Willkür vs. Rechtsstaat Vor fast einem Jahr wurde in Regensburg Tennessee Eisenberg mit zwölf (!) Schüssen von der Polizei erschossen. Aufgrund einseitiger Ermittlung legte die Familie des Toten Beschwerde beim Oberlandesgericht Nürnberg ein, das das Verfahren vor wenigen Tagen einstellte. “Die Verteidigung einzelner Beamter wiegt also selbst für ein Oberlandesgericht stärker als die objektive Aufklärung dieses Falles”, schreibt dorager und fasst die Ungereimtheiten und Ermittlungsergebnisse zusammen.
“Das war 100 Prozent in Ordnung” Vor wenigen Wochen ermordeten Angehörige des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad einen Hamas-Terroristen in Dubai. Das Interview mit einem israelischen Schriftsteller Yishai Sarid zeigt die israelische Position zu dem Mord. Auch lesenswert: Die Kommentare, die die Argumentation Sarids auseinandernehmen um den Konflikt zwischen Israel und Palästina.
Ein Mord wird in Israel leichter akzeptiert als in Europa?
Das war kein Mord. Technisch vielleicht schon, aber im Krieg spricht man nicht von Mord. Viele demokratische Länder, auch europäische, führen heute Krieg und töten Menschen. Niemand nennt das Mord.
Israel befindet sich also im Krieg?
Natürlich. Es ist seit seinem Entstehen in einem permanenten Kriegszustand. Auch wenn nicht ständig gekämpft wird, besteht doch eine ununterbrochene Bedrohung seiner Existenz. Ich bin ein Linker, ich schreibe ein Buch über die Grausamkeiten der israelischen Geheimdienste, aber trotzdem würde ich deren Arbeit wegen der existenziellen Bedrohungslage Israels nie in Zweifel ziehen. Denn die Tatsache, dass es viele Nationen und Organisationen in dieser Gegend und anderswo gibt, die uns hier nicht haben wollen, steht leider ausser Frage.
Mit der Begründung, es gehe um Leben oder Tod Israels, lässt sich alles entschuldigen?
Mahmud al-Mabhuh, der in Dubai liquidiert wurde, war zwar kein besonders grosser Fisch, aber Teil der Terrormaschine und als solcher eine direkte Bedrohung Israels. Man kann darüber diskutieren, ob das Attentat sonderlich geschickt ausgeführt wurde, ob man dafür so viele Agenten aufs Spiel setzen musste. Aber die Tat selbst ist in meinen Augen hundertprozentig in Ordnung.
Zhang Xiao / They: “Zhang Xiao fotografische Sammlung ‘They’ gibt überraschende Einblicke in die chinesische Altagskultur mit einem Schwerpunkt auf Festen jeglicher Art. Zu sehen ist ein erstaunliches Nebeneinander von Fortschritt und Tradition und – mit europäischem Auge gesehen – von Vertrautheit und Fremdheit”, schreibt das Abseits Magazin.
Der Iran und Venezuela gelten als die Vorreiter des sogenannten Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Das führt mitunter zu abstrusen Situationen: Hugo Chavez, der kein Muslim ist, hofft während einer Pilgerfahrt im Iran auf eine Wiederkehr des Mahdi. Mahmud Ahmadinedschad sagt, dass das Ende des dunklen Zeitalters gekommen sei, aber der Iran bereit sei nach dem Zusammenbruch des Imperialimus das Vakuum zu füllen. "Die Globalisierung des Madhi" ist das Vorwort zum Buch "Verratene Freiheit – Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens" zeigt klar auf, dass dieser sogenannte "Dritte Weg" eine Sackgasse ist. Ein lesenswerter Essay über den Iran seit der Revolution, Rebellion innerhalb des Landes und die wahnwitzigen Ideen seiner Führer. Ein kleiner Auszug:
Erst dieser Sozialismus des 21. Jahrhunderts ermöglicht es dem nach der Bombe strebenden Iran, jene Führerschaft zu übernehmen, die Khomeini einst vorschwebte. Diese Führerschaft ist natürlich hochgradig irreal und wahnhaft; dafür reicht bereits ein Blick in die Region: Nie zuvor hatte der Iran so viele Feinde an seinen Grenzen, nie zuvor war er so unbeliebt und zugleich in einer so tief greifenden inneren Krise. Jene im strengen Wortsinn konservativen Ayatollahs in Qom, die unermüdlich vor einer Verweltlichung des Anliegens der "Islamischen Republik" warnen und längst mit den Machthabern in Teheran zerfallen sind, haben von diesen Veränderungen eine deutliche Ahnung. Ahmadinedschad nämlich ist doch gar kein Führer der islamischen Massen mehr – denn diese haben ihm in Teheran bei der ersten sich bietenden Gelegenheit eindrucksvoll gezeigt, was sie von ihm halten. Er kann nur als Sozialist des 21. Jahrhunderts verstanden werden, er will es auch – und seine Anhänger sitzen zuallerletzt im Iran.
Verband man früher mit Sozialismus noch den großen Wurf in der Zukunft, den Fetisch von Moderne und Naturbeherrschung um jeden Preis, gepaart mit jener unappetitlichen Verherrlichung der Arbeiter und Bauern, so fußt heute der "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" im besten Fall auf der Distribution von Erdölrente unter Menschen, denen Patronage und Klientelismus aufgezwungen werden. Und wer nicht mitakklamieren will, der sitzt wie gehabt im Gefängnis oder im Exil. Nicht einmal das Bild einer potenziell strahlenden Zukunft hat einer dieser großen Führer dabei noch zu bieten. Im Gegenteil: Das einzige Versprechen, das sie ihren aufgepeitschten Anhängern wirklich zu geben haben, heißt Vernichtung – die eben auch eine Art der Erlösung ist. Denn anders sind jene Verheißungen nicht zu verstehen, die in einem immer schnelleren Rhythmus aus Teheran oder Caracas kommen: Wenn erst die Herrschaft von Imperialismus und Zionismus gebrochen ist, dann erscheint der Mahdi, geht die Sonne auf, kommt die Herrschaft der ach so zärtlichen Völker. Mit Kritik an Kapitalverhältnissen hat dies alles nicht das Geringste zu tun; an die Stelle von Marx sind Mohammed, der Mahdi und ein Avatar von Simon Bolivar getreten.
1969 schrieb Mick Jagger von den Rolling Stones einen Brief an Andy Warhol. Dieser soll das Cover der Platte “Sticky Fingers” gestalten. Jagger gibt ihm dabei völlig freie Hand: “I leave it in your capable hands to do what ever you want…”
Verlangt hat Andy Warhol für die Arbeit später 15 000 Pfund. Und so sieht das Ergebnis aus: Ein Mann in engen Jeans, dessen Schwanz sich deutlich abzeichnet und einem richtigen Reissverschluss, der sich auf- und zuzippen lässt.
Die bekanntesten Lieder von “Sticky Fingers” sind mit Sicherheit “Brown Sugar” und “Wild Horses”.
Ich bin im Schoss der katholischen Kirche aufgewachsen. Ich habe unzählige Male mit dem Chor in der Kirche gesungen, als Ministrantin das Kreuz getragen oder den Altarraum beweihräuchert. Und der sonntägliche Gang zur Messe gehörte zwölf Jahre lang ganz selbstverständlich zu meinem Leben. Ich fühlte mich in der kirchlichen Gemeinschaft wohl und im Kindergarten- und Grundschulalter habe ich gerne mit meinem Bruder zu Hause den Gottesdienst nachgespielt, genauso wie meine Cousinnen und viele andere Kinder, die im katholischen Glauben erzogen wurden.
Ich bezeichne mich als bibelfest und wage zu behaupten, dass ich zumindest in Zusammenarbeit mit meinem Bruder leicht die Namen der zwölf Apostel und möglicherweise sogar alle Brüder Josefs aufzählen kann. (Ok, zugegeben, das ist vielleicht schon etwas zu krass und wir müssten wohl wikipedia zu Rate ziehen). Ich persönlich habe mich schon länger von der katholischen Kirche distanziert, in erster Linie wegen ihrer Sexualmoral.
Ich komme aus Niederbayern, genauer gesagt aus dem Bayerischen Wald. Das ist dort, wo die Kirche noch wirklich Einfluss auf die Gesellschaft hat. Nicht unbedingt, weil die Menschen hier gläubiger oder redlicher sind als anderswo. Aber hier sind der Pfarrer und der Kaplan noch immer wirkliche Respektspersonen. “Die Herrn” hat man vor noch nicht allzu langer Zeit zu ihnen gesagt. Die Gottesdienste sind an den großen Feiertagen noch immer richtig gut besucht, an einem gewöhnlichen Sonntag sieht es dagegen anders aus: Graue Haare und ein Durchschnittsalter von über 50 Jahren dominieren dann das Bild.
Eines ist sicher: Die katholische Kirche verliert auch im ländlichen Bereich weiter an Boden. Die Glaubwürdigkeit sinkt schon seit Jahren. Skandale auf lokaler Ebene gibt es immer wieder und dass es die viele der Pfarrer mit dem Zölibat nicht ganz so eng sehen, ist allgemein bekannt. Beispiele aus meiner Gegend der letzten Jahre: Ein junger, beliebter Pfarrer aus der Nachbargemeinde wird suspendiert und dann exkommuniziert, weil er zu seiner schwangeren Frau steht. Heute ist er mit ihr verheiratet. Ein volljähriger Ministrant soll ein Verhältnis mit einem Kaplan gehabt haben. Der Stadtpfarrer wird mit seinem Partner händchenhaltend in München gesehen.
Jeder, der es wissen möchte, weiß davon; und wer es nicht wissen möchte, sehr wahrscheinlich auch. Von allen wird das stillschweigend akzeptiert, ist ja schließlich menschlich. Schuld sind ja vor allem die Leute im Vatikan, die stur jahrhundertealten Regeln folgen, so die Meinung vieler, mit der Realität habe das ja nichts zu tun.
Doch seit fünf Jahren ist auch die Amtskirche wieder näher dran an den Menschen. Seitdem Josef Ratzinger Papst ist, und auf dem Heiligen Stuhl ein Bayer sitzt, ist alles anders. Der Kaplan fährt mit zwei kleinen Vatikanfahnen am Motorrad herum und in Regensburg produziert die Labertaler extra ein Papst-Erfrischungsgetränk. (Allerdings haben sie zu viel produziert von der goldfarbenen Schorle mit allerlei exotischen Früchten, denn Schüler der BOS fanden im Keller parlettenweise das Benedikt-XVI-Getränk).
Doch irgendwann ist Schluss mit lustig! Die Missbrauchsfälle sind eine Nummer größer! Es geht jetzt nicht mehr um die Privatangelegenheiten einzelner Priester, sondern um Kinder, die von ihren Eltern in die Obhut kirchlicher Einrichtungen gegeben wurden, um gerade auch in moralischer Hinsicht ausgebildet zu werden.
Doch hier tritt ein Dilemma auf: Wasser predigen, Wein saufen. Psychologen kennen dieses Verhalten: “So zeigt sich in zahlreichen Studien, dass Menschen, die sich öffentlich als moralisch besonders integer profilieren, eher dazu neigen, gegen genau diese Normen zu verstoßen. Ganz so, als brauchten sie den Kitzel einer besonderen Fallhöhe”, schreibt die Süddeutsche Zeitung.
Was ist die Reaktion der Kirche auf die Vorwürfe? Die Medienberichterstattung wird als Komplott gegen die Kirche dargestellt; Bischöfe beschließen, nun jeden Verdacht an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben: Sollte das denn in einem Rechtsstaat nicht die Normalität sein? Natürlich, es braucht eine Anzeige dafür, aber wer unter dem Deckmantel des Glaubens Leute stützt, die Kinder missbrauchen, sollte sich nochmal gut überlegen, was Moral heißt. Oder sich einfach nochmal das 8. Gebot durchlesen. Oder das Hirn einschalten.
Der Papst äußert sich in seinem Hirtenbrief nicht zur Situation in Deutschland. Der Regensburger Bischof Müller dagegen geht in die Offensive und forderte in seiner Predigt am vergangenen Sonntag die Menschen auf, die “Reife des Glaubens zu haben, nicht auf all diese Schalmeien wie 1941 hereinzufallen”. Er nutzt dadurch geschickt die Dynamik, die nach Nazi-Vergleichen entsteht und lenkt vom Kernthema – Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen – ab: Kaum jemand redet mehr über die Sache an sich, sondern nur mehr über den Vergleich.
Im Passauer Bistumsblatt gab letzte Woche ein Kaplan einen Kommentar zu den Missbrauchvorwürfen ab, der mich zur Weißglut trieb. Erstens stellte er sie auf eine Stufe mit der Trunkenheitsfahrt von Bischöfin Käßmann und fordert “Wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein”. Zweitens schreibt er: “Gott geht es nicht um reine Bestrafung nach dem Gesetz”. Gott vielleicht nicht, aber den Opfern, ihren Eltern und dem Staat!
Mit diesem Verhalten, das in erster Linie das Ziel hat, zu vertuschen und sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen, anstatt zu den Straftaten/Sünden zu stehen, wird die katholische Kirche eine große Zahl an vernünftigen Anhängern verlieren. Also die, die durch die Ablehnung von Homosexuellen, dem Verbot von Verhütung oder der Enthaltsamkeit als Lösung gegen AIDS in Afrika noch nicht genug angewidert sind. Also die, die bisher dachten, sexueller Missbrauch und Gewalt seien weit weg, in den USA oder in Irland oder sonst wo. Also die, die bisher nach viel Gemurmel und Gerüchten auf Beweise gewartet haben. Und von denen gibt es einige, auch in Niederbayern und der Oberpfalz. In Gegenden, die das Rückgrat der Kirche – katholisch und ländlich – sind.
In den nächsten Wochen und Monaten wird es wohl immer stiller werden um katholische Kirche. Das mediale Interesse wird abebben und die Bischöfe und Internatsleiter können sich wieder in ihre Glaubenswelt zurückziehen. Doch die katholische Kirche, die sich selbst als moralische Instanz sieht in einer Welt, die in ihren Augen immer unmoralischer wird, hat ihr wichtigstes Argument verloren: Ihre Glaubwürdigkeit. Da nützt auch ein Papst, der “einer von uns” ist, nichts.
Wenn Papst Benedikt XVI. in einer Woche am Ostersonntag auf dem Balkon am Petersplatz stehen wird und seinen Segen “urbi et orbi” sprechen wird, wird ihm ein eisiger Gegenwind aus seiner Heimat ins Gesicht blasen.
Der Kabarettist Volker Pispers meint zum Regensburger Bischof: “Beichten befreit: Den einen von seinen Sünden, den anderen von seiner Pflicht Strafanzeige zu stellen.” Unbedingt anschauen! Ab Minute 4:40. (via @zideshowbob)
Chatroulette ist absurd, lustig, verstörend, manchmal richtig krank, süchtigmachend und gerade deshalb so toll. Es ist nichts anderes als ein Videochat mit zufällig ausgewählten Menschen.
Ich habe mich mit einem jungen Soldaten der US-Army unterhalten, der schon in Kuweit und im Irak gedient hat. Mit einem Holländer habe ich den Sinn des Lebens diskutiert, einer hat mit ein Lied gespielt. Ein Koreaner wollte mir weiß machen, er würde in Harvard studieren, dabei konnte er kaum Englisch (wenn doch, dann kann ich mich ab jetzt getrost als Professorin für Anglistik bezeichnen). Mit einem Typen aus New York hab ich mich über Curling lustig gemacht. Mit einem Mädchen aus Vermont habe ich geraucht und uns dumme Witze erzählt.
Und dazwischen immer wieder Schwänze oder Typen, die nur darauf warten ihre zu zeigen, aber das lernt man schnell zu ignorieren. Chatroulette katapultiert einen in das Leben eines wildfremden Menschen irgendwo auf dem Globus.
Erfunden hat das ganze ein russischer Teenager. Der Server der Seite steht zu Hause bei Muttern unterm Küchentisch. Russische und internationale Kaufinteressenten, die ihm die Seite, die in den letzten Wochen und Monaten immer bekannter wurde, stehen bei ihm Schlange.
Was Chatroulette ist und wie es funktioniert, zeigt auch folgender charmanter Film:
Crossing California erzählt die Geschichte dreier Familien, die in West Rogers Park, einem jüdisch-afroamerikanischen Viertel in Chicago Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre leben.
Die Rovners sind eine gut situierte jüdische Familie, der Mann Arzt, die Frau Psychologin. Doch eigentlich leben sie alle nebeneinander her. Die Eltern haben sich eigentlich nichts mehr zu sagen und ihre Hochzeit nur Folge von Ellens Schwangerschaft (außerdem vermutet Ellen, dass ihr Mann eigentlich schwul sei). Larry, der Sohn, arbeitet wie verrückt an seiner Rockkarriere mit jüdisch-orthodoxen Songs und seinem ersten Geschlechtsverkehr, zumindest auf amerikanischen Boden (während einer Reise nach Israel wurde er überraschend entjungfert). Seine jüngere Schwester Lana, rassistisch und egomanisch, will einfach um jeden Preis Aufmerksamkeit.
Jill, Michelle und ihr Vater Charlie Wasserstrom versuchen sich mit ihrem Leben zu arrangieren, seitdem die Mutter/Ehefrau tot ist. Charlie versucht die Familie mit schlecht bezahlten Jobs in Restaurants über Wasser zu halten. Michelle, 16 Jahre alt, will Schauspielerin werden und vertreibt sich mit Saufen, Kiffen und Ficken die Zeit, während die 12-jährige Jill sich vor allem mit Politik und beschäftigt und ihren Vater ihre Bat-Mizwa auszureden versucht.
Und dann gibt es noch Muley Wills. Er lebt mit seiner Mutter und versucht durch Preisausschreiben, Mal-, Foto- oder sonstigen Wettbewerben für Kinder und dem Bauen von Radios genug Geld zusammenzubekommen, damit seine Mutter ihren Collegeabschluss nachholen kann und nicht weiterhin als Putzfrau bei den Rovners arbeiten zu müssen.
Der Hintergrund von Adam Langers Roman sind die 444 Tage der Geiselnahme von Teheran, von November 1979 bis Januar 1981, was aber keine Rolle spielt, außer, dass es einen zeitlichen Rahmen vorgibt. Im Mikrokosmos der California und Western Avenue ist jeder Protagonist mittelbar oder unmittelbar mit allen anderen verbunden: Die Mutter Muleys ist Putzfrau bei den Rovner, Jill und Lana kennen sich aus der hebräischen Schule, Charlie lernt Gail kennen, die Ex-Frau des Komikers Lennie, mit dem Muley bei einer Radiosendung arbeitet usw usf.
Die Erlebnisse der Rovners, Wasserstroms und Wills’ sind eigentlich ganz banal und gerade deshalb so realistisch. Langer beschreibt das mit mit einer Menge Witz und beiläufigen Bemerkungen, die mich sehr oft zum Schmunzeln oder gar lautem (!) Lachen gebracht haben. Auf dem Buchrücken steht: “Wer Franzens Korrekturen mochte, wird Langer lieben”. Es wird also Zeit, dass ich “Die Korrekturen” lese.
Hier noch ein wahllos ausgewähltes Zitat:
“Straight Arrow, wie er sich von den Schülern gern nennen ließ, ein ehemaliger Wettkampfschwimmer, stammte aus Bourbonnais unten im Süden von Illinois und galt, obwohl er erst vierundzwanzig war, als begabtester Trainer an der Mather. Was jedoch Gesundheitslehre betraf, so schien er sehr viel weniger von Drogen und Sex zu wissen als seine Schüler, obwohl er schon Vater dreier Söhne war. Mit seinem unschuldigen Bauernjungenlächeln und den ständig wechselnden, mit erbaulichen Sprüchen bedruckten T-Shirts (“Gott mit uns”, “Frag nach Gott” oder “Gott kommt zu dir”) war er für die Klasse voller Pot rauchender, Cheap Trick hörender, vögelnder und/oder onanierender Juden und Katholiken eine unerschöpfliche Quelle des Staunens und Vergnügens.”
Winter 2010: In Nachrichtenstudios wird vor Schneefall gewarnt. Reporter stehen im Schnee und berichten davon, wie sie im Schnee stehen. Augenzeugen berichten vom Schneefall. Dabei ist einfach nur Winter. Nur ein Beispiel für Medienhysterie in letzter Zeit. Genau dieses Ausschlachten von im Grunde ganz alltäglichen und irrelevanten Themen verarscht das folgende Video, das über irgendeinen Bullshit, der irgendwo passiert, in bester Breaking-News-Attitüde berichtet.