Die Neon kann es doch noch
Veröffentlicht am | 29. 03. 2009 | 4 Kommentare
Seit einigen Monaten schon kaufe ich die NEON mehr aus Pflichtgefühl, denn aus Überzeugung. Ich lese sie jeden Monat und finde sie durchaus unterhaltsam. Sie bildet meine Lebenswelt besser ab als jede andere Zeitschrift auf dem deutschen Markt. Doch richtig überrascht hat sie mich schon lange nicht mehr. Die Reportagen sind gefällig. Themen, die die Zielgruppe interessieren: Sex, Musik, Drogen. Im Grunde macht das Magazin Boulevard für Hipster. Die Geschichte des Mannes, der sich von Pferden ficken ließ – bis er starb. Eine Reportage aus Kalifornien, wo Cannabis auf Rezept auf dem Vormarsch ist. In dieser Ausgabe eine Anleitung für den Ritalinkonsum. Kathrin Passing hält ein flammendes Plädoyer für Ritalin, der sie in einen Arbeitsrausch versetzt. (Das wirft natürlich ein ganz anderes Bild auf ihr Buch: „Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin“.)
Auch politische Texte finden ihren Platz. Meist interessant und informativ, aber nicht neu. Meistens habe ich das Gefühl diese Geschichten schon einmal gelesen. In Tageszeitungen und Zeitschriften, Online und Print. Und immer öfter auch in Blogs. Blackwater, Söldner und Korruption in der UNO – die Themen hatten auch die SZ oder die Zeit betrachtet, die NEON hinkt immer ein bisschen hinterher. Die Musik- und Filmtipps findet man auf Blogs schon seit Wochen und zeigt ganz deutlich die Nachteile einer monatlichen Zeitschrift. Slumdog Millionär, The Whitest Boy Alive: ich dachte einen Moment, ich hätte nicht die aktuelle Ausgabe in meinen Händen.
Doch in der Ausgabe April 09 hat mich die NEON überzeugt, mit einem Artikel über Heavy Metal und seine Bedeutung in der zweiten und dritten Welt. Brasilien, Indonesien und der arabischen Raum sind die Zentren dieser Kultur. Mit der Musik folgt oft eine politische Einstellung, die mehr Freiheit in den meist undemokratischen Staaten fordert. In vielen Ländern des mittleren Ostens haben Jugendliche mit langen Haaren und einschlägigen Band-T-Shirts Repressionen zu befürchten.
Der Artikel berichtet über die Band Sepeltura und einem Metalfestival in Dubai. Millionen Fans weltweit laden sich die Songs ihrer Helden wie Metallica aus dem Internet. In Ländern wie Iran, in denen Metal verboten ist, ist das Netz oft die einzige Möglichkeit an die Musik zu kommen. Und natürlich auch der modernste und einfachste.
Solche Artikel erwarte ich von einem Magazin, das nach eigenen Angaben diejenigen bedienen will, die nicht erwachsen werden wollen, obwohl sie es sollten. Da sind Jugendkulturen aus aller Welt ein wichtiges Thema und der die Reportage “Iran Maiden” trifft da den Nagel auf den Kopf.
Babyshambles: Deutschlandtour 2009 endgültig abgesagt
Veröffentlicht am | 02. 03. 2009 | 3 Kommentare

Jetzt reichts aber langsam! Die Babyshambles haben alle ihre Nachholkonzerte ihrer Deutschlandtournee abgesagt. Ursprünglich sollten sie im Dezember 2008 in Deutschland spielen. Dann kamen aber angeblich Arbeiten an Pete Dohertys Album dazwischen – und die Fans ließ er links liegen. Aber gut, es gab Nachholtermine für den Mai 2009. Doch nun sind auch die hinfällig: Wieder sagte die Band alle Auftritte ab. Eine offizielle Begründung liegt noch nicht vor. Die die Münchner Veranstalter schreiben: “Momentan liegt uns noch keine nähere Begründung vor.”
Folgende Termin sind definitiv abgesagt:
- 5. Mai – Hamburg
- 6. Mai – Düsseldorf
- 7. Mai – Frankfurt
- 8. Mai – Leipzig
- 9. Mai – Berlin
- 11. Mai – München
Mögliche Nachholtermine sind noch nicht bekannt.
Ich selbst habe Karten für das Konzert am 11.Mai. Jetzt heißt es: Geld zurück, aber wie?
Doch sicherlich arbeitet Pete nach wie vor an seinem Soloalbum. Hoffentlich kann er damit musikalisch überzeugen, denn auf die Loyalität seiner Fans sollte er sich nach Aktionen wie diesen nicht mehr verlassen!
Foto: Pete Doherty von MarcDurant
Spielzeugland: In der Kürze liegt die Würze
Veröffentlicht am | 02. 03. 2009 | 3 Kommentare
Gerade hab ich im Ersten den Film “Spielzeugland” gesehen, der bei den diesjährigen Oscarverleihungen in der Kategorie bester Kurzfilm gewann. Der Regisseur Jochen Freydank versetzt uns Zuschauer in das Deutschland des Dritten Reiches. Heinrich und David sind Blutsbrüder und die besten Freunde. Doch die Idylle wird getrübt, denn Davids jüdischer Familie droht die Deportation in ein Konzentrationslager. Um ihren Sohn nicht mit der Wahrheit zu konfrontieren zu müssen, lügt Heinrichs Mutter ihren Sohn an. Sie erzählt ihm, dass die Nachbarsfamilie ins Spiezeugland fahre. Da will Heinrich unbedingt mit und schleicht sich frühmorgens aus dem Haus. Als seine Mutter schließlich bemerkt, dass Heinrich verschwunden ist, sucht sie ihn verzweifelt. Schließlich steht sie dank der Hilfe zweier SS-Männer vor der Zug, der ins KZ fährt. Doch ihren Sohn kann sie nicht finden. Stattdessen trifft sie auf den besten Freund ihres Sohnes und steht vor der Entscheidung: Rettet sie ein fremdes Kind aus dem sicheren Tod oder sucht sie weiter nach ihrem Sohn?
Es ist wirklich erstaunlich, wie gut es Freydank gelang, die komplexe Geschichte in 14 Minuten unterzubringen. Andere brauchen für ähnliche Szenerien mindestens 6-mal soviel Zeit. Ich weiß nicht ob die Ausstrahlung schon länger geplant war oder der Kurzfilm spontan in ins Programm geholt wurde. Doch so kurz nach den Oscarverleihungen sicherlich der beste Zeitpunkt. Dass “Spielzeugland” kurz vor Mitternacht läuft, sehe ich nicht so kritisch wie bei Medienlese. Wer glaubt denn wirklich, der Tatort würde verschoben werden, damit der Kurzfilm zur Primetime läufen kann?
Habe meine Meinung geändert, weil ich diesen Satz überlesen habe: “So ein Film kann natürlich nicht an einem Wochentag nach der Tagesschau laufen.” Ich war auf das Wochenende fixiert. Doch Ole von Medienlese hat Recht. Eine realistischere Möglichkeit wäre er als eine Art Brennpunkt. Thema: Deutsche Geschichte. Da gäbe es sicherlich mehr zu lernen, als bei Familie Dr. Sommerfeldt (Die Serie spielt übrigens in Regensburg habe ich unlängst feststellen dürfen).
Ich bin sicher, dass die Story in Spielfilmlänge sicherlich einen attraktiveren Sendeplatz bekommen hätte. Doch wäre er “Spielzeugland” damit ein besserer Film geworden? Ich glaube nicht.
Für alle die den Film verpasst haben, gibt es noch eine Chance: Am Dienstagabend um 22.10 Uhr im MDR. Ich nehme an, dass auch alle weitere regionalen Rundfunkanstalten den Film in Kürze senden werden.
Trailer zum Film:
Weiteres zum Thema:
- Die offizielle Seite von “Spielzeugland”
- Die FAZ kritisiert, dass der Film eine ganze Reihe an Klischees über Deutsche bedient.
- Interview mit zwei deutschen Oscarpreiträgern im Bereich Kurzfilm: Jochen Freydank und Florian Gallenberger
