Die Schuldfrage nach dem 1. Weltkrieg
Veröffentlicht am | 30. 06. 2007 | 2 Kommentare
Im Versailler Friedensvertrag sind Deutschland und seine Verbündeten die alleinigen Kriegsschuldigen. Dies ist so nicht richtig und war der größte diplomatische Fehler des 20. Jahrhunderts.
Natürlich aber war das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm II., der für sich und seine Untertanen einen Platz an der Sonne suchte, tatkräftig dabei einen Krieg zu provozieren. Was waren also die Gründe dafür, dass Deutschland der Welt den Krieg aufgezwungen hat? Nachdem Deutschland uns Frankreich Zwistigkeiten in Kolonialfragen nicht klären konnten (Marokkokrise), fuhr Deutschland zur Machtdemonstration mit einem Teil der Kriegsflotte vor Agadir vor, dem Panthersprung von Agadir. Darüberhinaus gab Deutschland Österreich-Ungarn uneingeschränkte Rückendeckung nach dem Attentat von Sarajewo. Außerdem verletzte Deutschland durch den Einmarsch in Belgien dessen Neutralität und hatte grundsätzlich eine sehr offensive Kriegstaktik, die den Konflikt weiter anheizte.
Deutschlands Verbündeter im Dreibund Österreich-Ungarn löste den konkreten Konflikt am Balkan aus, indem die Habsburger versuchten dort zu expandieren und nach dem Tod des Thronfolgers ein unerfüllbares Ultimatum an die serbische Regierung stellten. Genauere Informationen findet ihr in meinem Bericht über das Attentat von Sarajewo.
Die Schuldfrage der im Friedensvertrag Angeklagten ist nun geklärt. Warum sind aber auch Serbien und Russland schuld am 1. Weltkrieg? Serbien betrieb eine aggressive großserbische Politik, wodurch die Situation immer wieder verschärft wurde. Russland dagegen wollte politischen Einfluss auf dem Balkan gewinnen, weshalb das Zarenreich den Panslawismus unterstützte und immer wieder intervenierte.
Zusammenfassend ist zu erkennen, dass die Schuld Deutschlands durchaus beträchtlich ist, jedoch von einer Mitschuld aller gesprochen werden muss, da alle beteiligten Nationen nach territorialer Expansion strebten und nach imperialistischen Maßstab Politik betrieben.
Heute gehts in den Urlaub!
Veröffentlicht am | 20. 06. 2007 | Noch kein Kommentar
Morgen früh fahre ich in den Urlaub an den Plattensee. Zusammen mit vier Freundinnen wird eine Woche lang gefeiert, getrunken und geraucht. Unser Zielort ist Siofok, der Ballermann Ungarns. Naja, grundsätzlich habe ich eine große Abneigung gegen solche Urlaubsorte, in denen alles auf deutsche Touristen ausgerichtet ist. Aber Ausnahmen bestätigen ja schließlich dir Regel. Und ganz ehrlich, zum In-die-Kultur-des-Landes-eintauchen kommen wir eh nicht. Eine Ausnahme unseres Partyurlaubes wird ein Besuch in Budapest sein.
Und danach? Natürlich Berichte und Fotos hier.
28.6.1914 – Attentat von Sarajewo
Veröffentlicht am | 20. 06. 2007 | Noch kein Kommentar
Vor einem Monat kündigte ich an, dass ich in unregelmäßigen Abständen über Ereignisse in der Zeitgeschichte berichten will. Leider dauerte es mit dem ersten Artikel länger als gedacht, da das Abitur und das Feiern dazwischen kam.
Der Artikel zum Attentat von Sarajewo sollte eigentlich zum 28. Juni erscheinen, doch zu diesem Zeitpunkt weile ich in Ungarn. Deshalb ist die Veröffentlichung vorgezogen.
Frühsommer 1914. In Europa brodelt es. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich die Konflikte und Streitereien zwischen den Staaten in einem Krieg entladen.
Am 28. Juni 1914 ist es soweit, als ein Mitglied der serbischen Geheimorganisation “Mlada Bosna” (dt: schwarze Hand) den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand samt Gattin ermordet. Für Österreich bot sich nun die Gelegenheit endlich gegen die großserbische Bewegung vorzugehen, die seit Jahren politische Instabilität und vermehrte Unabhängigkeitsbestrebungen im großen habsburgischen Reich mit sich brachten. Als geeignetes Mittel schien dabei ein unerfüllbares Ultimatum an die serbische Regierung zu sein. Zusammen mit dem “Blankoscheck”, einer Erklärung der bedingungslosen Loyalität des deutschen Kaiserreichs, waren dies ideale Voraussetzungen dafür, Serbien den Krieg zu erklären.
Doch wie wurde die regionale militärische Auseinandersetzung zum ersten Krieg, in dem der ganze Globus verwickelt war? Russland unterstützte die panslawistische Bewegung um politischen Einfluss auf dem Balkan zu erlangen. Nun traten die die Bündnisverpflichtungen in Kraft: Dem Dreibund zwischen Deutschland, Österreich, Italien und Rumänien stand die Triple Entente zwischen England, Frankreich und Russland gegenüber. Außerdem kündigte sich die militärische Auseinandersetzung seit Jahren an. Die Marokkokrisen 1906 und 1911 mit dem “Panthersprung von Agadir”, bei dem sich deutsche und französische Kriegsschiffe feindlich gegenüberstanden, und die Balkankrise 1912/13 waren eindeutige Vorzeichen für einen europäischen Krieg. So folgte Generalmobilmachung auf Generalmobilmachung, Kriegserklärung auf Kriegserklärung bis ganz Europa im Krieg verstrickt war und es zu den Szenen kam, die man beim Gedanken an den 1. Weltkrieg im Kopf hat: Stellungskrieg in den Gräben in Verdun und uneingeschränkter U-Boot Krieg.
Ein politischer Mord an einem Thronfolger ist natürlich nicht der Auslöser eines Krieges. Die Grund ist der Imperialismus, dem Streben nach einer Weltmachtstellung verbunden mit territorialer Expansion, der seit Ende des 19. Jahrhunderts die Welt prägte. Trotz der offiziellen Alleinschuld Deutschlands und seiner Verbündeten im Versailler Vertrag kann doch von einer gemeinsamen Schuld fast aller europäischen Mächte gesprochen werden.
Schleichwerbung bei “Gülcans Traumhochzeit”?
Veröffentlicht am | 19. 06. 2007 | 2 Kommentare
Neue Nahrung für weibliche Singles, die sich nach einem Prinzen sehnen: Gülcans Traumhochzeit mit Bäcker Kamps Sprößling Sebastian.
Nach einer Abszess-Behandlung im Krankenhaus besuchte der zukünftige Ehemann einen Kumpel, Chef eine PR-Agentur. Dieser betreut die Einführung eines, wie sich Kamps neutral ausdrückte, “Energydrinks”.
Damit auch der grenzdebilste Zuschauer bemerkt um welches aufputschende Getränk es sich handelt, drinken die beiden jungen Herren “Rushh“. Darüberhinaus ist der Raum über und über mit Rushh-Werbeplakaten gepflastert.
Betreibt ProSieben Schleichwerbung?
Nachtrag: Ich habe kurz Rushh gegoogelt: Mit großen Werbeaktionen wird versucht Rushh bekannt zu machen. Ein Energydrink für Prominente soll Rushh werden, indem man Autorennen für C- und D-Promis veranstaltet und “Deutschlands schärfste Partyluder” sucht, die sogenannten “Rushh Devils”.
Entpolitisierung von Symbolen
Veröffentlicht am | 19. 06. 2007 | 1 Kommentar
Sitze ich in einem beliebigen Café und beobachte dabei speziell die Mädchen kann man oft folgende Kombination beobachten: Hautenge Jeans, Chucks, Kreolen und ein Palästinensertuch. Ich bezweifle sehr, dass sie die politische Bedeutung des Tuches für den palästinensischen Freiheitskampf kennen. Ich bezweifle sehr, dass sie mit ihren Chucks ihre politisch linke Grundeinstellung ausdrücken wollen.
Was sind die Folgen? Birgt diese Entwicklung hin zum modischen Stück eine Chance um die Ziele breitenwirksam zu artikulieren? Oder werden die Symbole völlig entpolitisiert und verlieren über kurz oder lang ihre politische Bedeutung?
Interessanter Bericht dazu bei polylog.tv
Neues Theme
Veröffentlicht am | 19. 06. 2007 | Noch kein Kommentar
Kaum hab ich mich durch das Wordpress Theme benevolence gekämpft, damit es genau so aussieht, wie ich will, hab ich die Schnauze voll davon und will ein neues. So sind wir Frauen eben.
Ich habe mich jetzt für das Theme Typography entschieden. In den nächsten Tagen werde ich es noch individualisieren.
Ohren spitzen und Tränendrüsen öffnen: Hallelujah von Jeff Buckley
Veröffentlicht am | 17. 06. 2007 | 1 Kommentar
“Hallelujah” von Jeff Buckley ist wohl das schönste, traurigste, aber zugleich auch zuverversichtlichste Lied, das ich seit langem gehört habe. Leonard Cohen hat das Lied in den 80ern geschrieben und wurde seither viele Male gecovert. Doch Buckleys Version ist die beste, wie auch bei popkulturjunkie bestätigt wird.
Wie ich hier gelesen habe, ist “Hallelujah” im Dauereinsatz in den verschiedensten Filmen und Fernsehserien. Mir persönlich ist das Lied bisher nur in “die fetten Jahre sind vorbei” aufgefallen, wo die Stimmung gegen Ende des Filmes ganz massiv von dem Song beeinflusst wird.
Doch genug geschrieben. Ohren spitzen und Tränendrüsen öffnen – auf geht’s!
Hinterfotzigkeit: Der politische Kosmos der CSU
Veröffentlicht am | 17. 06. 2007 | Noch kein Kommentar
In der aktuellen Ausgabe der ZEIT habe ich einen bissigen, wirklich lesenswerten Kommentar über die Hinterfotzigkeit in der CSU gefunden.

Wenn ein Hinterfotziger einem anderen Hinterfotzigen Hinterfotzigkeit vorwirft, nähern wir und dem prallen politischen Kosmos der CSU. Keine andere Partei hat die Hinterfotzigkeit derart zur Kunst erhoben wie die weiß-blaue FJS-Erbgemeinschaft. Unvergessen etwa ist die 48-stündige offene Aussprache der 124 CSU-Landtagsabgeordneten Anfang des Jahres in Wildbad Kreuth, an deren Ende Erwin Huber und Günther Beckstein ihren Großen Vorsitzenden Edmund Stoiber unter vier Augen meuchelten. Eine einzige große Hinterfotzigkeit, die nur noch übetroffen wurde von den Gerüchten über Horst Seehofer und seine schwangere Berliner Geliebte, die zeitgleich den Weg in die Bild-Zeitung fanden.
Dass Seehofer kein Mann sein würde, der bei so viel Hinterfotzigkeit auf Dauer zurückstecken würde, hätte man sich denken können. Nun hat er seinerseits mit ein paar Gerüchten gedroht (“Ich weiß viel”) und damit Edmund Stoiber auf den Plan gerufen. Dem Großen gemeuchelten Vorsitzenden sind Gerüchte, Geliebte und Hinterfotzigkeit gleichermaßen fremd, weshalb er seine Parteifreunde nun wissen ließ, weder das Privatleben noch “vermeintliche oder wirkliche Drohungen” dürften “ein Mittel des politischen Wettbewerbs sein”.
Unterdessen hat der Spiegel enthüllt, dass die Gerchte über Seehofer gar nicht von bösen Parteifreunden, sondern von “geschwätzigen Bundestagssekretärinnen” in Umlauf gebracht worden seien. Die CSU ist überrascht. So viel Hinterfotzigkeit hätte sie den Damen gar nicht zugetraut.
