbeiten über die betroffenen Menschen. Als ich aber in Kunming ankam, habe ich relativ schnell festgestellt: Die meisten Heroinsüchtigen gehören nicht zu Chinas Jugend. Sie sind um die 30 bis 40 Jahre alt, während die jungen Menschen eher in Richtung Partydrogen wie Ecstasy und Speed gehen. Die Beliebtheit von Heroin scheint in den Neunziger Jahren ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

Heroin and HIV Harm Reduction in South-West China

Das folgende Foto hat es mit besonders angetan:  Am Welt-Aids-Tag in der Innenstadt Kunmings.

Heroin and HIV Harm Reduction in South-West China

Die gesamte Fotostrecke gibt es auf der Website von Rian Dundon. Auch die Serie “Chinese Youth” ist sehr interessant und gibt einen Einblick in das Leben von Jugendlichen abseits der Metropolen Beijing und Shanghai.

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23. Februar 2010 0

Paul Merton in China

Von katha in China

Der britische Komiker Paul Merton reist nach China und macht daraus eine Fernsehsendung. Zuerst hab ich sie synchronisiert auf Arte gesehen – einfach grauenhaft. Aber im Original ist es ganz witzig, wobei ich bezweifle, dass sein schwarzer und ironischer Humor immer auch als solcher aufgenommen wurde. (Also zumindest bei mir haben ironische Kommentare kaum funktioniert…).

Auch wenn alles irgendwie spontan wirken soll, ist es klar, dass vieles konstruiert ist. Aber egal, denn es ist unterhaltsam und er trifft interessante Menschen. Rapper, deren Songs von der wunderbaren Esskultur in China handeln, denn alles was gegen das System geht ist verboten, was sie so auch einsehen und akzeptieren. Er trifft einen jungen Mann, der Roboter baut, ein wahrer Exzentriker. Seine Frau nutzt die Gunst der Stunde, in der ein Fernsehteam anwesend ist und schimpft über ihren Mann, der nur Roboter und Maschinen im Kopf hat – köstlich! Meine Lieblingsszene ist gleich ganz am Anfang: Ein Taxifahrer mit null Plan und ein Fahrgast ohne Chinesischkenntnisse.

Auch wenn es in den ersten Minuten gleich so wirkt: Nein, es ist nicht alltäglich, dass Chinesen in Restaurants gehen, in denen es nur verschiedenste Arten von Penissen gibt. Wobei ich vor einiger Zeit von einer Restaurantkette gelesen habe, die sich genau darauf spezialisiert hat und jetzt sogar nach Amerika expandiert.

Zu empfehlen ist auch Teil 3 dieser Videos: Merton unterrichtet Englisch oder versucht es wenigstens und weiß genau, dass ihn niemand versteht. Sehr realitätsnah…

Insgesamt gibt es vier Folgen von “Paul Merton in China”. Im folgenden die Erste davon.

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14. Januar 2010 0

The longest Way

Von katha in China

Gestern habe ich das Video von zwei Typen gepostet, die in Toronto eine Straße lang liefen und sich ständig selbst fotografiert haben. Das erinnerte mich an etwas und ich überlegte heute immer wieder, was es war (zumindest bis ich bemerkte, dass ich meine Schlüssel verloren habe und ich nur noch überlegte, wo sie sein könnten und dann sämtliche Hörsäle abgesucht habe, in denen ich heute war, in Fundämtern nachfragte und schließlich doch zu meiner Vermieterin musste, weil sie nirgends zu finden waren). Jedenfalls, ich weiß jetzt, woran mich das Video erinnerte: An “The longest way“. Ein junger Deutscher lief fast 5000 Kilometer durch China und fotografierte sich dabei selbst. Ein Jahr lief er von West nach Ost, von Urumqui nach Beijing.

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12. Januar 2010 4

China through Lomo

Von katha in China

Sia habe ich in Gengma kennen gelernt. Sie wuchs nur ein paar Meter entfernt von meiner Wohnung dort auf  (fünf Wohnungen weiter um genau zu sein). Ich habe sie während dem chinesischen Neujahrsfest kennen gelernt als sie ihre Eltern besuchte. Sie studiert Arabisch und fremdsprachige Literatur in Guangzhou.  large_dMdL_2184n200061

Als sie abreiste schenkte sie mir ihr Lieblingsbuch. Damals erzählte sie mir, dass sie auf eine Lomo-Kamera spart. Inzwischen hatte sie das Geld zusammen und sie schickte mir ein paar ihrer Fotos.

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10. Januar 2010 0

Hello Teacher! How are you?

Von katha in China

Jan-Christoph Kammann unterrichtet zur Zeit Englisch in China, so wie ich es auch getan habe, und darüber bei Spiegel Online geschrieben. Ich sitze hier zu Hause in Deutschland, denke zurück an die Zeit in Yunnan und kann so vieles, was Jan-Christoph schreibt, genauso bestätigen:

In der ersten Stunde habe ich noch versucht, mir die Namen der Schüler zu merken. Unmöglich. So sehr ich auch dagegen kämpfe – nach ein paar Stunden nehme ich die Schüler nur noch als gleichförmige Masse in blauen Trainingsanzügen wahr. Und die englischen Namen, die sie sich ausgesucht haben, wiederholen sich ständig: Kevin, Peter, Jack und Linda, Nicole, Tracy. Namen sind aber auch nicht so wichtig. Die Schüler sind dazu übergegangen, mich schlicht “Teacher” statt “Yang Laoshi” zu rufen.

Zum Stundenbeginn werde ich stets begrüßt mit euphorischem Jubel: “Hello Teacher! How are you?” Ich stelle mich vor und erzähle, wo ich herkomme. Jeder kennt Volkswagen, Deutschland auf der Karte zeigen kann keiner. Ja nun, wir sind im Englischunterricht. England findet aber auch niemand, die USA und Kanada dagegen schon, weil es so große Länder sind. Und Neuseeland auch – weil es so bemitleidenswert klein ist.

(…)

Als ich Deutschland auf der Karte zeige, wundern sich alle über die mickrige Größe. Von einer so großen Autonation kann man ja wohl etwas mehr Fläche erwarten! Einige wirken enttäuscht, andere belustigt. “Zhong Guo hen da” (China ist sehr groß), sage ich und habe die Sympathien auf meiner Seite.

(…)

Zum Abschied hieß es dann immer im Chor und in einer Wahnsinnslautstärke: “Bye bye teacher!”

(…)

In den ersten Tagen habe ich meinen Job als unheimlich anstrengend empfunden. Aber das ist relativ, verglichen mit dem Alltag der Schüler. Jeden Tag, auch samstags, zwölf Stunden Unterricht und danach Hausaufgaben - das geht nicht spurlos an ihnen vorüber. Man sieht, dass sie total übermüdet sind. Dafür spricht auch ihre liebste Freizeitaktivität. Die meisten sagen: Schlafen.

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Gengma Middle School, Yunnan Province, China

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