“Vienna” von Eva Menasse
Veröffentlicht am | 28. 02. 2008 | Noch kein Kommentar
“Mein Vater war eine Sturzgeburt.” Mit diesem Satz beginnt der Roman “Vienna” von Eva Menasse. Und wie der Vater ins Leben stürzt, so wird der Leser mitten in die Geschichte einer jüdischen Familie in Wien hineingeworfen.
Die Protagonisten tragen, bis auf wenige Ausnahmen, keine Namen und bis man den Überblick im Gewirr von Großvater, Onkel, Bruder, Tante und verschiedenen Ehefrauen, die durchnummeriert werden, gefunden hat, dauert es eine Weile. Doch es ist interessant, Menasse springt in den Zeiten hin und her: Ist man in einem Moment noch im Wien der Naziherrschaft, so findet sich der Leser im nächsten Moment in den 50er und 60er Jahren wieder, als der Vater des Ich-Erzählers Profifussballer war. So geht es hin und her, vorwärts und wieder zurück und langsam fügt sich die Familiengeschichte zusammen wie ein Puzzle.
“Ich habe bis heute die ältesten Geschichten am liebsten. Sie sind am offensten und am verheissungsvollsten, weil ihr wahrer Kern so verschwindend weit zurückliegt und deshalb fast alles erlaubt ist.” (S. 373)
Der Rahmen des Romans sind Familientreffen, bei denen die Geschichte derselben immer und immer wieder erzählt wird und zum hundertstenmal über diesselben Anekdoten gelacht wird. Das ist wirklich sehr unterhaltsamn und erinnert mich an Romane von John Irving. Auch in seinen Büchern gibt es solch skurile Personen und komische Geschichten.

In der zweiten Hälfte des Buches ändert sich der Ton. Alle lustigen Geschichten sind erzählt, es wird ernster und politischer. Wie ergeht es der Familie im Nachkriegsösterreich? Wie richtet sich eine Familie ein, für die ihre Religion nie eine Rolle spielte, die sich jedoch plötzlich in der Gesellschaft immer als Juden und Opfer definieren muss oder soll?
Dieser Prozess gipfelt darin, dass der Bruder ein “richtiger” Jude, also gläubig, werden und in die Gemeinde eintreten will, ihm das jedoch verwehrt wird, weil er keine jüdische Mutter hat. Andererseits hätten seine Großeltern ohne seine nicht-jüdische Großmutter wohl den Krieg nicht überlebt.
Nach den ersten 50 Seiten zog ich ein vorschnelles Urteil, indem ich es als eines der besten und witzigsten Bücher, die ich je gelesen habe, titulierte. Das muss ich nun zurücknehmen. Sicherlich, das Buch ist unterhaltsam, lustig und gibt einen Einblick in die österreichische Mentalität. Doch die Leichtigkeit der ersten Hälfte geht später fast vollends verloren und die Wendung ins Ernshafte bringt einigen Längen mit sich.
Trotzdem, es ist wert dieses Buch zu lesen. Alleine wegen Passagen wie dieser, über den Großvater während der Naziherrschaft:
“Regel Nummer eins: Die reichsdeutsche Hundemarke bei den Gelegenheiten, wo man Grund hat, sie nicht zu tragen, auch nicht mitführen, natürlich nicht. Regel Nummer zwei: Auch keinen Ausweis mithaben. Das war zwar verboten, aber im Kaffeehaus sitzen und Bridge spielen war noch viel verbotener. Ein “vergessener Ausweis” verzögerte die Angelegenheit in jedem Fall, und mit ein bisschen Frechheit und Glück hatte man noch Chancen. Aber die Hundemarke oder der Ausweis in der Tasche klärten alle Fragen schlagartig, und das Spiel war aus. Dass die Leute das nicht begriffen! Mein Großvater schüttelte den Kopf. Der Pritschenwagen fuhr ab. Vor dem ‘Johann Strauß’ floß der Novembernebel wieder zusammen. “Wer spielt aus?”, fragte mein Großvater.” (S. 86)
Eva Menasse, Vienna; btb-Verlag; ISBN: 978-3-442-73253-1
Einmal Löwe – immer Löwe
Veröffentlicht am | 28. 02. 2008 | Noch kein Kommentar
Ich war sieben Jahre alt, als der Fußball in mein Leben trat. Ich bin der F-Jugend des örtlichen Sportvereins beigetreten und habe mich als Mädchen versucht gegen die Buben in meinem Alter durchzusetzen (Sind 7-jährige Jungs eigentlich die größten Machos?) Ich ging fleißig ins Training, doch spielen durfte ich nicht. Zugegeben ein besonders großes Talent war ich nicht.
Anerkannt war ich in meiner Mannschaft nie so richtig. Ich hatte schließlich zwei gravierende Merkmale, die mich myteriös machten. Zum einen bin ich ein Mädchen. Zum anderen Fan des TSV 1860 München.
Wie jeder in Bayern, der sich halbwegs für Fussball interessiert, hatte ich im frühesten Alter eine Entscheidung zu treffen, die das Leben, prägt. Bayern oder 60er? Edelclub oder Vorstadtverein? Champagner oder a Halbe? Sieg oder Niederlage?
Natürlich war ich mir in diesen jungen Jahren der Reichweite meiner Wahl nicht bewusst. Mein Entscheidungsfindungsprozess, am Boden in der Küche, auf meinen Knieen das Paninisammelalbum, lief folgendermaßen ab:
1. Ich war schon mal in München. Das scheint auch einigermaßen in der Nähe zu sein. Denn niemand in meinem Umfeld hatte je gesagt: “Am Wochenende bsuacha ma die Verwandtschaft in Uerdingen.”
2. Blau war meine Lieblingsfarbe (und sie sie natüerlich immer noch, einmal Löwe – immer Löwe).
3. Klare Entscheidung für die Sechziger.
Jahre voller Schmähungen und Häme sollten folgen, die von mir, einem kleinen Mädchen, natürlich auch nicht halt machen. Denn geschätzte 98 Prozent aller mir damals bekannten Personen feuerten die Roten an. Sechzgerfan und dann auch noch ein Mädchen: “Die hat ja keine Ahnung.” (Dass ich die 60er wegen der Farbe ausgewählt habe, verschwieg ich lieber, denn ich wollte ja nicht noch Vorurteile bestärken.)
An Ostern bekam ich ein veraltetes Trikot der Saison 1993/94 mit Hakkawerke-Werbung, mein ganzer Stolz. An meinem zweiten Schultag lachte mich eine Zweitklässlerin so gemein aus, dass ich kurz zweifelt (Das zweite mal zweifelte ich, als ich das Emblem malen wollte und ich sah, dass das der Bayern um so viel einfacher gewesen wäre – aber Bayernfan sein ist ja schließlich immer leicht).
In den folgenden vier Jahren konnte ich sämtliche Spieler der Sechziger (aber auch der meisten anderen Bundesligavereine) mit Geburtsdatum, vorherrigen Vereinen und den aktuellen Statistiken herunterbeten (hilfreich war am Saisonanfang immer die Sonderausgabe von Sport-Bild).

Doch ich konnte wissen, was ich wollte, die Blauen verloren trotzdem. Das wäre im Grunde nicht schlimm gewesen, der 1. FC Köln oder Bochum verloren noch viel öfter. Das schlimme war, dass je öfter die Blauen verloren, desto öfter gewannen die Bayern. Die Sechziger krebsten um Platz 12 rum und die Bayern spielen in der Champions League. Wie es natürlich die arrogante Art aller Bayernfans ist, ließen sie uns, die verstreuten Blauen, dies bei jedem Sieg ihrerseits eindeutig spüren.
Dreimal war ich im Olympiastadium in München, nie gwannen die Sechziger. Beim ersten Mal kam ich mit meinem Vater und dessen Onkel (der in München wohnte und natürlich zu den Blauen hielt) erst zu Minute 35 an, denn wir hatten eine Autopanne. Beim zweiten und dritten Mal spielten die Sechzger so schlecht, dass ich mir eine Autopanne gewünscht hätte.
Ist die Entscheidung zwischen den Roten und den Blauen einmal gefallen, determiniert sie das ganze Leben, ja man hat keine Chance neu zu wählen. Mein Opa ist ein alter Sozi und Gewerkschaftler und ständig zetert er über Hoeneß und die ganzen Geldhungrigen Sportlern, schimpft über die Allianzarena (“rausgeschmissenes Geld”), verteufelt den FC Bayern im Allgemeinen. Und lobt den TSV 1860. Doch kaum läuft ein Spiel feuert er die Bayern, “den kapitalistischten aller Vereine” an und freut sich wie ein kleines Kind, wenn sie drei Punkte einfahren – am besten beim Derby gegen die Löwen.
Gestern war es mal wieder soweit. Ein Derby. Wie meistens verloren meine Löwen, aber an das habe ich mich inzwischen gewöhnt. Trotzdem fieberte ich hier in China mit, dachte vorm Schlafen nocheinmal an sie und wünschte ihnen viel Erfolg. Aber nichts, natürlich wie bei allen Spielen gegen die Bayern spielen sie gut, aber stehen am Ende mit leeren Händen da. Scheiß Bayern einfach.
So sehr man sich als Löwenfan definiert, so sehr muss man mindestens auch die Bayern hassen. Das ist ein Naturgesetz.
Einmal Löwe – immer Löwe!
Informationen über den Irakkrieg
Veröffentlicht am | 27. 02. 2008 | Noch kein Kommentar
Der Irakkrieg bestimmt die Medien seit vier Jahren wie kein anderes Thema. Kaum ein Tag vergeht ohne Berichte über Selbstmordattenate oder neueste Berichte über die verheerende politische Lage zwischen Eufrat und Tigris. Die Präsidentschaftsvorwahlen in den USA heizen das Thema zusätzlich an, geht es doch auch die Zukunft Iraks: Obama will den sofortigen Abzug der Truppen, Mc Cain als Vietnamveteran sieht nur militärische Härte als Möglichkeit, Clintons Meinung ist irgendwo dazwischen anzusiedeln, Tendenz zu Mc Cain.
Doch neben diesen Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln, hat kaum jemand einen Überblick über die politischen Lager. Al-Sadr, Schiiten, Sunniten oder “Grüne Zone” – natürlich kennt jeder die Begriffe, der regelmäßig Zeitung liest. Doch was bedeuten sie? Welche politischen Lager neben der Religionszugehörigkeit gibt es? Und spielt die Trennung zwischen den Muslimen wirklich eine so große Rolle, wie überall zu lesen ist?
Aufschluss über die politische Situation gibt ein Artikel auf Hintergrund.de. Er berichtet ausführlich über den Irak unter amerikanischer Besatzung. Dabei werden verschiedenste Studien ausgewertet und ein Rundumschlag über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemacht.
Die Bush-Administration habe im Irak keinen Fehler ausgelassen, so eine häufig geäußerte Kritik, gerade so, als hätten sie eine Checkliste abgearbeitet. Wäre das Hauptziel ein stabiler, demokratischer Irak gewesen, so wäre das sicher richtig. Stabilität hatte für die dominierenden Kräfte in Washington jedoch nie Priorität. Sie versuchten genau das umzusetzen, was sie sich vorgenommen hatten – ohne die geringste Rücksicht auf die Iraker.
Es ging schließlich nicht nur um die Absetzung des Regimes von Saddam Hussein. Ziel war vor allem die dauerhafte Ausschaltung des Iraks als Regionalmacht und zweitens die Etablierung einer massiven permanenten militärischen Präsenz – als Ausgangsbasis für die Umgestaltung bzw. Unterwerfung der gesamten Region. An dritter Stelle stand schließlich die Umwandlung des Iraks in ein radikal neoliberales Modell und der direkte Zugriff US-amerikanischer Konzerne aufs irakische Öl. (Unterpunkt: Weichen von Washington früh gestellt)
Neben diesen Punkten, die kritischen Beobachtern bewusst sind, beschäftigt sich der zweite Teil mit den Widerstandsgruppen und Freiheitskämpfern, ihrer Organisation und Stärke. Dabei kommt der Autor zu einem Schluss, der so direkt kaum in Zeitungen zu lesen ist. Ich zumindest hatte bisher den eindruck Sadr sei ein militanter Islamit, der die Scharia einführen will.
Keine bedeutende Widerstandsgruppe strebt einen islamischen Staat an, auch nicht die Bewegung des schiitischen Klerikers und Besatzungsgegners Muktada al Sadr. Die einzigen Organisationen, die eine islamistische Gesellschaft anstreben, sind die schiitischen Regierungsparteien SCIRI und al-Dawa, sowie die Al-Kaida-nahen Gruppen, die Ende 2006 einen »Islamischen Staat Iraks« proklamierten. (Unterpunkt: Gegenkräfte, Bewaffneter Widerstand)
Am Schluss wagt der Autor einen Ausblick in die Zukunft, einen Ausblick auf die weitere Strategie Amerikas. Nach dem Vorbild Israels wollen sie mit Mauern, Zäunen und Barrikaden die Städte unter Kontrolle halten.
Wer viel Zeit hat und Lust sich ausführlich über den Irak jenseits von ard, Süeddeutsche und Spiegel zu informieren, dem sei dieser Artikel wärmestens empfohlen.
(via).
Ein Junkie und sein Ersatzstoff
Veröffentlicht am | 24. 02. 2008 | Noch kein Kommentar
Angenommen, es wäre nicht das Jahr 2008, sondern 10 Jahre früher. Ich wäre von der Außenwelt, den politischen und wirschaftichen Entwicklungen der Welt und in Deutschland abgeschnitten. Ich wüsste nichts von der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo, den morgendlichen Razzien der Steuerfahndungen und sogar von Britney Spears neuesten Ausrutschern wüßte ich nichts.
Denn ich lebe momentan in Gengma, einer Kleinstadt in der südchinesischen Provinz Yunnan: 80 km bis zur Grenze zu Burma, 700 km bis zur Provinzhauptstadt Kunming und 3000 km bis nach Beijing.
Angenommen ich lebte hier in den 90er Jahren, ich könnte keine Zeitungen lesen, denn ich kann kein Chinesisch. Doch das Gewäsch, von der ideologischer Beeinflussung geschwängert, wäre aber sowieso keine ernstzunehmende Informationsquelle. Briefe dauern zum Teil Wochen um in Deutschland anzukommen. Mit dem Wort Blog wüsste ich nichts anzufangen. Die Beiträge und Diskussionen in denselben über Politik und vieles andere würde ich sehr vermissen.
Doch es gibt Internet. Der RSSFeed von tagesschau.de hält mich kurz und bündig auf dem Laufenden und jetzt.de, die Jugendseite der Süddeutschen Zeitung, liefert mir sogar jeden Tag 15 Artikel aus der gedruckten Zeitung auf meinen Bildschirm – kostenlos. Daneben ergänzen Blogs mein tägliches Pensum – und sie werden immer mehr. Je mehr ich mich in der sogenannten Blogosphäre bewege, desto mehr interessante und gut geschriebene Seiten entdecke ich.
Doch auch meine eigenen Blogs werden mir hier immer wichtiger. War es in Deutschland eine kleine Spielerei, so ist es hier fast die einzige Möglichkeit Gedanken auszutauschen und zu diskutieren, denn tiefergehende Gespräche sind hier oft wegen sprachlichen Barrieren schwierig.
Angenommen, es gäbe kein Internet, ein Informationsjunkie, wie ich es bin, wäre auf kaltem Entzug. Doch Gott sei Dank habe ich meinen Ersatzstoff: Das Internet.
Tokio Hotel in China (2)
Veröffentlicht am | 22. 02. 2008 | 3 Kommentare
Mich kann nichts mehr schocken. Vorgestern noch sorge ich mich ob der Berichterstattung über Tokio Hotel als Aufmacher in der Onlineausgabe der “New York Times”. Heute kann ich nur müde darüber lächeln. Denn es kommt noch schlimmer: Tokio Hotel nehmen China ein!
Rückblende. Ich sitze gemütlich in einer Nachbarswohnung und unterhalte mich nett mit der mit Zhini Xu, der Tochter des Hauses, die am anderen Ende Chinas Arabisch studiert und wegen des Neujahrfestes nach Hause gekommen war. Das erste Mal im Reich der Mitte kann ich mich mal wieder über Musik und Bücher austauschen. Wir sprechen über Orhan Pamuks “Mein Name ist Rot” und Oscar Wilde. Wir hören Musik von den Arctic Monkeys und Mando Diao. Ich hatte es nicht mehr zu glauben gewagt, dass es Chinesen mit einem guten Musikgeschmack gibt, hatte ich doch bisher nur das Gegenteil erfahren.
Sie zeigt mir chinesische Zeitschriften für Musik und Filme, die sich fast nur mit westlicher Kultur beschäftigten. Ich sah Rezensionen für “Blood Diamonds”, dem deutschen Film “Der letzte Zug” oder “The Departed”. In den fünf Magazinen, die ich sah, war sogar eine explizite Sexszene abgebildet, verwunderlich in einem Land, wo sich die Regierung dem Kampf gegen Pornografie verschrieben hat.
Dann die erste Überraschung. Über Maximilian Hecker, einem deutschen Sänger, dessen Lieder von Welt- und Herzschmerz triefen, wird sogar auf zwei Seiten berichtet. In Deutschland dagegen kennt ihn fast niemand.
Dann die zweite, wesentlich unangenehmere Überraschung. Schon wieder die Tröten aus Magdeburg. Diesmal gezeichnet und gebastelt von Fans. Wobei das rechte Bild nicht wirklich den Eindruck macht, aus China zu stammen, denn in China gibt es traditionell eher wenige Menschen, die auf den Namen Sophia hören und dann auch noch auf Deutsch “Frohe Weihnachten” wünschen können.

Ich frage Zhini Xu was es mit Tokio Hotel in China auf sich hat: “Große Stars sind sie noch nicht, aber sie werden langsam immer bekannter.”
Doch vielleicht hilft uns die Weltgeschichte, den Feldzug der Zwillinge aufzuhalten, denn die Chinesen und Japaner sind aus historischen Gründen nicht besonders gut aufeinander zu sprechen. Wer will denn da eine Band hoeren, die die Hauptstadt der Japaner im Namen trägt?
Shoppingtour
Veröffentlicht am | 22. 02. 2008 | 4 Kommentare
Es wird Frühling, die Sonne scheint und auch bei schafott.blog spielen die Hormone verrückt. Um für die Blogossphäre attraktiv zu sein, hat er sich ein neues Gewand gegönnt. Nach ewigen Stöbern, anprobieren und dann doch nicht nehmen, hat er das passende Outfit entdeckt, bei upstartblogger.com Elegant, aber doch irgendwie frech. Letztens hat er gelesen, dass das Leser mögen.
Da hat er gleich seine Mama ganz lieb darum gebeten, ihm das Designerstück anzulegen. Und die war ebenfalls gleich so begeistert davon, dass sie sich gleich hingesetzt hat und es ihrem Baby auf den Leib geschneidert hat: Ein wegweisendes Foto von photocase.de. Seine Artikel darf der Kleine auch in ganzer Länge zeigen (is ja schon ein ganz Großer) und er kann sich jetzt auch auf Deutsch mit seiner neuen Errungenschaft unterhalten (um seinen Style muss man sich eben kümmern, und in einer Fremdsprache kann er sich halt nicht so gut ausdrücken, der schfott.blog, der).
Nur die Blaue Farbe musste er behalten, denn das will die Mama so. So. Aus. Basta.
Tokio Hotel in China
Veröffentlicht am | 20. 02. 2008 | 3 Kommentare
Da sitz ich hier also hier im chinesischen Hinterland und will wissen, was los ist in der Welt. Also gehe auf die Seite der New York Times, erhoffe mir Informationen über den Zickenterror zwischen der Hillary und dem Barack. Und über Fidel, dem obsoleten Amischreck. Doch was sehe ich? Kreischende Mädchen, heiß auf Tokio Hotel.

In deutschen Medien, vernachlässigt man die Bravo und andere Teeniezeitschriften, gibt es nur zwei Arten der Berichterstattung:
1. Es wird sich gewundert, wie zwei halbstarke Jungs mit ihren Bandkollegen einen solchen Erfolg haben können. Warum himmeln 15-jährige Mädchen einen androgynen Jungen an? Die Backstreet Boys waren dagegen ja richtige Kerle, sie hatten teilweise ja sogar schon Bartwuchs.
2. Tokio Hotel ist scheisse. Punkt. Aus. Ende, Gelände.
Determiniert auf dieses Schema, erwarte ich ähnliches im Artikel der NY Times. Doch was ist los? Was soll denn das? Trauen sich diese Halunken überm Ozean tatsächlich ohne zu berichten ohne die Band lächerlich zu machen. Es kommt noch härter: Sie loben den kleinen Bill auch noch.
But compared with Mr. Kaulitz, those band members (including his identical but very differently styled twin, Tom Kaulitz) couldn’t help but seem underwhelming. As they trudged, sometimes clumsily, through a short set, they seemed a lot less sophisticated than the skinny guy in front, who looks as if he has been honing his stage act since birth. If this concert was oddly delightful from start to finish, thank Bill Kaulitz, who should, with any luck, be thrilling and perplexing young Americans for the rest of the year.
Nichts zu spüren von “Kill Bill”. Aber: Kommt Zeit, kommt Rat.
Tokio Hotel als zweite bekannte deutsche Band neben Rammstein in den USA? Wie sollen wir unseren transnationalen Partnern jemals klar machen, dass es in Deutschland auch normale Bands gibt? Ganz ohne Hobbypyromanen und Stromschlagfrisuren.
Männersache
Veröffentlicht am | 18. 02. 2008 | 1 Kommentar
Mütter haften für ihre Kinder. Sie machen das. Sie können das. Sie haben die Kinder neun Monate lang im Bauch getragen, sind also für Pflege und Fürsorge prädestiniert – eine Haltung, die 1968 und an den antiautoritären Aufbruch zwar nicht ganz unbeschädigt überstanden hat, aber dennoch in einigen Köpfen weiterlebt, die manchmal einen Bart tragen, manchmal aber auch Eva heißen. (Die ZEIT vom 3. Januar 2008)
Diese Einstellung herrscht meiner Meinung nach in mehr Köpfen vor, als es der Autorin lieb ist. Frauen. das ist Haushalt. Frauen, das sind Friseurinnen und Krankenschwestern. Am besten halbtags, damit nachmittags die Kinder versorgt sind. Wozu also höhere Bildung? Verschwendete Zeit.
Ist es wirklich so wie der SPIEGEL im Dezember schreibt: Eltern schicken ihre Mädchen nicht aufs Gymnasium, weil doch der Realsculabschluss sowieso reicht?
Im schönen Niederbayern geht halt alles etwas langsamer. Frauen in der Politik gibt es kaum. Eine Frau sitzt im Parlament meiner Heimatstadt, im Umkreis von 150 km gibt es eine Bürgermeisterin (zumindest, soweit ich weiß.) Diese ist in der CSU, der Männerpartei, ohne die gar nichts geht. Sie ist meiner Meinung nach notwendig, um in einer konservativen Gegend wie meiner Heimat überhaupt einen Fuss auf den politischen Boden zu bekommen. Eine Frau und dann möglicherweise auch noch bei der SPD oder den Grünen – Gott bewahre. Eine Teufelsanbeterin, eine Abgefallene.
Bei der Union, beziehungsweise ihren Derivaten, die in Ostbayern tatsächlich nicht zu unterschätzende Stimmenanteile bekommen, wie die Bayernpartei oder die ödp, weiß Mann was man hat: Eine Frau mittleren Alters, die die Langeweile quält, seitdem die Kinder aus dem Haus sind.
Doch, denkt ihr Leser bestimmt, was soll die Schwarzmalerei? Wir leben im 21. Jahrhundert, auch in Niederbayern laufen der katholischen Kirche die Gläubigen davon. Natürlich, antworte ich da, doch an der politischen Mitbestimmung der Frauen hat sich trotzdem nichts geändert.
Beispiel: Die Kommunalwahlen im März. Auf der Seite bsmparty.de, dem sozialen Netzwerk für die Jugend in Ostbayern, bei der gefühlte 100 Prozent der Jugendlichen Mitglied sind, hat ein Wahlportal erstellt: Alle jungen Kandidaten können sich anmelden und sich vorstellen. Insgesamt gibt es fünf Landkreise. Inzwischen haben sich viele Kandidaten angemeldet, auch die, die nicht mehr ganz so jung sind. Doch in den fünf Landkreisen kandidiert offenbar nicht eine Frau!
Keine junge Frau will in einen Gemeinderat – das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Wobei wir beim nächsten Punkt sind. Auf Kommunalebene wohl noch mehr als auf Landes- oder Bundesebene spielt sich oft in Klüngeln ab. Der Huber und der Meier sind halt schon seit 20 Jahren im selben Stammtisch, natürlich, wählt der Huber den Meier. Und wenn der Meier dann auch noch im Sportverein oder der Feuerwehr ist, dann hat er sein Mandant sicher. Das Problem für Frauen: Sportverein und Feuerwehr sind meistens noch immer von Männer dominiert.
Ich fordere keine Quotenregelung, weiß Gott nicht. Aber es kann doch nicht sein, dass maximal eine Frau im Stadtrat sitzt. Ich kenne genug selbstbewusste, intelligente Frauen, denen ich die Aufgabe zutrauen würde. Doch das größte Problem sind wahrscheinlich leider die Frauen selbst: “Politik – das ist doch was für Männer. Geh’ ma lieber in den Frauenbund.”