schafott.net

move your ass and your mind will follow

Wie die Großen so die Kleinen

Veröffentlicht am | 31. 07. 2007 | 3 Kommentare

abgeordnetenwatch.de interessiert mich. Zweimal beschäftigte ich mich bereits mit den Abgeordneten aus Passau und Deggendorf.

abgeordnetenwatch.de ist eine Plattform auf der Bürger ihren Bundestagsabgeordneten Fragen stellen können. In der Theorie beantworten die Volksvertreter diese umgehend, berühren also. Doch in der Realität sieht es anders aus: Während einige Politiker brav und fleißig auf die Fragen eingehen, ignorieren andere die Anfragen, obwohl sie doch eigentlich so sehr auf das Motto “Laptop und Lederhosen” setzen.

Bei den Herrn Ministern und ihren Kolleginnen sieht es nicht anders aus, wie auf Frédéric auf spreeblick zeigt.

Tschechien: Billiges Benzin und Nutten?

Veröffentlicht am | 30. 07. 2007 | 5 Kommentare

Niederbayern und die Oberpfalz wollen nicht mehr Ostbayern heißen. Der Tourismusverband Ostbayern soll in Tourismusverband Niederbayern und Oberpfalz umbenannt werden und das Südostbayerische Städtetheater ist auf Namenssuche. Hinter dieser Entwicklung steht auch die Bevölkerung. Einer Radioumfrage nach lehnen 89 Prozent den Begriff “Ostbayern” ab. Er erinnere zu sehr an Ostzone, Ostmark (Gau im Nationalsozialismus) und Ost-Sibirien. (Quelle: SZ vom 24.7.07 )

czdMeines Erachtens geht die Ablehnung nicht nur gegen diese negativ besetzten Begriffe aus der Vergangenheit, sondern gegen den Osten an sich. Was ist der Osten? Asien? Russland? Nein, in Ostbayern ist der Osten Tschechien. Und damit will der gutbürgerliche Bayer nichts zu tun haben. Denn die Tschechen, das weiß ja jedes Kind, sind sowieso alle faul und kriminell noch dazu.

Das sieht jeder, der mal einen Ausflug ins Nachbarland macht: Einen Kilometer nach der Grenze nichts als Vietnamesenmärkte mit gefälschter Ware. CDs, DVDs, Dolche&Gabbana-Klamotten, Zigaretten. Und dazu ein paar grell geschminkte Frauen am Straßenrand. Sie tragen in Röcken, die kaum den String bedecken, und blasen dem treusorgenden, bayerischen Familienvater für 20 Euro einen. Grundsätzlich gibt es für den Bayern nur zwei Ausnahmen in diesem Elend jenseits der Grenze: Krumau (“Da wirkt alles so italienisch”) und Prag (“Der Tagesausflug kostet nur 45 Euro, inkl. Karlsbrücke und Kafka-Geburtshaus und ein uriges Wirtshaus mit billigem Bier”).

Diese Haltung breiter Bevölkerungsschichten bestätigt nur das, was den Politikern eigentlich insgeheim schon lange klar sein sollte: Die Vorteile der EU-Osterweiterung sind in den Köpfen der Ostbayern (und sicherlich nicht nur diesen) noch lange nicht angekommen. Noch immer sind die Tschechen die Schuldigen für die Arbeitslosen in der strukturschwachen Grenzregion. Doch halt: Welche Arbeitslosen? Im Landkreis Freyung-Grafenau am östlichen Zipfel Ostbayern/Niederbayerns, traditionell dem Armenhaus Deutschlands, suchen nur 4,9 Prozent der Arbeitsfähigen einen Job. Auch im Bayerischen Wald boomt also die Wirtschaft – trotz der Tschechen, die doch angeblich in Scharren über die Grenze kommen und dem braven Deutschen die Arbeit mit Dumping-Löhnen wegnehmen.

Wieso lehnen die Deutschen Tschechen so ab? Die Gründe müssen in der Geschichte gesucht werden. 50 Jahre lang trennten Grenzen mit Selbstschussanlagen Ostbayern und Tschechien. Nach Jahrhunderten des Zusammenlebens und des Handels existierten zwei Generationen voneinader nebeneinander, aber dennoch isoliert. Das hat natürlich Nachwirkungen: Die Nationen entfremden sich. Dazu kommen die Sudentendeutsche, die der alten Heimat nachtrauern und gleichzeitig die Tschechen, die ihnen das angetan haben, verdammen. Und so ihre Kinder beeinflussen. Doch nach der Öffnung der Grenzen waren sie es, die als erste wieder ins Nachbarland fuhren und die Orte ihrer Kindheit besuchten. Sie waren es, die als erste, zaghafte Kontakte aufnahmen.

Doch langsam ist eine Veränderung spürbar. Schüler belegen Tschechisch-Sprachkurse an den Schulen, die Kontakte zu tschechischen Partnerschulen werden intensiviert und die Regionen Bayerischer Wald (D), Böhmerwald (CZ) und Unterer Inn (Ö) haben sich zur Euregio zusammengeschlossen, die “grenzüberschreitende Völkerverständigung, wo früher Schlagbäume standen” zum Ziel hat. Die Politiker (zumindest die auf EU-Ebene) erkennen, dass ein Kirchturmdenken in einem vereinten Europa keine Zukunft hat. Tschechien wird zum gleichberechtigten Partner und ist nicht mehr das minderwertigere Nachbarland mit dem billigen Benzin.

Trotzdem wird es noch einige Jahrzehnte dauern bis das Verhältnis vorurteilsfrei oder doch zumindest respektvoll sein wird. Die zarten Annäherungsversuche der letzten Zeit spiegeln leider noch immer nicht die Stimmung vor Ort wieder. Sprüche und Witze auf Kosten der Tschechen sind an der Tagesordnung.

Es liegt an uns, der Jugend, etwas zu Verändern! Wir müssen den Mut aufzubringen nach Tschechien zu Reisen anstatt nach Italien. Ein Praktikum in Prag zu machen anstatt in London. Tschechisch als Fremdsprache zu wählen anstatt Spanisch. An Tschechien mehr zu sehen als die Schwarzmärkte und die Prostitution in den ersten Kilometern jenseits der Grenze.

Wir sind es, die unsere Zukunft gestalten. Lasst uns so handeln, damit wir, Deutsche und Tschechen, nicht nur wirtschaftliche Vorteile aus der europäischen Einigung ziehen, sondern auch Menschliche!

Solange das Erdöl fließt…

Veröffentlicht am | 30. 07. 2007 | 1 Kommentar

Sarkozys Geschäfte mit dem lybischen Diktator Gaddafi haben eine alte Diskussion wiederauflammen lassen: Wie sollen Demokratien mit Ländern umgehen, die es mit den Menschenrechten und der Rechtsstaatlichkeit nicht so eng sehen, umgehen?

Wie war es in der Vergangenheit? Schon immer haben Länder andere ausgenützt. Rom hatte seine Provinzen, im Imperialismus hatte jeder, der etwas auf sich hielt, eine Kolonie. Und im Kalten Krieg versuchten die beiden Blöcke ihr Einflussgebiet zu behalten oder, noch besser, zu vergrößern.

Die Amerikaner und die Sowjets teilten den Globus unter sich in gut und böse auf (Wer ist gut? Wer böse? Ansichtssache). Staat für Staat musste sich für eine Seite entscheiden. Die Wankelmütigen auf beiden Seiten mussten mit militärischen Konsequenzen rechnen.

Und heute?

Deutschland baggert Turkmenistan wegen seines Erdgases an. Der Präsident des zentralasiatischen Landes nennt sich “Turkmenbaschi” (Vater der Turkmenen) und fördert den Kult um seine Person so gut es geht. Das geht natürlich nur, wenn Abstriche in der Meinungsfreiheit gemacht werden.

Schröder bezeichnete Putin einst als “lupenreinen Demokraten”. Ich hoffe, er ist intelligent genug, das nicht wirklich zu glauben, sondern nur die Geschäfte um Ressourcen nicht zu gefährden. Denn schließlich kann über ein paar ermordete Journalisten und Oppositionelle hinwegblicken, solange das Öl fließt.

Mehr zum Thema findet sich bei spiegelfechter. Der Artikel “Sarkozys neuer Hurensohn” und die nachfolgende Diskussion sind sehr lesenwert und informativ.

50 mal schafott.blog

Veröffentlicht am | 23. 07. 2007 | 3 Kommentare

Seit dem 11. Mai blogge ich nun und habe bisher 50 Artikel geschrieben51 Artikel geschrieben. Der letzte Beitrag Pippi & Co.: Meine Kindheit war schwedisch ist eine doppelte Besonderheit. Zum einen nahm ich zum ersten Mal an einer Blogparade teil. Zum anderen war es mein 50. Beitrag. Juhuuu! Statistisch gesehen bringe ich 0,68 Artikel pro Tag zustande.

Pippi & Co.: Meine Kindheit war schwedisch

Veröffentlicht am | 23. 07. 2007 | 16 Kommentare

Die Milchjunkies veranstalten eine Blogparade zum Thema TV-Erinnerungen. Na, hab ich mir gedacht, da mach ich ja glatt mal mit…

milch tvMeine Kindheit war schwedisch. Nein, ich bin nicht in diesem wunderschönen skandinavischen Land aufgewachsen noch verbrachte ich meine ersten Jahre hinter schwedischen Gardinen. Stattdessen waren Pippi, Michel und Wicki meine Lieblinge aus der Glotze. (Zugegeben, ob Wicki wirklich Schwede war, weiß ich nicht.)

Meine Mutter war sehr darauf bedacht, dass ihre Kinder nur altersgerechte Sendungen sehen können. Bis mein Bruder und ich etwa zehn Jahre waren, sahen wir kaum fern und dann nur ZDF tivi (kika-Vorläufer). Statt Turtles und Beverly Hills 90210 gab es bei uns Büllerbü und Karlson vom Dach.

Ich wage zu behaupten jede Geschichte von Astrid Lindgren, die jemals verfilmt wurde, zu kennen. Von ihr stammen auch meine absoluten Favoriten: Pippi und Michel.

Ich kenne Pippi Langstrumpf und ihre Freunde Annika und Tommi. Ich war dabei, als sie Pippis Vater Efraim Langstrumpf seinem Gefängnis im Tacka-Tucka-Land befreiten und hatte Fernweh, wenn die drei Freunde auf dem Rücken des Kleinen Onkel und mit Herrn Nilsson auf der Schulter durch die schwedische Landschaft reiten. Ich lachte, als sie sowohl die beiden Polizisten Kling und Klang als auch die Gauner Donner-Karlsson und Blom immer wieder austrickste.

Doch noch lieber als die Pippi mochte ich Michel aus Lönneberga. Vielleicht, weil es ein Kinderfoto von meinem Papa gibt auf dem er dem Michel aufs Haar ähnlich sieht. Der Michel ist einfach ein Lausejunge aus einem Dorf in Schweden. Und ein armer Junge, wenn er nach seinen Streichen immer wieder in den Schuppen gesperrt wurde. Aber eigentlich wollte er ja niemanden schaden, sondern einfach Spaß haben oder jemanden helfen. Doch mit seiner Bauernschläue konnte er sich meist doch aus seiner misslichen Lage befreien und seinem Vater ein Schnippchen schlagen. Es ist einfach süß, wenn er seine kleine Schwester Klein-Ida zu Unfug überredet und mit Knecht Alfred über Magd Lina (und die Frauen im Allgemeinen) schimpft als hätte er schon drei Ehen und vier Scheidungen hinter sich.

Doch eigentlich ist der Michel keine TV-Erinnerung. Denn vor zwei Jahren hab ich mir den Michel auf DVD gekauft und schau ihn mir und seine Streiche immer noch gerne an.

Und es ist Sommer II

Veröffentlicht am | 23. 07. 2007 | 2 Kommentare

DSC 0334

Und es ist Sommer

Veröffentlicht am | 22. 07. 2007 | 2 Kommentare

Da ist was schiefgegangen ..äh, in den Weiher gefallen beim Heing Heuen (Hab nachgeschaut, was heing auf Hochdeutsch heißt. Heuen: So ein bescheuertes Wort.)

DSC 0041

Die Ambivalenz Stauffenbergs: Hitlerattentat und Ständestaat

Veröffentlicht am | 20. 07. 2007 | Noch kein Kommentar

20. Juli 2007: Das Attentat auf Adolf Hitler der Gruppe um Claus von Stauffenberg jährt sich zum 63. Mal. Doch das ist nicht der Grund, warum Stauffenberg die Boulevardmedien dominiert. Stattdessen geht es darum, ob der Schauspieler Tom Cruise, ein Anhänger der Scientologysekte, Claus von Stauffenberg im Film “Valkyrie” darstellen darf. Die Ziele und Motive Stauffenbergs sind keiner Erwähnung wert.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg war der Kopf einer Gruppe von Führungspersonen aus Militär und Verwaltung. Sie planten eine Verschwörung gegen Hitler, bei der dieser durch ein Bombenattenat getötet und im Anschluss eine neue Regierung unter Kanzler Carl Goerdeler eingesetzt werden soll.

Aussichtlose Kriegslage

Was waren die Gründe für die elitäre Gruppe das Hitler-Regime zu stürzen? Sie fürchteten, dass Deutschland unter Hitler seine Großmachststellung verlieren könnte. Zum Zeitpunkt des Attentats, im Sommer 1944, war die Niederlage Deutschlands bereits besiegelt. Die Front verlagerte sich von allen Seiten in das Reich hinein: Im Jahr kapitulierte sowohl die 10. Armee im Kessel von Stalingrad als auch der Afrika-Korps unter Rommel und am 6. Juni 1944 landeten die Allierten in der Normandie. Die Kriegslage war aussichtslos.

Stauffenberg und seine etwa 200 Anhänger wollten auch gegen Hitlers militärische Fehlentscheidungen vorgehen. Hitler war es, der General Paulus in Stalingrad verbot, aufzugeben. Das führte zur größten Einzelniederlage der Deutschen im zweiten Weltkrieg. Die Militärs hatten akzeptierten Hitlers militärische Autorität nicht und zweifelten an seinen strategischen Entscheidungen.

Es hätte keine Demokratie gegeben

Dies führte zum Bombenattentat des 20. Juli 1944. Angenommen, es wäre erfolgreich verlaufen: Wie hätte Deutschland unter Kanzler Carl Goerdeler, dem designierten Kanzler im Schattenkabinett, ausgesehen? Ganz klar: Es hätte keine Demokratie gegeben.

Stauffenberg und seine Mitstreiter erfuhren ihre Sozialisation im Kaiserreich, einer konservativen Militärmonarchie. Die Widerständler versuchten durch das Attentat das autoritäre System zu retten, indem Hitler entfernt werden sollte. Systembeseitigung oder gar Demokratisierung war somit ganz klar nicht das Ziel. Stattdessen soll die Großmachtstellung Deutschlands gewahrt werden und die Schmach von Versailles gerächt.

Ambivalenz Stauffenbergs

Das Attentat vom 20. Juli kann nicht einseitig betrachtet werden. Einerseits wollte Stauffenberg keine Demokratie, sondern weiterhin einen Obrigkeitsstaat ähnlich dem Kaiserreich. Doch andererseits war das Ziel, Hitler als Kopf des nationalsozialistische und totalitären Systems zu beseitigen.

keep looking »