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move your ass and your mind will follow

Mein Kommentar zu Sarrazin

Veröffentlicht am | 02. 09. 2010 | 2 Kommentare

Ziemlich lange Zeit stand da oben unter schafott.net nicht “move your ass and your mind will follow”, sondern ein Satz, der mein Einziger zu Thilo Sarrazins Aussagen/Buch/Interview sein soll: “Si tacuisses, philosophus mansisses”, was zu Deutsch heißt: “Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben”.

Lateinunterricht war doch nicht völlig umsonst.

Die nächste Milliarde: Die Konsumenten des 21. Jahrhunderts

Veröffentlicht am | 30. 08. 2010 | 4 Kommentare

Brasilien ist die neue Figur auf dem Spielfeld der großen Wirtschaftsmächte oder sitzt zumindest auf der Bank und wartet auf seinen großen Auftritt. Spätestens 2014 wird es soweit sein, wenn Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft austragen wird und zwei Jahre später die Olympischen Spiele in Rio stattfinden werden.

Fast 200 Millionen Menschen leben in Brasilien, und langsam steigt der Wohlstand. Der Schweizer Konzern Nestlé war einer der ersten, der diesen riesigen Markt erkannte, ihn untersuchte und mit speziell auf ihn ausgerichteten Produkten bedient. Doch nicht nur was verkauft wird, hat der Konzern verändert, sondern auch das wie. Denn in den Favelas gibt es keine Supermärkte, weshalb selbstständige Verkäuferinnen von Tür zu Tür gehen und Kondensmilch oder Fertigprodukte verkaufen. So verdient nicht nur Nestlé daran, sondern auch ein Heer an Verkäuferinnen. “Hausfrauen-Ökonomie” nennt der Brasilien-Chef von Nestlé dieses Mikro-Verteilsystem, das die Armen als Nachfrager ernst nimmt. In der Reportage Boom, Boom, Brasilien zeigt das Schweizer Das Magazin, wie dieses System funktioniert:  

Die Weltwirtschaft braucht neue Kunden, und sie findet sie ganz unten, am Fuss der Bevölkerungspyramide. Im Westen ist Krise, doch in den Boom-Staaten der zweiten Welt gibt es potenzielle Konsumenten in Massen, in Brasilien, in China, in Indien, auch in Russland, Südafrika, Indonesien, Thailand. “The Next Billion” heissen sie in der Sprache der Ökonomen, die nächste Milliarde Menschen, die den Aufstieg in die Mittelschicht schafft. Man hofft auf sie, man rechnet mit ihnen. Historisch bilden sie die dritte grosse Welle, die sich Richtung Wohlstand aufmacht, nach dem Industrie-Proletariat im Europa des 19. Jahrhunderts und den Baby-Boomern in der westlichen Welt zwischen 1950 und 1980. Sie sind nicht reich, aber zahlreich. Sie ziehen weg vom Land, wo die Armut ist, an die Ränder der Städte, wo es Möglichkeiten gibt, nach Mumbai, Peking, São Paulo. Sie verdienen plötzlich mehr als 2 Dollar pro Tag, internationale Armutsgrenze für Entwicklungsländer, sondern vielleicht 10 oder 20. Noch immer kämpfen sie ums Überleben, aber nicht mehr an jedem Tag, und in guten Wochen können sie sich etwas leisten. Sie kaufen oder leasen Fernseher, Mobiltelefone, Kleider, Möbel, Waschmaschinen, Stereoanlagen, Computerspiele, Gebrauchtwagen. Sie haben nicht immer alle genug zu essen, aber alle zusammen essen sie sehr viel. Und manchmal gönnen sie sich eine Dose gesüsste Kondensmilch von Nestlé.

Sankt Nimmerlein

Veröffentlicht am | 20. 08. 2010 | Noch kein Kommentar

Christliche Heiligenbilder finden sich heute höchstens noch in Gebetsbüchern alter Leute. Der Künstler Gould konzipierte im Stile solcher Bilder neue Heilige: “Die Ausgangsfrage ist folgende: Für welche aktuell drängenden Probleme könnte es (im übertragenen Sinne) neue Heilige brauchen?”

St_Spekulatius

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

via Spreeblick

Outgesourcte Gewalt

Veröffentlicht am | 19. 08. 2010 | 1 Kommentar

Das Internet ist ja sowieso an allem Schuld, denn im Web gibt’s ja nichts außer Porno, Grausamkeit und Gewalt, so die Meinung derer, die es nicht nutzen und sich E-Mails ausdrucken. Und überhaupt, früher war ja alles besser. Dazu beim “Deus Ex Machina”-Blog der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:  

Unsere Großeltern und wahrscheinlich jede Generation vor ihnen haben Grauen dieser Art auch gesehen. Bloß lag neben ihnen dabei keine Tüte Chips. Es gibt mit Sicherheit eine ganze Reihe von Theorien, die ich alle nicht kenne, zu der Frage, ob wir in einer keimfreien Welt, in der das Grauen in die Altenheime, Krebsstationen oder nach Afghanistan outgesourcet worden ist, einen Ersatz brauchen in abgemilderter, wegklickbarer Form. Ich bräuchte ihn nicht, von mir aus könnte das ganze Netz aussehen wie ein Rosamunde-Pilcher-Film im ZDF. Aber die meisten Menschen lieben den Grusel, schließlich sind wir auch alle mit Märchen, in denen es selten mal ohne Kannibalismus oder Kindermord ging, aufgewachsen.

Yunnan und das Heroin

Veröffentlicht am | 05. 08. 2010 | Noch kein Kommentar

Drogen sind in China streng verboten, Süchtige werden in Arbeitslager gesteckt und auf Drogenbesitz folgen hohe Haftstrafen. Doch natürlich gibt es auch in China Drogen. Die Provinz Yunnan liegt an der Grenze zu Burma und Laos, die zusammen mit Thailand das Goldene Dreieck bilden, dem Zentrum für Heroinproduktion und -handel in Südostasien. Yunnan, das an zwei dieser drei Länder angrenzt, wurde so zum Transitland von Heroin ins chinesische Landesinnere. “Das Problem mit dieser Droge hat in Yunnan die Ausmaße einer Epidemie. Und Heroin spielt eine fürchterliche Rolle in der Ausbreitung von Aids”, sagt der amerikanische Fotograf Rian Dundon, der in China lebt in einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung. Und weiter:

Ich wusste, dass Heroinsucht und HIV in Yunnan verbreitete Probleme sind, aber es gab keine journalistischen Arbeiten über die betroffenen Menschen. Als ich aber in Kunming ankam, habe ich relativ schnell festgestellt: Die meisten Heroinsüchtigen gehören nicht zu Chinas Jugend. Sie sind um die 30 bis 40 Jahre alt, während die jungen Menschen eher in Richtung Partydrogen wie Ecstasy und Speed gehen. Die Beliebtheit von Heroin scheint in den Neunziger Jahren ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

Heroin and HIV Harm Reduction in South-West China

Das folgende Foto hat es mit besonders angetan:  Am Welt-Aids-Tag in der Innenstadt Kunmings.

Heroin and HIV Harm Reduction in South-West China

Die gesamte Fotostrecke gibt es auf der Website von Rian Dundon. Auch die Serie “Chinese Youth” ist sehr interessant und gibt einen Einblick in das Leben von Jugendlichen abseits der Metropolen Beijing und Shanghai.

The Empathic Civilisation

Veröffentlicht am | 02. 08. 2010 | Noch kein Kommentar

Lesenswert: Produktivität und Tod

Veröffentlicht am | 31. 07. 2010 | Noch kein Kommentar

Liebe Grüße aus meinem griechischen Büro – Die Euro-Krise schwor in Deutschland das Bild der faulen Griechen herauf. Schweizer Journalisten machten sich auf nach Griechenland, Italien und Spanien, um herauszufinden, was dran an ist, am dem Vorurteil der faulen Südländer. 

Sicher ist nur eines: Die kulturellen Bedingungen, die ein Land bestimmen — seine Traditionen, die Konfessionsgeschichte, die politische Geschichte, ja selbst die geografischen Bedingungen —, all dies prägt die Mentalitäten, und all dies hat einen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg. (…) Die dramatischen Unterschiede bei den Fortschritten verschiedener Entwicklungsländer scheinen die These zu bestätigen. Warum hat Asien während der letzten zehn Jahrzehnte einen so beeindruckenden Schritt nach vorne machen können, während der afrikanische Kontinent in weiten Teilen stagniert? Warum konnte Südkorea in vier Jahrzehnten zu einem prosperierenden Land werden, während Ghana bis heute ein Entwicklungsland geblieben ist?

Doch so einfach darf man es sich nicht machen. Sie berichten von einem gewaltigen griechischen Staatsapparat, den jede neue Regierung weiter ausweitete, dem jedoch irgendwann die Arbeit ausging und so anfingen, alles zu regulieren, von spanischem Tourismus und den Unterschieden zwischen Norditalien und dem Süden des Landes. 

Warum starb Susan Waade?Nochmal Griechenland: Eine junge Frau wird tot in ihrer Wohnung in Athen aufgefunden. Die Polizei geht anfangs von Selbstmord aus, irgendwann versanden die Ermittlungen. Die in Deutschland lebende Mutter wandte sich an den Journalisten Michalis Pantelouris, der Sache nachgehen will und zwar in Form einer Live-Reportage. Am 21. Juli wird er von Deutschland nach Griechenland reisen und recherchieren wie es zu dem Tod Waades kam und alle seine Erkenntnisse, Dokumente, Aufzeichnungen quasi in Echtzeit online stellen – ohne Wertung.

Warum erzählt man diese traurige Geschichte nicht ausufernd und kompliziert, warum gibt man nicht allen Lesern, die es interessiert, die Möglichkeit, sich ein Bild zu machen, ohne sich vorher zu entscheiden? Ohne es vorher in Rahmen zu pressen wie “Skandal” oder “menschliche Tragödie”? Warum berichtet man nicht das, was man herausfindet, während man es herausfindet, egal, wie wichtig oder nebensächlich das jetzt für irgendeine These ist? Das Internet gibt uns die Möglichkeit, warum probieren wir es nicht aus?

Einer spannendes Konzept, das bei der Neon verfolgt werden kann.

Bei Regen kommt der Tod – Seit 30 Jahren sterben in der chinesischen Provinz Yunnan im Sommer immer wieder Menschen. Junge, alte, Kinder; manche schnell, andere langsamer. Keiner konnte sich erklären warum und schnell gab es einen Mythos um das “Yunnan Sudden Death Syndrome”. Doch in den vergangenen Jahren kamen Mediziner auf die Spur des rätselhaften Todes: Bei vielen Opfern fanden sich Spuren eines Pilzes, “dem kleinen Weißen”. Es überrascht mich, dass niemand wusste, dass der Pilz giftig ist und es überhaupt noch kaum erforschte Pflanzen gibt. 

Vampire Weekend – Exit Music

Veröffentlicht am | 30. 07. 2010 | Noch kein Kommentar

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