10. Mai 2012 0

Pro Homo

Von Katharina in Tagtäglich

Barack Obama hat sich für die Homoehe ausgesprochen. Endlich also. Obama hat nach seiner Wahl 2008 nämlich einige Unterstützer enttäuscht, gerade auch auch Homosexuelle. Die dachten nämlich, mit Obama hätten sie jemand auf ihrer Seite im Weißen Haus. Seine persönliche Haltung war aber nie klar.

Es dauerte drei Regierungsjahre, viele Diskussionen und Schlagzeilen auf den Titelseiten bis Homosexuellen offiziell in der Army dienen dürfen. Die Abschaffung dieser Regelung, die unter dem Namen “Don’t ask, Don’t Tell” bekannt ist, war bitte nötig. Jetzt also die Ehe, pünktlich zum Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen im November – aber: "Who cares? Mehr als Symbolpolitik kann Obama sowieso nicht machen, denn ob Homosexuelle heiraten dürfen ist Sache der einzelnen Bundesstaaten. Und die Ehe ist da nur die Spitze des Eisberges. Diskriminierung und Benachteiligung gibt es in den allermeisten Staaten auch bei der Adoption, dem Arbeitsmarkt und anderen Bereichen, wie die Grafik des Guardian zeigt. USA-weit könnte eine Entscheidung nur kommen, wenn die Streitfrage irgendwie an den Obersten Gerichtshof übergeben wird. Da sitzt mit Sonia Sotomayor mindestens eine Person, die auf jeden Fall positiv abstimmen würde.

Die Tatsache, dass Obama sich aber in dieser Frage, die neben der Abtreibung eine der großen kulturellen Debatten in den USA ist, endlich positioniert hat, ist sicherlich auch der massiven Kampagnenarbeit von LGBT-Organisationen wie der Human Rights Campaign und vielen anderen geschuldet (Zugegeben, es gibt auch genug Kampagnen der Gegenseite). Mit bunten Videos, die Unmengen an “Fuck”s beinhalten, sammelt zum Beispiel FCKH8 (“Fuck Hate”) Geld und Aufmerksamkeit:

8. April 2012 1

3 Mal Buch im Frühling

Von Katharina in Kulturelles

“Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt” von Haruki Murakami

Murakami war mal wieder super. Doch um was es in “Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt” geht, ohne zu viel zu verraten, ist schwierig. Das ist wohl auch der Grund, warum der Klappentext einerseits schon viel zu viel verrät, andererseits den Kern der Geschichte nur kaum trifft. Nur so viel: Das Buch ist zweigeteilt. Eines spielt in Tokio, wo ein Mitte 30-Jähriger aus seinem Alltag herausgerissen wird und in die Unterwelt (im wahrsten Sinne des Wortes) eintauchen muss. Der zweite Teil spielt in einer ruhigen, von der Außenwelt abgegrenzten Welt Stadt, in der die Menschen mit ihren Schatten auch ihre Seelen abgeben.

“Die 27ste Stadt” von Jonathan Franzen

Zu Jonathan Franzen habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Ich mag den Typ, stelle mich Schlangen, um ein Autogramm von ihm zu bekommen, kaufe mir Bücher von ihm, lese sie dann aber nicht. So habe ich seinen neuesten Roman "Freiheit” grundlos etwa zur Hälfte aufgehört zu lesen (wenn man fehlende Spannung nicht als Grund sieht). Auch bei der “27sten Stadt” (das schon seit ein, zwei Jahren ungelesen im Schrank stand) hätte es mich nicht so sehr tangiert, hätte ich niemals erfahren, wie die Geschichte ausgeht. Doch aus fehlender Alternative und Faulheit, mir ein neues Buch zu besorgen, habe ich einfach immer weiter gelesen, bis ich irgendwann die fast 700 Seiten durch hatte. Dabei ist die Story einer indischen Frau, die als Polizeichefin nach St. Louis kommt und dort mit krimineller Energie versucht Macht und Einfluss zu bekommen, durchaus spannend. Denn ihre Methode ist folgende: Menschen in persönliche Krisen versetzen und dann ihre fehlende Urteilskraft ausnutzen. So lässt sie zum Beispiel bei einem führenden Bauunternehmer der Stadt durch ihre Schergen erst den Hund töten und schreckt dann auch vor drastischeren Eingriffen in sein Familienleben nicht zurück. Ob ich es gut oder schlecht finde, dass einige lose Fäden nicht zusammengeführt werden, weiß ich nicht. Und: das Buch hätte auch mindestens 200 Seiten weniger haben können. Ich erwarte, dass ich irgendwann auch “Die Korrekturen” zumindest anfangen werde zu lesen. Ob auch ganz, sei dahingestellt. 

“Tannöd” von Andrea Maria Schenkel

“Tannöd” liegt bei meinen Eltern rum und geht gerade durch viele Hände in der Verwandtschaft. Die Geschichte des Mordes an einer Familie einem Einödhof ist spannend, erschreckend und bildet das bäuerliche Leben am Land in Bayern ganz gut ab (wenn ich dem, was mir so erzählt wurde, Glauben schenken darf). In Anbetracht des Hypes um das Buch, fehlt mir aber ein Twist, den es aber vielleicht auch gar nicht geben kann, weil die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. 

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14. Februar 2012 0

Froher Valentinstag!

Von Katharina in Mukke

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24. Januar 2012 0

Was ich in letzter Zeit so gemacht habe

Von Katharina in Medien

Manchmal gibt es tatsächlich Dinge, in die ich wahnsinnig gerne Enthusiasmus und Motivation hineinstecke – und nicht mal über den Aufwand oder sonstiges schimpfe (!). Dieses Zauberdings ist die Lautschrift, das Studierendenmagazin der Uni Regensburg. Meine Mitstreiter und ich haben in den vergangenen Monaten wesentlich mehr Zeit hineingesteckt als in die regulären Univeranstaltungen, schließlich waren da drei Perfektionisten auf einem Haufen. Und das ist dabei herausgekommen: Die Lautschrift, Ausgabe 12, zum Thema “Hysterie”.

Weil wir ja so wahnsinnig professionell sind, haben wir natürlich auch einen Pressetext:

Ob Weltuntergang oder Krise, EHEC oder Schweinegrippe, Anmeldefristen oder Flexnow – die Hysterie ist allgegenwärtig. Sie ist zum Treiber unserer Gesellschaft, Politik und Gefühlswelt geworden. Für die Studierenden-Zeitschrift der Uni Regensburg, Lautschrift, war das Grund genug, dieses Phänomen genauer unter die Lupe zu nehmen und zum Titelthema der neuen Lautschrift-Ausgabe zu machen.

Acht Autoren beschäftigen sich in ihren Beiträgen mit der »Dauerhysterisierung« der Gesellschaft, der Krankheitserreger-Hysterie, der Hysterie vor dem prophezeiten Weltuntergang 2012, der »Torschlusspanik« bei Studenten, der Job-Hysterie bei Lehramtsanwärtern, der Hysterie vor Abschlussprüfungen und, last but not least, mit der Bürokratie-Hysterie an der Uni Regensburg.

Wie gewohnt finden sich auch Themen über Uni, Gesellschaft, Kunst und Politik im Heft. Wie lässt sich ein Studium mit einem Kind bewältigen? Wer steckt eigentlich hinter den gelben Tonnen in den Cafeten? Wie schafft man es von einer Schokowaffelwerbung-Persiflage zu ProSieben? Die Antworten auf all diese Fragen könnt ihr ab dem 16. Januar in der neuen Ausgabe der Lautschrift nachlesen.

Die Antwort auf eine Frage sei schon einmal vorweg genommen: Wie schafft man es nun eigentlich, mit der Hysterie zu leben? Man muss sich daran gewöhnen. Und wem das Warten auf die Apokalypse zu lang wird, der kann sich nun die Wintersemester-Ausgabe der Lautschrift holen: diese Woche Dienstag bis Donnerstag mittags vor der Mensa, überall auf dem Campus oder direkt vor dem AStA-Zimmer. Werdet hysterisch und holt sie euch!

Ach ja, eine nigelnagelneue Webseite hat die Lautschrift auch.

Und hier ist das gute Ding. Richtig toll ist sie natürlich nur in gedruckt, aber diese Flash-Version erzeugt zumindest Magazin-Feeling.

Viel Spaß dabei! Kritik? Anmerkungen? – Nur her damit!

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13. Januar 2012 0

Perspektivenwechsel

Von Katharina in Mukke

Zwei tolle Lieder, in deren Videos gezogen wird, einmal aktiv, das andere Mal passiv.

Foals mit “Spanish Sahara”, was für’s Herz.

Astronautalis mit “The Wondersmith and His Sons”. Der kommt Ende Januar übrigens nach Regensburg!!!

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14. Dezember 2011 0

Nieder mit dem Standard!

Von Katharina in Tagtäglich

Ich bin es ja schon irgendwie Leid mich darüber aufzuregen. Seit 2007 ist die Wirtschaft in der Krise. Von der Finanzen zu den Schulden bis zum Euro. In meinem Studium spielt das keine Rolle. Gäbe es die Schlagzeilen nicht, im Hörsaal bekäme ich es nicht mit. Aber es tut sich ein bisschen was: In den vergangenen beiden Wochen hörte ich von Professoren mehr Verteidigungen der neoklassischen Wirtschaftstheorie als in den drei Jahren zuvor (also zwei), im Stile von “So scheiße ist es ja gar nicht” Nach zwei Minuten weiter im Stoff (Aber immerhin!). Alternative Erklärungen gibt es aber kaum. Robin Wells, ehemalige Professorin unter anderem am MIT, fordert jetzt neue Lehrpläne für die Einstiegskurse der Volkswirtschaftslehre. Der Text “We Are Greg Mankiw… or Not?” ist auf dem Blog des INET, dem “Institute for New Economic Thinking”, erschienen. 

Ich würde allen Professoren für die Hausaufgabe aufgeben, den Text zu lesen. Und den Studierenden auch. Ein Rundumschlag ist der Text, zum Schluss mit einem Aufruf an Dozenten und Dozentinnen ihre Lehrpläne zu überarbeiten. Sie beginnt damit, dass die meisten Einführungskurse das Buch zur Makroökonomie von Greg Mankiw benutzen. Auch in meinem Regal steht es normalerweise, gestern habe ich es aber jemanden ausgeliehen. Und an genau diesen Greg Mankiw, dem Standardautoren aller Standardwerke für Standardmakroökonomie, haben haben die Studenten ein Protestbrief geschrieben, in dem unter anderem stand: “There is no justification for presenting Adam Smith’s economic theories as more fundamental or basic than, for example, Keynesian theory.”

Vier Vorschläge bringt Wells, um die Lehre in der Volkswirtschaftslehre zu reformieren:

Provide Context.   Compared to past years, instructors need to acknowledge the limits of free markets earlier in their courses. Students should understand the difference between the conceptual importance of free markets and their real world limitations. Explain that much of the current economic distress arises from markets that don’t behave competitively — the labor and financial markets.

Build Trust.  Trust is built when the instructor compensates for the one-sided nature of the relationship by treating students’ viewpoints with respect.  And this is where the art of the perceptive instructor is most likely to be needed.  For example, to the microeconomics student who protests that Keynes and Adam Smith should be given equal time, respond that the issue boils down to why some economists believe that the labor market doesn’t always clear while others believe that its does.  Then take a few minutes to discuss each side of the debate.   Yet, also make clear that valuable class time won’t be wasted on debating viewpoints that are contradicted by the data.

Address Distributional Issues.  The dramatic rise in U.S. income inequality compels us as instructors to address it.  While international trade and educational differences have clearly contributed to some of the rise, it’s clear that they are only partial explanations: they can’t explain the explosion of income gain at the top 1% of the income distribution, and particularly at the top 0.1%.  We shouldn’t extol the benefits of markets while ignoring today’s highly skewed distribution of the benefits.  While there is no single definitive explanation, there are many factors that are feasible topics in class: moral hazard and the setting of CEO compensation, the decline of countervailing forces such as unions and higher marginal tax rates at the top end, deregulation, asset bubbles and the financialization of the U.S. economy.  And then discuss: to what extent is the level of income inequality a legitimate policy target?

Finally, Adopt Some Humility.  It’s true that those of us who weren’t in the business of teaching Gaussian pricing formulas for CDO’s or touting the benefits of homeownership via sub-prime mortgages aren’t directly responsible for the economic mess we’re in.  But in the eyes of many students we are culpable to the extent that we dismiss the need for some re-think of the deference accorded to free markets in how we teach economics as applied to the real world.  Again, I want to emphasize that we make the distinction between communicating the importance of free markets as an intellectual building block and the frequent mis-use of free market concepts when it comes to making real world policy choices.  Lastly, in a world of liquidity-trap macroeconomics, soaring income inequality and an exploding Eurozone, we are going to have to admit that there are areas in which the profession just doesn’t know what the right answer is. 

Wäre es wert, den Text auf Deutsch zu übersetzen? Ich überlege, aber es ist ein Haufen Arbeit.

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28. November 2011 3

Ableiten und Null setzen: Wie Mathematik Ideologie sein kann

Von Katharina in Tagtäglich

Der Mathematiker Claus Peter Ortlieb spricht mit dem Wirtschaftsmagazin “Brandeins” darüber, wie die Mathematik von der Volkswirtschaftslehre eingenommen wird – und er das gar nicht gut findet. Ortlieb forscht zu mathematischen Modellen. Wie in allen Gesellschaftswissenschaften gibt dort aber das Problem, dass keine Experimente durchgeführt werden können. Einmal Griechenland nur zu Probe aus dem Euro schmeißen, um zu schauen, wie sich das auswirkt, ist nicht drin. “Die Zahlen beruhen nicht auf Erfahrung, sie sind eine reine Prognose und das Ergebnis von mathematischen Modellen”, so der Mathematiker.

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Sonstige Themen, des relativ langen, wahnsinnig interessanten Interviews: Wie die Mathematik in den letzten Jahrhunderten immer wichtiger wurde, warum Noten keine große Aussagekraft haben und dass konkrete Zahlen bei der Klimaerwärmung wissenschaftliche Hypothesen nicht umfassend ausdrücken.

Aber zurück zur VWL und Ortliebs Aussagen dazu.

Über die Volkswirtschaftslehre und ihr Verhältnis zur Mathematik und Naturwissenschaften:

Die herrschende Volkswirtschaftslehre ist eigentlich eine bloß noch mathematische Disziplin, sie erstellt mathematische Modelle, die man real nie nachbauen könnte und die trotzdem verwendet werden, um auf deren Grundlage Berechnungen anzustellen und komplexe ökonomische Vorgänge auf wenige Zahlen zu reduzieren. Auch dort wird versucht, das Reale mit dem Unmöglichen zu beschreiben. Im Prinzip ist das derselbe Vorgang, nur kann man die Ableitungen aus Annahmen des mathematischen Modells, das ja nichts anderes ist als ein fiktiver Idealzustand, nicht im Experiment mit der Wirklichkeit verbinden, so, wie es die Naturwissenschaften können. Schon aus diesem Grund ist es legitim zu bezweifeln, dass man in der Volkswirtschaft überhaupt Mathematik einsetzen darf. Dazu kommt, dass ökonomische Prozesse letztlich von Menschen gemacht werden und nie naturgesetzlich ablaufen. Menschen haben immer Entscheidungsfreiheit. In den Naturwissenschaften ist es möglich, von Gesetzmäßigkeiten auszugehen und Prozesse eindeutig determinierbar zu beschreiben, wenn ich ihre Bedingungen kenne. Sobald der Mensch ins Spiel kommt, ist das anders, erst recht, wenn sein Verhalten im komplexen gesellschaftlichen Raum betrachtet wird. Geschichte wird gemacht. Sie ist kein Naturprozess, der einfach so abläuft. Die neoklassische Lehre blendet das aus und kommt zu absurden Ergebnissen.

Über Märkte:

Das geschieht etwa dadurch, dass die per se anzweifelbare mathematische Methode innerhalb der Volkswirtschaftslehre auch noch falsch angewandt wird. Die neoklassische Lehre vom Markt etwa wird fälschlicherweise vom Gütermarkt auf andere Märkte übertragen. Der Gütermarkt wird über Angebot und Nachfrage beschrieben. Angebot ist eine monoton wachsende Funktion des Preises und Nachfrage eine monoton fallende Funktion des Preises. Diese beiden Linien kreuzen sich irgendwo, und da entsteht das Gleichgewicht, auf das sich der Markt einstellt. Der Anschaulichkeit halber wird das mit dem berühmten Bild eines Marktplatzes beschrieben, auf dem sich Anbieter und Nachfrager treffen und die Preise aushandeln. So fangen alle VWL-Lehrbücher an, die sich kreuzenden Linien der Funktionen aus Angebot und Nachfrage bilden das sogenannte Marshall-Kreuz, das jeder VWL-Student kennt. Und dann der Fehler: Dieses Modell wird auf Teufel komm raus auf alle möglichen Situationen angewandt, etwa den Arbeitsmarkt.

Warum die Annahmen des Gütermarktes nicht unbedingt auch für den Arbeitsmarkt gelten:

Im Niedriglohnbereich ist die Annahme einer monoton wachsenden Angebotsfunktion nicht korrekt. Wenn ich die Löhne senke, muss jemand, der davon leben will, mehr arbeiten, um auf dieselbe Summe zu kommen. Die Modellannahme geht aber davon aus, dieser Jemand würde dann weniger arbeiten, weil der Einsatz seiner Arbeitskraft für ihn nicht attraktiv ist. Das geht an der Wirklichkeit vollkommen vorbei, wird aber einfach so behauptet und als Argument gegen Tarif-oder Mindestlöhne herangezogen. Wenn diese zu hoch angesetzt würden, könne sich das Gleichgewicht nicht einstellen, und es entstehe Arbeitslosigkeit. Das ist die herrschende Auffassung der neoklassischen Volkswirtschaftslehre. Man kann Bücher von Harvard-Professoren lesen, die, bezogen auf den Arbeitsmarkt, so argumentieren, obwohl sie hundert Seiten vorher in einem anderen Modell nachgewiesen haben, dass die Annahmen keineswegs erfüllt sind.

Über Mathematik als Ideologie:

Man kann sich jedenfalls schwer vorstellen, dass jemand das aus Versehen macht, schon gar nicht, wenn es sich um ein Buch handelt, das inzwischen in der dritten Auflage erschienen ist. Die neoklassische Lehre der Volkswirtschaft geht von einer Art Harmonielehre der Märkte aus. Wenn man die Märkte sich selbst überlasse, stelle sich alles zum Besten ein. Zum Beleg dieser Meinung werden Scheinargumente benutzt, die sich der Mathematik bedienen und sie missbrauchen, um Ideologie zu transportieren. Die Mathematik eignet sich hierfür sehr gut, weil sie die Erfolgsgeschichte der exakten Naturwissenschaften auf ihrer Seite hat und in Bezug auf Exaktheit das Maß aller Dinge ist. Was mathematisch exakt berechnet wurde, kann doch nicht falsch sein. Deswegen vertrauen viele Menschen auch den Informationen, die in Gestalt von Zahlen daherkommen. Zahlen scheinen vordergründig leicht nachvollziehbar, gerade auch in wirtschaftlichen Zusammenhängen.

Warum das BIP als Maß für Wirtschaftsleistung kaum etwas aussagt:

Es ist zum Beispiel im Grunde irrsinnig, die Wirtschaftsleistung Deutschlands auf eine einzige Zahl zu bringen, das Bruttoinlandsprodukt, das dann jedes Jahr wachsen muss, damit die Welt in Ordnung ist. Die Zahl als solche ist vergleichsweise nichtssagend im Vergleich dazu, was hinter dieser Zahl an menschlichem Handeln steht.

Nochmal der Link: Die Welt lässt sich nicht berechnen. Schlauer Mann.

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16. November 2011 2

Zur Vollversammlung der Uni Regensburg

Von Katharina in Tagtäglich

Vor wenigen Minuten ist die Vollversammlung der Studierenden an der Uni Regensburg zu Ende gegangen. Das wichtigste Resultat nach drei-stündiger Diskussion: Die Verwaltung der Uni Regensburg wird sofort besetzt. Nach einer halben Stunde kam die Revision. Die Versammlung war nicht beschlussfähig. Und das ist auch gut so. Falsche Nachricht: Die Verwaltung ist doch besetzt.

Denn: Eine Besetzung soll das allerletzte Mittel des Protests sein. Hier ist es aber gerade umgekehrt: Bevor irgendwelche anderen Mittel zu Rande gezogen werden, wird besetzt. Genau das war auch schon der Fehler bei der Besetzung des H2 vor ziemlich genau zwei Jahren: Es gab keine KONKRETEN Forderungen und Ziele. Das hat die Studierendenschaft eher gegen die Besatzer aufgebracht.

Klar, kann man da sagen: Die Occupy-Bewegung hat auch keine klaren Forderungen, aber trotzdem Gewicht. Ja, das haben sie, aber deshalb, weil sich viele Menschen mobilisieren lassen. Das kann von der Uni Regensburg nicht behauptet werden (Was ich von der Besetzung mitnehmen konnte: Ein gratis Auftritt des Kabarattisten Josef Hader).

Der Beschluss zur erneuten Besetzung war in meinen Augen undemokratisch. Abgesehen davon, dass erschreckend wenige zu der Vollversammlung erschienen sind (ich schätze, dass zu Beginn die Plätze des Audimax’ zu etwa 2/3 besetzt waren), sind zusätzlich in den folgenden zwei Stunden immer mehr Leute abgehauen, sodass zum Schluss vielleicht 100, vielleicht auch 200 Studierende darüber abgestimmt haben, ob die Uni besetzt werden soll. (Ich habe dagegen gestimmt).

Egal, ob man die erneute Besetzung für sinnvoll hält: Das Desinteresse der Studenten und Studentinnen an der Uni an Mitbestimmung ist erschreckend! Wie erwähnt, war der Audimax nicht annähernd voll besetzt und das bei über 20.000 eingeschriebenen Leuten. Und ich wage zu behaupten, dass der Großteil Dinge am Unisystem auszusetzen hat: Seien es die Studienbeiträge, das Bachelor-Master-System, die fehlende Grundfinanzierung durch die Landesregierung in München, die überfüllten Hörsäle oder auch nur die fehlenden Parkplätze und vollgestopften Busse des RVV.

Und dann kommt der Vorwurf auf: “Die labern doch nur und bringen eh nichts zu Rande”. Das liegt aber daran, dass die Studierenden keine Macht haben. Bayern ist das einzige der 16 Bundesländer, in denen die Studenten und Studentinnen kein Mitbestimmungsrecht haben – und zwar schon fast 40 Jahren. 1973 hat die Landesregierung die Parlamente, Asta usw. abgeschafft und zwar mit “um den terroristischen Sumpf trocken zu legen.” Das ist natürlich ein Witz!

Meiner Einschätzung nach, kann das aber nur durch einen Weg verbessert werden. Ihr müsst zu den Hochschulwahlen gehen! Würde ich in der Staatskanzlei oder dem Kultusministerium sitzen und dann sehen, dass die Wahlbeteiligungen Jahr für Jahr unter 20 Prozent liegen, dann würd ich mir auch denken: Die haben doch keinen Bock darauf. Dass das natürlich auch daran liegt, dass sich jeder der Machtlosigkeit der Gremien bewusst ist, ist ein Teufelskreis.

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