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Lesenswert: Haider und Westerwelle

Veröffentlicht am | 27. 02. 2010 | 1 Kommentar

Die bizarren Klagen von Haiders Lebensmensch -  Der Schriftsteller David Schalko hat einen Roman über einen über Jörg Haider geschrieben, in dem sein Stefan Petzner, Haiders Lebensmensch, eine Rolle spielt. Der hat Schalko jetzt verklagt – und zwar auf Tantiemen. In einem klugen Text schreibt der Autor Schalko über Kärnten, Österreich und die seltsame Klage von Petzner:

Nirgends zählt ein Toter so viel wie in Österreich. Was das über die Mentalität aussagt, sei dahingestellt, Faktum ist: Die Verstorbenen werden in Österreich automatisch für heilig erklärt. So konnte sich Thomas Bernhard nicht mehr gegen die Umarmungen derer wehren, die zu Lebzeiten seinen Landesverweis verlangten. Die Kaiserin Sissi wurde von einer schwer verhaltensgestörten Persönlichkeit zum eigenwilligen, aber charmanten Mäderl verfilmt – gespielt von Romy. Schneider, die Österreich zwar fluchtartig verlassen hatte, um ihre größten Erfolge in Frankreich zu feiern, aber der totalen Vereinnahmung dennoch nicht entkam. Nur Hitler wurde am Ende zum Deutschen erklärt.

 

Was ist eine Westerwelle? Miriam Meckl, Professorin für Corporate Communication, definiert erst, was eine Westerwelle ist: 

[Westerwelle, die] Argumentkonstrukt, das vornehmlich in auf öffentliche Aufmerksamkeit und Erregung ausgerichteten deutschen politischen Debatten verwendet wird und auf kurzfristige Wirkeffekte zielt.

Danach erklärt sie die drei Stufen einer solchen Welle: Exposition, Eskalation und Endphase.

Dazu passt Götz Aly’s Kolummne Westerwelles kleine Welt:

"Vor drei Monaten sagte ich noch: "Regt euch nicht auf! Westerwelle wird sein pubertäres Grinsen ab- und sich die bedeutungsvoll-besorgten Joschka-Fischer-Falten zulegen. Schon ist er ein populärer Außenminister. Das hat noch jeder geschafft. Die wichtigen Dinge der auswärtigen Politik regelt ohnehin die Bundeskanzlerin." Meine Prognose war falsch."

Ein Waldkirchner ebnet die Erfolgsspur

Veröffentlicht am | 24. 02. 2010 | 2 Kommentare

Daniel Nigl ist Vorspringer auf der Olympia-Schanze – und beim Silbertriumph der deutschen „Adler“ live dabei

erschienen in: Passauer Neuen Presse, Lokalteil Waldkirchen

Waldkirchen/Vancouver. Als am Montag die deutsche Skisprung-Mannschaft um den Rastbüchler Michael Uhrmann auf den umjubelten zweiten Platz flog, da war ein Waldkirchner mittendrin statt nur dabei: Der 21-jährige Daniel Nigl ist Vorspringer bei den olympischen Spielen in Vancouver – und bereitete damit gewissermaßen die Silberspur für die „DSV-Adler“. „Vor dieser Kulisse ist das Springen natürlich der Hammer“, meint er begeistert, wenn er von den Stadien spricht, in die 12 000 Menschen passen. Und wenn dann noch dazu die Deutschen vorn dabei sind, dann ist die Freude doppelt groß.

daniel2Daniel Nigl sprang bei den Wettbewerben der Spezialspringer, die am Montag zu Ende gingen, und ist auch bei den Nordisch-Kombinierern im Einsatz, deren Wettkampf bis Donnerstag läuft. Nigl ist so etwas wie ein Testpilot: Vorspringer wie er testen die Windbedingungen oder machen nach Schneefall die Anlaufspur wieder frei. Und das durchaus mit Schneid: Der Schanzenrekord der großen Schanze im Whistler Olympic Park liegt bei 149 Meter – 140 Meter hat Nigl dort schon geschafft, allerdings mit längerem Anlauf als die Weltklasse. Rund hundert Mal fuhr der Waldkirchner bisher während Olympia die Schanzen runter.

Mit 13 Jahren hat der schlaksige junge Mann mit dem Skispringen begonnen: „Ich mach den Sport also jetzt ziemlich genau acht Jahr lang.“ Nach einer Ausbildung zum Werkzeugmechaniker arbeitet er jetzt als Maschinenbediener und macht eine Weiterbildung zum Techniker. Wenn Nigl sich in seiner Freizeit nicht gerade Schanzen runterstürzt, ist er Sänger der Waldkirchner Band „The Stringers“. Selbst bezeichnet der 21-Jährige sich als Hobbyspringer.

Seit letztem Winter ist der Waldkirchner nur mehr als Vorspringer zu den Austragungsorten unterwegs. Bei den vergangenen beiden Vier-Schanzen-Turnieren war er in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen auf dem Balken. Am Kulm in Bad Mitterndorf gelang ihm sein bislang weitester Sprung: 204 Meter. „Dort hatte ich das Glück, dass sie noch Leute für Vancouver gesucht haben.“ Er bewarb sich – und wurde genommen.

Olympia ist aber nicht das erste Mal, dass der Schlaks wegen seines außergewöhnlichen Hobbys in der Welt herumkommt. Im letzten Jahr verbrachte er drei Wochen in Südkorea, wo er gemeinsam mit anderen Springern in einem Kinofilm mitgespielt hat. „Meine Sprünge wurden sogar verwendet. Denn ich habe den Film später gesehen.“ Der Film sei sogar auf Platz eins der koreanischen Kinocharts gewesen.

Untergebracht sind die Vorspringer gemeinsam mit den freiwilligen Helfern etwas abseits vom Geschehen auf einem Kreuzfahrtschiff. Ein bisschen enttäuscht scheint er darüber zu sein, dass er nicht bei den Athleten wohnen darf. „Aber mittlerweile ist das in Ordnung, weil wir ein eigenes Auto bekommen haben.“

Nigl und seine Kollegen können sich gratis die Wettbewerbe in Langlauf, Biathlon und Nordische Kombination ansehen und bekommen so viel von der olympischen Stimmung mit. Die war jedoch einmal getrübt: „Als der Rodler gestorben ist, war das das Gesprächsthema Nummer eins hier in Whistler. Das war schon ziemlich schockierend.“ Doch sonst sei die Stimmung toll: „Vor allem, wenn die Kanadier am Start sind, geht’s richtig ab“ – und aus deutscher Sicht natürlich nach dem Silbertriumph der Skispringer vom Montag, bei dem er live dabei war, ebenso wie bei der Feier im Deutschen Haus.

Cornershop ft. Soko – Something makes you feel like

Veröffentlicht am | 23. 02. 2010 | Noch kein Kommentar

Paul Merton in China

Veröffentlicht am | 23. 02. 2010 | Noch kein Kommentar

Der britische Komiker Paul Merton reist nach China und macht daraus eine Fernsehsendung. Zuerst hab ich sie synchronisiert auf Arte gesehen – einfach grauenhaft. Aber im Original ist es ganz witzig, wobei ich bezweifle, dass sein schwarzer und ironischer Humor immer auch als solcher aufgenommen wurde. (Also zumindest bei mir haben ironische Kommentare kaum funktioniert…).

Auch wenn alles irgendwie spontan wirken soll, ist es klar, dass vieles konstruiert ist. Aber egal, denn es ist unterhaltsam und er trifft interessante Menschen. Rapper, deren Songs von der wunderbaren Esskultur in China handeln, denn alles was gegen das System geht ist verboten, was sie so auch einsehen und akzeptieren. Er trifft einen jungen Mann, der Roboter baut, ein wahrer Exzentriker. Seine Frau nutzt die Gunst der Stunde, in der ein Fernsehteam anwesend ist und schimpft über ihren Mann, der nur Roboter und Maschinen im Kopf hat – köstlich! Meine Lieblingsszene ist gleich ganz am Anfang: Ein Taxifahrer mit null Plan und ein Fahrgast ohne Chinesischkenntnisse.

Auch wenn es in den ersten Minuten gleich so wirkt: Nein, es ist nicht alltäglich, dass Chinesen in Restaurants gehen, in denen es nur verschiedenste Arten von Penissen gibt. Wobei ich vor einiger Zeit von einer Restaurantkette gelesen habe, die sich genau darauf spezialisiert hat und jetzt sogar nach Amerika expandiert.

Zu empfehlen ist auch Teil 3 dieser Videos: Merton unterrichtet Englisch oder versucht es wenigstens und weiß genau, dass ihn niemand versteht. Sehr realitätsnah…

Insgesamt gibt es vier Folgen von “Paul Merton in China”. Im folgenden die Erste davon.

Lautschrift: Ein Heft über Regensburg

Veröffentlicht am | 14. 02. 2010 | Noch kein Kommentar

Die neue Ausgabe der Lautschrift ist verteilt. In einem Heft über Regensburg haben wir uns mit verschiedensten Themen rund um die Stadt und ihre Verbindung zur Uni beschäftigt. Ein Auszug aus dem Editorial:

In einem Heft über Regensburg will die Redaktion verschiedene Seiten der Stadt und ihre Verbindung zur Universität zeigen. Oberbürgermeister Hans Schaidinger spricht darin in einem Interview über das Verhältnis der Stadt Regensburg zur Universität. Unsere Redakteure nehmen euch mit zu besonderen Orten und stellen euch außergewöhnliche Bewohner der Stadt vor. Wir haben Fakten der Stadtgeschichte und Regensburger Institutionen zusammengetragen. Und wer sich besonders gut auskennt, kann sich am Bilderrätsel versuchen.

Der Bildungsstreik war in den letzten Monaten das am meisten und heftigste diskutierte Thema unter den Studierenden. Der H2 wurde besetzt, es gab Demonstrationen in der Stadt und die Verhältnisse an den Universitäten waren plötzlich prominent in den Medien vertreten. Doch was halten die Regensburger Studenten und Studentinnen von der Besetzung einer ihrer Hörsäle? Unterstützen sie die Forderungen oder sehen sie die Aktionen eher kritisch? Zwei Redakteurinnen haben Fragebögen in der Uni verteilt, um genau das herauszufinden.

Die Lautschrift#8 “Ein Heft über Regensburg” zum Download: Lautschrift 8 (3,38 mb).

In meinem kleinen Land

Veröffentlicht am | 07. 02. 2010 | Noch kein Kommentar

Jan Weiler ist der Autor von "Maria ihm schmeckt’s nicht". Nach der Veröffentlichung des Buches ging er auf Lesereise durch Deutschland und schrieb darüber: über Hotelzimmer, Züge und Buchhandlungen, Dome (stimmt der Plural?) und Fussgängerzonen. Ein neutrales Urteil über Städte nach nur einem Tag zu fällen, ist natürlich nicht wirklich möglich, aber das macht nichts. Weiler schreibt seine Erlebnisse und Beobachtungen auf und dabei kommt die eine Stadt halt besser weg, als die andere. 

In seinem Vorwort trifft Jan Weiler den Nagel auf den Kopf:

"Man traut es sich beinahe nicht zu formulieren, aber im Großen und Ganzen haben wir es nicht schlecht getroffen.

Dass dieser Befund so schwerfällt, hat mir meiner Generation zu tun. Wir sind kritisch aufgewachsen: konsumkritisch, religionskritisch, politkritisch, kulturkritisch. Unser Land zu mögen finden wir nationalistisch, unsere Sprache peinlich, den Deutschen an sich unerträglich, besonders im Urlaub. Das ist auch sehr ehrenwert, führt aber zu keiner sonderlich tiefen Identifikation mit unserem Land. Ging mir auch so. Aber es hat sich geändert.

Ob ich nach dieser Reise ein Patriot bin? Nein. Aber es gefällt mir hier. Ich bin ganz und gar nicht stolz darauf Deutscher zu sein, aber ich bin es gerne, weil mein Land friedlich ist und schön und weil ich die Deutschen mag, nachdem ich ziemlich viele von ihnen getroffen habe. "

Das Buch habe ich bei meinen Eltern vergessen. Das machte aber nichts, denn immer wenn ich zu Besuch war, habe ich ein paar Kapitel gelesen. Dafür ist genau das richtige: drei oder vier Seiten über jede Stadt. Seitdem weiß ich auch, wo Hildesheim liegt, und Krefeld und dass der "Kleine Feigling" aus Eckernförde kommt.

"In meinem kleinen Land" ist ideal für zwischendurch. Heute ein paar Kapitel, die nächsten erst in Tagen oder Wochen lesen – kein Problem, denn es ist kurzweilig und verdammt witzig. Zum Beispiel der Text über Tübingen:

Tübingen gilt als evangelisch, der Ort der abendlichen Lesung hingegen ist eine katholische Hochburg: Rottenburg. Das merkt man schon daran, dass hier für Fastnacht geschmückt wurde, wovon in Tübingen nicht zu sehen war. Tübinger Evangelen knacken an Karneval Walnüsse und trinken mehr Holundersaft, in den sie, damit es mehr kickt, Sprudel mischen.

 

Jan Weiler, In meinem kleinen Land, Rowohlt Taschenbuch Verlag 

die wahre Neda

Veröffentlicht am | 05. 02. 2010 | Noch kein Kommentar

Das Schicksal von Neda Soltani hat etwas von einer schlechten Verwechslungskomödie, nur dass ihre Geschichte ganz und gar nicht zum Lachen ist.

Teheran, im Sommer 2009: Tausende demonstrieren gegen das Wahlergebnis, das den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Amt bestätigt. Mit Tweets und Videos auf Youtube berichteten Iraner der Welt von den Geschehnissen. Vor allem das Video der sterbenden Neda geht um die Welt – und kurz danach auch ein Bild von ihr. Aber es war das Falsche: anstatt Neda Soltan zeigte es Neda Soltani. Twitter und Blogs, Zeitungen und Fernsehen verbreiteten ein aus Facebook kopierte Foto. Die wahre Neda versucht das Missverständis auszuklären, aber dadurch wird alles nur noch schlimmer. Schlussendlich flieht die bis dato unpolitische 32-Jährige Uni-Dozentin, lässt ihr ganzes Leben zurück und lebt heute als Ayslsuchende in Deutschland.

"Die Nachricht von ihrem Tod beruhte auf einer Verwechslung, sagt sie in fließendem Englisch, ein ursprünglich kleiner Irrtum der Medien, mit fatalen Konsequenzen für die Frau auf dem Foto."

Die ganze Geschichte gibt es im Süddeutsche Magazin: Das zweite Leben der Neda Soltani